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unbekannter Rindenpilz

Älbler, (vor 5585 Tagen)

Liebe Pilzfreunde,

am Wochenende fand ich diesen unscheinbaren Belag auf der Unterseite eines finalmorschen Laubholzstückes. Mikroskopisch erwies er sich als recht auffallend. Trotzdem gelingt es mir nicht, das Ding wenigstens mal einer Gattung zuzuordnen.

Beschreibung:
Basidiokarp resupinat, häutig-membranös mit Subikulum, weiß.

Hyphen monomitisch, etwas dickwandig mit Schnallen.
Basidien schmal clavat, 4-sporig.
Zweierlei Zystiden:
1. große Gloeozystiden (?), schmal keulig, gelb, dünnwandig, groß, 40 - 60 x 10 - 15 µm.
2. zylindrisch, hyalin, dünnwandig, mit kugeligem Kristallschopf.
Sporen [95% • 20 • SAP • v • H2O(nat) ] = 5,9-7,0-8,1 x 3,6-4,3-4,9 µm, Q = 1,4-1,6-1,9, Vm = 67,0 µm³. breit oval, hyalin, inamyloid, in Wasser leicht höckerig, bei schräger Beleuchtung deutlich höckerig (deformiert?)

Am auffälligsten waren diese großen gelben keulenförmigen Zystiden. Sie waren ziemlich zahlreich und im Hymenium eingebettet, nicht herausragend.

Kann mir jemand auf die richtige Fährte helfen?

Viele Grüße
Christian

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Re: unbekannter Rindenpilz

Älbler, (vor 5585 Tagen) @ Älbler

der gleiche Ausschnitt etwas näher:

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Re: unbekannter Rindenpilz

Älbler, (vor 5585 Tagen) @ Älbler

... hier Hymenialelemente mit Basidiolen:

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Re: unbekannter Rindenpilz

Älbler, (vor 5585 Tagen) @ Älbler

... die 2 verschiedenen Zystidentypen in einem Bild:

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Re: unbekannter Rindenpilz

Älbler, (vor 5585 Tagen) @ Älbler

... Sporen in Wasser:

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Re: unbekannter Rindenpilz

Älbler, (vor 5585 Tagen) @ Älbler

... und zum Schluss nochmal die Sporen bei schiefer Beleuchtung. Man sieht hier, dass sie irgendwie höckerig-warzig sind. Vielleicht auch nur aufgrund von Trockenheit deformiert?

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Re: unbekannter Rindenpilz

Andreas ⌂, (vor 5584 Tagen) @ Älbler

... und zum Schluss nochmal die Sporen bei schiefer Beleuchtung. Man sieht
hier, dass sie irgendwie höckerig-warzig sind. Vielleicht auch nur
aufgrund von Trockenheit deformiert?

Hallo,

die Sporen sind glatt. Was Du als Oberflächenstruktur deutest, ist in Wirklichkeit im Inneren der Spore vorhandene (Öl-)Tröpfchen.

beste Grüße,
Andreas

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Re: unbekannter Rindenpilz

Älbler, (vor 5584 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

vielen dank für den Hinweis. Aber habe schon vermutet, dass ich da etwas nicht richtig beurteile, weswegen mir die Idee kam, dass die Sporen einen Trockenschaden hätten.

Aber klar, bei schiefer Beleuchtung treten die "Innereien" der Sporen natürlich plastisch hervor.

Viele Grüße
Christian

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Re: unbekannter Rindenpilz

Wolfgang D. ⌂, (vor 5585 Tagen) @ Älbler

Hallo Christian

das ist allem Anschein nach Peniophorella praetermissa, der häufigste aller Rindenpilze (vorbehaltlich einiger Merkmale, die aus deinen Mikrofotos nicht eindeutig hervorgehen).

LG
Wolfgang

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Re: unbekannter Rindenpilz

Älbler, (vor 5584 Tagen) @ Wolfgang D.

vielen Dank Wolfgang,

ich habe den Pilz nach deinem Hinweis mal unter Hyphoderma s.l. im JÜLICH geschlüsselt und komme sehr gut zu H. praetermissa. Dort werden 3 verschiedene Zystiden bei der Art beschrieben. Ich habe unten noch ein Foto von einer flaschenförmigen Zystide angehängt. Sephanozyten, meine ich, habe ich gesehen. Dachte aber, es handelt sich dabei nur um die abgefallenen Kristallmassen der im JÜLICH als kopfig beschriebenen Zystiden.

Dies ist meine erste Hyphoderma!
Kann es sein, dass die Vertreter dieser Gattung reine Kalkböden nicht mögen? Ich beobachte seit 2 Jahren zwei Kartierflächen auf Jurakalk in denen ich jedes Stöckchen umdrehe und die Beläge mitnehme. Wenn die Art so häufig sein soll, müsste ich sie innerhalb von 2 Jahren mindestens einmal gefunden haben. Diesen Fund habe ich in einem anderen Wald gemacht, der auf Lehmboden stockte.

Viele Grüße
Christian

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Re: unbekannter Rindenpilz

Wolfgang D. ⌂, (vor 5584 Tagen) @ Älbler

Hallo Christian,
wenn du die "Corticiaceae of North Europe" mit der ausführlichen Beschreibung nicht hast, dann such mal in der MycoBank nach der Art.
Die Stephanozystiden sind eindrucksvoll und unverwechselbar, aber in den meisten Exemplaren recht selten, oft findet man auch gar keine.
Die Art mag es tendenziell eher feucht (auch vom Niederschlag), aber ansonsten sind wirklich keine ökologischen Präferenzen zu erkennen und bei uns im Kalk ist sie sehr häufig, wenn man diese Pilze systematisch sammelt. Du hast sie bisher bestimmt übersehen, wenn du auch sonst noch kein Hyphoderma entdeckt hast, denn da gibt es ja noch einige weitere Arten, die kaum in einem Waldgebiet fehlen.
LG
Wolfgang

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Re: unbekannter Rindenpilz

Älbler, (vor 5583 Tagen) @ Wolfgang D.

Hallo Wolfgang,

in der Mycobank habe ich nachgeschaut und die Zeichnungen und Beschreibungen passen gut. Stephanozystiden habe ich doch keine gesehen.

Zum Thema Rindenpilze fällt mir noch eine Frage ein, die mich schon länger beschäftigt:

Wie sorgen sie eigentlich dafür, dass ihre Sporen verbreitet werden? Sie fruktifizieren auf der Substratunterseite. Also eine Verbreitung durch Wind ist dort nicht sehr effektiv. Eine Verbreitung durch Tiere, die das Hymenium abfressen ist für mich auch nicht besonders plausibel, da die Tierwelt, die unter Holz lebt, nicht besonders mobil ist.
Gibt es Publikationen zu diesem Thema?

Viele Grüße
Christian

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Re: unbekannter Rindenpilz

Wolfgang D. ⌂, (vor 5582 Tagen) @ Älbler

Zum Thema Rindenpilze fällt mir noch eine Frage ein, die mich schon länger
beschäftigt: Wie sorgen sie eigentlich dafür, dass ihre Sporen verbreitet
werden? Sie fruktifizieren auf der Substratunterseite. Also eine
Verbreitung durch Wind ist dort nicht sehr effektiv. Eine Verbreitung
durch Tiere, die das Hymenium abfressen ist für mich auch nicht besonders
plausibel, da die Tierwelt, die unter Holz lebt, nicht besonders mobil
ist.
Gibt es Publikationen zu diesem Thema?
Viele Grüße
Christian

Hallo Christian,
man muss wohl davon ausgehen, dass für diese Pilze der Boden ein riesiger Sporen-Pool ist, von dem aus neue Substrate besiedelt werden, die auf den Boden fallen. Diese Hypothese wird in der ökologischen Literatur vertreten bzw. immer wieder zitiert (für konkrete Literaturhinweise müsste ich das noch heraussuchen). Den Aspekt der (lokalen) Verbreitung mittels Bodentieren würde ich nicht unterschätzen. Die Fruchtkörper werden ja in Mengen von Schnecken, Milben, Nematoden etc. abgeweidet und konsumiert. In Feuchtgebieten spielt auch das mobile Wasser eine entscheidende Rolle, da kann man oft beobachten, dass flächendeckend die vorhandenen Holzsubstrate von denselben Arten besiedelt werden. Aber vieles ist bei den Verbreitungsstrategien sicherlich noch unerforscht.
LG
Wolfgang

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Re: unbekannter Rindenpilz

Älbler, (vor 5580 Tagen) @ Wolfgang D.

Halo Wolfgang,

man muss wohl davon ausgehen, dass für diese Pilze der Boden ein riesiger

Sporen-Pool ist, von dem aus neue Substrate besiedelt werden, die auf den
Boden fallen.>Den Aspekt der (lokalen) Verbreitung mittels
Bodentieren würde ich nicht unterschätzen.>Aber vieles ist bei den Verbreitungsstrategien sicherlich noch unerforscht.<<

Da möchte ich dran bleiben. Mein "Projekt" bietet sich dazu an, solche räumlichen und zeitlichen Verteilungsmuster zu beobachten.

Viele Grüße
Christian