Xerocomus Problem - Sekt oder Selters?

Ingo, (vor 6323 Tagen)

Hallo liebe Pilzfreunde,

bitte erschreckt nicht über die unübliche Zeit meines Postings, aber eine Art mykologischer Notfall plagt
mich seit gestern und raubt mir seitdem etwas die Ruhe. Damit ich nicht allein im Regen stehe, möchte ich
euch ein wenig daran teilhaben lassen.

Wie ich so am gestrigen Tage den für diese Jahreszeit unüblichen Pilzreichtum bestaunte, fielen mir in einer
Wanderdüne ein paar hellbraune Pilzhüte mit einem rosalichen Schimmer auf. Im ersten Moment hatte ich
so gar keinen Plan, um was es sich handeln könne. Obwohl – Röhren hatte ich beim ersten Anblick schon
erwartet. Wegen der in unmittelbarer Nähe stehenden Pappel sollte da auch noch ein mehr oder weniger geschuppter,
rauer Stiel vorhanden sein.
Immerhin – Röhren waren da schon. Nur der Stiel war nicht rau, sondern mehr oder weniger rot.

Weil ich „zufällig“ mein Arbeitsgerät dabei hatte, hielt ich den Moment im Bilde fest. Damit es im Nachhinein
keinen Ärger mit Kollegen Schreiner und Co. gibt, habe ich auch zwei Exemplare aufgeschnitten.
Schließlich könnten ja rote Pünktchen in der Stielbasis zu sehen sein.
Interessant war allerdings die sofortige, heftige Verfärbung im Schnitt. Am besten, ich lasse den Film mal ab:

[image]

[image]

[image]

Es schien sich tatsächlich um Filzröhrlinge aus dem Umfeld von Rubellus zu handeln. Allerdings – auch nach
intensivster Suche war nicht ein einziger Eichensprössling zu finden, der X. communis rechtfertigen könnte.
Außerdem sollte der keinen roten Stiel haben und keine derartige Verfärbung zeigen.

Nach alle dem, was ich hier von Jürgen gelernt habe, sollten aber sämtliche Röhrlinge auch schon
makroskopisch bestimmbar sein. Schnittbild vorausgesetzt. Irgend etwas musste ich also übersehen haben.
Oder etwa nicht?

Rein zufällig kam ich heute endlich dazu, einen Blick in den aktuellen Tintling zu werfen. Von Karin Montag
selbst stammte der interessante Artikel über die Filzröhrlinge, Seiten 72/73. Auf Seite 73, rechts unten
erblickte ich schließlich die mögliche Lösung für mein Problem.

Xerocomus bubalinus – Blassgelbbrauner Filzröhrling, so stand dort geschrieben, wächst vorwiegend bei
Pappeln und ist aus Österreich und den Niederlanden bekannt. Das Bild selbst ist von Machiel Noordeloos.

Wär’ das nicht was, wenn es die Art nun auch in unserem Land gäbe? Sekt zum kaltstellen hab’ ich momentan
keinen hier, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen.
Also, wer kann mich wieder zurechtstutzen und mir meinen chrysenteron und die Selters verordnen?

Grüßlis Ingo

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Xerocomus Problem - Sekt oder Selters?

Lothar, (vor 6323 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

vielleicht ist das ganz unqualifiziert - ich schaue nicht in die Literatur (keine Zeit). Aber ich bilde mir ein, es gibt einen Rotfußröhrlings-Verwandten, der stark blau verfärbt: X. cisalpinus. Darüber wurde m.W. schon in der Z. Mykol. geschrieben. Ob der in Frage kommt (s.o.).

LG, Lothar

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Zusatzinfo

Ingo, (vor 6323 Tagen) @ Ingo

Danke Lothar,

ich habe hier noch einen interessanten Link , der vielleicht weiter hilft.
Was mir hauptsächlich seltsam vorkam, war die 2-Komponenten-Verfärbung.
Rötlich unter der Hutoberfläche, blauend über dem Röhrenboden bis in den Stiel hinein.
Vielleicht wäre das ein gutes Entscheidungskriterium?

Grüßlis Ingo

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Re: Zusatzinfo

Lothar, (vor 6323 Tagen) @ Ingo

Hi Ingo,
das sieht ja wirklich gut aus. Warum also nicht X. bubalinus? Dass der ausgerechnet Deutschland auslassen soll, klingt auch nicht logisch :-)
LG und - provisorischen - Glückwunsch,
Lothar

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Guten Morgen Ingo

Thüringer-Holz, (vor 6323 Tagen) @ Ingo

auch wenn ich nicht wirklich Ahnung habe,
Xerocomus bubalinus (Oolbekkink & van Duin) Redeuilh
sieht nach dem was ich gesehen habe gut aus.
Auch das Biotop würde passen.
Vielleicht schreibst du Herrn Schreiner oder Thomas Lehr mal eine Mail,
einen Beleg hast du ja sicher gemacht.

Grüße Felix

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Xerocomus Problem - Sekt oder Selters?

Andreas ⌂, (vor 6323 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

Sekt zum kaltstellen hab’ ich momentan keinen hier

Dann würd' ich aber mal ganz schnell einen kaufen gehen!

beste Grüße,
Andreas

P.S.: Ich habe mal den thread an Machiel Noordeloos gemailt, vielleicht hat er ja Zeit was dazu zu sagen.
Ich persönlich halte den Pilz für X. bubalinus, kenne die Art allerdings nicht aus eigener Anschauung.

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Xerocomus Problem - Sekt oder Selters?

ThomasHofheim, (vor 6322 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,
da würde miich ein Exsiccat wirklich interessieren. Ich weiß zwar immer noch nicht so genau, wie echte Bubalinusse aussehen und ob sie sich morphologisch von communis trennen lassen, aber vielleicht paßen bei Deinen Pilzen ja auch endlich mal die Sporenmaße.
Gruß
Thomas

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Xerocomus Problem - Sekt oder Selters?

Ingo, (vor 6322 Tagen) @ Ingo

Hallo Miteinander,

vielen Dank für eure Meinungen zum Thema. Was ich gestern noch nicht kannte,
waren die makroskopischen Beschreibungen aus den Niederlanden. Die habe ich erst
heute früh im www entdeckt.

Wenn die makroskopische Beschreibungen, vor allem die doch recht typischen
Verfärbungen im Schnitt zutreffend sind, sollte es sich bei meinem Fund
tatsächlich um den Pappel-Filzröhling handeln.
Die makroskopischen Merkmale von X. communis sind doch schon sehr verschieden.
Der Fundort befand sich tatsächlich mitten in einer von lockerem Grasbewuchs
bedeckten Sanddüne. Also saurer Sandboden. In drei Monaten darf dort wieder
Tricholome populinum sein Unwesen treiben.

Erstfund für Deutschland kann es aber nicht sein, da Heinz Ebert bereits
vor zwei Jahren einen Kellerfund im DGfM Forum beschrieben hatte.
Begleitbaum war hier anscheinend eine Linde.

Heute Vormittag fand ich in Berlin Adlerhof, ebenfalls unter Linde, aber nur
20 m von einer Pappel entfernt, drei weitere Exemplare von Filzröhrlingen, die
auffällig verblasste Hüte hatten. Leider waren sie schon etwas vetrocknet.
Bei Anschnitt ergab sich so nur noch langsam eine Verfärbung.
Immerhin waren die beiden verschiedenen Farbzonen noch schwach erkennbar.

Allerdings nehme ich auf Arbeit keine Knipse mit.
Vielleicht achtet ihr mal in diesen Tagen besonders auf Filzröhrlinge bei
Linden und Pappeln. Möglicherweise ist die Art gar nicht so selten, sondern
fällt üblicherweise nur der Sommerdürre zum Opfer.

Grüßlis Ingo