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Mal wieder kulinarische Experimente

Stephan Weißer, (vor 5453 Tagen)

Unser Hohenloher Wald gibt erfreulicherweise immer noch Pilze her - nur eben keine Steinpilze, Maronen oder Pfifferlinge. Also habe ich heute mal wieder ein paar Arten, die derzeit im Nadelwald häufig sind, neu probiert (jeweils geschnetzelt, in Butter in der Pfanne gedünstet, leicht gesalzen):

Pholiota lenta (Tonfalber Schüppling): Beim Putzen habe ich die schlonzige Huthaut abgezogen, das geht problemlos in einem Stück. Geschmack kräftig wildpilzartig, für meine Begriffe unbitter, mit ausgeprägtem Eigengeschmack. Konsistenz fest, etwa wie Rauchblättrige Schwefelköpfe. Als Einzelgericht lecker, als Mischpilz sicher gut verwendbar. Sehr gerne wieder.

Clitocybe clavipes (Keulenfußtrichterling): Geschmack völlig unbitter, wie man sagt "pilzig", ähnlich dem Mönchskopf. Konsistenz etwas lasch, aber noch in Ordnung. Sollte mit etwas aromastärkeren Arten gemischt werden, z. B. Violetter Rötelritterling. Als Füllpilz o. K.

Hygrophorus punctatus (Punktiertstieliger Schneckling): Schmeckt nach nichts, nicht einmal "pilzig". Konsistenz leicht glitschig. Immerhin unbitter, macht als Füllpilz im Mischgericht daher nicht viel kaputt.

Collybia butyracea var. asema (Horngrauer Rübling): schmeckt muffig-erdartig, mit herber Beikomponente, ähnlich dem Aroma von Scheidenstreiflingen oder Grauen Wulstlingen. Konsistenz weich, im Stiel (sofern man ihn dranlässt) knurpselig. Schmeckt mir nicht.

Lepista gilva/flaccida (Fuchsiger Röteltrichterling): Scheint Glückssache zu sein, ob man bittere oder milde erwischt. Geschmacksproben im Wald vor Ort durchgeführt. Die ganz hellen mit den konzentrischen Wassertröpfchen am Hutrand sind anscheinend mild, die kräftiger orange gefärbten ohne Wassertröpfchen bitterlicher. Vielleicht ist das doch nicht nur eine Art. Daraufhin die Finger weggelassen.

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Re: Mal wieder kulinarische Experimente

Peter S., (vor 5453 Tagen) @ Stephan Weißer

Clitocybe clavipes (Keulenfußtrichterling): Geschmack völlig unbitter, wie
man sagt "pilzig", ähnlich dem Mönchskopf. Konsistenz etwas
lasch, aber noch in Ordnung. Sollte mit etwas aromastärkeren Arten
gemischt werden, z. B. Violetter Rötelritterling. Als Füllpilz o. K.

Hallo Stephan,

m. A. nach kann man Ampulloclitocybe clavipes gar nicht als Speisepilz deklarieren. Wenn, dann muss man mindestens immer etwas zur Unverträglichkeit im Zusammenhang mit Alkohol sagen. Ob das wirklich durch Coprin ausgelöst wird oder ganz andere Verbindungen daran "schuld" sind, ist wohl noch nicht bekannt. Tatsächlich hat es aber in Frankreich, Tschechien und auch in den USA und Japan Vergiftungen mit diesem Pilz gegeben.

Also empfehle bitte nicht den Verzehr eines solchen Pilzes.
Und wenn, dann erwähne in jedem Fall das Antabus - Syndrom.

Gruß Peter

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Re: Mal wieder kulinarische Experimente

Stephan Weißer, (vor 5453 Tagen) @ Peter S.

Wird gemacht, danke für die Info. Ich habe in der Zwischenzeit im Pilzbuch auch von den Problemen bei Alkoholverzehr gelesen. Man muss nicht alles weiterempfehlen, was man selber isst. Z. B. hatte ich mit Boletus luridus auch keine Probleme, obwohl ich zum Pilzgericht ganz bewusst Alkohol getrunken habe. Dennoch würde ich das niemandem weiterempfehlen.

Nach jetzt fünf Stunden Latenzzeit sind bei mir keinerlei gesundheitliche Probleme aufgetreten, zumindest ich scheine alles oben Aufgeführte zu vertragen.

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Re: Mal wieder kulinarische Experimente

Peter S., (vor 5453 Tagen) @ Stephan Weißer

Nach jetzt fünf Stunden Latenzzeit sind bei mir keinerlei gesundheitliche
Probleme aufgetreten, zumindest ich scheine alles oben Aufgeführte zu
vertragen.

Hallo Stephan,

dann prost - auf unser Feiabendbier.

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Re: Mal wieder kulinarische Experimente

Toffel, (vor 5453 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan!

Wird gemacht, danke für die Info. Ich habe in der Zwischenzeit im Pilzbuch
auch von den Problemen bei Alkoholverzehr gelesen. Man muss nicht alles
weiterempfehlen, was man selber isst. Z. B. hatte ich mit Boletus luridus
auch keine Probleme, obwohl ich zum Pilzgericht ganz bewusst Alkohol
getrunken habe. Dennoch würde ich das niemandem weiterempfehlen.
Nach jetzt fünf Stunden Latenzzeit sind bei mir keinerlei gesundheitliche
Probleme aufgetreten, zumindest ich scheine alles oben Aufgeführte zu
vertragen.

Die letzten beiden habe ich auch schon probiert und vertragen.
Meines Wissens wurde Coprin bisher nur in Tintlingen sicher nachgewiesen. Die berichteten Probleme bei anderen Arten beruhen eher auf normalen Unverträglichkeiten, schon die Symptome deuten darauf hin. Bei den Boleten liegt das sicher an dem schwer verdaulichen, dichten Fleisch.

Viele Grüße
Toffel

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Re: Mal wieder kulinarische Experimente

Peter S., (vor 5453 Tagen) @ Toffel

berichteten Probleme bei anderen Arten beruhen eher auf normalen
Unverträglichkeiten, schon die Symptome deuten darauf hin.

Hallo Toffel,

wenn die Mediziner und Mykologen aus den genannten Ländern das nächste mal nicht so richtig wissen, woran es gelegen hat, sollten sie Dich fragen.

Ne - im ernst - sowohl Romagnesi als auch Imazekis aus Japan und Kubicka berichteten in medizinischen Fachzeitschriften über eindeutige Symptome.
Folglich hat genau dieses Phänomen für Ampulloclitocybe clavipes dann auch in die große Giftpilzfibel von Bresinky und Besl geführt.

Und jeder auch nur halbwegs verantwortungsvolle Pilzberater und Hobbymykologe sollte dann auch diese Warnung beherzigen und nicht einfach anderes behaupten.
Wenn es Dir schmeckt, dann sei es Dir natürlich unbenommen.
Gegenüber Dritten sollte man dann aber wenigstens warnend hinweisen.

Peter

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Re: Mal wieder kulinarische Experimente

Toffel, (vor 5452 Tagen) @ Peter S.

Hallo Peter!

Ne - im ernst - sowohl Romagnesi als auch Imazekis aus Japan und Kubicka
berichteten in medizinischen Fachzeitschriften über eindeutige Symptome.
Folglich hat genau dieses Phänomen für Ampulloclitocybe clavipes dann auch in
die große Giftpilzfibel von Bresinky und Besl geführt.

Wurden die Symptome des Antabus-Syndroms auch plötzlich infolge von Alkoholgenuss nach drei bis vier Tagen nach dem Pilzverzehr beobachtet? Sonst halte ich eine Zuordnung zu eben diesem Syndrom für ungerechtfertigt.

Viele Grüße
Toffel

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Re: Mal wieder kulinarische Experimente

Peter P., (vor 5453 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

am Wochenende haben wir heimische Tannenareale aufgesucht und etliche zumindest für unsere Breiten interessante und seltene Arten gefunden, u. a. Hygrophorus pudorinus, Lactarius salmonicolor, Russula cavipes, Xerula melanotricha, Amanita pantherina var. abietina.......Soviele Lact. salm. haben wir vorher noch nie gesehen, Hygr. pud. stand zu hunderten, dazwischen Russ. cav...usw. Für Dich als
Bewohner der Weißtannenkerngebiete bestimmt keine Seltenheiten, aber für uns in dieser Fülle ein tolles Erlebnis.
Gruß Peter P.
(Natürlich haben wir auch den Speisewert erörtert: "Ochsenmaulsalat" wäre zentner-
weise drin gewesen, eine andere Art hätte Ölfarbengeschmack beigesteuert und der fragile Weißtannentäubling "Wurstbreiaroma".)

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Lact. salmonicolor

Peter P., (vor 5453 Tagen) @ Peter P.

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Russ. cavipes

Peter P., (vor 5453 Tagen) @ Peter P.

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Re: Mal wieder kulinarische Experimente

Svampskogen, (vor 5453 Tagen) @ Peter P.

Vorallem Lactarius salmonicolor und Russula cavipes sind auf jeden Fall bei mir in der Schweiz oft richtige Massenpilze und etwa alle 10 m zu sehen. Es fällt mir immer schwer mir vorzustellen, dass es Gebiete gibt, wo diese Arten selten sind
:-)

Gruss Svampskogen

Hallo Stephan,
am Wochenende haben wir heimische Tannenareale aufgesucht und etliche
zumindest für unsere Breiten interessante und seltene Arten gefunden, u.
a. Hygrophorus pudorinus, Lactarius salmonicolor, Russula cavipes, Xerula
melanotricha, Amanita pantherina var. abietina.......Soviele Lact. salm.
haben wir vorher noch nie gesehen, Hygr. pud. stand zu hunderten,
dazwischen Russ. cav...usw. Für Dich als
Bewohner der Weißtannenkerngebiete bestimmt keine Seltenheiten, aber für uns
in dieser Fülle ein tolles Erlebnis.
Gruß Peter P.
(Natürlich haben wir auch den Speisewert erörtert:
"Ochsenmaulsalat" wäre zentner-
weise drin gewesen, eine andere Art hätte Ölfarbengeschmack beigesteuert und
der fragile Weißtannentäubling "Wurstbreiaroma".)

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Re: Mal wieder kulinarische Experimente

Stephan Weißer, (vor 5452 Tagen) @ Peter P.

Auf die Gefahr hin, dass du jetzt lachst - ausgerechnet Hygrophorus pudorinus gehört zu den Arten, die ich noch nie gesehen, geschweige denn gefunden habe.

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Re: Mal wieder kulinarische Experimente

Svampskogen, (vor 5451 Tagen) @ Stephan Weißer

Also unmittelbar bei mir zu Hause ist der Weisstannen-Schneckling auch rar. Da muss ich zuerst schon eine 5-minütige Autofahrt auf mich nehmen um in häufiger zu finden :-)

Auf die Gefahr hin, dass du jetzt lachst - ausgerechnet Hygrophorus pudorinus
gehört zu den Arten, die ich noch nie gesehen, geschweige denn gefunden
habe.

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Re: Mal wieder kulinarische Experimente

Stephan Weißer, (vor 5450 Tagen) @ Svampskogen

Also unmittelbar bei mir zu Hause ist der Weisstannen-Schneckling auch rar.
Da muss ich zuerst schon eine 5-minütige Autofahrt auf mich nehmen um in
häufiger zu finden :-)

Klar, dass solche Sprüche kommen. Wartet nur, jetzt gehe ich in den Tannenwald und dann zeig ich es euch aber!