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Naucoria?

Klaas, (vor 4527 Tagen)

Hallo zusammen,

mir dünkt so langsam, als könnte ich immer weniger Pilze bestimmen. Liegt vielleicht aber auch daran,
dass ich inzwischen immer mehr "komische" Pilze eintüte, um die ich zuvor weite Haken geschlagen hatte.
In diesem Fall war daran aber kein Vorbeikommen, die Kleinen waren neben unbestimmten Hebelomen, Saumpilzen
und dort weniger häufigem Kleinzeugs nahezu aspektbildend. In einem sozusagen "verbotenen" Gebiet wachsend,
welches am Ortsrand jährlich ebenerdig plattgesägt und -gehäckselt wird, bislang jedoch nur die Hälfte.
In der noch buschig bewachsenen Zone fanden sich unerwartet jede Menge "Großpilze".

Ich gehe dort etwas geduckt - man weiß ja nie, was man am Boden übersieht, wer einen von der Landstraße aus zum
Gewerbegebiet hin sieht, von wem man schließlich abgeführt wird... Jedenfalls standen dort schon Arten,
die ich im gesamten Großraum Wiesbaden noch nicht wieder finden konnte. Es ist wohl eine alte Großbrandstelle,
der Boden besteht hauptsächlich aus Bauschutt nach dem Brand. Gelegentlichen Brandnachschub gab es längere Zeit
mittels übernachtenden LKW-Fahrern, die dort wohl ihre Süppchen über brennenden Paletten aufwärmten...

An Gebüsch fielen mir dort sonst vorwiegend Weidengewächse (Espen) auf, dieses Jahr wunderte ich mich über die
großen Sanddorn-Inseln. Es ist normalerweise ein sautrockenes Gelände, nach den kürzlichen Regenfällen aber
gut durchfeuchtet. Lange Rede, Standort abgekürzt: Gewöhnlich trocken, Schutt, Gestein, Brandstelle, kaputtgepflegt.

Die kleinen FK, bis 50 mm hoch, Hut bis max. 15 mm, standen dort einzeln bis in Dreiergruppen, oft auffallend
papilliert, zumindest gebuckelt und rel. einheitlich hellbraun, bis auf die ebenso markante schwarze/schwärzende
Stielbasis. Vor Ort hatte ich noch die Idee, dass ich die irgendwie kennen könnte - nach dem ersten mikroskop.
Anschauen war das aber Blödsinn, besonders mit den gelbbraunen Sporen. Die sich nach näherer Betrachtung
auch noch als, wenn auch sehr schwach, warzig zeigten - also Naucoria?

An CHz messe ich bislang nur 30-40 µm, Sporen um (7-7,5)8-8,5(9)x(4,5)5-5,5 µm, Basidien 4-sp., KZ 25-35 µm lang.
Ich habe keine Ahnung, ob ich nach langem Kampf überhaupt mit Naucoria richtig liege - und ob sich wg. der o.g.
Lokalität sogar mein derzeitiger Verdacht auf N. amarescens, ggf. in der var. geraniolens (bislang nur mit Ludwig
verglichen) bestätigen könnte. Den Geruch empfinde ich als aufdringlich, leicht unangenehm und metallisch, habe
jedoch auch Schwierigkeiten, Cortinarius flexipes allein am Geruch zu erkennen...

Hat jemand bessere Idee zur Gattung?
Falls ich mit meiner Raterei richtig liegen sollte, vielleicht auch noch zur Art?

Grüße
Klaas

Makros:

[image]

[image]

ChZ:

[image] [image]

KZ:

[image] [image]

HDS:

[image] [image]

Sporen / KZ mit Sporen:

[image] [image]

Re: Naucoria?

Heinz Ebert ⌂, (vor 4527 Tagen) @ Klaas

Vergleiche mal mit Hebeloma anthracophilum und H. pseudoamarescens.
Gruß, Heinz Ebert

Hallo zusammen,
mir dünkt so langsam, als könnte ich immer weniger Pilze bestimmen. Liegt
vielleicht aber auch daran,
dass ich inzwischen immer mehr "komische" Pilze eintüte, um die ich
zuvor weite Haken geschlagen hatte.
In diesem Fall war daran aber kein Vorbeikommen, die Kleinen waren neben
unbestimmten Hebelomen, Saumpilzen
und dort weniger häufigem Kleinzeugs nahezu aspektbildend. In einem sozusagen
"verbotenen" Gebiet wachsend,
welches am Ortsrand jährlich ebenerdig plattgesägt und -gehäckselt wird,
bislang jedoch nur die Hälfte.
In der noch buschig bewachsenen Zone fanden sich unerwartet jede Menge
"Großpilze".
Ich gehe dort etwas geduckt - man weiß ja nie, was man am Boden übersieht,
wer einen von der Landstraße aus zum
Gewerbegebiet hin sieht, von wem man schließlich abgeführt wird... Jedenfalls
standen dort schon Arten,
die ich im gesamten Großraum Wiesbaden noch nicht wieder finden konnte. Es
ist wohl eine alte Großbrandstelle,
der Boden besteht hauptsächlich aus Bauschutt nach dem Brand. Gelegentlichen
Brandnachschub gab es längere Zeit
mittels übernachtenden LKW-Fahrern, die dort wohl ihre Süppchen über
brennenden Paletten aufwärmten...
An Gebüsch fielen mir dort sonst vorwiegend Weidengewächse (Espen) auf,
dieses Jahr wunderte ich mich über die
großen Sanddorn-Inseln. Es ist normalerweise ein sautrockenes Gelände, nach
den kürzlichen Regenfällen aber
gut durchfeuchtet. Lange Rede, Standort abgekürzt: Gewöhnlich trocken,
Schutt, Gestein, Brandstelle, kaputtgepflegt.
Die kleinen FK, bis 50 mm hoch, Hut bis max. 15 mm, standen dort einzeln bis
in Dreiergruppen, oft auffallend
papilliert, zumindest gebuckelt und rel. einheitlich hellbraun, bis auf die
ebenso markante schwarze/schwärzende
Stielbasis. Vor Ort hatte ich noch die Idee, dass ich die irgendwie kennen
könnte - nach dem ersten mikroskop.
Anschauen war das aber Blödsinn, besonders mit den gelbbraunen Sporen. Die
sich nach näherer Betrachtung
auch noch als, wenn auch sehr schwach, warzig zeigten - also Naucoria?
An CHz messe ich bislang nur 30-40 µm, Sporen um (7-7,5)8-8,5(9)x(4,5)5-5,5
µm, Basidien 4-sp., KZ 25-35 µm lang.
Ich habe keine Ahnung, ob ich nach langem Kampf überhaupt mit Naucoria
richtig liege - und ob sich wg. der o.g.
Lokalität sogar mein derzeitiger Verdacht auf N. amarescens, ggf. in der var.
geraniolens (bislang nur mit Ludwig
verglichen) bestätigen könnte. Den Geruch empfinde ich als aufdringlich,
leicht unangenehm und metallisch, habe
jedoch auch Schwierigkeiten, Cortinarius flexipes allein am Geruch zu
erkennen...
Hat jemand bessere Idee zur Gattung?
Falls ich mit meiner Raterei richtig liegen sollte, vielleicht auch noch zur
Art?
Grüße
Klaas
Makros:

ChZ:
KZ:
HDS:
Sporen / KZ mit Sporen:

Re: Naucoria?

Der Juergen, (vor 4526 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Heinz,

Vergleiche mal mit Hebeloma anthracophilum und H. pseudoamarescens.
Gruß, Heinz Ebert

fiel mir auch reflexhaft ein, aber H. pseudoamarescens besitzen kopfige Cheilos. Ich finde H. pseudoamarescens bei uns relativ häufig.

Grüßle
Jürgen

Re: Naucoria?

Klaas, (vor 4526 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Heinz,

danke für Deine Unterstützung und das tolle Manuskript!

Ich denke aber - ohne die Gattung näher oder wenigstens einigermaßen zu kennen -
dass alleine schon diese Brennhaar-Zystiden an Lamelle und Stiel nicht zu den
(genannten?) Hebelomen passen. Auch würde ich bei diesem eher helmlingsartigen
Habitus eher nicht an Hebeloma denken - was aber nicht viel bedeuten muss, wenn
ich mir die Abb. von H. pseudoamarescens (und auch die Synonyme dazu) in PDS ansehe...

Ich denke im Moment, muss aber nochmal etwas nachlesen, dass die Merkmale doch besser
zu N. amarescens passen. Wenn Du lieber selbst Hand anlegen möchtest, kann ich Dir
gerne luftgetrocknetes Material zusenden.

Viele Grüße
Klaas

Re: Naucoria?

jesko, (vor 4526 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

das würde ich schon für Naucoria amarescens halten. Die Angaben zur Sporengröße in der Literatur unterscheiden sich teils etwas. Ob man nun deshalb bzw. wegen unterschiedlicher Länge der ChZ gleich unterschiedliche Sippen annehmen will? Bzw. ich kenne keinen Versuch, hier weiter aufzusplittern.
Makroskopisch kenne ich die Art auch so, wie Du sie zeigst, jung etwas gelblich, alt dann mehr bräunlich. Zumindest bei mir riechen sie meistens nach Pelargonium. Auf diesen Geruch wird oft nicht geachtet, daher weiß ich nicht, ob es gerechtfertigt ist, einen für die Abspaltung einer weiteren Sippe maßgeblichen Geruchsunterschied anzunehmen.
Das von Dir beschriebene Habitat passt auch wie die Faust aufs Auge: Oft an Ruderalstellen, die schon längere Zeit sich selbst überlassen waren und mit Salicaceaen bewachsen sind, nicht notwendigerweise Brandstellen. Hier in Nordwestsachsen ist die Art in Tagebaurekultivierungsgebieten (meist mit hohem Populus-Anteil) gut verbreitet.

Viele Grüße,
Jesko

Re: Naucoria?

Klaas, (vor 4526 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

Deine Antwort beruhigt mich etwas, gerade bei solchen Gattungen, mit denen ich noch
nicht sehr in Kontakt gekommenen bin, bin ich äußerst verunsichert, was meine
Bestimmungsversuche angeht.

Wenn ich richtig verstehe, stehen die beiden in der FN als zwei Arten getrennt,
Ludwig stuft die N. geraniolens auf eine Varietät hinab. Wenn ich dem folgen würde,
käme ich mit dem oft deutlich kurz gerieften Hutrand und dem an allen FK verdrehten
Stiel zu dieser var. - wenn ich nur mal diesen Pelargonium-Geruch abspeichern könnte.
Egal, überhaupt dort gelandet zu sein, verbuche ich als kleinen Erfolg... ;)

Vielen Dank und Grüße
Klaas

Re: Naucoria?

Klaas, (vor 4525 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

danke für den Link zu Deiner Kollektion!
(Der allmächtige Gockel verschluckt sich scheinbar an Deinen beiden eckigen "o", sodass
von "entoloma" nur noch "entlma" im Verweis übrig bleibt - hast Du sicher aber schon bemerkt?)

Von den Fotos her und dem Großteil Deiner Beschreibung zum Fund halte ich mit, allein beim
beschriebenen Standort muss ich passen, das ist ein völlig anderer.
Ein paar Mikros dazu fände ich interessant - inwieweit sich da aber etwas zwischen den sumpfig,
moorig oder trocken gewachsenen unterscheiden lässt (evtl. über die Stärke des Sporenornaments?),
weiß ich natürlich nicht und kann nur Zeichnungen vergleichen.
Jedenfalls ist Dein Fund meinem äußerlich höchst ähnlich, jedoch zu beurteilen, ob beide die selbe
Art zeigen, fällt mir schwer.

Grüße
Klaas

Re: Naucoria?

Andreas 2, (vor 4525 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

schließe mich Deiner Vermutung mit (amarescens var.) geraniolens an. Mein einziger, zu dieser Art bestimmte Fund passt gut mit Deinen Abbildungen und Angaben überein. Ich fand sie auf einer mit Pioniergehölzen (vorwiegend Salix und Pinus) bestandenen Hochfläche in ca. 850 m ü. NN im Vogtland am Schneckenstein. Foto hänge ich mal mit an. Leider kein so schönes Standortfoto.

Mit Geraniengeruch habe ich ein ähnliches Problem. Wenn intensiv, dann rieche ich das auch als solchen. Sonst empfinde ich immer so eine schärfliche Note, wo andere sofort den Geraniengeruch feststellen.

Gruß Andreas

[image]

Re: Naucoria?

Klaas, (vor 4521 Tagen) @ Andreas 2

Hallo Andreas,

auch Dir lieben Dank für Deine passenden Informationen zu diesem Fund!

Grüße
Klaas

Re: Naucoria?

jesko, (vor 4524 Tagen) @ Klaas

Hallo an alle,

dank dem Link von Andreas (K.) habe ich mir mal die beiden jüngeren Arbeiten von Moreau (2005) und Moreau & al. (2006) angeschaut. Nach diesen darf man zumindest vermuten, dass die Autoren unveröffentlichte Sequenzdaten in der Hinterhand haben, die belegen, dass Naucoria amarescens und Naucoria geraniolens tatsächlich eigenständige Sippen sind. Doch kann man die auch morphologisch und/oder ökologisch zuverlässig auseinanderhalten? Vesterholt und Heilmann-Clausen (Funga Nordica) geben dazu an, dass Naucoria geraniolens anscheinend nur durch den milden Geschmack sicher unterschieden werden kann. Geschmacksangaben habe ich zu den in diesem Thread vorgestellten/diskutierten Kollektionen allerdings nicht gefunden. Bei der Sippe, die ich selbst im Frühjahr an mehreren Standorten vor allem in Tagebaurekultivierungsgebieten bei Pappel und/oder Weide (keine Brandstellen!) beobachtet habe, ist der Geschmack bitter, also Naucoria amarescens. Da die Funde von Klaas und Andreas (K.) ökologisch und phänologisch wohl mit meinen vergleichbar sind (Andreas erwähnt Populus tremula!), stünde auch hier die Frage nach dem Geschmack.

Im Übrigen deutet Moreau auch an, dass in diesem Formenkreis noch mehr stecken könnte.

Interessant ist auch die Diskussion der Frage, ob die Gattung nun Naucoria oder Alnicola heißen soll. Der Argumentation, aufgrund derer Moreau Alnicola verwendet, kann ich allerdings nicht folgen. Die Frage, ob man den (älteren) Gattungsnamen Naucoria für die Erlenschnitzlinge verwendet, entscheidet sich praktisch an zwei Punkten:

1. Kann/muss die Lektotypisierung der Gattung Naucoria mit Agaricus escharoides durch Donk bzw. Moser & Jülich akzeptiert werden, und, wenn ja,

2. kann Agaricus escharoides auf eine Art aus dieser Gattung festgelegt werden?

Nun kann man einen einmal bestimmten Lektotyp nur verwerfen, wenn dieser im ernsthaften Widerspruch zum Protolog steht (ICN 9.19), denn schließlich ist der Sinn einer Typisierung der, eine bestimmte Interpretation (mit all ihren Für und Wider) verbindlich zu machen. Moreau bringt zwar eine Reihe von Argumenten, zeigt aber einen solchen ernsthaften Widerspruch zum Protolog nicht auf. Daher denke ich, dass man den Lektotyp A. escharoides für Naucoria wird anerkennen müssen. Nun müsste A. escharoides auch noch typisiert werden. Das sollte entweder in dem Sinne, wie er heute zumeist gebraucht wird, oder im Sinne von Naucoria luteolofibrillosa geschehen (s. die Argumentation Moreaus). Damit sollte aus meiner Sicht für die Gattung der Name Naucoria, nicht Alnicola verwendet werden.

Moreaus Entscheidung für Alnicola ist sicherlich auch der französischen Gewohnheit geschuldet, wie er selbst einräumt. Man sollte aber keinesfalls ignorieren, dass der Gattungsname Naucoria anderswo durchaus gebraucht wird. Daher sehe ich keinen besonderen Grund, im Interesse der Stabilität der Nomenklatur nun so zu typisieren, dass Naucoria praktisch nicht mehr verwendet werden kann und Alnicola verwendet werden muss, ganz abgesehen davon, dass die frühere Lektotypisierung aus meiner Sicht nicht verworfen werden kann und der nomenklatorische Kunstgriff Moreaus nicht funktioniert.

Aber sicherlich wird die Gattung ohnehin aufzuspalten sein (s. Moreau & al. 2006), mal schauen, was dann nomenklatorisch herauskommt.

Viele Grüße,

Jesko

Re: Naucoria?

AK_CCM, (vor 4523 Tagen) @ jesko

Guten Morgen Jesko,

Da die Funde von Klaas und Andreas (K.) ökologisch und phänologisch
wohl mit meinen vergleichbar sind (Andreas erwähnt Populus tremula!),
stünde auch hier die Frage nach dem Geschmack.

vielleicht schaffe ich es die Tage, den Fundort nochmals aufzusuchen. Sollte der Pilz fruktifizieren, gibt es erfahrungsgemäß reichlich Fruchtkörper. Ich kaue zwar ungern auf Frk. herum, weshalb Du in meinen Beschreibungen i.d.R. nie Geschmacksangaben finden wirst, aber hier würde ich eine Ausnahme machen.

Mir geht es aber beim Geschmack wie Dir bei (relativ gering) abweichenden Sporen- bzw. Zystidenmaßen: Das scheint mir kein gutes Trennmerkmal zu sein. Denk nur mal an den Bitteren Kiefern-Zapfenrübling, der auch nicht immer bitter schmeckt...

Zum Namensdisput habe ich momentan keine Meinung, weil mir dazu die Hintergrundinformationen fehlen - hatte zugegebenermaßen einfach die Meinung von Moreau und Kollegen übernommen. Wurden Alnicola und Naucoria nicht im gleichen Jahr aufgestellt? Da muss ich mich wohl noch einlesen.

Gruß, Andreas

Re: Naucoria?

Heinz Ebert ⌂, (vor 4523 Tagen) @ AK_CCM

Hallo alle,

Naucoria, Alnicola, Hebeloma oder sonst was vieleicht ganz neues ? Schon Kühner und Romagnesi wiesen auf die enge Verwandschaft hin. Warum gibt es denn da noch nicht eine einzelne Gattung mit gemeinsamen "Obermerkmalen"? Dann könnte man doch "Arten" in eine einzige Spur führen.
Doch, sorry, ich bin Amateur und habe kein DNA-Labor. Ich bekenne mich auch zu denen, die Ende der 70-er Jahre noch gelächelt haben, wenn jemand sagte, dass ohne Mikroskop praktisch keine Pilze mehr sicher bestimmt werden können. In der Zwischenzeit HABE ich ein sehr gutes Mikroskop, und ich habe auch schon viel damit gearbeitet.
ABER: Ich kann mich nicht des Eindruckes erwehren, dass makroskopische Merkmale (z. B. Gestalt, Geruch, Geschmack, aber auch Alter) immer mehr missachtet werden. Ich hatte auch gelernt, dass Merkmale sich im Laufe des Alterns der Fruchtkörper verändern können. Warum nicht auch genetische?
Es ist gut, dass genetische Untersuchungen stattfinden, aber für mich sind diese (NOCH) nicht das NON-PLUS-ULTRA.
Man mag mir mein Misstrauen gegenüber der DNA-Analysen verzeihen, bitte bitte.
Beste Grüße, Heinz Ebert

Guten Morgen Jesko,
vielleicht schaffe ich es die Tage, den Fundort nochmals aufzusuchen. Sollte
der Pilz fruktifizieren, gibt es erfahrungsgemäß reichlich Fruchtkörper.
Ich kaue zwar ungern auf Frk. herum, weshalb Du in meinen Beschreibungen
i.d.R. nie Geschmacksangaben finden wirst, aber hier würde ich eine
Ausnahme machen.
Mir geht es aber beim Geschmack wie Dir bei (relativ gering) abweichenden
Sporen- bzw. Zystidenmaßen: Das scheint mir kein gutes Trennmerkmal zu
sein. Denk nur mal an den Bitteren Kiefern-Zapfenrübling, der auch nicht
immer bitter schmeckt...
Zum Namensdisput habe ich momentan keine Meinung, weil mir dazu die
Hintergrundinformationen fehlen - hatte zugegebenermaßen einfach die
Meinung von Moreau und Kollegen übernommen. Wurden Alnicola und
Naucoria nicht im gleichen Jahr aufgestellt? Da muss ich mich wohl noch
einlesen.
Gruß, Andreas

Geschmacksfrage

Andreas 2, (vor 4521 Tagen) @ AK_CCM

Hallo,

habe noch eine weitere Koll. von 2004 aus dieser Gruppe herausgefischt, die ich seinerzeit unter N. amarescens abgelegt hatte. Diese stammt von der Kippe Markranstädt bei Leipzig (sicher auch Jeskos Jagdgründe). Ich hatte zum Geschmack bitter (passt zu amarescens) und zum Geruch deutlich pelargonienartig (passt zu geraniolens) notiert. Fundnotizen: Nähe Seeufer im Moos und Laubhumus bei Salix. Ich denke, dass zumindest mit Geschmack und Geruch zwischen den beiden Sippen nicht viel zu machen ist.

Gruß Andreas

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Re: Geschmacksfrage

jesko, (vor 4520 Tagen) @ Andreas 2

Hallo Andreas.

habe noch eine weitere Koll. von 2004 aus dieser Gruppe herausgefischt, die
ich seinerzeit unter N. amarescens abgelegt hatte. Diese stammt von der
Kippe Markranstädt bei Leipzig (sicher auch Jeskos Jagdgründe). Ich hatte
zum Geschmack bitter (passt zu amarescens) und zum Geruch deutlich
pelargonienartig (passt zu geraniolens) notiert. Fundnotizen: Nähe Seeufer
im Moos und Laubhumus bei Salix. Ich denke, dass zumindest mit Geschmack
und Geruch zwischen den beiden Sippen nicht viel zu machen ist.

die Kippe Markrahnstädt kenne ich natürlich, habe da zwar noch nie was in Richtung Naucoria amarescens mitgenommen, aber das Habitat ist selbstverständlich absolut vergleichbar mit sonstigen Fundstellen, wo die Art meist, jedoch nicht ausschließlich im Frühjahr erscheint. Deine Kollektion stammt, wenn ich richtig rate, von Anfang Oktober?!
Pelargoniengeruch wird in der Literatur auch für N. amarescens gegeben. Dass beide Sippen nur nach dem Geschmack sicher zu unterscheiden sein sollen, habe ich auch nur aus FN. Ich habe bislang sicher nur eine Sippe gehabt, die riecht normalerweise nach Pelargonien und schmeckt bitter.

Viele Grüße,
Jesko

Re: Geschmacksfrage

Andreas 2, (vor 4520 Tagen) @ jesko

"Deine Kollektion stammt, wenn ich richtig rate, von Anfang Oktober?!"

Um genau zu sein: vom 8.
Gruß Andreas

Hallo Andreas.
die Kippe Markrahnstädt kenne ich natürlich, habe da zwar noch nie was in
Richtung Naucoria amarescens mitgenommen, aber das Habitat ist
selbstverständlich absolut vergleichbar mit sonstigen Fundstellen, wo die
Art meist, jedoch nicht ausschließlich im Frühjahr erscheint. Deine
Kollektion stammt, wenn ich richtig rate, von Anfang Oktober?!
Pelargoniengeruch wird in der Literatur auch für N. amarescens gegeben. Dass
beide Sippen nur nach dem Geschmack sicher zu unterscheiden sein sollen,
habe ich auch nur aus FN. Ich habe bislang sicher nur eine Sippe gehabt,
die riecht normalerweise nach Pelargonien und schmeckt bitter.
Viele Grüße,
Jesko

Re: Naucoria?

jesko, (vor 4520 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

es ist sicher nicht unbedingt befriedigend, wenn Geruchs- und/oder Geschmacksmerkmale allein zur Unterscheidung herhalten müssen, erst recht nicht, wenn sich in Literaturbeschreibungen keine klaren Angaben (wie "etwas bitter" oder so) dazu finden. Mikroskopische Trennmerkmale haben schließlich auch den Vorteil, dass sie idR an Herbarmaterial noch geprüft werden können. Mit dem "Bitteren" Kiefernzapfenrübling rennst Du bei mir offene Türen ein, den kann man eben nur mit dem Mikroskop bestimmen. Aber da ist der Unterschied ja auch deutlich. Was jedoch kleinere "mikrobiometrische" Unterschiede angeht, wird die Variabilität von Mikromerkmalen innerhalb einer Art nach meinem Geschmack oft unterschätzt. Wie groß die Variabilität eines bestimmten Mikromerkmals innerhalb einer bestimmten Art ist, lässt sich nur mit aufwändigen Untersuchungen mit einer großen Materialbasis hinreichend zuverlässig feststellen. Und man braucht natürlich immer mindestens ein zweites korrelierendes Merkmal (am besten eine Sequenz!). Bei Hebeloma dürfte es künftig teils so sein, dass man z.B. 50 Zystiden durchmessen muss, um kritische Sippen auseinanderzuhalten. Ich will nicht hochrechnen, wie viele Zystiden zu vermessen und wie viele Kollektionen zu sequenzieren waren, um einigermaßen sicherzugehen, dass man damit dann auch das richtige Ergebnis bekommt.

Dass sich Naucoria amarescens und geraniolens nicht mikroskopisch, sondern nur im Geschmack sicher unterscheiden lassen sollen, habe auch nicht ich erfunden, sondern die Info kommt aus FN. In jedem Falle finde ich, dass bei diversen Formenkreisen das Kosten (einschließlich des differenzierten Kostens von Fruchtkörperteilen) stets dazu gehört. Mit einer Täublingsbestimmung kann man extrem ins Schleudern kommen, wenn Geschmacksangaben (teils differenziert nach Stielfleisch/Lamellen) fehlen. Wenn dann auch noch andere Merkmale fehlen (z.B. keinen Sporenabwurf erhalten, Blässling, Habitat nicht eindeutig usw.), hilft dann teils nur noch Raten ... oder Sequenzieren. Auch bei Cortinarius sollte man zumindest bei Schleimköpfen und -füßen kosten (Huthaut extra), während man es sich bei Telamonia sicher sparen kann...

Viele Grüße,
Jesko

Re: Naucoria?

Klaas, (vor 4521 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

Geschmacksangaben hast Du nicht gefunden, da ja nicht angegeben... ;)
In meiner Kollektion andeutungsweise bitter, aber nicht sehr, im trockenen Zustand mir kaum noch wahrnehmbar.
Ich hielt die Geschmacksprobe nicht für erwähnenswert, wenn ich den Geruch schon nicht richtig zuordnen kann.
(Oft sehr scharf essend (und zudem qualmend...) habe ich wohlmöglich ein anderes Geschmacks- und Geruchsempfinden?)
Gestern vor Ort zeigte sich das Gebiet nach einer Woche starken Windes so, als hätte es dort nie Pilze gegeben,
insofern fiel erneute Geschmacksprobe aus.

Deinen Gedanken über die Gattung(en) folge ich jedenfalls sehr gerne immer wieder, auch wenn ich oft nicht
mithalten/-denken kann, immerhin ein Wenig nachlesen. Wenn die Jungs und Mädels schon seit 2006 dran sind,
sollte doch mal bald etwas dabei herauskommen, hätte ich gehofft...

Besten Dank für Deine Hilfe und Informationen, viele Grüße,
Klaas