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Zwei kleine Rötlinge

UmUlmHerum, (vor 4438 Tagen)

Hallo miteinander!

Schon lange wünsche ich mir, einen blauen Rötling zu finden – nun ist es passiert und es geht mir wie dem Hund in folgendem Witz:

Zwei ältere Damen unterhalten sich ... Die eine sagt zu ihrer Freundin: "Was soll ich bloß machen? Mein Mann ist jetzt schon über 70 Jahre und schaut immer noch den jungen Mädchen nach!" Antwortet die Freundin: "Laß ihn nur, dem geht´s wie den jungen Hunden – die rennen auch immer hinter der Straßenbahn her, aber wenn sie sie wirklich einmal erwischen würden, kämen sie in die größte Verlegenheit..."

Entoloma 1: Irgendeiner der "Stahlblauen" oder "Schwarzblauen" Rötlinge
Gefunden auf einer alten Rückegasse, die mit feinen Fichtenästen gefüllt ist, neben Amethyst-Lacktrichterlingen, auf Moos, oberflächen-sauer, Untergrund aber kalkiger Lösslehm, 650m NN, schattiger Standort und leider nur 1 Exemplar.

Der Kerl wollte nicht aussporen, und so ist das Pilzchen auf dem Objektträger liegend zum Exsikkat geworden. Ich hatte unter der Woche echt keine Zeit zum Mikroskopieren. :-(

Nachdem ich in GroPiBaWü und auf der HP von Noordeloos über diese kleinen schwarz-/stahlblauen Rötlinge ein wenig nachgelesen hatte, dachte ich, na egal, den kreig´ ich eh nicht raus.

Falls Interesse am Exsikkat besteht – bitte melden!

So sah der Gute (und seine Herkunft) aus, nachdem er auf unserem Pilzstammtisch durch einige Hände gegangen war (sie haben ihn aber nur im unteren Stieldrittel angefasst):
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Entoloma 2: Genabelter, graubrauner Rötling

Sie wuchsen gesellig (ca. 20 Exemplare) unter Linden und Eschen, daneben Hainbuche, Rotbuche, Fichte am Rande eines alten Windbruchs – Lothar war´s, von dem immer noch übermooste, finalmorsche Strünke stehen, dazwischen Seggen. Untergrund zäher Lösslehm auf Karst; 650m NN.

Die Pilzchen sind 3-5 cm hoch; der Hut-Ø 2 bis max. 3,5 cm, (alt tief) genabelt, sehr brüchig, auffallende konzentrische Kreise, leicht hygrophan – feucht bräunlich, trocken graubraun; Stiel längsfaserig, hohl, weiß überreift (vor allem unten an der Stielbasis, die leicht verdickt ist); weißes Basalmyzel; lachsrosa Sporenpulver (siehe Makro-Fotos auf dem Hut + im oberen Stiel-Drittel); Geruch unauffällig – leicht pilzig. Ansonsten siehe Fotos.

Feuchte Fruchtkörper:
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Trockene Frk.:
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Sporen, 800x (Sichtfeld–Ø entspricht 160 µm)
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Lamellenschnitt, 80x
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Lamellenschnitt, 320x (Sichtfeld-Ø entspr. 390 µm)
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Huttrama/HDS, 320x
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Huttrama – keine Schnallen, 800x
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Basidie mit jungen Sporen, 800x
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Bei meinen Bestimmungsversuchen bin ich nicht weit gekommen: Die meisten kleinen, braunen, genabelten Rötlinge wachsen auf Wiesen, im Wald fand sich als der einzige Omphalina-Ähnliche mit dem Namen Entoloma incarnatofuscescens – aber der sollte einen lila-bläulichen Stiel haben. Dann hab´ ich auf gut Glück die Entoloma-Dokumentationen von Hais durchgeschaut ... nix passt.

Was meint Ihr zu meinem Fund?

Viele Grüße – Rika

Re: Zwei kleine Rötlinge

interhias ⌂, (vor 4438 Tagen) @ UmUlmHerum

Servus Rika,

Entoloma 2 erinnert mich an E. undatum. Der wächst auch im Wald.

Beste Grüße
Hias

Re: Zwei kleine Rötlinge

Beorn, (vor 4437 Tagen) @ interhias

Hallo zusammen!

So nebenbei: Wie wären denn Entoloma undatum und Entoloma lanicum zu unterscheiden?
Da wird teils die Hutoberfläche als Kriterium angegeben, teils auch die Ökologie. Beides erscheint mir aber ein wenig vage. Und da es auch Rikas Pilze betrifft: Weiß da zufällig jemand noch ein paar weitere merkmale zur Trennung?

LG, Pablo.

Re: Entoloma undatum @ Hias & Pablo & alle anderen

UmUlmHerum, (vor 4437 Tagen) @ Beorn

Hallo Hias,

herzlichen Dank für Deinen heißen Tipp!
E. lanicum hatte ich aufgrund der Ökologie schon im Vorfeld ausgeschlossen und denke, wegen der auffälligen konzentrische Kreise/Zonierung (+ "konzentrischen Rinnung") sollte sich dieser Rötling recht gut eingrenzen lassen, Zitat Gerhard Wölfel: Gerade die konzentrische Zonierung ist ein markantes Merkmal dieser Art. Entoloma lanicum ist niemals gezont.
Siehe http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/pconfig.pl?noframes;read=223870

Die Beschreibung von E. undatum im Krieglsteiner GroPiBaWü passt hervorragend – bis auf ein Merkmal, das ich für falsch beschrieben halte: das Pilzchen ist nicht elastisch, sondern brüchig!

Dann fand ich noch folgenden Thread
http://forum.dgfm-ev.de/board1-offener-bereich/board2-expertenforum-mykologie-mycologic...ötling-entoloma-undatum/

Ich bin mir sicher, dank Hias nun den richtigen Namen für diesen "Dunkelblättrigen Nabelrötling" zu haben!

Viele Grüße – Rika

Hallo zusammen!
So nebenbei: Wie wären denn Entoloma undatum und Entoloma lanicum zu
unterscheiden?
Da wird teils die Hutoberfläche als Kriterium angegeben, teils auch die
Ökologie. Beides erscheint mir aber ein wenig vage. Und da es auch Rikas
Pilze betrifft: Weiß da zufällig jemand noch ein paar weitere merkmale zur
Trennung?
LG, Pablo.

Re: Entoloma undatum @ Hias & Pablo & alle anderen

Beorn, (vor 4437 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo, Rika!

Herzlichen Dank für deine Recherche und den Link!
Nun nehme ich mit hoher Sicherheit an, daß auch mein Fund von neulich E. undatum zeigt, trotz kaum ausgeprägter Zonierung.
Aber Standort und Sporen passen.

Ich denke dann wirkich, daß auch dein Pilz so heißen sollte.

LG, Pablo.