Hallo Stephan,
Wegen einer Diskussion weinen? Da kennst du mich nicht gut. Ich weine
manchmal beim Anhören schöner Musik, sonst nicht. Vor allem nicht, wenn
jemand nicht meiner gesellschaftspolitischen Meinung ist.
Genau
Aber ich habe den leisen Verdacht, dass wir nicht weit auseinanderliegen
Kann eigentlich nicht sein. Die Philosophen während der industriellen
Revolution waren eher Freigeister und Utopisten, also voll auf deiner
Linie: Natur gut, Kultur schlecht. Die eigentliche soziale Denke kam erst
in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, da war die industrielle
Revolution eigentlich vorbei und hatte ihre Arbeiter schon gefressen. Da
begann man über die Voraussetzungen nachzudenken, wie die Nachkommen des
(proletarischen) Volkes auf eine andere gesellschaftliche Ebene kommen
konnten, und man kam zu dem Schluss, dass dies wohl nur durch
frühkindliche Bildung geschehen konnte. Nachgelesen habe ich das während
meines geisteswissenschaftlichen Studiums.
Ich stimme Dir zu, was die "Aufbruchstimmung" dieser Zeit anging. Es war sehr viel Optimismus und Zukunftsglaube zu spüren, quer durch alles kulturellen Belange, der allerdings sehr schnell dem Platz machte, was man dann im historischen Rückblick die "soziale Frage" nannte. Stimmt alles, was Du schreibst. Ich aber beziehe mich ja auf eine Gesellschaftsform, die weit vor diesen Entwicklungen existiert hat - und sehr viel länger, also vor einer Zivilisation. Dort gab es z.B. keine Kinderarbeit, weil es "Erwerbsarbeit" ja gar nicht gab, deshalb hat man Kinder ja auch nicht wie "junge Erwachsene (Erwerbstätige)" behandelt.
Wer war das doch gleich, der Kinder des eigenen Rudels frisst? Wolf? Löwe?
Irgendeiner von denen.
Es gibt bestimmte Konstellationen, wo dies tatsächlich geschieht. Es hat etwas mit "Eltern-Investition" und Partnerwechsel zu tun, ist aber vergleichsweise selten anzutreffen. Beim zivilierten Menschen gibt es in diesr Hinsicht allerdings Auswüchse, die wohl dem in nichts nachstehen
Menschenhandel blüht nach wie vor, und macht vor Kindern nicht halt.
Nein, das waren ja noch Jäger und Sammler. Wären sie schon sesshafte Bauern
gewesen, hätte man die Kinder sicherlich zum Schuften auf den Acker
getrieben.
Tja! *g*
Wenn du so argumentierst, gibt es auch heute in eindeutigen Unrechtsstaaten
kein Unrecht - da ja kein Richter/Gesetzesgrundlage vorhanden ist. Daher
kann ich dieses Argument leider nicht ernst nehmen.
Warum? In jedem Staat gibt es Rechtssprechung. Sie ist den Gegebenheiten angepasst. Selbst in den korruptesten, diktatorischsten, menschenverachtensten Staaten, gab es immer eine Rechtsprechung und natürlich Gefängnisse und Todeszellen. Was in den Clans, Sippen oder Stämmen der Jäger & Sammler Recht war, ist aber etwas völlig anderes, weil es erstens als Agenda nicht niedergeschrieben war, und zweitens es keine - aufgepasst! - "Kriminalität" gab. Die gibt es nur in überbevölkerten Gesellschaften, wo auf engstem Raum Besitztümer stehen, die nicht der Allgemeinheit zur Verfügung stehen
.
... mangels Mobilität, nicht mangels Aggressionspotenzial
kann gut möglich sein.
Das mache ich auch super-gerne. Leider musste ich in der Vergangenheit dabei
immer wieder feststellen, dass sich meine Diskussionspartner angewidert
abwendeten. Ich bin insofern korrumpiert, als dass ich aus Furcht vor
dauerhafter Einsamkeit in Diskussionen oft nicht das sage, was ich
wirklich denke. Leider wird das vom Gegenüber meist als inhaltliche
Zustimmung aufgefasst.
Du brauchtst bei mir keine Zurückhaltung üben
Ich werde mich vermutlich auch nicht angewidert von Dir abwenden *g*
Vielleicht auch nur die am wenigsten schlechte unter allen. Man kann nicht
aus der einen Kultur nur alle Vorzüge herauspicken, aus der anderen nur
alle Nachteile, und auf diese Art irgendwelche Beweise führen. Das ist
irgendwie unseriös.
Das stimmt natürlich. Und da hast Du auch den Finger auf eine Wunde gelegt, nämlich was die Archäologie anbelangt. Sie kann nur aus Einzelfällen - dem Glückfund! - versuchen, allgemeingültige Aussagen zu extrapolieren. Letztlich wissen wir über die Vorgeschichte nichts, oder jedenfalls nur sehr wenig.
Bisher war ich der Meinung, es gebe immer noch total unterschiedliche
Kulturen und Lebensphilosophien auf der Erde: den nordwestlichen (und
mittlerweile auch ostasiatischen) Taylorismus-Fordismus, die orientalische
Bakschisch-Kultur, die karibische Gelassenheit und Entspanntheit, die
unaufgeklärte, militante Religiosität im Herzen Afrikas... Oder wie sonst
erklärst du dir, dass Leute über Kontinente hinweg fliehen?
Ja, das gab es vielleicht mal, eine kulturelle Diversität - vor der Zeit der Hegemonjalmächte
- aber heutzutage strebt alles zur Einheitskultur: Das, was in den modernen Industrienationen, allen voran den USA "maßgeblich" ist, wird in die restliche Welt "importiert". Das hat übrigens Sartre in den 60er Jahre schon prognostiziert und die kutlurelle Übermacht USA genannt.
HAHAHA der war gut! Du kennst mich wirklich nicht!
War ja auch nur ein provokanter Spaß
Das ist kein harmloses Lied, sondern kalkulierter Kommerzdreck. Von
Marketingstrategen entworfen, die dem Gröni gesagt haben: da draußen
hocken viele Leute mit dem Traum von der besseren Welt - mach doch mal was
für die.
Ach nee, das ist bestimmt aus der Feder des Künstlers, könnt ich wetten. Marktstrategen braucht Gröni nicht, um Platten aufzunehmen, die können das eigentlich nur verschlimmbessern.
So, jetzt bist du wieder dran.
gern, ich hab Deine Erwiderung auch gern gelesen.
Grüßle
Jürgen