Hallo Jesko,
Du hast Recht, dass in GPBW nicht unterschieden wird. Krieglsteiner wirft einiges zusammen:
3.9 Hygrophorus erubescens var. erubescens
3.9a Hygriphorus erubescens var. persicolor (Ricek 1976) Bon 1976
H. persicolor Ricek 1974
H. fragicolor Papetti 1992
Nachdem Papetti H. fragicolor erst 1992 abgetrennt hat, ist er in der persicolor-Beschreibung von Ricek 1976 natürlich nicht berücksichtigt.
Bei meinen weiteren Recherchen aufgrund Deines Hinweises fand ich zum Einen eine lebhafte Diskussion von Juli 2011 zur Unterscheidung dieser Arten, an der Du auch beteilig warst (www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/parchive2011.pl?noframes;read=206815). Werner Edelmann zeigt dabei Fotos von etwas, das er als H. persicolor bestimmt hatte. Diese Pilze haben aber einen einheitlich (erdbeer-) roten Hut?! So sah und sieht mein Fund nie aus. Zum Anderen sollte H. fragicolor wohl bitterlich schmecken, gilben und im Alter ausbleichen. Im frischen Zustand ist keine dieser Eigenschaften an meinem Fund zu beobachten (ich kann "bitter" sehr gut schmecken).
Den Gröger habe ich leider nicht – sind dort noch weitere Unterscheidungsmerkmale aufgeführt?
Wie ist das mit dem Gilben und Ausbleichen? Ist hier der noch lebendige Frk. gemeint oder das Exsikat?
Von den drei entnommenen Frk. habe ich 2 mit in den Backofen gesteckt, als ich "Deine" Russula getrocknet habe – jetzt im trockenen Zustand ist das zarte Rosa quasi verschwunden, der ganze Pilz ist lehmbeige mit dunkleren (Richtung fuchsbraun) Bereichen, dort wo er vorher purpurfarben war. "Lehmbeige" kann man natürlich auch als bzw. mit leichten Gelbton interpretieren.
Die Fotos von Werner E. haben mich jetzt schon irritiert...
Wie würdest Du meinen Fund benamsen? Mit oder ohne einem "cf."?
Oder kennst Du jemand von den Leuten, die die Antwort auf diese Frage schon kennen (fragicolor = persicolor)?
Viele Grüße – Rika
P.S.: Schick mir doch bitte Deine aktuelle Adresse per PN für den Versand der Russula.
Hallo Rika,
das "Problem" mit H. persicolor ist wohl am ehesten der recht
ähnliche H. fragicolor. Weiß nicht, ob der im Schlüssel von GPBWü
überhaupt berücksichtigt ist (im Gröger schon!). In den Alpen findet man
oft auch Formen, die ich zu fragicolor stellen würde, und zwar auch in den
Nordalpen (persönlich hatte ich H. fragicolor in den Südalpen kennen
gelernt, von wo er beschrieben wurde, und auch Gelegenheit, mit C.
Papetti, dem Autor der Art, darüber zu diskutieren). Ich erinnere mich
auch, wie ich seinerzeit W. Petzold im Schwarzwald eine für mich typische
fragicolor-Kollektion zeigte. Sein Kommentar war: "Diesen Schneckling
kenne ich nicht." Er meinte die Pilze! Dein Bild passt aber m.E.
durchaus eher zu persicolor. Jetzt kann man sich natürlich auch über die
ganze Sache streiten, ob man aus diesem Formenkreis zwei Arten machen
kann/muss. Sicherlich gibt es Leute, die die Antwort auf diese Frage schon
kennen.
Dass die Schlüssel hier ausschließlich auf Makromerkmale abheben müssen, ist
aus meiner Sicht eher ein Nachteil, aber bei den Wachsblättlern ist es
eben oft so, dass die Mikromerkmale eine größere Variabilität aufweisen
und taxonomische Konzepte in weiten Teilen auf Makromerkmalen basieren.
Viele Grüße,
Jesko