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Bisporella an Brombeere

Maren ⌂, (vor 5728 Tagen)

Hallo zusammen,
ich habe hier eine Bisporella an Brombeere.
Schwefelgelb mit einem Durchmesser bis 1,2 mm.
Sporen alle einfach-septiert 9-11 x 2,5 - 3,5 µm Durchschnitt 10,05 x 3. Asci Jod negativ, Paraphysen zylindrisch bis lageniform mit schwefelgelbem Inhalt bis 4 µm an den dicken Stellen sonst 2 µm.
Unheimlich schwer auseinanderzukriegen, das Teil, sehr zäh, deshalb sind die Mikrobilder so schlecht.
Kann das B. claroflava sein, oder doch B. sulfurina?
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Gruß Maren

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Re: Bisporella an Brombeere

Ingo Wagner, (vor 5728 Tagen) @ Maren

Kann das B. claroflava sein, oder doch B. sulfurina?

Hallo Maren!

Da sprichst du ein Thema an, das mir auch nicht ganz klar ist.
Ich schätze beinahe, dass claroflava und sulfurina das gleiche sein könnten.

Ich glaube, irgendwie war Quelets Typus-Material von sulfurina nicht mehr zu gebrauchen.
Womöglich hat man deswegen einfach einer neueren Beschreibung den Vorrang gegeben:
(Bisporella claroflava (Grev.) Lizon & Korf 1995).

Sicher bin ich mir nicht, aber es ist schon auffällig, dass auf der Zotto-DVD im Schlüssel nur B. sulfurina (ohne claroflava) geschlüsselt wird, es aber Mikrozeichnungen nur von claroflava gibt.

Wann hast du denn den gefunden? Doch nicht etwa jetzt und an Brombeere? Das wäre wirklich unverschämt von dir.
Deine Mikrobilder sind doch schön, weiß gar nicht, was du da hast!
Bild 2+3 dürften allerdings die Marginalzellen darstellen, also die Zellen vom Apothezienrand, die Paraphysen brauchen also durchaus nicht so angeschwollen zu sein, sind aber mit gleichem Inhalt.

War eigentlich ein Bezug zu Pyrenomyceten nachvollziehbar?

VG Ingo W

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Re: Bisporella an Brombeere

Maren ⌂, (vor 5728 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

Da sprichst du ein Thema an, das mir auch nicht ganz klar ist.
Ich schätze beinahe, dass claroflava und sulfurina das gleiche sein könnten.

aha, das ist das Problem, ich hatte mich schon gefragt, warum bei MycoKey nur B. claroflava erwähnt wird und B. sulfurina nicht.

Wann hast du denn den gefunden? Doch nicht etwa jetzt und an Brombeere? Das
wäre wirklich unverschämt von dir.

;-) Gefunden habe ich ihn vor zwei Wochen in einer frostfreien Periode am 15. Januar. Sie wuchsen rasig in dem Brombeerbestand auf fast jedem Stengel. Noch reichlich im Kühlschrank vorhanden, wenn du möchtest schicke ich ihn dir.

Deine Mikrobilder sind doch schön, weiß gar nicht, was du da hast!

Danke :-).

Bild 2+3 dürften allerdings die Marginalzellen darstellen, also die Zellen
vom Apothezienrand, die Paraphysen brauchen also durchaus nicht so
angeschwollen zu sein, sind aber mit gleichem Inhalt.

Vom Rand stammen die Bilder nicht. Das ganze Hymenium besteht aus diesen gelb gefüllten Zellen, während Asci kaum auszumachen sind.
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War eigentlich ein Bezug zu Pyrenomyceten nachvollziehbar?

Ja, aber die waren schon so tot, dass keine Mikroelemente mehr feststellbar waren. Hier sieht man die kleinen schwarzen Perethezien.
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Gruß Maren

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Re: Bisporella an Brombeere

Ingo Wagner, (vor 5728 Tagen) @ Maren

Hallo Maren!

Bei Myco-Bank gibt es den aber schon:
Bisporella sulfurina (Quél.) S.E. Carp. 1974

Vom Rand stammen die Bilder nicht.

Komisch. Die Inhalte sehen eigentlich fit aus, Sporen sind auch zu sehen. Da sollte man eigentlich meinen, dass zwischen den Paraphysen auch ab und an mal ein Ascus zu sehen sein müsste.

Das ganze Hymenium besteht aus diesen gelb
gefüllten Zellen, während Asci kaum auszumachen sind.

Deine Beschreibung passt auf unreife Apos, weil sich die Asci erst zuletzt entwickeln, aber dann sollten keine zugehörigen Sporen im Präparat herumschwimmen.

Ich denke auf jeden Fall, dass du mit dem Namen Bisporella claroflava nicht allzu falsch liegen dürftest.

VG Ingo W

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Re: Bisporella an Brombeere

Abt, (vor 5728 Tagen) @ Maren

Hallo Maren,
hier in Hamburg: Vor zwei Wochen auf Brombeere genau solche Dinger gefunden und nach elendigem Mikroskopieren irgendwann genervt aus dem Fenster gepfeffert...
Schöne Grüße,
Marcel

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Re: Bisporella an Brombeere

Ingo Wagner, (vor 5727 Tagen) @ Abt

Hallo Maren,
hier in Hamburg: Vor zwei Wochen auf Brombeere genau solche Dinger gefunden
und nach elendigem Mikroskopieren irgendwann genervt aus dem Fenster
gepfeffert...
Schöne Grüße,
Marcel

Hallo Marcel!

Hauptsache das Brombeerstück liegt feucht, darauf hast du doch geachtet beim Werfen?

VG Ingo W

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lol

Maren ⌂, (vor 5727 Tagen) @ Ingo Wagner

- kein Text -

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Re: Bisporella an Brombeere

Maren ⌂, (vor 5727 Tagen) @ Abt

Hallo Marcel,
... die scheinen ja wirklich verbreitet zu sein, die Wurfpilze, kenne ich auch einige.
LG Maren

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Re: Bisporella an Brombeere

MartinB, (vor 5727 Tagen) @ Maren

Meine "Lieblingsweitwurfgattung" heißt Mollisia. Der Weitwurfrekordversuch findet in der Regel bereits im Wald statt... (sorry Andreas ;-) ).

LG

Martin

Hallo Marcel,
... die scheinen ja wirklich verbreitet zu sein, die Wurfpilze, kenne ich
auch einige.
LG Maren

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Re: Bisporella an Brombeere

Ingo Wagner, (vor 5727 Tagen) @ MartinB

Meine "Lieblingsweitwurfgattung" heißt Mollisia. Der
Weitwurfrekordversuch findet in der Regel bereits im Wald statt... (sorry
Andreas ;-) ).
LG
Martin

Hi Martin!

Jedes Lebeweisen hat ja sein eigenes Konzept, optimal für die Arterhaltung zu sorgen.
Ich weiß, das ist relativ unbekannt (vielleicht sollte ich am 1.4. mal was dazu schreiben), aber bei Mollisia hat sich herausgestellt, dass die Verbreitung der Sporen in der gesamten Gattung am besten funktioniert, wenn die Becherchen von Stöckchendrehern oder anderem Pilzvolk (da soll´s ja noch was geben?) aufgespürt werden und kurz darauf wieder samt des Substrates im hohen Bogen dem ursprünglichem Fundort über den Luftweg zurückgegeben wird.

Eine nicht unbedeutende Rolle spielt dabei der auf Frust des Finders basierende Energie-Einsatz (Drallbewegung beim Flug des Substrates), die die optimale Ausschleuderung der reifen Sporen Untersuchungen zufolge bis fast 100% gewährleistet.

Spekulationen zufolge, ist die ganze Gattung Mollisia, wahrscheinlich auch Pyrenopeziza, inzwischen so auf dieses Zusammenspiel geprägt, dass man davon ausgeht, dass ohne Forscherdrang der Kleinpilzwütigen diese Gattungen akut gefährdet wären.

Dabei liegt es auf der Hand, dass sich gerade die Grauen, makroskopisch kaum voneinander unterscheidbaren Becherchen, momentan am besten verbreiten.

VG Ingo W

P.S.: über die verschiedenen Wurftechniken können wir uns ja später nochmal unterhalten.

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Re: Bisporella an Brombeere

DirkW, (vor 5727 Tagen) @ Ingo Wagner

Hi Martin!
Jedes Lebeweisen hat ja sein eigenes Konzept, optimal für die Arterhaltung zu
sorgen.
Ich weiß, das ist relativ unbekannt (vielleicht sollte ich am 1.4. mal was
dazu schreiben), aber bei Mollisia hat sich herausgestellt, dass die
Verbreitung der Sporen in der gesamten Gattung am besten funktioniert,
wenn die Becherchen von Stöckchendrehern oder anderem Pilzvolk (da soll´s
ja noch was geben?) aufgespürt werden und kurz darauf wieder samt des
Substrates im hohen Bogen dem ursprünglichem Fundort über den Luftweg
zurückgegeben wird.

hallo ingo,

interessante theorie! das würde bedeuten, dass mollisia-bestimmung ein ganz altes geschäft ist und schon in der steinzeit ein verbreitetes hobby war. klingt einleuchtend! viel zerstreuung gab es damals ja auch nicht.
sicher hat man die ersten mollisien zufällig entdeckt, während man mit
einem dicken knüppel nahrungskonkurrenten beseitigte. die erfindung des stöckchendrehens ...

schöne grüße
dirk

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Re: Bisporella an Brombeere

Ingo Wagner, (vor 5726 Tagen) @ DirkW

Hallo Dirk!

dass mollisia-bestimmung ein ganz
altes geschäft ist und schon in der steinzeit ein verbreitetes hobby war.
klingt einleuchtend! viel zerstreuung gab es damals ja auch nicht.

Im ersten Moment klingt das beinahe so als wenn du dich lustig machst?

Leider hast du und Gabor da etwas missverstanden. Diese geniale optimierte Art und Weise der Sporenverbreitung, ist keine Entwicklung, die es schon seit Urzeiten gibt. Nein, erst in den letzten ca. 200 Jahren ist diese Überlebungsstrategie nachweisbar, man kann also von einer Kurzanpassung und daraus resultierender Turbo-Arten-Entwicklung der gesamten Gattung Mollisia plus Pyrenopeziza und nah verwandte Arten sprechen. Das ist ja auch der Grund, warum sich viele Becherchen dieser Gattungen mikroskopisch und makrokopisch noch so ähnlich sehen.

Allerdings ist diese Anpasung auch immer regional beschränkt. In Gegenden, wo kaum "Stöckchenwerfer" hantieren (das kann man leicht auf Fundlisten nachprüfen), behaupten sich lediglich die Mollisia-Urformen wie Mollisia cinerea (Graues Weichbecherchen). In meinen Gefilden dagegen sind es wohl inzwischen um 20 halbwegs eideutig bestimmte und viele unbestimmte Arten. Und ich weiß, dass das nicht nur bei mir so ist. Schätze bei dir verhält sich das nicht viel anders.

VG Ingo W

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Re: Bisporella an Brombeere

Gábor, (vor 5726 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

ganz bestimmt wollte ich mich nicht über Dich lustig machen!

LG, Gábor

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Re: Bisporella an Brombeere

Ingo Wagner, (vor 5726 Tagen) @ Gábor

Hallo Ingo,
ganz bestimmt wollte ich mich nicht über Dich lustig machen!
LG, Gábor

Hallo Gabor!

Na gut, ganz verübeln würde ich es dir allerdings nicht!
:-)

VG Ingo W

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Re: Bisporella an Brombeere

Gábor, (vor 5725 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

jetzt bin ich aber doch erleichtert und froh.
Ich war mir nämlich der Ernsthaftigkeit Deines Beitrages nicht wirklich sicher.

Doch jetzt muss ich allerdings anmerken, dass ich so meine kleinen Schwierigkeiten mit dieser gerade mal 200 Jahre währenden Turbo-Evolutions-Theorie habe.

Diese klassische, immer noch in allen Lehrbüchern zitierte Geschichte von der durch Industrieabgase verursachte natürliche Auslese beim Birkenspanner hat sich ja leider auch nur als zwar lieb gewonnene, doch nicht mehr länger haltbare Theorie erwiesen.

Freilich kann das bei Molissien - bei denen ich zugegebenermaßen schon froh bin, sie als Gattung zu erkennen - und auch anderen 'Stöckchendreher-Pilzen' gänzlich anders sein.
Doch ich habe da so meine Zweifel, dass sich neue Artmerkmale bei Pilzen in so kurzer Zeit entwickeln könnten...

LG, Gábor

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Re: Bisporella an Brombeere

Ingo Wagner, (vor 5725 Tagen) @ Gábor

Hallo Gabor!

Diese klassische, immer noch in allen Lehrbüchern zitierte Geschichte von der
durch Industrieabgase verursachte natürliche Auslese beim Birkenspanner
hat sich ja leider auch nur als zwar lieb gewonnene, doch nicht mehr
länger haltbare Theorie erwiesen.

Kannst du da noch was für mich dazu sagen? Bin da nicht auf dem neuesten Stand.
Kann auch per PM sein, wenn du denkst, dass es zu weit vom Thema ablenkt (obwohl ich eigentlich glaube, dass es andere auch interessieren könnte).

VG Ingo W

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OT: umstrittene Evolutionstheorien

Gábor, (vor 5724 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

wenn man z.B.nach Birkenspanner, Industriemelanismus o.ä. im Internet sucht, wird man schnell fündig.
Und auch laut Wikipedia ist das Thema zumindest nicht unumstritten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Industriemelanismus

Da nun aber das Internet bekanntlich noch um ein vielfaches geduldiger ist als Papier und auch Wikipedia nich überall gleichermaßen als seriöse Quellenangabe akzeptiert wird, möge sich einfach jeder seine Eigene Meinung dazu bilden.

Jedenfalls wurden Zweifel an den Studien laut, da offenbar gezüchtete Falter zum Einsatz kamen, die dann auch noch von Hand an Plätzen ausgesetzt wurden, die sie normalerweise nicht aufsuchen würden, usw.

Es kann natürlich auch sein, dass es sich dabei einfach nur um die üblichen Machtkämpfe und Diffamierungsversuche unter Naturwissenschaftlern handelt.

LG, Gábor

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Re: Bisporella an Brombeere

Gábor, (vor 5726 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

ich denke auch, dass es sich so oder so ähnlich zugetragen hat, wie Dirk das beschrieb.

Nur hießen die ersten Stöckchendreher damals noch Knüppeldreher.
Weil aber der Sprachapparat für solche Zungenbrecher damals noch nicht weit genug entwickelt war, blieb es dann beim schlichten "Ugga-ugga".

Und ja, es stimmt: das Pilzaufkommen zurzeit ist nach dem kurzen und heftigen Aufblühen vor zwei Wochen fast wieder auf dem Nullpunkt hier in Kölle.
Interessanterweise kamen noch ein Paar Arten, die es im November vermutlich nicht mehr ganz geschafft hatten.

Doch jetzt sind meine Ciborien, auf die ich mich schon so gefreut hatte, alle gefriergetrocknet :-(

LG, Gábor

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Re: Bisporella an Brombeere

MartinB, (vor 5726 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

Deine Theorie zur Fortpflanzungsoptimierung innerhalb der Gattung Mollisia leuchtet mir völlig ein. Es wäre vielleicht noch gezielt zu beobachten, ob nicht seltenere Arten sich deshalb einer Tarnung bedienen, um z.B. mit M. lividofusca verwechselt zu werden. Ein Phänomen, das man in der Natur Mimikry nennt...
Ich sollte mich doch mehr mit Mollisien beschäftigen ;-)

Herzlich

Martin

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*RÄUSPER*

Andreas ⌂, (vor 5726 Tagen) @ MartinB

- kein Text -

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Re: *RÄUSPER*

MartinB, (vor 5726 Tagen) @ Andreas

Was denn...?

ich hab doch weiter unten schon alles wieder gut gemacht...
"Ich sollte mich doch mehr mit Mollisien beschäftigen" ;-)

Herzlich

Martin