Hallo pilzmel,
"Große Teile des
Stielfleisches verfärbten sich weinrot. Die Basis gelbbraun."
Das ist recht typisch für X. chrysenteron ss. str. Ich denke doch auch, dass das zunächst mal als solcher anzusprechen ist, zumal keine Blauverfärbung im Stiel zu beobachten ist. (Übrigens ist es keine weinrote "Ver"-Färbung nach Luftzutritt - das Stielfleisch ist, ähnlich wie bei B. queletii, von vornherein so gefärbt.)
Was etwas irritiert, ist der (ruderale/wärmeliebende?) Standort in städtischem Park/Anlage unter Linde. Ich kenne X. chrysenteron ss. str. eher unter Nadelbäumen und Buche in naturnäheren, weniger thermophilen Habitaten (Wäldern).
So verständlich der Wunsch nach einer unkomplizierten Lösung ist, es hilft nix: Man kann in Anbetracht des extremen Alterungszustands der Frkp. den Doppelgänger X. cisalpinus nicht völlig ausschließen. Auch hier gilt wieder: Zu alte und zu junge Frkp. sind für sich schwer zu beurteilen, weil die wichtigen Merkmale oft noch nicht oder nicht mehr verlässlich ausgeprägt sind. Um ganz sicher zu gehen, müsste man auch Frkp. in den Altersstadien dazwischen sehen - oder mal mikroskopisch prüfen:
a) Sporen: Mittelmaße ~12,9 x 4,7µ (cisalpinus) vs. ~13,8 x 5,1µ (chrysenteron),
b) Huthautendzellen: Breite nicht über 30 µ, mäßig inkrustiert (cisalpinus) vs. bis über 50µ, sehr stark inkrustiert (chrysenteron).
Grüße, Jürgen