Köhlern
Hallo,
ich hätte da eine Frage:
Braucht man zur Pilzmikroskopie ein Mikroskop mit Köhler-Beleuchtung?
Ist sie ein Muss, oder ist auf sie verzichtbar ohne große Nachteile?
Danke im Voraus Jorge
Jorge, (vor 5530 Tagen)
Hallo,
ich hätte da eine Frage:
Braucht man zur Pilzmikroskopie ein Mikroskop mit Köhler-Beleuchtung?
Ist sie ein Muss, oder ist auf sie verzichtbar ohne große Nachteile?
Danke im Voraus Jorge
hoennetaler, (vor 5530 Tagen) @ Jorge
Hallo Jorge,
von mir ein eindeutiges "nein"!
Ich habe bis jetzt mit einem Carl Zeiss Jena Laboval 4, einem Askania RME 5 und einem Motic BA210 gearbeitet. Keines ist köhlerbar. Auch die bei Mykologen beliebten Olympus CH2 sind in der Grundausstattung nicht köhlerbar. Ich kann mich nicht beklagen. Einige Mikrofotos von mir sind hier auch zu sehen. Alle Fotos freihand durch ein Okular.
Siehe z. B. hier: Beitrag 208473
Gruß
Jürgen
Hallo Jorge,
wenn es dir "nur" darum geht, alle zur Bestimmung wichtigen Details zu sehen,
brauchst du keine Köhlersche Beleuchtung.
Auch zu Bestimmungszwecken brauchbare Fotos wirst du machen können.
ABER: Wenn du Wert auf optimale Ausleuchtung und damit bestmögliche Darstellung
des Präparates legst (was die meisten Mikroskopiker tun), ist Köhlersche Beleuchtung ein Muss.
Auch zur perfekten Mikro-Fotografie ist sie notwendig, weil dadurch z.B. unerwünschte Farbsäume minimiert werden.
Die Beleuchtung sollte dann aber auch jedes Mal neu eingestellt ("geköhlert") werden.
Beim Kauf eines Gerätes ohne Köhler solltest du sicher sein, dass deine Ansprüche
an die Qualität nicht irgendwann steigen werden... und wer weiß das schon?
Die Mikroskopie kann einen nämlich auch über die Pilze hinaus in ihren Bann ziehen.
Ich möchte die Köhlersche Beleuchtung nicht mehr missen, weil ich sonst immer das Gefühl hätte,
die Dinge nicht "im rechten Licht" zu sehen.
Grüße
Stefan
Peter, (vor 5529 Tagen) @ Stefan S.
Hallo Jorge,
das würde mich interessieren:
"Auch zur perfekten Mikro-Fotografie ist sie notwendig, weil dadurch z.B. unerwünschte Farbsäume minimiert werden."
Was haben Farbsäume mit der Köhlerschen Beleuchtungsmöglichkeit zu tun?
Freundliche Grüße
Peter
Hallo Jorge,
das würde mich interessieren: "Auch zur perfekten Mikro-Fotografie ist
sie notwendig, weil dadurch z.B. unerwünschte Farbsäume minimiert
werden."
Was haben Farbsäume mit der Köhlerschen Beleuchtungsmöglichkeit zu tun?
Freundliche Grüße
Peter
Hallo Peter,
die ENTSTEHUNG der Farbsäume hat mit der Beleuchtung nichts zu tun,
sondern mit der optischen Korrektur des Objektives.
Wenn die Lichtquelle aber nicht genau unter dem beleuchteten Objekt steht,
verstärken sich die Farbsäume in eine Richtung.
Die Köhlersche Beleuchtung hilft, diese zu minimieren, weil die Lichtquelle
genau unter dem Objekt steht und die geringe Blendenöffnung kein Streulicht zulässt.
Grüße
Stefan
Peter, (vor 5528 Tagen) @ Stefan S.
Hallo Stefan,
könnte man dazu mal zwei Vergleichsbilder sehen?
Z. B. mit korrekt eingestellter geköhlerter Beleuchtung und mit falsch eingestellter geköhlerter Beleuchtung?
Das wäre doch ganz gut, dann könnte sich jeder ein Bild davon machen.
Freundliche Grüße
Peter
Gerne, Peter.
hier sehen wir drei Bilder von Pilzsporen, fotografiert durch ein Zeiss Neofluar 100/1,30 Oel am Zeiss Standard RA.
Die Bilder wurden nicht "geputzt", Staub bitte ignorieren):
1. Korrekt eingestellte Köhlersche Beleuchtung. Die Kondensor sitzt direkt zentriert unter dem Objekt.
Der Bildhintergrund ist homogen ausgeleuchtet.
2. Der Kondensor sitzt zu weit unten. Abbildungsfehler nehmen zu. Der Hintergrund wird "grieselig"
3. Der Kondensor sitzt nicht zentriert, wodurch der Hintergrund ungleichmäßig ausgeleuchtet wird.
Viele Grüße
Stefan
![[image]](/archiv/forum/webbbs/userpics/pic209563.jpg)
Gelbfieber, (vor 5527 Tagen) @ Stefan S.
Hallo und guten Tag Stefan,
schöne Übersicht!
Eine Frage dazu:
Bild Nr. 1 hat einen gelblichen Hintergrund, Bild Nr. 2 einen grauen. Wie sind diese krassen Unterschiede zu erklären? Ist es „nur“ weil der Kondensor weiter bzw. zu weit unten ist?
Oder anders gefragt: Ist grundsätzlich ein grauer (für mich neutraler) Hintergrund „falsch“ denn wenn ich korrekt belichte, gleich bleibende Einstellung bzw. Weißabgleich, ist der Hintergrund bei meinen Mikrobildchen immer konstant neutral grau. So kann ich die Farben der Mikromerkmale sehr gut beurteilen.
Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co
Stefan S., (vor 5527 Tagen) @ Gelbfieber
Hallo Gelbfieber,
ja, der farbliche Unterschied kommt nur vom Herunterschrauben des Kondensors.
Wenn ich die Leuchtfeldblende gerade so weit öffne, dass das Sichtfeld eben ausgeleuchtet wird
(wie es ja beim Köhlern sein soll), ist der Hintergrund gelblich. Würde ich die Blende weiter öffnen,
würde es heller werden, schließlich weiß. Normalerweise würde ich die Bilder noch bearbeiten
(Schärfe, Kontrast, Helligkeit, Staub entfernen...) aber um den Vergleich nicht zu verfälschen,
habe ich es hier gelassen.
Wie kommt denn bei dir ein grauer Hintergrund zustande? Siehst du das auch im Mikroskop so,
oder entsteht das erst durch den Weißabgleich an der Kamera? Ändert sich dieser Hintergrund,
wenn du den Kondensor nach oben schraubst?
Liebe Grüße
Stefan
Gelbfieber, (vor 5527 Tagen) @ Stefan S.
Hallo und guten Tag Stefan,
Wie kommt denn bei dir ein grauer Hintergrund zustande? Siehst du das auch im Mikroskop so, oder entsteht das erst durch den Weißabgleich an der Kamera?
durch die Okulare betrachtet und auf dem geknipsten Mikrobildchen habe ich nahezu das gleiche grau. Regulier ich die Beleuchtung nach unten wird der Hintergrund ein Tuckelchen gelblicher. Aus meiner Erfahrung eine Sache der vernünftigen Beleuchtung und im Einklang mit einem geeigneten Fotoapparat = aussagekräftiges Mikrofoto.
2. Der Kondensor sitzt zu weit unten. Abbildungsfehler nehmen zu. Der Hintergrund wird "grieselig"
Mir ist aufgefallen das dieses „grieselige“ auch auf Bild 1 ist. Kommt nur halt nicht so zur Geltung durch die gelbliche Tönung. Habe grade mal beide Mikrobilder auf rel. einheitlich grau gebracht und da hat auch Bild 1 ein leichtes „grieseln“. Die rel. ausgedehnten Ringe um die Sporen bei Bild 2 würden mich da eher stören.
Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co
PS: Zu Rückfragen stehe ich erst am Sonntag wieder zur Verfügung.
Stefan S., (vor 5527 Tagen) @ Gelbfieber
Oder anders gefragt: Ist grundsätzlich ein grauer (für mich neutraler)
Hintergrund „falsch“
Ich weiß nicht, ob es eine Regel dafür gibt, vor welchem Hintergrund
ein Präparat am besten beurteilt werden sollte. Da bist du der Profi.
Ist in der Pilzmikroskopie vermutlich auch völlig egal, weil es hier ja
selten um Farben, sondern eher um Strukturen und Maße geht.
Die Spezialisten im Mikroskopie-Forum arbeiten oft mit weißen Hintergründen.
Diese Fotos sind aber sicher auch bearbeitet. Vermutlich waren die Hintergründe
auf der Original-Aufnahme auch gelblich oder grau.
Hier mal ein Beispiel:
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=9989.0
Grüße
Stefan
Gelbfieber, (vor 5527 Tagen) @ Stefan S.
Hallo und guten Abend Stefan,
kurz zwischen Tür und Angel:
Ich weiß nicht, ob es eine Regel dafür gibt, vor welchem Hintergrund ein Präparat am besten beurteilt werden sollte. Da bist du der Profi. Ist in der Pilzmikroskopie vermutlich auch völlig egal, weil es hier ja selten um Farben, sondern eher um Strukturen und Maße geht.
Völlig egal ist das keineswegs!!!
Auch Farben müssen in der Pilzmikroskopie beurteilt werden. Deshalb ist es aus meiner Sicht sehr wichtig einen gleich bleibend „neutralen“ Hintergrund zu haben – grau. Ein grauer Hintergrund kommt z. B. bei einem nachträglichen Weißabgleich deines Mikrobildes NR. 1 auch raus. Eine fachlich gute Einstellung am Mikroskop und am Fotoapparat erspart die Nacharbeit sprich der Hintergrund ist grau.
Allzu genau möchte ich es mit dem Hintergrund nicht nehmen. Ein leicht gelblicher Hintergrund ist m. E. nicht schön aber zu verkraften. Hintergründe in blau, grün, und in Brauntönen sind dagegen unakzeptabel ganz zu schweigen von Mikro-Dokumentationen die die komplette Farbpalette aufweisen. Muß nicht richtig sein – ist lediglich meine Meinung zur Darstellung mikroskopischer Merkmale.
Schau mal auf das angefügte Sporenbildchen. Ein etwa gleicher Grauton ist doch optisch schon ansprechender als gelb und grau zusammen. Weiterhin sieht man auch das die Sporen auf dem gelben Hintergrund ein wenig anders „gefärbt“ sind als die auf dem grauen. Da haben wir die oben angesprochene Farbgestaltung. Außerdem ist die Grieseligkeit vorhanden, wenn auch nicht so grob aber sie ist da, nur bei der gelblichen Darstellung nicht zu sehen.
Nun bin ich „wech“
Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co
Der Juergen, (vor 5529 Tagen) @ Jorge
Hallo Jorge,
du kannst mit einer Köhler'schen Beleuchtung das Optimale rausholen. Genannte Mikroskop-Modelle meiner Vorredner verwenden auch Köhlers Prinzip, sind aber fest eingestellt. Das nennt sich glaub "Kritische Beleuchtung". Eine echte, leistungstarke Beleuchtung nach Köhler, wo man auch "köhlern" muss, ist auf jeden Fall was tolles.
Grüßle
Jürgen
Stefan S., (vor 5529 Tagen) @ Der Juergen
Mikroskop-Modelle meiner Vorredner verwenden auch Köhlers Prinzip, sind
aber fest eingestellt. Das nennt sich glaub "Kritische
Beleuchtung". Eine echte, leistungstarke Beleuchtung nach Köhler, wo
man auch "köhlern" muss, ist auf jeden Fall was tolles.
Grüßle
Jürgen
Streng genommen darf man bei der "Kritischen Beleuchtung" nicht von Köhlers Prinzip sprechen,
da hier lediglich der Kondensor in der Höhe verstellt werden kann.
Beliebt ist auch der Ausdruck "Fixed Köhler", vermutlich, weil es hochwertiger klingt.
Das Prinzip der Köhlerschen Beleuchtung bedingt, dass der Kondensor horizontal und vertikal verstellt
und die Leuchtfeldblende mittels Iris geschlossen werden kann.
Nur so ist es möglich, die Lichtquelle perfekt unter das Objekt zu fahren und die Leuchtfeldblende
exakt zu weit öffnen, dass das Sichtfeld gerade eben ausgeleuchtet wird.
Grüße
Stefan
Stefan S., (vor 5529 Tagen) @ Stefan S.
Korrektur: ...exakt so weit zu öffnen...
Der Juergen, (vor 5528 Tagen) @ Stefan S.
Hallo Stefan,
ergänzend noch zu Deiner Ausführung: Bei der kritischen Beleuchtung
wird wie beim Köhler'schen Prinzip die Glühwendel der (vorzentrierten) Birne auf der Apertur-Blenden-Ebene scharf abgebildet. Ich habe das mal bei einem Olympus CH2 mal ausprobiert, indem ich ein weißes Stück Papier auf die Apertur-Blende gelegt habe, und die Streifen der Glühwendel sehen konnte. Bei diesem "fixed Köhler", wie Du es nennst, geht es schon nach Köhlers Prinzip. Besser ist natürlich eine echte Köhler'sche Beleuchtung, wo alles exakt auf den Strahlengang justiert werden kann: Zentrierbarer und höhenverstellbarer Kondensor + Leuchfeldblende. (Am besten auch eine zentrierbare Aperturblende für schiefe Beleuchtung).
Grüßle
Jürgen
Jorge, (vor 5529 Tagen) @ Jorge
Vielen Dank für die Antworten
VG Jorge
Hallo,
ich hätte da eine Frage: Braucht man zur Pilzmikroskopie ein Mikroskop mit
Köhler-Beleuchtung?
Ist sie ein Muss, oder ist auf sie verzichtbar ohne große Nachteile?
Danke im Voraus Jorge