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Flamingo Schneckling

UmUlmHerum, (vor 4418 Tagen)

Hallo miteinander!

Diesen schönen Fund vom Mittwoch möchte ich Euch gerne vorstellen: Hygrophorus persicolor.
Ich hatte am gleichen Standort schon in den vergangenen Jahren immer wieder ein paar wenige Fruchtkörper dieses zart lachsrosa farbenden Schnecklings gesehen, mich aber nicht näher damit beschäftigt. Nun war es endlich soweit ... in GroPiBaWü sind zu dieser Gattung Makro-Schlüssel - ha, goil, das hat mich doch gefreut! Im Netz ließ sich sogar die Original-Beschreibung von Ricek finden, inkl. Abgrenzungsmerkmale zu ähnlichen Arten = alles passt zu 100%. So macht Pilzbestimmung Spaß!

Viele Grüße – Rika

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Man beachte die dunklen Flöckchen an der Stielspitze:
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Re: Flamingo Schneckling

jesko, (vor 4417 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

das "Problem" mit H. persicolor ist wohl am ehesten der recht ähnliche H. fragicolor. Weiß nicht, ob der im Schlüssel von GPBWü überhaupt berücksichtigt ist (im Gröger schon!). In den Alpen findet man oft auch Formen, die ich zu fragicolor stellen würde, und zwar auch in den Nordalpen (persönlich hatte ich H. fragicolor in den Südalpen kennen gelernt, von wo er beschrieben wurde, und auch Gelegenheit, mit C. Papetti, dem Autor der Art, darüber zu diskutieren). Ich erinnere mich auch, wie ich seinerzeit W. Petzold im Schwarzwald eine für mich typische fragicolor-Kollektion zeigte. Sein Kommentar war: "Diesen Schneckling kenne ich nicht." Er meinte die Pilze! Dein Bild passt aber m.E. durchaus eher zu persicolor. Jetzt kann man sich natürlich auch über die ganze Sache streiten, ob man aus diesem Formenkreis zwei Arten machen kann/muss. Sicherlich gibt es Leute, die die Antwort auf diese Frage schon kennen.
Dass die Schlüssel hier ausschließlich auf Makromerkmale abheben müssen, ist aus meiner Sicht eher ein Nachteil, aber bei den Wachsblättlern ist es eben oft so, dass die Mikromerkmale eine größere Variabilität aufweisen und taxonomische Konzepte in weiten Teilen auf Makromerkmalen basieren.

Viele Grüße,
Jesko

Re: Flamingo Schneckling

UmUlmHerum, (vor 4416 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

Du hast Recht, dass in GPBW nicht unterschieden wird. Krieglsteiner wirft einiges zusammen:
3.9 Hygrophorus erubescens var. erubescens
3.9a Hygriphorus erubescens var. persicolor (Ricek 1976) Bon 1976
H. persicolor Ricek 1974
H. fragicolor Papetti 1992

Nachdem Papetti H. fragicolor erst 1992 abgetrennt hat, ist er in der persicolor-Beschreibung von Ricek 1976 natürlich nicht berücksichtigt.

Bei meinen weiteren Recherchen aufgrund Deines Hinweises fand ich zum Einen eine lebhafte Diskussion von Juli 2011 zur Unterscheidung dieser Arten, an der Du auch beteilig warst (www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/parchive2011.pl?noframes;read=206815). Werner Edelmann zeigt dabei Fotos von etwas, das er als H. persicolor bestimmt hatte. Diese Pilze haben aber einen einheitlich (erdbeer-) roten Hut?! So sah und sieht mein Fund nie aus. Zum Anderen sollte H. fragicolor wohl bitterlich schmecken, gilben und im Alter ausbleichen. Im frischen Zustand ist keine dieser Eigenschaften an meinem Fund zu beobachten (ich kann "bitter" sehr gut schmecken).

Den Gröger habe ich leider nicht – sind dort noch weitere Unterscheidungsmerkmale aufgeführt?

Wie ist das mit dem Gilben und Ausbleichen? Ist hier der noch lebendige Frk. gemeint oder das Exsikat?

Von den drei entnommenen Frk. habe ich 2 mit in den Backofen gesteckt, als ich "Deine" Russula getrocknet habe – jetzt im trockenen Zustand ist das zarte Rosa quasi verschwunden, der ganze Pilz ist lehmbeige mit dunkleren (Richtung fuchsbraun) Bereichen, dort wo er vorher purpurfarben war. "Lehmbeige" kann man natürlich auch als bzw. mit leichten Gelbton interpretieren.

Die Fotos von Werner E. haben mich jetzt schon irritiert...

Wie würdest Du meinen Fund benamsen? Mit oder ohne einem "cf."?
Oder kennst Du jemand von den Leuten, die die Antwort auf diese Frage schon kennen (fragicolor = persicolor)?

Viele Grüße – Rika

P.S.: Schick mir doch bitte Deine aktuelle Adresse per PN für den Versand der Russula.

Hallo Rika,
das "Problem" mit H. persicolor ist wohl am ehesten der recht
ähnliche H. fragicolor. Weiß nicht, ob der im Schlüssel von GPBWü
überhaupt berücksichtigt ist (im Gröger schon!). In den Alpen findet man
oft auch Formen, die ich zu fragicolor stellen würde, und zwar auch in den
Nordalpen (persönlich hatte ich H. fragicolor in den Südalpen kennen
gelernt, von wo er beschrieben wurde, und auch Gelegenheit, mit C.
Papetti, dem Autor der Art, darüber zu diskutieren). Ich erinnere mich
auch, wie ich seinerzeit W. Petzold im Schwarzwald eine für mich typische
fragicolor-Kollektion zeigte. Sein Kommentar war: "Diesen Schneckling
kenne ich nicht." Er meinte die Pilze! Dein Bild passt aber m.E.
durchaus eher zu persicolor. Jetzt kann man sich natürlich auch über die
ganze Sache streiten, ob man aus diesem Formenkreis zwei Arten machen
kann/muss. Sicherlich gibt es Leute, die die Antwort auf diese Frage schon
kennen.
Dass die Schlüssel hier ausschließlich auf Makromerkmale abheben müssen, ist
aus meiner Sicht eher ein Nachteil, aber bei den Wachsblättlern ist es
eben oft so, dass die Mikromerkmale eine größere Variabilität aufweisen
und taxonomische Konzepte in weiten Teilen auf Makromerkmalen basieren.
Viele Grüße,
Jesko

Re: Flamingo Schneckling

jesko, (vor 4416 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

wie gesagt, ich denke, dass für Deinen Fund H. persicolor passt (auch ohne cf., aber wie immer mit der üblichen Restunsicherheit). Viele sind überzeugt, dass das die Art ist, die mit dem Namen H. pudorinus ursprünglich gemeint war. Für den stinkenden Tannenbegleiter, der später als H. pudorinus bezeichnet wurde, wurde dann der Name H. abieticola eingeführt. Dann sollte der Logik nach auch wieder der Name H. pudorinus für H. persicolor gebraucht werden.
Zu H. fragicolor: Gröger führt dieselben Unterscheidungsmerkmale, letztlich hat er sie natürlich nur aus der Beschreibung übernommen. Das Gilben ist an älteren, nicht mehr ganz frischen Fruchtkörpern i.d.R. am Standort zu beobachten. Der Geschmack wäre freilich nur bitterlich.
Mit Personen, die es wahrscheinlich besser wissen, meinte ich z.B. Ellen Larsson, die über eine Menge von Sequenzdaten von Schnecklingen verfügen dürfte. In einer jüngeren Arbeit zur Systematik Hygrophoraceae (http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs13225-013-0259-0#page-1), in der praktisch alle Arten den jeweiligen supraspezifischen Taxa zugeordnet werden, ist H. fragicolor nicht erwähnt. Wir können jetzt nur spekulieren, ob das eine Datenlücke ist oder ob sich entsprechende Kollektionen nicht molekular unterscheiden lassen (und damit wahrscheinlich keine eigene Sippe darstellen).

Viele Grüße,
Jesko

Re: Flamingo Schneckling

UmUlmHerum, (vor 4416 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

den Tannen-Orange-Terpentin-Schneckling habe ich regelmäßig und in großer Zahl in zwei meiner Weißtannenwälder. Das ist ein ganz anderer Pilz! Wie kann man die beiden Arten durcheinander bringen? H. pudorinus ist viel kompakter/stabiler, in der Form wie auch der Festigkeit, den Geruch finde ich unüberhörbar ;-). Im Schnecklings-Thread von Reinhold hatten ja verschiedene Leute geschrieben, sie könnten das Terpentin nicht riechen, das wäre vielleicht falsch beschrieben und solle sich eher auf den Geschmack beziehen – für mich nicht nachvollziehbar. Auch die Färbung ist anders = deutliche Orange-Töne; die Lamellen sind gröber, etc. und er kommt hier immer erst recht spät im Herbst (ab Anf. Okt).

Zu einer event. Abgrenzung gegenüber H. fragicolor kann ich nicht viel sagen – den habe ich noch nicht gesehen (falls es zweierlei sein sollte?). Werners Fund würde ich eher mit H. fragicolor in Verbindung bringen, wegen der Hutfarbe. Schau´ mr mal, wie sich der Wissensstand hierzu entwickelt.

Viele Grüße – Rika

Hallo Rika,
wie gesagt, ich denke, dass für Deinen Fund H. persicolor passt (auch ohne
cf., aber wie immer mit der üblichen Restunsicherheit). Viele sind
überzeugt, dass das die Art ist, die mit dem Namen H. pudorinus
ursprünglich gemeint war. Für den stinkenden Tannenbegleiter, der später
als H. pudorinus bezeichnet wurde, wurde dann der Name H. abieticola
eingeführt. Dann sollte der Logik nach auch wieder der Name H. pudorinus
für H. persicolor gebraucht werden.
Zu H. fragicolor: Gröger führt dieselben Unterscheidungsmerkmale, letztlich
hat er sie natürlich nur aus der Beschreibung übernommen. Das Gilben ist
an älteren, nicht mehr ganz frischen Fruchtkörpern i.d.R. am Standort zu
beobachten. Der Geschmack wäre freilich nur bitterlich.
Mit Personen, die es wahrscheinlich besser wissen, meinte ich z.B. Ellen
Larsson, die über eine Menge von Sequenzdaten von Schnecklingen verfügen
dürfte. In einer jüngeren Arbeit zur Systematik Hygrophoraceae
(http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs13225-013-0259-0#page-1), in
der praktisch alle Arten den jeweiligen supraspezifischen Taxa zugeordnet
werden, ist H. fragicolor nicht erwähnt. Wir können jetzt nur spekulieren,
ob das eine Datenlücke ist oder ob sich entsprechende Kollektionen nicht
molekular unterscheiden lassen (und damit wahrscheinlich keine eigene
Sippe darstellen).
Viele Grüße,
Jesko