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Ist das Xerocomellus cisalpinus?

Birgit, (vor 4400 Tagen)

Hallo an Alle,

diesen auffallenden Filzröhrling fand ich gestern in einem sandigen, sauren Fichten-Kiefernwald in der Nähe von Schrobenhausen. Der Fundort war ca. 20 m vom Waldrand entfernt, wo auch einige Laubbäume standen, am Fundort selber gabs nur Kiefern und Fichten. An Begleitpilzen gibt es dort krause Glucken und auch den narzissengelben Wulstling (Amanita gemmata).
Auf mich machte dieser Filzröhrling den Eindruck einer "Kreuzung" aus Xerocomellus pruinatus und Xerocomellus chrysenteron. Das starke Blauen am Stiel und im Fleisch (s. Schnittbild) setzte sehr schnell ein. Mit dem Filzröhrlingsschlüssel von Harald-Andres (nochmals vielen Dank!) gelange ich dann relativ problemos zu X. cisalpinus.
Was mich etwas irritiert ist, dass die Laubbäume doch relativ weit weg waren und bisher in Deutschland keine Mykorrhiza von X. cisalpinus mit Kiefer bekannt sind. Der Waldrand öffent sich dort nach Südwesten und da dort Spargelanbaugebiet ist, könnte der Standort schon wärmebegünstigt sein. Die Sporengröße scheint mit X. cisalpinus gut übereinzustimmen, aber ich brauche noch einen vernünftigen Sporenabwurf.

liebe Grüße

Birgit

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Re: Ist das Xerocomellus cisalpinus?

Matthias, (vor 4400 Tagen) @ Birgit

Hallo an Alle,
diesen auffallenden Filzröhrling fand ich gestern in einem sandigen, sauren
Fichten-Kiefernwald in der Nähe von Schrobenhausen. Der Fundort war ca. 20
m vom Waldrand entfernt, wo auch einige Laubbäume standen, am Fundort
selber gabs nur Kiefern und Fichten. An Begleitpilzen gibt es dort krause
Glucken und auch den narzissengelben Wulstling (Amanita gemmata).
Auf mich machte dieser Filzröhrling den Eindruck einer "Kreuzung"
aus Xerocomellus pruinatus und Xerocomellus chrysenteron. Das starke
Blauen am Stiel und im Fleisch (s. Schnittbild) setzte sehr schnell ein.
Mit dem Filzröhrlingsschlüssel von Harald-Andres (nochmals vielen Dank!)
gelange ich dann relativ problemos zu X. cisalpinus.
Was mich etwas irritiert ist, dass die Laubbäume doch relativ weit weg waren
und bisher in Deutschland keine Mykorrhiza von X. cisalpinus mit Kiefer
bekannt sind. Der Waldrand öffent sich dort nach Südwesten und da dort
Spargelanbaugebiet ist, könnte der Standort schon wärmebegünstigt sein.
Die Sporengröße scheint mit X. cisalpinus gut übereinzustimmen, aber ich
brauche noch einen vernünftigen Sporenabwurf.
liebe Grüße
Birgit

Hallo Birgit,
ich denke du liegst richtig, über die Mykorrhiza würde ich mir nicht soviele Gedanken machen, Filzröhrlinge sind da ja recht flexibel und selten nur an eine Baumart gebunden,
liebe Grüsse
Matthias

Stielhyphen bei X. cisalpinus

Harald Andres Schmid, (vor 4399 Tagen) @ Birgit

Hallo, Birgit,

Dank für das Kompliment für meinen Xerocomus-Schlüssel.
Es ist immer noch ein Entwurf, enthält sicher noch Fehler
und ich bin für Rückmeldungen und Kritik dankbar.

X. cisalpinus:
Immer wieder hübsch!
Ich hätte ihn spontan äusserlich fast nicht erkannt.
Exemplare unserer Gegend sind meist
zierlich-dünnfleischig und verbogen-langstielig.

Die Art gilt bei uns als selten, wird aber wohl meist übersehen.
Beziehungsweise fehlbestimmt ("Rotfuss").

Ein letztes Indiz, dass es wirklich die Art ist, kannst ausprobieren:

Sofort nach dem Längsschnitt (bevor das Blauen einsetzt):
Mit ein wenig Melzer auf einem Papiertaschentuch
über die Schnittfläche im unteren Stielteil streichen.
Das gibt eine hübsche, grünliche Reaktion auf dem gelben Fleisch.
(Wenn man direkt Melzer aufbringt, wird es oft zu dunkel
und weniger schön sichtbar).

Der Test funktioniert bei Exemplaren
von C. pruinatus und C. cisalpinus
aus unserer Gegend stets zuverlässig.
(Das heisst, Du kannst bei unklaren Filzröhrlingen
damit diese beiden Arten aus- bzw. einschliessen).

Kannst auch ein Mikroskopräparat machen:

Ab der Schnittfläche etwas Fleisch der unteren Stielhälfte gut zerzupfen,
eine Weile in Melzers schwenken und dann mit Chloralhydrat auswaschen,
bis sich kein Melzers mehr löst.

Die amyloiden Stielhyphen sind unter dem Mik sehr hübsch,
einfach zu finden und absolut unübersehbar,
an der Innenseite mit merkwürdigen "Einschusslöchern",
sehr dickwandig und bis 30 Tausendstel breit,
in der Stielbasis breiter als oben, regelrechte "Schläuche".

Lieben Gruss, Harald Andres

merkwürdige Stielhyphen bei X. cisalpinus

Birgit, (vor 4396 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Lieber Harald Andres,

vielen Dank für deine Ausführungen und Tipps.

X. cisalpinus: Immer wieder hübsch!
Ich hätte ihn spontan äusserlich fast nicht erkannt.
Exemplare unserer Gegend sind meist
zierlich-dünnfleischig und verbogen-langstielig.

Na, der war ja auch noch ganz jung. Der Hut hatte nicht mehr als 3 cm Durchmesser und der Stiel war auch unverhätnissmässig lang und etwas verbogen.

Die Art gilt bei uns als selten, wird aber wohl meist übersehen.
Beziehungsweise fehlbestimmt ("Rotfuss").

Wir hatten zwei Tage später noch ein paar "normal" ausschauende Rotfussrörlinge, die ebenfalls stark geblaut haben, alles X. cisalpinus? ;-)
Wer weiss, vielleicht ist ja X. chrysenteron seltener? ;-)

Kannst auch ein Mikroskopräparat machen: Ab der Schnittfläche etwas Fleisch
der unteren Stielhälfte gut zerzupfen,
eine Weile in Melzers schwenken und dann mit Chloralhydrat auswaschen,
bis sich kein Melzers mehr löst.
Die amyloiden Stielhyphen sind unter dem Mik sehr hübsch,
einfach zu finden und absolut unübersehbar,
an der Innenseite mit merkwürdigen "Einschusslöchern",
sehr dickwandig und bis 30 Tausendstel breit,
in der Stielbasis breiter als oben, regelrechte "Schläuche".

Das habe ich probiert, leider habe ich keine amyloiden Stielhyphen gefunden, sondern das, was unten auf dem Bild dargestellt ist. Das sind "knorrige", dünnwandige Hyphen, bei denen sich das Melzer nicht mit Chloralhydrat auswaschen lässt. Was auch immer ist das? Ich hab noch ein bisschen über Filzröhrlinge und Stielhyphen recherchiert und habe nix gefunden. Weisst Du was das sein könnte?
Clémencon (den Akzent für das c mag ich grad nicht suchen ;-)) beschreibt im Buch "Anatomie der Hymenomyceten" Thrombopleren (Sekrethyphen), die so ähnlich ausschauen. Thrombopleren (manchmal auch Oleiferen genannt) sollen abgestorbene Hyphen sein und sind innen mit einer gelartig starren Masse gefüllt. Im Buch ist ein Foto abgebildet, bei dem genau solche Ausbuchtungen wie auf dem unteren Foto dargestellt sind. Könnte das stimmen oder worum handelt es sich sonst?

liebe Grüsse

Birgit

[image]

Vergleich Schnittbild mit meine prov. Illustration

Harald Andres Schmid, (vor 4399 Tagen) @ Birgit

Hallo nochmals,

Was Spass macht, ist der Vergleich
Deines Schnittbild-Fotos mit meinem
sehr provisorischen, am Computer gemalten Entwurf
einer Illustration des Schnittbildes von X. cisalpinus
für meinen Schlüssel:

[image]

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Dein Pilz hält sich fast pedantisch genau an meine Vorgaben.... :-)

Es ist, wie gesagt, eine provisorische Skizze,
falls der Plan je ausgeführt wird, werde ich alles
von Grund auf neu zeichnen und dokumentieren.
Also bitte vorerst nicht allzu ernst nehmen.. :-)

Lieben Gruss, Harald Andres