Pilze Pilze Forum
Erweitert
Suchen nach

Xerocomus bubalinus

Roswitha, (vor 5623 Tagen) @ jesko

Hallo Roswitha,
ich habe mir die Diskussion zu Deinem Fund angeschaut – es ist natürlich
völlig richtig, dass das Fleisch von Hexenröhrlingen rot oder rosa
verfärbt sein kann. Dennoch sollte die Richtung Hexenröhrling nicht die
einzige sein, in die man überlegen müsste – den Fotos nach will ich nicht
recht daran glauben. Und da stellt sich schon die Frage, ob die Pilze pink
waren oder eben „pinkten“! Sprich, ob sie im Anschnitt rosa verfärbten
oder schon rosa waren. Rötliche Verfärbungen im Anschnitt sind nämlich
auch bei europäischen Xerocomus-Arten (ss.l., eigentlich Xerocomellus,
d.h. Rotfüßchen i.w.S.) bekannt, und zwar bei X. bubalinus (Achtung: Fotos
unter diesem Namen im Netz zeigen vermutlich oft „nur“ Formen von X.
rubellus) und X. erubescens. Dein erster Eindruck war ja schließlich auch
der eines Filzröhrlings (Xerocomus ss.l.). Diese Gattung gibt es freilich
auch in Nordamerika, bzw. vorsichtig und exakter ausgedrückt (Gattungen
wie alle anderen Taxa auch existieren schließlich nicht in der Natur,
sondern nur in unseren Köpfen!), in Nordamerika kommen ein Teil „unserer“
Xerocomus-Arten sowie weitere Formen vor, die wir zu Xerocomus stellen
würden, nur die Anwendung dieses Gattungsnamen ist in Amerika nicht
üblich, und die entsprechenden Arten findet man unter Boletus und
Boletellus. Das hängt auch damit zusammen, dass die Artenvielfalt bei
Röhrlingen in Nordamerika viel größer ist als in Europa, und damit die
Inkohärenz des Gattungskonzepts Xerocomus ss.l. augenfälliger wird. Also
wurde Boletus als heterogene Großgattung beibehalten. Die große
Artenvielfalt macht natürlich das Bestimmen nicht leichter, und es braucht
gute Kollektionen. Einen Namen für Deinen Pilz habe ich also auch nicht,
würde ihn aber vielleicht eher bei den Filzröhrlingen (Xerocomus ss.l.
bzw. Xerocomellus – Rotfüßchenverwandtschaft) suchen.
Viele Grüße

Hallo Jesko,

mein Gefühl war auch, dass es etwas in der Rotfüßchenverwandschaft sein könnte.
Die Poren sind gelb, die Statur passt, der Stiel ist gelb und rot überfasert. Der Hut ist feinfilzig und offensichtlich rot unter der Huthaut, was man an den Fraßstellen erkennen kann.
Was mich gewundert hat, mal abgesehen vom "Pinken" war das intensive dunkle Blau
am verletzten Stiel und an den Poren des Hutstückes, das ich abgebrochen hatte.
Das "Rosawerden" trat erst nach den Abbrechen (ich hatte ja kein Messer dabei) auf, aber sehr schnell. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass die Farbe zur Huthaut hin intensiver ist und oberhalb der Röhren ist es schon hellblau. (Da passt die Beschreibung von X. bubalinus sehr gut)
Über Nacht gingen die ganzen Verfärbungen weg und Hut und Stielfleisch waren gelb. Wenn die Verfärbung von vorne herein dagewesen wäre, hätte sie dann nicht bleiben müssen? Ich habe das entfärbte, abgebrochene Stück Hut noch einmal entzwei gebrochen und das pinke Wunder wieder erlebt.

In meinen beiden besseren amerikanischen Pilzbüchern, National Audubon Society Field Guide to North American Mushrooms und Mushrooms and Other Fungi of North America von Roger Phillips bin ich leider nicht fündig geworden (ich weiß schon, dass ich ich hier bei Boletus suchen muss, das war eher als Scherz gemeint). Nachdem ich jetzt noch ein wenig gegoogelt habe und gesehen habe, dass X. bubalitus auch an den Poren bei Berührung ziemlich dunkelblau wird,
denke ich, das könnte sehr gut hinkommen.

Vielen Dank für deinen Tip.

Roswitha

Eintrag gesperrt

gesamter Thread: