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Umfrage Bestandssituation Saftlinge

Ingo Jürgens, (vor 5471 Tagen)

Hallo an alle Pilzfreunde,

ich möchte den höchst interessanten Artikel von Frau Prof. Dr. Ruthsatz in der Tuexenia 31:

"Saftlinge (Hygrocybe) als Indikatoren alter magerer Wiesen im Großraum Trier"

pdf-Download unter

http://tuexenia.de.ds0201.hostingschmie.de/fileadmin/website/downloads/Tuexenia31/10_Ru...

zum Anlass nehmen, um hier im Forum nach der Situation der Saftlinge in landschaftlich weniger begünstigten Regionen Deutschlands und insbesondere in Norddeutschland zu fragen.

Wer kann sich in der Nähe seines Wohnortes noch an Magerwiesen oder -weiden mit fünf oder mehr Hygrocybe-Arten (inkl. der Ellerlinge, ehemals Camarophyllus) erfreuen? Die Artenzahl "5" habe ich gewählt, weil sie zumindest in meinem Beobachtungsbereich (Großraum Bielefeld) kaum noch erreicht oder gar überboten wird, tatsächlich ist hier schon Grünland mit nur 3 Hygrocybe-Arten höchst bemerkenswert.

Bei Positiv-Meldungen bitte zum Schutz der Standorte keine genauen Ortsangaben. Wichtig sind auch Negativmeldungen und Angaben über erloschene Vorkommen.

Ich mache mal den Anfang für das Stadtgebiet von Bielefeld. Nach meinen Beobachtungen finden sich hier nur noch 2 Wiesen mit fünf oder mehr Arten: ein Friedhofsrasen mit aktuell 6 Arten (conica, virginea, persistens, coccinea, psittacina u. mucronella) und eine größere extensiv bewirtschaftete Fläche in einem NSG mit ehemals 8 Arten, von denen in den letzten Jahren aber nur noch 5 bestätigt werden konnten.

Aus dem angrenzenden Kreis Gütersloh ist mir gar keine Wiese mit der hier geforderten Artenzahl bekannt, Saftlinge sind dort bis auf H. conica und H. virginea so gut wie ausgestorben. Restvorkommen anderer Arten sind (wenn überhaupt) nur noch mit viel Mühe zu finden (Ausnahme: H. persistens und H. calciphila in Kalksteinbrüchen des Teutoburger Waldes).

Mit der Bitte um zahlreiche Antworten und Kommentare

Gruß

Ingo

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Re: Umfrage Bestandssituation Saftlinge

Thomas Pruss, (vor 5471 Tagen) @ Ingo Jürgens

Moin Ingo,
da du nach Norddeutschlands Saftlingen fragst, hier meine Funde (norddeutscher geht es kaum noch ;-)):
Truppenübungsgebiet Krelauer Heide bei Seeth/Nordfriesland: Stumpfer Saftling (H. chlorophana) und Kirschroter Saftling (H. coccinea) beide zerstreut. Staatsforst Rendsburg bei Kropp (Kreis SL): ebenfalls Kirschroter Saftling, dazu Schwärzender Saftling (H. nigrescens). Letzerer scheint dort ortshäufig zu sein und wächst vor allem entlang der Sandwege. Auf den Deichen entlang der Eider wächst selten der Papageiengrüne Saftling (H. psittacina). Ich vermute mal, dass ich noch mehr finden könnte, wenn ich die Zeit dazu hätte.
Grüßlis
Thomas

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Re: Umfrage Bestandssituation Saftlinge

Svampskogen, (vor 5471 Tagen) @ Ingo Jürgens

Hallo Ingo

Zur Saftlingssituation in Deutschland kann ich leider nicht viel beitragen (suche vorallem in Schweden. In der Schweiz, wo ich wohne, soll vorallem der Kanton Graubünden noch reich an Magerwiesen und Saftlingen sein). Nur dass ich vor 3 Wochen in der Nähe von Höhenschwand im Schwarzwald war. Dort gab es noch einige Magerwiesen, habe jedoch nur eine näher untersucht. Gefunden habe ich:
Hygrocybe cantharellus (ganz in gelb!)
Hygrocybe virginea
Hygrocybe conica
Hygrocybe persistens
Hygrocybe glutinipes (scheint mir häufiger als in der Literatur angegeben)

Vielen Dank für den Artikel. Hier noch 3 Links meinerseits über Saftlinge und Wiesenpilze.
http://www.nifg.org.uk/WestDonegalWaxcapSurvey.pdf

http://www.aber.ac.uk/waxcap/downloads/stringer-historywaxcapreccarms09.pdf

http://www.plantlife.org.uk/uploads/documents/Hygrocybe_calyptriformis_species_dossier.pdf

Hallo an alle Pilzfreunde,
ich möchte den höchst interessanten Artikel von Frau Prof. Dr. Ruthsatz in
der Tuexenia 31: "Saftlinge (Hygrocybe) als Indikatoren alter magerer
Wiesen im Großraum Trier"
pdf-Download unter

http://tuexenia.de.ds0201.hostingschmie.de/fileadmin/website/downloads/Tuexenia31/10_Ru...
zum Anlass nehmen, um hier im Forum nach der Situation der Saftlinge in
landschaftlich weniger begünstigten Regionen Deutschlands und insbesondere
in Norddeutschland zu fragen.
Wer kann sich in der Nähe seines Wohnortes noch an Magerwiesen oder -weiden
mit fünf oder mehr Hygrocybe-Arten (inkl. der Ellerlinge, ehemals
Camarophyllus) erfreuen? Die Artenzahl "5" habe ich gewählt,
weil sie zumindest in meinem Beobachtungsbereich (Großraum Bielefeld) kaum
noch erreicht oder gar überboten wird, tatsächlich ist hier schon Grünland
mit nur 3 Hygrocybe-Arten höchst bemerkenswert.
Bei Positiv-Meldungen bitte zum Schutz der Standorte keine genauen
Ortsangaben. Wichtig sind auch Negativmeldungen und Angaben über
erloschene Vorkommen.
Ich mache mal den Anfang für das Stadtgebiet von Bielefeld. Nach meinen
Beobachtungen finden sich hier nur noch 2 Wiesen mit fünf oder mehr Arten:
ein Friedhofsrasen mit aktuell 6 Arten (conica, virginea, persistens,
coccinea, psittacina u. mucronella) und eine größere extensiv
bewirtschaftete Fläche in einem NSG mit ehemals 8 Arten, von denen in den
letzten Jahren aber nur noch 5 bestätigt werden konnten.
Aus dem angrenzenden Kreis Gütersloh ist mir gar keine Wiese mit der hier
geforderten Artenzahl bekannt, Saftlinge sind dort bis auf H. conica und
H. virginea so gut wie ausgestorben. Restvorkommen anderer Arten sind
(wenn überhaupt) nur noch mit viel Mühe zu finden (Ausnahme: H. persistens
und H. calciphila in Kalksteinbrüchen des Teutoburger Waldes).
Mit der Bitte um zahlreiche Antworten und Kommentare
Gruß
Ingo

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Re: Umfrage Bestandssituation Saftlinge

Stephan Weißer, (vor 5471 Tagen) @ Ingo Jürgens

Was genau meinst du mit "landschaftlich weniger begünstigten Regionen"? Schließlich bringt auch die beste Landschaft nichts, wenn der Landwirt die Scheiße aufs Feld kippt... Oder meinst du gar: landschaftlich begünstigt sind die Regionen, in denen es möglichst wenige Düngewiesen gibt?

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Re: Umfrage Bestandssituation Saftlinge

Ingo Jürgens, (vor 5471 Tagen) @ Stephan Weißer

Was genau meinst du mit "landschaftlich weniger begünstigten
Regionen"? Schließlich bringt auch die beste Landschaft nichts, wenn
der Landwirt die Scheiße aufs Feld kippt... Oder meinst du gar:
landschaftlich begünstigt sind die Regionen, in denen es möglichst wenige
Düngewiesen gibt?

Hallo Stephan,

"landschaftlich begünstigt" sind unsere Mittelgebirge, wo es aufgrund eines reichhaltigen Reliefs immer auch Flurstücke gibt, auf denen eine intensive landwirtschaftliche Nutzung erschwert ist und nicht lohnt (sei es durch steile Hanglage, schwere Erreichbarkeit, extreme Flachgründigkeit, geringe Größe usw.). Nur deshalb finden wir dort noch artenreiches Grünland auf nennenswerter Fläche. Die staatlichen Beihilfen (Vertragsnaturschutz) sind viel zu gering und würden kaum was bringen, wenn statt der damit unterstützten extensiven Bewirtschaftung auch eine intensive Bewirtschaftung der Flächen möglich bzw. rentabel wäre.

"Landwirtschaftlich weniger begünstigt" ist im Gegensatz dazu das Flach-und Hügelland, wo einer intensiven Bewirtschaftung durch natürliche Gegebenheiten kaum eine Grenze gesetzt wird und wo wie im Fall der Nordwestdeutschen Tiefebene kaum noch irgendwo artenreiches Grünland zu finden ist.

Gruß

Ingo