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Wiesbadener Mischung

Klaas, (vor 5576 Tagen)

Hallo zusammen,

als ich vor einiger Zeit in einen Vorort eines solchen Ballungszentrums zog, dachte ich noch: oh jeh, in der Umgebung mit viel
Industrie, Verkehr und Landwirtschaft wächst bestimmt kein Pilz mehr. Es kam dann doch anders, hier und in der Nähe wachsen
Pilze, die ich zuvor sicher nicht zu Gesicht bekommen hätte.
Und das Beste: Es gibt immer wieder Neues zu entdecken!

Diese hier kenne ich aber bereits vom letzten Jahr - bislang ist es mir aber nicht gelungen, mal einen nicht verschimmelten
oder völlig zerfressenen FK aufzunehmen. Das angefressene Ei vom letzten WE ist zu einem hässlichen Monster ausgewachsen:

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Es gibt aber bereits Nachschub, vielleicht schafft es dieses Jahr mal einer:

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Neben noch sehr wenigen Glattstieligen Hexen zeigen sich die ersten übermütigen Schwarzhütigen - und vertrocknen bereits im
Ansatz. Sie sehen aus dem Augenwinkel beinahe so aus, wie der hier:

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Einer der Compactae, bei Eiche, 7 cm, ohne vorheriges Röten, sofort in allen Teilen Schwarz, beim Naschen mild, ein Menthol-
Bonbon schmeckt zwar anders und intensiver, entfernt aber vergleichbar -
Russula albonigra, würde ich meinen. Wäre der Name hierfür in Ordnung?

Vom Park zum Friedhof, eingekesselt von alten Zypressengewächsen wuchsen diese Boleten:

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Uralte Eichen u.a Laubhölzer in der Nähe, auf jeden Fall etwas Neues für mich. Mit den zitronengelben Röhrenmündungen, den
rötlichen Pusteln am Stiel, dem Nichtblauen und nicht zuletzt dem intensiv jodartigen Geruch komme ich auf B. impolitus - o.k.?

Bei kurzen Abstechern in den Wald findet man häufig P. pulmonarius an allen möglichen Substraten und erste Riesenporlinge:
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Und natürlich gibs da noch die Bäche, meine noch immer liebste Umgebung am Wochenende.
Das muss eigentlich wieder P. babingtonii sein. Wenn man die mittelgroßen Ascos erstmal oft genug gesehen hat, traut man
sich sogar mal zu einem makroskopischen Urteil - nachsehen werde ich sicherheitshalber trotzdem:

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Bei denen habe ich noch nicht so viel Erfahrung, mit dem Röten wirds aber wohl auf H. imberbis hinauslaufen:
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Weiteres Kleinzeugs, noch keine Ahnung außer vielleicht einem "H.", Substrat unbekannt, ein Kräuterstengel:
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Auch hier noch nicht nachgeschaut, an Farn, hätte mir ein Urnenbecherchen gewünscht, da ich schon länger die alten
Farnstengel absuche - isses aber vom Äußeren her wahrscheinlich nicht. Bei solchen Minis um 0,5 mm ist aber auch meine Foto-
Ausrüstung am Ende:

[image]

Was wächst denn sonst noch so an Farn?

Viele Grüße
Klaas

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Re: Wiesbadener Mischung

Ingo Wagner, (vor 5576 Tagen) @ Klaas

Hi Klaas!

Das muss eigentlich wieder P. babingtonii sein. Wenn man die mittelgroßen
Ascos erstmal oft genug gesehen hat, traut man
sich sogar mal zu einem makroskopischen Urteil - nachsehen werde ich
sicherheitshalber trotzdem:

Von mir bekommst du auch 99%.

Bei denen habe ich noch nicht so viel Erfahrung, mit dem Röten wirds aber
wohl auf H. imberbis hinauslaufen:

Ich denke, so wird es sein. Nass liegend und ordentlich blutrot anlaufend dürfte es zumindest diese Ecke sein. Hymenoscyphus kathiae wäre auch noch eine Möglichkeit. Auf der DVD ist auch noch H. amyloideoexcipulatus aufgeführt, so richtig erkenne ich aber keinen Unterschied zu den schon genannten Arten.

Weiteres Kleinzeugs, noch keine Ahnung außer vielleicht einem "H.",
Substrat unbekannt, ein Kräuterstengel:

Womöglich wieder Hymenoscyphus repandus, bloß diesmal ein gestressteres Stadium. Kann natürlich auch H. menthae oder was anderes sein.

Auch hier noch nicht nachgeschaut, an Farn, hätte mir ein Urnenbecherchen
gewünscht, da ich schon länger die alten
Farnstengel absuche - isses aber vom Äußeren her wahrscheinlich nicht. Bei
solchen Minis um 0,5 mm ist aber auch meine Foto-
Ausrüstung am Ende:
Was wächst denn sonst noch so an Farn?

Auf Farn wächst ziemlich viel. Hymenoscyphus, Allophylaria, Psilachnum, Fuscolachnum, Urceolella fällt mir aus dem Stegreif so ein.
Deiner wird sich wahrscheinlich als Psilachnum chrysostigmum herausstellen (nur kleine Kolonien, jung relativ fett erscheinender Rand, fast stiellos).

VG Ingo W

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Re: Wiesbadener Mischung

Klaas, (vor 5576 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

wie zur Hölle machst Du das, diese kleinen Teile mal so locker aus dem Ärmel zu schütteln??? Jedenfalls machst Du mir damit manchmal richtig Angst...
Die Becher an Farn bekomme ich sicher wieder nicht raus, zu winzig für mich, um etwas richtig erkennen zu können. Sporen zw. 5-8x1-1,5 µ, Asci um 30x3 µ - ich kann noch nichteinmal erkennen, ob blauend oder nicht. Vielleicht wachsen die ja noch, dann probier ichs nochmal.
H. repandus passt mir heute irgendwie nicht, schaue ich mir aber morgen nochmal an.
Die Pachiella ist schon wieder eine - wie dabei wohl die Chancen stehen, mal was anderes zu finden?

Gute Nacht!
Klaas

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Re: Wiesbadener Mischung

Klaas, (vor 5574 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

nur mal ein kurzer Zwischenstand:
Der Hymenoscyphus ist höchstwahrscheinlich doch repandus, H. imberbis sollte auch stimmen.
Mit Psilachnum chrysostigmum wirst Du gewiss wieder ins Schwarze treffen, ich bin damit aber
noch nicht durch. Was mich dabei wundert, ist, dass sich die Zellen bei Zugabe von Lugol beinahe
augenblicklich auflösen und zu einem unkenntlichen Brei verformen. Das habe ich bei etwas
größeren Ascos noch nicht gesehen - bei dem ist aber auch wirklich kaum was dran.
Melde mich nochmal zu den Kleinen, wenn/falls ich fertig werde.

Viele Grüße
Klaas

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Re: Wiesbadener Mischung

Ingo Wagner, (vor 5574 Tagen) @ Klaas

Hi Klaas!

nur mal ein kurzer Zwischenstand: Der Hymenoscyphus ist höchstwahrscheinlich
doch repandus, H. imberbis sollte auch stimmen.

Wäre eine gute "Makro-Bestimmungs-Quote" für mich. Allerdings klingt´s noch nicht sehr sicher, wie du es schreibst. Woran scheitert eine sichere Bestimmung?

Mit Psilachnum chrysostigmum wirst Du gewiss wieder ins Schwarze treffen, ich
bin damit aber
noch nicht durch. Was mich dabei wundert, ist, dass sich die Zellen bei
Zugabe von Lugol beinahe
augenblicklich auflösen und zu einem unkenntlichen Brei verformen.

Interessant. Ich habe mir, inspiriert durch deinen Beitrag gestern, auch welche geholt, mal sehen, ob ich dazukomme, die auseinanderzunehmen und bildlich festzuhalten.
Hast du dabei auch gelbe Kolonien des Pilzes (angeblich Ps. versicolor) auf deinem Farn-Stängel?

VG Ingo W

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Re: Wiesbadener Mischung

Klaas, (vor 5574 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo!

Woran scheitert eine sichere Bestimmung?

Hauptsächlich daran, dass ich blutiger Anfänger bin.
Von repandus und imberbis hatte ich jetzt gerade mal 2 oder 3 Funde unterm Glas und als solche recht
unsicher abgelegt. Wenn es irgendwann 10-15 werden und auch mal zwischendrin ein anderer auftaucht,
bin vielleicht etwas sicherer dabei. Aber auch nur vielleicht. Die Maße passen ja soweit, aber was weiß ich
denn, was es sonst noch so alles an Ähnlichen gibt.

Nein, an meinem Farn sind sowohl die älteren als auch die inzwischen frisch nachgewachsenen alle brav
einheitlich reinweiß.
Was das Auflösen betrifft: Kann natürlich auch sein, dass ich sie beim Tunken in einen Tropfen Lugol
komplett ersäuft habe. Ich probiere das morgen nochmal mit weniger aus.

Grüße
Klaas

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Re: Wiesbadener Mischung

Ingo Wagner, (vor 5574 Tagen) @ Klaas

Hi Klaas!

Hauptsächlich daran, dass ich blutiger Anfänger bin.
Von repandus und imberbis hatte ich jetzt gerade mal 2 oder 3 Funde unterm
Glas und als solche recht
unsicher abgelegt.

Rede keinen Unsinn! Wenn die Merkmale stimmen, kommt es nicht darauf an, wieviele du schon gesehen hast!
Bei H. imberbis ist wichtig einen Längsschnitt zu machen, bei dem auch die Stielbasis mit seinen seitlichen Hyphen mit unter das Mikroskop kommt. Lugol drauf und wenn es dort blau wird, bist du in der richtigen Ecke. Jetzt noch genau die Tropfenverteilung und -menge bei vitalen Sporen diagnostizieren, dann hast du H. imberbis oder kathiae. Haken findest du sowieso, aber bei Hymenoscyphus günstigerweise an Jung-Asci nachschauen, weil die Stielbasen von reifen Asci bei der Gattung oft so dünn sind, dass man die Haken nicht mehr erkennt.

Dabei nicht verunsichern lassen, wenn du den Pilz auf Nadelholz gefunden hast. Das geht, ist bloß nie erwähnt!! (Leider schreibst du nichts über das Substrat, oder habe ich es überlesen?)

Beim vermeintlichen H. repandus:
langellipsoide Sporen, ca. 12,5 x 2,8, in den Polenden vital jeweils ein mittlerer und ein paar kleine Tropfen, Ölgehalt ca. 1-2, keine Haken an der Ascusbasis und mittelgroße Tropfen in den Paraphysen ---> Fertig!

Falls du Abweichungen feststellst, wird es interessant. Dann auf jeden Fall wieder melden!

VG Ingo W

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Re: Wiesbadener Mischung

Stephan Weißer, (vor 5576 Tagen) @ Klaas

B. impolitus - o.k.?

Das glaube ich auch.

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Danke Stephan!

Klaas, (vor 5574 Tagen) @ Stephan Weißer

- kein Text -

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Re: Wiesbadener Mischung

jesko, (vor 5574 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

Diese hier kenne ich aber bereits vom letzten Jahr - bislang ist es mir aber
nicht gelungen, mal einen nicht verschimmelten
oder völlig zerfressenen FK aufzunehmen. Das angefressene Ei vom letzten WE
ist zu einem hässlichen Monster ausgewachsen:

Einen eigenen Fund wirklich fotogener Exemplare dieser Art hatte ich auch noch nicht, und Andere tragen sie körbeweise zu Markte ...

Einer der Compactae, bei Eiche, 7 cm, ohne vorheriges Röten, sofort in allen
Teilen Schwarz, beim Naschen mild, ein Menthol-
Bonbon schmeckt zwar anders und intensiver, entfernt aber vergleichbar -
Russula albonigra, würde ich meinen. Wäre der Name hierfür in Ordnung?

Das wäre auch mein erster Tipp, aber erst ein bisschen Mikroskopie und (v.a. wenn sie frischer sind) ein bisschen Chemie stellen die Bestimmung von Schwärztäublingen auf sichere Beine, mal abgesehen von R. nigricans und komplett typischen Ausprägungen anderer Arten.

Mit den zitronengelben Röhrenmündungen, den

rötlichen Pusteln am Stiel, dem Nichtblauen und nicht zuletzt dem intensiv
jodartigen Geruch komme ich auf B. impolitus - o.k.?

Da bildest Du ganz typische Exemplare von Hemileccinum impolitum (Boletus impolitus) ab. Die inzwischen "klassische" Verwechslungsart wäre ja Hemileccinum depilatum (B. depilatus) auf Kalkböden mit wie gehämmert wirkendem Hut, fehlendem Jodoformgeruch und einer völlig anderen mikroskopischen Huthautstruktur.

Viele Grüße mit ein bisschen Neid, denn bei uns regt sich noch nicht viel.

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Re: Wiesbadener Mischung

Klaas, (vor 5574 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

solange die Schnibbler und Sammler noch nicht unterwegs sind, gebe ich die Hoffnung auf ein schönes
Exemplar nicht auf.

Teuflinge sind eh nicht so mein Ding (weil ich sie sehr wahrscheinlich nie kapieren werde). Ich habe mich
vorhin mal beim angetrockneten Exemplar an der HDS versucht... keine Chance. Ein undurchsichtiger, mir
nichtssagender Dschungel aus Haaren und Zystiden - und dann hat das Teil noch nichteinmal Asci! Dann
bleibt er halt mit Fragezeichen, nicht der erste seiner Gattung.

Den Boletus, äh, Hemileccinum, ach verdammt, den Fahlen habe ich mir nicht unterm Mikro angeschaut,
aber mit eurer Bestätigung gehe ich stark davon aus, dass der Name zum Pilz passt.

Keine Sorge, den Neid gebe ich gerne vielfach zurück, wenns bei euch brummt und ich wieder in die Röhre
gucken muss... ;)

Viele Grüße
Klaas

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Ich würde den Täubling auch

Thüringer-Holz, (vor 5574 Tagen) @ Klaas

Russula albonigra nennen!

Die Kombi aus diesem Kalkweiß und das krasse Schwärzen zusammen mit Mentholgeschmack lässt kaum Anlass zum Zweifeln!

LG FELIX

PS: Tolle Bilder

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Vielen Dank Felix!

Klaas, (vor 5572 Tagen) @ Thüringer-Holz

- kein Text -