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Fragen Bitter-Wahrnehmung Gallenröhrling

huehnchen69, (vor 5624 Tagen)

Hallo zusammen,

Erst letzten Sommer erfuhr ich, dass es auch Menschen gibt, die den Bitterstoff im Gallenröhrling nicht wahrnehmen.
Umso erstaunter war ich, dass unter den wenigen (vielleicht 10-12?) Leuten, die ich danach probieren ließ, allein schon 3 waren, bei denen das der Fall war. Gut, zweie waren verwandt, vermutlich ist das erblich.

Meine Fragen wären: Hat jemand eine Ahnung, wieviel Prozent der Menschen ungefähr davon betroffen sind? Und bezieht sich das dann *nur* auf den Gallenröhrling-Bitterstoff, oder können die Betroffenen "bitter" generell nicht wahrnehmen?

Liebe Grüße und schon mal tausend Dank im voraus von einer leider nicht betroffenen
Sabine

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Re: Fragen Bitter-Wahrnehmung Gallenröhrling

Ulysses, (vor 5624 Tagen) @ huehnchen69

Hallo Sabine,

zur Wahrnehmung bzw. Nicht-Wahrnehmung des bitteren Geschmacks bei Gallenröhrling und Co. kann ich nur soviel sagen, dass z. B. starke Raucher den Gallenröhrling ohne "Geschmacksverirrungen" essen können (dies ist mir zum einen aus meinem Bekanntenkreis vertraut, zum anderen aber auch im Buch "Pilze sicher bestimmt" von K. Bickerich-Stoll beschrieben).

Zusätzlich kann ich aber ergänzen, dass ich (als Nichtraucher) den scharfen Geschmack des Brennenden Rüblings (Gymnopus peronatus) nicht schmecken kann... offensichtlich gibt es also wohl mehrere Varianten dieser Nichtwahrnehmung, vielleicht so ähnlich wie es Zungenroller und -nichtroller gibt.

Schöne Grüße,

Ulysses

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Re: Fragen Bitter-Wahrnehmung Gallenröhrling

Toffel, (vor 5624 Tagen) @ Ulysses

Hallo Ulysses!

zur Wahrnehmung bzw. Nicht-Wahrnehmung des bitteren Geschmacks bei
Gallenröhrling und Co. kann ich nur soviel sagen, dass z. B. starke
Raucher den Gallenröhrling ohne "Geschmacksverirrungen" essen
können (dies ist mir zum einen aus meinem Bekanntenkreis vertraut, zum
anderen aber auch im Buch "Pilze sicher bestimmt" von K.
Bickerich-Stoll beschrieben).

Welche Auflage hast du? In der 1. von 1980 kann ich nichts darüber finden.

Zusätzlich kann ich aber ergänzen, dass ich (als Nichtraucher) den scharfen
Geschmack des Brennenden Rüblings (Gymnopus peronatus) nicht schmecken
kann... offensichtlich gibt es also wohl mehrere Varianten dieser
Nichtwahrnehmung, vielleicht so ähnlich wie es Zungenroller und
-nichtroller gibt.

Interessant. Bist du Zungenroller oder nicht? :-)

Viele Grüße
Toffel

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Re: Fragen Bitter-Wahrnehmung Gallenröhrling

Ulysses, (vor 5624 Tagen) @ Toffel

Hallo Toffel,

3. Auflage 1990, dort steht es auf S. 6.
Bin Nichtroller ;-)

Schöne Grüße

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Re: Fragen Bitter-Wahrnehmung Gallenröhrling

Frank 61, (vor 5624 Tagen) @ Ulysses

Hallo allerseits
leider gehöre ich auch zu denen, die die Bitterstoffe des Gallenröhrlings nicht schmecken. Ich kann schon manchmal bitter schmecken aber eben nicht bei manchen Pilzen.
So auch beim Herben oder Bitterem Saftporling. H. Jahn, (der Dr. Donk zitiert) in "Pilze die an Holz wachsen", schreibt beim letzteren 1 bis 2 Personen von 10 Testpersonen ginge es so.
Viele Grüsse Frank

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Re: Fragen Bitter-Wahrnehmung Gallenröhrling

Mani walter, (vor 5624 Tagen) @ Frank 61

Hallo allerseits
Ich habe mit den Bitterstoffen an sich keine Schwierigkeiten. Doch beim Kiefernzapfenrübling, der durch eine bittere und eine milde Art vertreten ist, hatte ich auch Probleme, diese Bitterkeit zu bemerken. Dies klappte nur, als ich die ganze Zungenspitze mit der Hutoberfläche Kontakt hatte.

LG Mani

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Re: Fragen Bitter-Wahrnehmung Gallenröhrling

René K. Schumacher, (vor 5624 Tagen) @ Frank 61

Zu Ihrer Frage:

1) Die Sinneswahrnehmungen beim Menschen sind generell nicht nur verschieden, sondern ändern sich u.a.a. innerhalb des gesamten Lebens. In der Humanmedzin finden Sie hierzu hinreichend Abhandlungen.

2) Leider gibt es immer wieder Autoren, bis in die jüngsten Tage (!), die dies nicht berücksichtigen wollen, und ihre eigenen Wahrnehmungen verallgemeinern bzw. schlicht nur kompilieren....

3) Tylopilus felleus s.l. (Boletaceae) ist seit langer Zeit zu unterscheiden in:

var. felleus (Bull. : Fr.) Karst. - die bittere Varia

sowie

var. alutarius (Fr.) Karst. - die milde Varia.

4) Sie sind nur durch aktives Lecken an einer frischen Schnittstelle in sito zu differenzieren; mir gelangen schon mehrere Aufsammlungen.

Mit freundlichen Grüßen
René K. Schumacher

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Milde Gallenröhrlinge...

Christoph G, (vor 5624 Tagen) @ René K. Schumacher

Hallo Rene,

var. alutarius (Fr.) Karst. - die milde Varia.
4) Sie sind nur durch aktives Lecken an einer frischen Schnittstelle in sito
zu differenzieren; mir gelangen schon mehrere Aufsammlungen.

Von dieser milden Varietät hab ich noch nie was gehört, wirklich interessant, muss ich mal testen.
Wie schätzt Du da Verhältnis zwischen milder Varietät und bitterer Hauptform ein?

LG Christoph

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Re: Milde Gallenröhrlinge...

Ingo Wagner, (vor 5624 Tagen) @ Christoph G

Hallo Rene,
Von dieser milden Varietät hab ich noch nie was gehört, wirklich interessant,
muss ich mal testen.
Wie schätzt Du da Verhältnis zwischen milder Varietät und bitterer Hauptform
ein?
LG Christoph

Hallo!

Ich bin eigentlich ganz zufrieden, dass sich die m.M. nach überflüssige Splitterei des Gallenröhrlings in milde und bittere Varietäten kaum durchsetzt.

Man muss hier doch immer auch äußere Verhältnisse mit in Betracht ziehen. Viele Pilze haben ihren Idealgeruch oder -geschmack nur frisch. Abtrocknend lässt beides in zahlreichen Fällen nach und ist mitunter kaum noch nachzuvollziehen.
Solche Spannweiten muss man Pilzarten einfach zugestehen, sonst müsste man demnächst den Ockertäubling (Russula ochroleuca) auch aufteilen in scharf schmeckende Formen und fast mild schmeckende.

Die gleichen geschmacklichen Unterschiede kann man sogar auf den Pfefferröhrling übertragen, der recht trocken auch seine Schärfe verliert.
Oder soll man Anis-Champignons, die nicht (mehr) nach Anis riechen womöglich auch noch einen Varietätsrang zugestehen? Wo hört man denn hier auf? Soll man am Ende einen Fliegenpilz, der nach Standort weniger Muscarin enthält als anderswo als Varietät einstufen?

Es gibt doch im Pilzreich wahrhaftig genug unbekanntes zu erkunden, da muss man sich doch mit solchen Haarspaltereien nicht die Zeit stehlen lassen.

VG Ingo W

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Re: Milde Gallenröhrlinge...

Toffel, (vor 5624 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo!

Es gibt doch im Pilzreich wahrhaftig genug unbekanntes zu erkunden, da muss
man sich doch mit solchen Haarspaltereien nicht die Zeit stehlen lassen.

Die Unterscheidung von Russula turci und R. amethystina durch das Sporenornament hat man zunächst auch für Haarspalterei gehalten, bis die Genetiker festgestellt haben, dass beide doch relativ weit auseinander liegen. ;-)

Viele Grüße
Toffel

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Re: Milde Gallenröhrlinge...

Ingo Wagner, (vor 5624 Tagen) @ Toffel

Hallo Ingo!
Die Unterscheidung von Russula turci und R. amethystina durch das
Sporenornament hat man zunächst auch für Haarspalterei gehalten, bis die
Genetiker festgestellt haben, dass beide doch relativ weit auseinander
liegen. ;-)
Viele Grüße
Toffel

Hi Toffel!

Na, dann schauen wir mal, was die Genetik zu den Gallenröhrlingen sagt. Damit es sich lohnt, machen wir da auch noch eine hell- und eine dunkelhütige Form draus, und auf das das genetische Bäumchen-Diagramm nicht gar so leer aussieht auch noch die Varietät, bei der die Röhrenschicht rosa anläuft und eine gegensätzliche.

VG Ingo W

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Re: Milde Gallenröhrlinge...

René K. Schumacher, (vor 5623 Tagen) @ Christoph G

Sehr geehrter Christoph,

leider kenne ich Ihren Klarnamen nicht.

Wie Sie aus Ihrem Biologiestudium sicherlich wissen, sind Mutanten eine von mehreren Spielarten der Natur, um Arten entstehen oder vergehen zu lassen, und um eine solche dürfte es sich handeln.

Ihre Frage wäre, wie auch immer, nie wissenschaftlich exakt zu beantworten, da ein flächendeckender, umfangreicher Datenfundus erforderlich wäre um zunächst eine Hypothese zu wagen und sie dann versuchsweise durch Feldversuche zu untermauern.

Biochemiker interessieren sich zuweilen auch für Bitterstoffe, aber leider wohl nur bei Pflanzen.

Ich selbst lecke stichprobenartig oder lasse lecken samt Blindprobe, wenn meine Geschmacksrezeptoren belegt sind, und manchmal gelingt mir ein "Treffer". Es wäre falsch, die Anzahl der Funde beider Varia nur in Zahlen gegenüber zu stellen, siehe oben.

Herzliche Grüße nach Bayern
René K. Schumacher

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Re: Milde Gallenröhrlinge...

Christoph G, (vor 5622 Tagen) @ René K. Schumacher

Sehr geehrter Rene,
Vielen Dank fuer Ihre Ausfuerungen. Allerdings bin ich weder Biologe, noch leb ich in Bayern....;-)) Ich glaub da haben Sie mich mit jemand verwechselt...

LG Christoph

Sehr geehrter Christoph,
leider kenne ich Ihren Klarnamen nicht.
Wie Sie aus Ihrem Biologiestudium sicherlich wissen, sind Mutanten eine von
mehreren Spielarten der Natur, um Arten entstehen oder vergehen zu lassen,
und um eine solche dürfte es sich handeln.
Ihre Frage wäre, wie auch immer, nie wissenschaftlich exakt zu beantworten,
da ein flächendeckender, umfangreicher Datenfundus erforderlich wäre um
zunächst eine Hypothese zu wagen und sie dann versuchsweise durch
Feldversuche zu untermauern.
Biochemiker interessieren sich zuweilen auch für Bitterstoffe, aber leider
wohl nur bei Pflanzen.
Ich selbst lecke stichprobenartig oder lasse lecken samt Blindprobe, wenn
meine Geschmacksrezeptoren belegt sind, und manchmal gelingt mir ein
"Treffer". Es wäre falsch, die Anzahl der Funde beider Varia nur
in Zahlen gegenüber zu stellen, siehe oben.
Herzliche Grüße nach Bayern
René K. Schumacher

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?

Ulysses, (vor 5622 Tagen) @ René K. Schumacher

Sehr geehrter René K. Schumacher,

die Aussage, dass Mutanten dazu dienen, Arten vergehen zu lassen, sollte meiner Meinung nach in ganz große und dicke Klammern gesetzt werden.

Alle Formen der Lebewesen wollen doch nur eins: Überleben!

Ob sie es denn schaffen oder nicht, das entscheidet sich dann im taglichen Kampf ums Überleben.

Schöne Grüße von

Ulysses (Josef Simmel), der tatsächlich ein Biologiestudium hinter sich hat... und wie es der Zufall will aus Bayern kommt.

PS: Warum schreiben Sie eigtl. von 'Varia' (wörtl. "vermischtes")? Aus dem Studium sind mir nur die beiden Begriffe 'Varietät' und 'Form(a)' bekannt.

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Re: Fragen Bitter-Wahrnehmung Gallenröhrling

Toffel, (vor 5624 Tagen) @ Ulysses

Hallo Ulysses!

3. Auflage 1990, dort steht es auf S. 6.

Hab die Seite aufgeschlagen und es auf den ersten Blick entdeckt.

Bin Nichtroller ;-)

Wäre interessant, wenn es einen Zusammenhang gäbe, glaube ich aber nicht.
Kann meine Zunge rollen und beide Geschmäcker wahrnehmen...

Es wäre hilfreich zu wissen, was das für ein Stoff ist, der beim Brennenden Rübling das Schärfegefühl verursacht. Den Wikipedia-Artikel ( http://de.wikipedia.org/wiki/Geschmack_%28Sinneseindruck%29 ) verstehe ich so, dass zumindest die Rezeptoren, die bei Capsaicin reagieren auch bei Hitze stimuliert werden.
Bist du eher Hitzeunempfindlich gegen heiße Speisen? An scharfe Nahrungsmittel bist du auch nicht gewöhnt, oder?

Im Artikel steht außerdem, dass gerade bei bitteren und scharfen Geschmäckern sog. Nichtschmecker vorkommen; bei den Männern mehr als unter Frauen. Nach dem Verzehr von Bitterstoffen (aller ?) soll Blausäure entstehen. Das finde ich interessant, weil dessen Geruch, nämlich Bittermandel, auch nicht alle Menschen wahrnehmen können.

Weil nach einem prozentualen Anteil gefragt wurde: Mark Benecke hat in der Sendung "Autopsie - Mysteriöse Todesfälle" (bin aber nicht ganz sicher) mal behauptet, dass nur etwa 30 Prozent (glaube ich) der Bevölkerung den Geruch von Blausäure wahrnehmen können. Ich glaube aber nicht, dass 70 Prozent nicht bitter schmecken können, aber vermutlich sind sie unter diesen Menschen zu suchen.

Die von René gemachten Anmerkungen sind aber auch interessant.

Viele Grüße
Toffel

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Re: Fragen Bitter-Wahrnehmung Gallenröhrling

Ulysses, (vor 5624 Tagen) @ Toffel

Hallo Toffel,

Bist du eher Hitzeunempfindlich gegen heiße Speisen?

Eher das genaue Gegenteil...

An scharfe
Nahrungsmittel bist du auch nicht gewöhnt, oder?

Wenn es scharf gewürztes Essen gibt, dann vertrage ich das in aller Regel durchaus sehr gut und so wie alle anderen auch. Allerdings glaube ich kann man es ziemlich gut trainieren, Schärfe zu ertragen, sonst gäbe es ja auch keine Wettbewerbe mit Currywurstsoße von soundsoviel Scoville ;-)

Schöne Grüße,
Ulysses

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Re: Fragen Bitter-Wahrnehmung Gallenröhrling

Toffel, (vor 5624 Tagen) @ Ulysses

Hallo Ulysses!

Wenn es scharf gewürztes Essen gibt, dann vertrage ich das in aller Regel
durchaus sehr gut und so wie alle anderen auch. Allerdings glaube ich kann
man es ziemlich gut trainieren, Schärfe zu ertragen, sonst gäbe es ja auch
keine Wettbewerbe mit Currywurstsoße von soundsoviel Scoville ;-)

Ja, daher die Frage. ;-) Denn, wenn du da dazugehören würdest, wären scharfe Pilze wohl Kinderkram. Ich frage mich, ob man dann überhaupt noch leicht Scharfes schmecken kann.

Viele Grüße
Toffel

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Re: Fragen Bitter-Wahrnehmung Gallenröhrling

huehnchen69, (vor 5623 Tagen) @ huehnchen69

Danke schon mal für eure vielen interessanten Aspekte!

Einen Aspekt kann ich zumindest für meine "Probanden" ausschließen, das ist der mit dem Rauchen, denn alle 3 Nichtschmecker sind Nichtraucher (2 davon Kinder). Ob sie die Zungen rollen können, weiß ich aber nicht ;-)

Dann manche eine Unterscheidung zwischen einer bitteren und einer milden Varietät machen, wusste ich gar nicht. In meinem Fall war es aber die Bittere, ich habe vorher ja immer selber probiert.

Liebe Grüße,
Sabine