Brandstellenpilze-Theorie-Frage

Violet, (vor 6478 Tagen)

Ich bin an diesem verregneten Sonntag mal wieder über Brandstellenpilze in einem Buch gestolpert. Ich find die ja sehr interessant, weil mich das Phänomen sehr verwundert und hab dazu drei Fragen an die Pilzweisen unter euch: 1. Wie hat man das mit der "Brandstelle" zu verstehen? Ist da ein Waldbrand gemeint oder auch schlicht eine Lagerfeuerstelle? 2. Wie kann es denn sein, dass da, wie etwa Andreas in Bezug auf einen von ihnen schrieb, nach kurzer Zeit so einer "pilzt"? Ist das Myzel flächendeckend schon fix und fertig überall im Boden und wartet nur darauf, dass es irgendwo brennt, damit sich was tut? Oder wie hat man sich das vorzustellen? Und 3. Wieso zerstört Feuer nicht alles entsprechende - also Sporen und Myzel?
Es stürmt draußen und ich bin neugierig und grüße euch herzlich
Ditte

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Re: Brandstellenpilze-Theorie-Frage

Andreas ⌂, (vor 6478 Tagen) @ Violet

Ich bin an diesem verregneten Sonntag mal wieder über Brandstellenpilze in
einem Buch gestolpert. Ich find die ja sehr interessant, weil mich das
Phänomen sehr verwundert und hab dazu drei Fragen an die Pilzweisen unter
euch: 1. Wie hat man das mit der "Brandstelle" zu verstehen? Ist
da ein Waldbrand gemeint oder auch schlicht eine Lagerfeuerstelle? 2. Wie
kann es denn sein, dass da, wie etwa Andreas in Bezug auf einen von ihnen
schrieb, nach kurzer Zeit so einer "pilzt"? Ist das Myzel
flächendeckend schon fix und fertig überall im Boden und wartet nur
darauf, dass es irgendwo brennt, damit sich was tut? Oder wie hat man sich
das vorzustellen? Und 3. Wieso zerstört Feuer nicht alles entsprechende -
also Sporen und Myzel?
Es stürmt draußen und ich bin neugierig und grüße euch herzlich
Ditte

Hallo Ditte,

1. alle Brandstellen, bei denen der Boden so heiß wird, dass er sterilisiert wird dadurch, werden eine Brandpilzfunga bekommen. Also ein Abflämmen der Böschungen bringt nix, weil der Boden nicht heiß genug wird. Ein Grillfeuerchen dagegen schon.

2. Brandstellenpilze sind Pionierarten, deren Sporen eben sehr schnell keimen, Mzel bilden und auch Fruchtkörper schieben. Das ist ihr Vorteil, dafür sind sie wohl gegenüber anderen Arten bzw. Organismen konkurrenzschwach.

3. Brandstellen werden von Kryptogamen nach einem Brand neu besiedelt.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Brandstellenpilze-Theorie-Frage

Violet, (vor 6478 Tagen) @ Andreas

Hallo Ditte,
1. alle Brandstellen, bei denen der Boden so heiß wird, dass er sterilisiert
wird dadurch, werden eine Brandpilzfunga bekommen. Also ein Abflämmen der
Böschungen bringt nix, weil der Boden nicht heiß genug wird. Ein
Grillfeuerchen dagegen schon.
2. Brandstellenpilze sind Pionierarten, deren Sporen eben sehr schnell
keimen, Mzel bilden und auch Fruchtkörper schieben. Das ist ihr Vorteil,
dafür sind sie wohl gegenüber anderen Arten bzw. Organismen
konkurrenzschwach.
3. Brandstellen werden von Kryptogamen nach einem Brand neu besiedelt.
beste Grüße,
Andreas

Herzlichen Dank, lieber Andreas, für die prompte klare Antwort!
Liebe Grüße
Ditte

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Re: Brandstellenpilze-Theorie-Frage

Ingo Wagner, (vor 6478 Tagen) @ Violet

Hallo Ditte!

Ich antworte trotzdem mal, auch wenn du die Pilzweisen ansprichst:

euch: 1. Wie hat man das mit der "Brandstelle" zu verstehen? Ist
da ein Waldbrand gemeint oder auch schlicht eine Lagerfeuerstelle?

Feuerstelle reicht, möglichst aber ohne verbranntem "Zivilisations-Müll", genial sind ältere, von Brandstellen-Moosen eroberte Feuerstellen, wo am besten nur überschüssiges Reißig von Holzarbeiten im Wald verbrannt wurden. Es sollte aber schon noch Holzkohle vorhanden sein und nicht bloß Asche.

2. Wie

kann es denn sein, dass da, wie etwa Andreas in Bezug auf einen von ihnen
schrieb, nach kurzer Zeit so einer "pilzt"? Ist das Myzel
flächendeckend schon fix und fertig überall im Boden und wartet nur
darauf, dass es irgendwo brennt, damit sich was tut? Oder wie hat man sich
das vorzustellen?

Meiner Ansicht nach werden die Sporen durch die Luft verteilt und überleben halt nur dort, wo für sie die spezifischen Bedingungen herrschen. Ist ja bei Mykorrhiza-Pilzen ähnlich. Woher weiß z.B. der Elfenbeinröhrling, wo die dazugehörige Weymouths-Kiefer steht?

Und 3. Wieso zerstört Feuer nicht alles entsprechende -

Feuer wandelt um, denn irgendwas bleibt ja trotzdem übrig. Das Übriggebliebene ist die Nahrungsgrundlage der Brandstellenbewohner.

VG Ingo W

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Re: Brandstellenpilze-Theorie-Frage

Violet, (vor 6478 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ditte!
Ich antworte trotzdem mal, auch wenn du die Pilzweisen ansprichst:
Feuerstelle reicht, möglichst aber ohne verbranntem
"Zivilisations-Müll", genial sind ältere, von
Brandstellen-Moosen eroberte Feuerstellen, wo am besten nur überschüssiges
Reißig von Holzarbeiten im Wald verbrannt wurden. Es sollte aber schon
noch Holzkohle vorhanden sein und nicht bloß Asche.
2. Wie
Meiner Ansicht nach werden die Sporen durch die Luft verteilt und überleben
halt nur dort, wo für sie die spezifischen Bedingungen herrschen. Ist ja
bei Mykorrhiza-Pilzen ähnlich. Woher weiß z.B. der Elfenbeinröhrling, wo
die dazugehörige Weymouths-Kiefer steht?
Und 3. Wieso zerstört Feuer nicht alles entsprechende -
Feuer wandelt um, denn irgendwas bleibt ja trotzdem übrig. Das
Übriggebliebene ist die Nahrungsgrundlage der Brandstellenbewohner.
VG Ingo W

Lieber Ingo, bist du kein Pilzweiser???
Ich dank jedenfalls auch dir ganz herzlich. Ich poste auch gleich noch ne Baumpilzfrage, aber separat, damit das eine nicht mit dem anderen vermischt wird :)
Sei lieb gegrüßt
Ditte

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Morcheln = Pionierpilze?

seb, (vor 6476 Tagen) @ Ingo Wagner

Meiner Ansicht nach werden die Sporen durch die Luft verteilt und überleben
halt nur dort, wo für sie die spezifischen Bedingungen herrschen. Ist ja
bei Mykorrhiza-Pilzen ähnlich. Woher weiß z.B. der Elfenbeinröhrling, wo
die dazugehörige Weymouths-Kiefer steht?
Und 3. Wieso zerstört Feuer nicht alles entsprechende -
Feuer wandelt um, denn irgendwas bleibt ja trotzdem übrig. Das
Übriggebliebene ist die Nahrungsgrundlage der Brandstellenbewohner.
VG Ingo W

Hallo Ingo,

jetzt bin ich doch nicht ins Bett sondern hängen geblieben. *hehe*

Ich hab mal gelesen, dass Morcheln in Nordamerika auf Brandflächen gesammelt werden. Da hab ich mir eine Theorie zusammengedacht, dass RiMuMos zwar keine Brandstelle besiedeln, dass der Rindenmulch aber ein hochgestörtes Biotop darstellt.
Im zweiten Jahr finde ich fast keine RiMuMos an der selben Stelle.

Genauso hab ich schon Käppchen-Morcheln in ufernähe gefunden. Schwemmsande inder winterlichen Überschwemmungszone. Und wieder haben wir einen gestörtes Biotop.
Dazu kommen Morchelbilder auf Waldwegen und zwischen Gartenplatten ...

Ergo: Morcheln sind Pionierpilze die oft auf gestörten Standorten vorkommen???

Gruss
Seb

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Re: Morcheln = Pionierpilze?

Mycelio, (vor 6476 Tagen) @ seb

Hallo zusammen,

bin ja sonst nur stiller Mitleser, aber zum Thema Morcheln habe ich viel recherchiert, ein paar Zuchtversuche unternommen und kann ein paar Infos beisteuern.

Mycelien von Morcheln und Verpeln untescheiden sich stark von denen anderer Pilze. Einmal wachsen sie irrsinnig schnell, bei günstiger Witterung ein paar Zentimeter pro Tag. Dafür brauchen andere ca. eine Woche bis einen Monat. Zum anderen bilden sie Sklerotien, d.h. sie speichern ihre Nährstoffe in knollenartigen Strukturen, die sehr viel besser mit Hitze, Trockenheit oder Bodenbewegungen zurecht kommen als normales Mycel. Sklerotien werden bevorzugt an nährstoffarmen Stellen gebildet, also im Sand oder zwischen Steinen, wo nicht viel Konkurrenz herrscht. Zusätzlich kommen die Morcheln mit extremen PH-Werten bzw. hohen Ascheanteilen zurecht. Ich denke durch all diese Besonderheiten kann man Morcheln ohne Probleme als Pionierpilze bezeichnen. Vereinzelt finden sich aber auch Beschreibungen von standorttreuen Morcheln, z.B. unter Eschen oder alten Apfelbäumen, genauso wie Behauptungen, Morcheln könnten eine primitive Art von Symbiose mit Baumwurzeln bilden.

Zu den Brandstellenmorcheln (die auch hier vorkommen) kenne ich zwei Theorien. Eine besagt, daß einige Sklerotien den Waldbrand überstehen, im Spätherbst Mycel austreiben und dann freie Bahn auf dem weitgehend sterilen Substrat haben. Die andere geht davon aus, daß Sporen auf der Asche landen und in Windeseile soviel wie möglich erobern. Was mich daran stört ist, daß die Sporen ja nur im Frühling rumfliegen, während es doch eher im Herbst brennt... Morchelsporen fackeln auch nicht lange, sobald es feucht genug ist, keimen sie innerhalb von Stunden. Andere Arten warten da schonmal Tage, Wochen oder Monate.

Bzgl. RiMuMos vermute ich ebenfalls ein gestörtes Biotop. Schließlich werden meist Blumenbeete gemulcht, die oft hoffnungslos überdüngt sind. Nach ein bis zwei Jahren werden einfach die Nährstoffe verbraucht sein oder das Mycel ist abgewandert. Siehe hier:
http://green-24.de/forum/ftopic1647.html
Da wandern die Spitzmorcheln seit Jahren durch den Garten, während die Besitzerin sie gern los wäre...

Grüße, Carsten

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Re: Morcheln = Pionierpilze?

Violet, (vor 6475 Tagen) @ Mycelio

Hallo zusammen,
bin ja sonst nur stiller Mitleser, aber zum Thema Morcheln habe ich viel
recherchiert, ein paar Zuchtversuche unternommen und kann ein paar Infos
beisteuern.
Mycelien von Morcheln und Verpeln untescheiden sich stark von denen anderer
Pilze. Einmal wachsen sie irrsinnig schnell, bei günstiger Witterung ein
paar Zentimeter pro Tag. Dafür brauchen andere ca. eine Woche bis einen
Monat. Zum anderen bilden sie Sklerotien, d.h. sie speichern ihre
Nährstoffe in knollenartigen Strukturen, die sehr viel besser mit Hitze,
Trockenheit oder Bodenbewegungen zurecht kommen als normales Mycel.
Sklerotien werden bevorzugt an nährstoffarmen Stellen gebildet, also im
Sand oder zwischen Steinen, wo nicht viel Konkurrenz herrscht. Zusätzlich
kommen die Morcheln mit extremen PH-Werten bzw. hohen Ascheanteilen
zurecht. Ich denke durch all diese Besonderheiten kann man Morcheln ohne
Probleme als Pionierpilze bezeichnen. Vereinzelt finden sich aber auch
Beschreibungen von standorttreuen Morcheln, z.B. unter Eschen oder alten
Apfelbäumen, genauso wie Behauptungen, Morcheln könnten eine primitive Art
von Symbiose mit Baumwurzeln bilden.
Zu den Brandstellenmorcheln (die auch hier vorkommen) kenne ich zwei
Theorien. Eine besagt, daß einige Sklerotien den Waldbrand überstehen, im
Spätherbst Mycel austreiben und dann freie Bahn auf dem weitgehend
sterilen Substrat haben. Die andere geht davon aus, daß Sporen auf der
Asche landen und in Windeseile soviel wie möglich erobern. Was mich daran
stört ist, daß die Sporen ja nur im Frühling rumfliegen, während es doch
eher im Herbst brennt... Morchelsporen fackeln auch nicht lange, sobald es
feucht genug ist, keimen sie innerhalb von Stunden. Andere Arten warten da
schonmal Tage, Wochen oder Monate.
Bzgl. RiMuMos vermute ich ebenfalls ein gestörtes Biotop. Schließlich werden
meist Blumenbeete gemulcht, die oft hoffnungslos überdüngt sind. Nach ein
bis zwei Jahren werden einfach die Nährstoffe verbraucht sein oder das
Mycel ist abgewandert. Siehe hier:
http://green-24.de/forum/ftopic1647.html
Da wandern die Spitzmorcheln seit Jahren durch den Garten, während die
Besitzerin sie gern los wäre...
Grüße, Carsten

Lieber Carsten, das fand ich sehr interessant, was du schreibst! Ich werde daraufhin mal versuchen, eine getrocknete Morchel auf Rindenmulch im Garten zu verkrümeln - mal sehn, was passiert (vermutlich aber nichts, weil die Morcheln schon ein paar Jahre alt sind). Was die Frau mit den Morcheln im Topf angeht, kann ich nur sagen: Es trifft immer die Falschen...:))
Liebe Grüße
Ditte

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Re: Morcheln = Pionierpilze?

Mycelio, (vor 6475 Tagen) @ Violet

Hallo Ditte,

Lieber Carsten, das fand ich sehr interessant, was du schreibst!

freut mich!

Ich werde daraufhin mal versuchen, eine getrocknete Morchel auf Rindenmulch
im Garten zu verkrümeln - mal sehn, was passiert (vermutlich aber nichts,
weil die Morcheln schon ein paar Jahre alt sind).

Solange sie trocken gelagert wurden, müßte das klappen. Ich habe gerade erfolgreich Mycel und Sklerotien aus getrockneten Supermarktspitzmorcheln gezüchtet, das ging problemlos. Hatte einfach die Packung kräftig geschüttelt und mit winzigen Mengen vom Bodensatz beimpft. Hier mal ein Bild der Sklerotien im Anfangsstadium:
[image] http://img296.imageshack.us/my.php?image=110090106mconicask01gh4.jpg
Jetzt warte ich noch, bis die Sklerotien braun werden, dann werden sie auf dem Balkon ausgewildert.

Du kannst deine Morchel auch in der Kaffemühle zerkleinern, mit Wasser verrühren und dann mit der Gießkanne großflächig beimpfen.
Es kann aber sein, daß du relativ frischen Mulch brauchst. Manchmal wird auch empfohlen planzliche Küchenabfälle zu beimpfen. Etwas Glück gehört natürlich auch dazu. Ich wünsche jedenfalls viel Erfolg!

Was die Frau mit den Morcheln im Topf angeht, kann ich nur sagen:
Es trifft immer die Falschen...:))

Genau, ich würde ja sonstwas drum geben einen Garten zu haben und dort Morcheln zu finden.

Grüße, Carsten

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Re: Morcheln = Pionierpilze?

Violet, (vor 6475 Tagen) @ Mycelio

Hallo Ditte,
freut mich!
Solange sie trocken gelagert wurden, müßte das klappen. Ich habe gerade
erfolgreich Mycel und Sklerotien aus getrockneten Supermarktspitzmorcheln
gezüchtet, das ging problemlos. Hatte einfach die Packung kräftig
geschüttelt und mit winzigen Mengen vom Bodensatz beimpft. Hier mal ein
Bild der Sklerotien im Anfangsstadium:
Jetzt warte ich noch, bis die Sklerotien braun werden, dann werden sie auf
dem Balkon ausgewildert.
Du kannst deine Morchel auch in der Kaffemühle zerkleinern, mit Wasser
verrühren und dann mit der Gießkanne großflächig beimpfen.
Es kann aber sein, daß du relativ frischen Mulch brauchst. Manchmal wird auch
empfohlen planzliche Küchenabfälle zu beimpfen. Etwas Glück gehört
natürlich auch dazu. Ich wünsche jedenfalls viel Erfolg!
Genau, ich würde ja sonstwas drum geben einen Garten zu haben und dort
Morcheln zu finden.
Grüße, Carsten

Na, lieben Dank, Carsten, für die Tipps. Ich denke, ich werde es mit beidem probieren und halt ein paar Morcheln opfern. Frischen Mulch find ich schon im Wald, da liegen immer Haufen rum - und ich probier verschiedene Ecken im Garten aus. Eher sonnig? Eher dunkel? Oder Mittel?
LG Ditte

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Re: Morcheln = Pionierpilze?

Mycelio, (vor 6475 Tagen) @ Violet

Eher feucht und schattig.

Grüße, Carsten

Na, lieben Dank, Carsten, für die Tipps. Ich denke, ich werde es mit beidem
probieren und halt ein paar Morcheln opfern. Frischen Mulch find ich schon
im Wald, da liegen immer Haufen rum - und ich probier verschiedene Ecken
im Garten aus. Eher sonnig? Eher dunkel? Oder Mittel?
LG Ditte

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Re: Morcheln = Pionierpilze?

Andreas ⌂, (vor 6475 Tagen) @ seb

Hallo Ingo,
jetzt bin ich doch nicht ins Bett sondern hängen geblieben. *hehe*
Ich hab mal gelesen, dass Morcheln in Nordamerika auf Brandflächen gesammelt
werden. Da hab ich mir eine Theorie zusammengedacht, dass RiMuMos zwar
keine Brandstelle besiedeln, dass der Rindenmulch aber ein hochgestörtes
Biotop darstellt.
Im zweiten Jahr finde ich fast keine RiMuMos an der selben Stelle.
Genauso hab ich schon Käppchen-Morcheln in ufernähe gefunden. Schwemmsande
inder winterlichen Überschwemmungszone. Und wieder haben wir einen
gestörtes Biotop.
Dazu kommen Morchelbilder auf Waldwegen und zwischen Gartenplatten ...
Ergo: Morcheln sind Pionierpilze die oft auf gestörten Standorten
vorkommen???
Gruss
Seb

Hallo,

könnte man meinen, dem ist aber nicht so. Morcheln sind oft sehr standorttreu, solange das Biotop ihnen gleichbleibend das bietet was sie brauchen.

Und was sie brauchen ist eigentlich auch ganz gut erforscht, nämlich bestimmte Zucker, die von Bäumen über die Wurzeln in den Boden ausgeschieden werden. Also keine Mykorrhiza, denn die Pilzwurzeln verbinden sich ja nicht mit den Baumwurzeln und es ist auch keine Symbiose, denn die Morchel gibt ja nix ab was der Baum verwenden könnte.

Diese Zuckerverbindungen werden von bestimmten Baumarten im besonderen Maße abgegeben, daher findet man die Speisemorchel in erster Linie bei Eschen und Rosengewächsen (Steinobst, Schlehe, Weißdorn), nie dagegen bei Buchen weil letztere keine solchen Zucker abgeben. Die Spitzmorchel benötigt dagegen andere Zuckerverbindungen, die von Nadelbäumen abgegeben werden. Daher trifft man die vor allem unter Tanne oder Kiefer, aber auch unter Fichte an. Und daher gibt es sie auch in besonderem Maße und besonders üppig auf Rindenschrot, denn diese zerkleinerte Nadelbaumrinde gibt ofensichtlich diese Verbindungen in besonders starkem Maße ab. Natürlich nur eine gewisse Zeit, während der lebende Baum sein Leben lang diese Zucker abgibt (und damit standorttreue Morchelbiotope bildet).
Ich kenne Gebiete am Rhein, da hat schon HAAS und SCHWÖBEL in den 50er Jahren Speisemorcheln gesammelt, ebenso Wälder am Schwarzwald-Ostrand, die HAAS ebenfalls schon ab den 50er Jahren besammelt hat - und es gibt sie auch heute noch dort. Also kein Gedanke an Pionierpilz.

Auwald auf Schwemmsand ist zwar richtig, aber meiner Erfahrung nach sind es meist Biotope, die nicht regelmäßig überflutet werden und auch nie lange. Also ein normales Morchelhabitat, dass bisweilen mal ein Frühjahrshochwasser abkriegt. Morcheln auf Brandstellen ist ebenfalls richtig, das kommt gelegentlich vor. In den geschilderten Fällen in Nordamerika handelte es sich aber um großflächige Waldbrände. Bei denen wird der Boden meist gar nicht soo sehr heiß und oft bleiben auch die größeren Bäume stehen. Nur die Streu und das Unterholz verbrennen, so wie man an Straßenböschungen früher oft das Gras abgeflämt hat. Nach solchen "kalten" Waldbränden entwickelt sich auch keine Brandpilzflora, denn dazu muss der Boden richtig durchglühen. Ebenfalls entwickelt sich im Bereich der Blütenpflanzen zwar eine besondere Flora, aber eben keine typische Brandstellenentwicklung mit Pioniermoosen und erst später Besiedlung durch Blütenpflanzen, sondern eine direkte Blütenpflanzenflora.

Wer versuchen will, RiMuMos daheim zu bekommen, der muss Rindenmulch ausstreuen, vorzugsweise auf basenreichem Boden (zu sauer scheint die Zuckerverbindungen entweder unzugänglich zu machen oder umzuwandeln), und zwar sollte der Mulch im Herbst ausgelegt werden. Beimpfen mit Morchelsuspension scheint mir zwecklos, denn entweder die Morchel ist schon von vornherein im Mulch drin (was angenommen wird, denn die Nebenfruchtform der Morchel soll wohl nahezu überall aus Rinde zu isolieren zu sein), oder es wird nüscht.

beste Grüße,
Andreas

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Nebenfruchtform

Rudi, (vor 6475 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas

die Nebenfruchtform der Morchel soll wohl nahezu überall aus Rinde zu
isolieren zu sein

Kannst du das mal zeigen?
LG Rudi

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Re: Nebenfruchtform

Andreas ⌂, (vor 6475 Tagen) @ Rudi

Hallo Andreas
Kannst du das mal zeigen?
LG Rudi

Hallo Rudi,

nee, kann ich nicht, ich hab die auch nocht nie gesehen. Soweit ich das verstanden habe, ist die halt als imperfekter Pilz im Holz lebend vorhanden. ich glaube nicht, dass man die mit bloßem auge sehen kann.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Nebenfruchtform

Mycelio, (vor 6475 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

ich denke, du meinst das, was manchmal als Constantinella cristata bezeichnet wird, ein pudriger bzw. mehltauartiger bräunlicher Belag, meist auf Holz. Hatte sowas schon mehrmals in Spitzmorchel-Kulturen, die keine Sklerotien hervorbrachten, mikroskoisch absichern kann ich es aber nicht.

Leider gibt es darüber fast nichts im Netz zu finden, allerdings kam es hier früher schonmal zur Sprache:
Beitrag 5321

Für wie sicher hältst du die Info, daß diese Konidien überall vorkommen?

Grüße, Carsten

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Re: Nebenfruchtform

Andreas ⌂, (vor 6474 Tagen) @ Mycelio

Hallo Andreas,
ich denke, du meinst das, was manchmal als Constantinella cristata bezeichnet
wird, ein pudriger bzw. mehltauartiger bräunlicher Belag, meist auf Holz.
Hatte sowas schon mehrmals in Spitzmorchel-Kulturen, die keine Sklerotien
hervorbrachten, mikroskoisch absichern kann ich es aber nicht.
Leider gibt es darüber fast nichts im Netz zu finden, allerdings kam es hier
früher schonmal zur Sprache:
Beitrag 5321
Für wie sicher hältst du die Info, daß diese Konidien überall vorkommen?
Grüße, Carsten

Hallo Carsten,

auch hier danke ich Dir für die konkreten Hinweise.
Das mit den Konidienformen hörte ich im Gespräch mit jemandem aus der Buscot-Arbeitsgruppe, der aber nicht selbst mit dem Thema Morchel dort beschäftigt war sondern irgendwie mit Biodegradation. Es klang für mich aber so, dass diese Nebenfruchtform sehr häufig sein müsse und man sie praktisch in jedem Mulchvorkommen und an jedem Rindenschälplatz erwarten dürfte. Von Nadelholz natürlich nur.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Nebenfruchtform

Mycelio, (vor 6474 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

ich danke ebenfalls! Von der weiten Verbreitung des Konidienstadiums hatte ich noch nichts gehört. Macht aber Sinn und würde auch das häufige Vorkommen der Rindenmulchmorcheln erklären. Sklerotien wären ja bestimmt schonmal jemandem beim mulchen aufgefallen. Daß die schnell keimenden Frühjahrssporen draußen in der Natur bis zum Herbst durchhalten, halte ich nicht für wahrscheinlich. Aber gut, ich will mich mal nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, gerade bei Morcheln beruhen scheinbar noch viele Erkenntnisse auf Mutmaßungen und Fehlinterpretationen.

Grüße, Carsten

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Re: Morcheln = Pionierpilze?

seb, (vor 6475 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

danke für die ausführlichen Erklärungen. Ist echt interessant. Klingt aber logisch. Sind die Zuckerarten bestimmt? Da müßte doch schon lange einer die effektive Zucht angepackt haben. Bei den Morchelpreisen :o)

Ich hab allerdings noch eine Ladung getrocknete Morcheln von "vor dem Suppermarkt" Hatte da letztes Jahr ein gutes Biotop und viele Kommentare: "Oh haben Sie etwas verloren ..." und so weiter.

Nun ja, ich war teilweise zusammen mit einem mir befreundeten Altpunk, einem Indi-Kindergärter und anderen Freunden unterwegs. Da denkt der bürgerliche Einkaufstross wohl nicht an Feinschmecker :D

Das mit der Nebenfruchtform hab ich noch nicht ganz Verstanden. Muss wohl noch googeln. Mein Botonik-Latein bezieht sich immer noch im wesentlichen auf (Blüten)pflanzen. ROTHMALER und SCHMEIL-FITSCHEN haben so was nie erwähnt :(

Gruss
Seb

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Re: Morcheln = Pionierpilze?

Andreas ⌂, (vor 6475 Tagen) @ seb

Hallo Seb,

danke für die ausführlichen Erklärungen. Ist echt interessant. Klingt aber
logisch. Sind die Zuckerarten bestimmt? Da müßte doch schon lange einer
die effektive Zucht angepackt haben. Bei den Morchelpreisen :o)

Soweit ich weiß ja. Ich habe diese Informationen zum einen aus einer langen Diskussion im französischen Forum mycologia-europaea (dort federführend Pharmacie Clowac) als auch aus Berichten der Arbeitsgruppe um Prof. Buscot in Leipzig (oder halle?). Beim Googeln bin ich mal auf ne website von einem dort gestoßen.

Im übrigen hat sich bereits einer ein patent auf Morchelzucht eintragen lassen und dem Hören-Sagen nach wurde dies für viel geld an Knorr verkauft. Da habe ich aber keine Quellen dazu.

Das mit der Nebenfruchtform hab ich noch nicht ganz Verstanden. Muss wohl
noch googeln. Mein Botonik-Latein bezieht sich immer noch im wesentlichen
auf (Blüten)pflanzen. ROTHMALER und SCHMEIL-FITSCHEN haben so was nie
erwähnt :(

Blütenpflanzen bilden auch keine Nebenfruchtformen. Diese NFF sind ein Weg für Pilze, schnell Fortpflanzungseinheiten zu bilden, meist einfache Konidienträger, die Konidien abschnüren. Diese asexuelle Fortpflanzung ist aber längst nicht so effektiv wie die sexuelle, aber in schlechten zeiten immerhin besser als nix. Am vielleicht bekanntesten sind diese beiden Formen bei Ascocoryne sarcoides, die einmal in einem hirnartig gewundenen violettrosa Gekröse vorkommt (NFF) und einmal als violettrosa Becherlinge (HFF). Meist kommen beide zusammen vor (in diesem Fall).
Vielfach sind solche Nebenfruchtformen bekannt und beschrieben, aber man weiß bis heute nicht, wie die Hauptfruchtform dazu aussieht.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Morcheln = Pionierpilze?

Mycelio, (vor 6474 Tagen) @ Andreas

Im übrigen hat sich bereits einer ein patent auf Morchelzucht eintragen
lassen und dem Hören-Sagen nach wurde dies für viel geld an Knorr
verkauft. Da habe ich aber keine Quellen dazu.

Schon in den 80ern ist R. Ower in San Francisco die Fruchtung unter kontrollierten Bedingungen gelungen. Das Verfahren ist seitdem patentiert,
http://www.wipo.int/pctdb/en/wo.jsp?wo=1986006247&IA=WO1986006247&DISPLAY=DESC
jedoch konnte trotz detaillierter Beschreibung seitdem noch niemand die Indoor-Fruchtung reproduzieren. Daher betreiben nach Owers Tod nur seine Nachfolger mit ihrer Firma erfolgreich die Morchelzucht. Irgendwas scheint da aber faul oder zumindest knifflig zu sein, denn alle paar Jahre wird das Ganze wieder mal verkauft und der Name wechselt... Von Knorr habe ich in dem Zusammenhang aber noch nichts gehört.

Grüße, Carsten

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Re: Morcheln = Pionierpilze?

Andreas ⌂, (vor 6474 Tagen) @ Mycelio

Schon in den 80ern ist R. Ower in San Francisco die Fruchtung unter
kontrollierten Bedingungen gelungen. Das Verfahren ist seitdem patentiert,

http://www.wipo.int/pctdb/en/wo.jsp?wo=1986006247&IA=WO1986006247&DISPLAY=DESC
jedoch konnte trotz detaillierter Beschreibung seitdem noch niemand die
Indoor-Fruchtung reproduzieren. Daher betreiben nach Owers Tod nur seine
Nachfolger mit ihrer Firma erfolgreich die Morchelzucht. Irgendwas scheint
da aber faul oder zumindest knifflig zu sein, denn alle paar Jahre wird
das Ganze wieder mal verkauft und der Name wechselt... Von Knorr habe ich
in dem Zusammenhang aber noch nichts gehört.
Grüße, Carsten

Hallo Carsten,

danke für die Information, Du bist da ganz offensichtlich besser informiert als ich. Dann werde ich das Gerücht mit Knorr mal begraben, denn das scheint mir ja dann eher unwahrscheinlich.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Morcheln = Pionierpilze? Plzpatent: Bekloppt!

seb, (vor 6474 Tagen) @ Mycelio

Schon in den 80ern ist R. Ower in San Francisco die Fruchtung unter
kontrollierten Bedingungen gelungen. Das Verfahren ist seitdem patentiert,

http://www.wipo.int/pctdb/en/wo.jsp?wo=1986006247&IA=WO1986006247&DISPLAY=DESC
Grüße, Carsten

Ich hab ja schon meine Mühe mit manchem Informatikpatent (Langes Mausklicken, etc.)
Und jetzt auch noch ein Morchelzuchtpatent?!? Wofür wurde Patentschutz nochmal erfunden???

Ich geh am Stock!

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nicht vorschnell urteilen...

Mycelio, (vor 6473 Tagen) @ seb

Wenn du mal in die Patentbeschreibung schaust, oder dich weiter informierst, wirst du vielleicht erkennen, daß die Morchelzucht alles andere als trivial ist und u.a. extrem aufwendige Klimakontrolle erfordert. Hinter dem besagten Patent stecken viele Jahre an Forschung, die würdest du dir auch schützen lassen wollen.

Grüße, Carsten

Ich hab ja schon meine Mühe mit manchem Informatikpatent (Langes Mausklicken,
etc.)
Und jetzt auch noch ein Morchelzuchtpatent?!? Wofür wurde Patentschutz
nochmal erfunden???
Ich geh am Stock!