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#46: Silberröhrling - Boletus fechtneri 12F/1,1MB

Jürgen, (vor 7874 Tagen)

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Re: #46: Silberröhrling - Boletus fechtneri 12F/1,

Matthias, (vor 7874 Tagen) @ Jürgen

Hallo Jürgen,
sehr schöne Bilder die die Variationsbreite der Art zeigen,
viele Grüsse
Matthias

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Spitze!

AK_CCM, (vor 7874 Tagen) @ Jürgen

Wieder einmal klasse Bilder! Die Huthaut sieht in der Tat wie Silber aus, ein sehr schöner Pilz. Dank Deiner Fotoserie habe ich sie nun auch bestaunen können.

Mich beschäftigt derzeit eine generelle Frage: Warum haben sich die Pilze u.a. von den Röhrlingen zu den Blätterpilzen hin entwickeltet - das ergibt doch keinen Sinn, oder doch? Mein Verständnis: Röhrenpilze haben eine höhere Fruchtschichtoberfläche und können daher auch mehr Sporen fabrizieren. Das wiederum ist doch ein Vorteil bei der Verbreitung, der Arterhaltung?! Warum also Lamellen? Hast Du eine Ahnung warum?

Viele Grüße

Andreas

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Schwamm Lamellen

Thomas Pruß, (vor 7873 Tagen) @ AK_CCM

Moin Andreas,
deine Frage nach dem „warum“ ist so nicht zu beantworten, denn sie ist philosophischer Natur. Die Höherentwicklung von Organismen, vulgo „Evolution“ ist ja kein zielgerichteter Prozess – zumindest von der naturwissenschaftlichen Warte aus betrachtet – sondern läuft rein zufällig ab. Die Evolution bevorzugt Organismen, die immer optimaler an ihre Umwelt angepasst sind. Sie merzt aber auch nicht unbedingt Bildungen an und von Organismen aus, die denen weder schaden noch nutzen.
Bei der Anlage der Fruchtschicht von Pilzen muss man sich fragen: Ist die Ausbildung von Lamellen eine Höherentwicklung, die bei einer schwammähnlichen Schicht angefangen hat, oder laufen hier 2 Entwicklungen parallel ab (konvergente Entwicklung)? Und: Wieso können sich Ständerpilze bei der Sporenentwicklung nur 4 Sporen/Basidie leisten, die Schlauchpilze jedoch 8 Sporen/Ascus? Ist die Basidie eine Weiterentwicklung des Ascus? Sicher nicht, denn im Reich der Pilze bilden die Asco- und Basidomyceten zwei getrennte Abteilungen.
Auch die Röhren- und Lamellenpilze bauen nicht aufeinander auf, sondern gehen getrennte Wege. Dennoch könnte eine mögliche Antwort auf deine Frage lauten: Materialersparnis.
Denn um seine Frucht zu bilden, muss ein Röhrling mehr Gewebe bilden als ein Lamellenpilz.
Wenn man aber jetzt wieder hinterhakt und fragt, wieso der eine mit einem einen dicken Schwamm „protzen“ kann, der andere aber seine Fruchtschicht auf das Wesentliche reduzieren „muss“, kommst du schnell „von Arschbacken“ auf „Kuchen backen“, sprich: Du bist ganz schnell wieder im philosophischen Fahrwasser, dass uns aber bei einer rein naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise nur sehr bedingt weiterführt.
Grüsslis
Thomas

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Re: Schwamm Lamellen

AK_CCM, (vor 7871 Tagen) @ Thomas Pruß

Hi Thomas!

Danke für Deine ausführliche Antwort. Seitdem ich das Goldblatt kennengelernt habe, bei dem es heißt, es ist eine Übergangsform von den Röhrlingen zu den Blätterpilzen, lässt mich das einfach keine Ruhe mehr. Dass die Evolution der Pilze großes Rätselraten ist, ist für mich irgendwie enttäuschend.
Aber so ist das wohl, wenn man in der Vergangenheit forscht.

Gruß, Andreas

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Re: Schwamm Lamellen

Jürgen, (vor 7871 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

so wie's momentan aufgrund molekularbiologischer und chemotaxonomischer Erkenntnisse ausschaut, sind die Röhrlinge ohnehin keine homogene Gruppe, sondern das röhrige Hymenophor hat sich auf verschiedenen Evolutionswegen unabhängig herausgebildet.

Ein großer Teil der Röhrlinge leitet sich nicht von Lamellen-, sondern von Bauchpilzen ab: Es gibt verwandtschaftliche Beziehungen zu Scleroderma, Pisolithus, Astraeus (Gyroporus), Octavianina, Chamonixia (Leccinum), Rhizopogon (Suillus); die Schmierröhrlinge stehen ferner in enger Verbindung zu den lamelligen Schmierlingen/Gelbfüßen (der Hohlfuß vermittelt hier mit seinem radial-lamelligem Hymenophor). Der Erlengrübling ist ein Krempling mit Röhren, das Goldblatt umgekehrt ein Filzröhrling mit Lamellen.

Man kann also überhaupt nicht pauschal sagen: Lamellen ursprünglich, Röhren fortentwickelt.

Grüße, Jürgen

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Ergänzung

Jürgen, (vor 7871 Tagen) @ Jürgen

wenn man der Doktorarbeit von Manfred Binder folgt, der die Boletales sequenzanalytisch untersucht hat, dann verläuft bei den Röhrlingsartigen die stammesgeschichtliche Progression von corticioiden über agaricoide (lamellige), boletoide (röhrige) hin zu gastroiden Fruchtkörpern - letztere haben also den fortschrittlichsten, nicht wie von mir oben gesagt ursprünglicheren Bauplan.

In diesem erweiterten systematischen Rahmen sind die Röhrlingsartigen (mit Ausnahme des Ölbaumpilzes) eine gut von den Agaricales abgegrenzte Gruppierung. Lamellen haben sich in beiden Ordnungen konvergent entwickelt, Verbindungsglieder wurden bisher nicht gefunden.

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Muchas gracias

AK_CCM, (vor 7871 Tagen) @ Jürgen

Hallo Jürgen,

schönen Dank für die ausführlichen Informationen! Sehr interessant, dass unterschiedliche Evolutionswege bisweilen trotzdem zu einem identischen bzw. sehr ähnlichen Ergebnis führen. Um es mit Spocks Worten auszudrücken: Faszinierend...

Gruß, Andreas