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Glaubenskrise Dacrymyces tortus

Ingo Wagner, (vor 5723 Tagen)

Hallo!

Jahr und Tag war für mich klar, dass die folgenden Fruchtkörper nun eindeutig Dacrymyces tortus (Bräunliche Kiefern-Gallertträne) darstellen.
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Ist bei mir überhaupt nicht selten und findet man an algenschmierigen, unberindeten, auf dem Boden liegenden Kiefernaststücken. Aufgrund seiner bräunlichen Farbe ist er gut getarnt auf dem Kiefernholz.
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Mikroskopisch war er nach meiner bisherigen Ansicht relativ leicht bestimmbar: nicht septierte Sporen, Schnallen und im Alter verästelte Dikaryophysen
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Das passt alles wunderbar zur Göttel-Dissertation von 1983, in der BaWü-Flora sind die Hyphidien allerdings schon nur noch "apikal nicht oder wenig verzweigt", eine Alternative wäre dann nur noch D.enatus, der aber an Laubholz wächst und dessen Fruchtkörper Lothar hier mal am 15.8.2009 einstellte. Die sehen anders aus.

Im Index Fungorum wird unter "Synonymy Contributor" nun ein Link auf eine neuseeländische Seite gebracht, die alles wieder im anderen Licht scheinen lässt (tortus unter 11a):
http://nzfungi.landcareresearch.co.nz/html/data_keys_details.asp?NAMEPKey=17007&ID=&key...
Hier richtet man sich nach einem Schlüssel von MacNabb und die Art ist 1-3 fach septiert. Zum Haareraufen!

Kann jemand mal bei Reid 1974 nachschauen, was der für eine Meinung hat? Oder weiß jemand, ob man aus der Original-Diagnose schlau wird? Oder wie ich hier sonst weiter komme oder ob sich da der MacNabb vermacht hat oder eine andere, inzwischen überholte Meinung hatte?

VG Ingo W

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Re: Glaubenskrise Dacrymyces tortus

Ingo Wagner, (vor 5721 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo!

Also der Martin hat mir reichlich mit Literatur ausgeholfen, und so ist für mich folgendes zu Tage getreten.

Dacrymyces tortus ist wohl in der Vergangenheit von verschiedenen Autoren verschieden interpretiert worden, deshalb sahen Reid und Kennedy den Namen als Nomen ambiguum, und verwendeten stattdessen Dacrymyces punctiformis.

Geschlüsselt wird die Art bei MacNabb, Reid und Kennedy immer über Sporen 1-3 fach septiert, wobei MacNabb von schwach sichtbaren Septen spricht, Reid von Aufsammlungen berichtet, die nur unseptierte Sporen hatten und Kennedy nach der Aufschlüsselung 1-3fach septiert als Zusatz schreibt, dass die Regel eigentlich "nicht septiert" ist. Lustig, oder?

Also meine tortus-Sporen waren bisher immer nicht septiert, Martin hatte ihn auch mal im Forum, da waren auch keine zu sehen.

Merkwürdig ist, dass im Index Fungorm und auch in der Myco-Bank beide Arten separat geführt werden, keine Synonymisierung.

Das Referenzbild auf der Neuseeländischen Seite dürfte falsch sein.

VG Ingo W

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Re: Glaubenskrise Dacrymyces tortus

MartinB, (vor 5721 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

ich habe mir daraufhin nochmal die verworfenen Bilder dieser Kollektion vom letzten März durchgesehen und habe ein völlig unscharfes Sporenbild gefunden, wo man mit viel gutem Willen drei Septen reininterpretieren könnte...

Herzlich

Martin

Hallo!
Also der Martin hat mir reichlich mit Literatur ausgeholfen, und so ist für
mich folgendes zu Tage getreten.
Dacrymyces tortus ist wohl in der Vergangenheit von verschiedenen Autoren
verschieden interpretiert worden, deshalb sahen Reid und Kennedy den Namen
als Nomen ambiguum, und verwendeten stattdessen Dacrymyces punctiformis.
Geschlüsselt wird die Art bei MacNabb, Reid und Kennedy immer über Sporen 1-3
fach septiert, wobei MacNabb von schwach sichtbaren Septen spricht, Reid
von Aufsammlungen berichtet, die nur unseptierte Sporen hatten und Kennedy
nach der Aufschlüsselung 1-3fach septiert als Zusatz schreibt, dass die
Regel eigentlich "nicht septiert" ist. Lustig, oder?
Also meine tortus-Sporen waren bisher immer nicht septiert, Martin hatte ihn
auch mal im Forum, da waren auch keine zu sehen.
Merkwürdig ist, dass im Index Fungorm und auch in der Myco-Bank beide Arten
separat geführt werden, keine Synonymisierung.
Das Referenzbild auf der Neuseeländischen Seite dürfte falsch sein.
VG Ingo W

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Re: Glaubenskrise Dacrymyces tortus

Ingo Wagner, (vor 5720 Tagen) @ MartinB

Hallo Ingo,
ich habe mir daraufhin nochmal die verworfenen Bilder dieser Kollektion vom
letzten März durchgesehen und habe ein völlig unscharfes Sporenbild
gefunden, wo man mit viel gutem Willen drei Septen reininterpretieren
könnte...
Herzlich
Martin

Hallo Martin!

Diese Bilder sind wohl nicht geeignet, um Septen zu analysieren.

Es ist ja auch nicht so, dass ich die Art zum ersten Mal mikroskopiert habe. Auch einen zu jungen Zustand kann ich ausschließen, denn im Winter ist so einiges überreif, daran soll es nicht liegen.

Frau Göttel hat sich da sicher auch länger damit beschäftigt, sie gibt ja in ihrem Schlüssel unseptierte Sporen an ohne Bemerkung.

Natürlich werde ich wachsam bleiben bei weiteren Funden. Wichtig für mich war die Feststellung, dass die Aufschlüsselung "mit 1-3 Septen" ungünstig ist, wenn danach geschrieben wird, dass unseptiertsporige Kollektionen durchaus üblich oder sogar die Regel sind.

VG Ingo W