Risspilze (I. muricellata)

interhias ⌂, (vor 5743 Tagen)

Hallo zusammen,

in letzter Zeit bin ich ein wenig in den Sumpf der Risspilzbestimmung geraten, und um da vielleicht ein Stückweit wieder rauszukommen, würde ich gern die Inocybenfreunde nach ihrer Meinung zu einigen Kollektionen fragen.

Seit Jahren schon finde ich immer wieder mal Incyben, die mit einem „cf. muricellata“ in der Ablage landen. Vielleicht kann ich das „cf.“ bei folgender Kollektion mal weglassen?

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Die Cheilozystiden sind hübsch gelb in KOH:

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Die ebenfalls gelblichen Pleurozystiden ab und zu fusoid:

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meistens lageniform:

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und oft sehr langhalsig:

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Die Sporen (sub)amygdaloid mit den Maßen 9,1 x 5,7 (8-10,5 x 5-6,5), Q=1,58 (1,42-1,75):

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Beschreibung und vor allem das Aquarell von Stangl (Tafel 26/2) passen anständig, allerdings verwundert, dass selbiger in seiner Beschreibung nur Zystiden bis 70 µm Länge angibt, während Kuyper und Funga Nordica lange Maße angeben (bis 95 und mehr). Bei meiner Kollektion messen sie 68-86 x 13-20.

Entspricht das Schwammerl eurer Vorstellung von I. muricellata? Eine Kollektion, die ich letztes Jahr überhaupt nicht bestimmen konnte, gehört vermutich auch in diese Ecke: siehe hier.

Zum Schluss noch einer genauere Beschreibung der vorgestellten Kollektion:
Funddaten: 18.09.2010; Fundort: MTB 8135-4-1-4, 750 m; Sachsenkam, Kirchsee, Schindelberg Nordost, am Wegrand bei jungen Buchen, großen Fichten und Tannen; gesellig (>10 Fk); Hut: bis 2,2 cm breit, jung stumpfkegelig, später bis flach gewölbt, gelegentlich mit vorgezogenem, abgerundetem Buckel, meist jedoch schwach oder nicht gebuckelt, jung mit grauweißlicher, rasch vergänglicher Velipellis grob überfilzt, später am Scheitel grobschollig, sonst schuppig aufreißend, Schuppen oft sparrig abstehend, zum Rand hin mehr faserschuppig bis filzig, ohne Cortina, Färbung gelbbraun bis sattbraun;
Stiel: bis 3,7 x 0,3 cm, basal gleichdick, minimal erweitert oder schwach verjüngt, jung blass fichtenholzfarben mit deutlich rötlicher Spitze, später ocker bis ockerbraun, oben meist etwas rosa behaucht, ganz bereift;
Lamellen: aufsteigend und schmal angewachsen, normal bis mäßig gedrängt, jung cremegrau, später grauocker bis graubraun, alt mit minimalem Olivton; Schneiden konvex und weißflockig;
Fleisch: im Hut im Kern weiß, sonst wässrig grau, im Stiel blass ocker, in der Stielspitze in der Rinde oder komplett rosabraun (fleischbraun);
Geruch: eher nicht spermatisch, sondern schwach süßlich-fruchtig;
Mikromerkmale vom Exsikkat:
Pleurozystiden: fusoid, fusoid-lageniform bis lageniform, nie keulig oder utriform, mäßig gestielt, in KOH intensiv gelb, dickwandig, Kristallbesatz mäßig, sehr lang, 68-86 x 13-20, Wandstärke am Bauch 0,5-1,5, am Hals 1,5-2,5;
Cheilozystiden: ähnlich gestaltet, ca. 56-85 x 13-21, Wandstärke am Bauch 1-2, am Hals 2-3; Parazystiden zahleich, klein bis mittelgroß;
Kaulozystiden: in der unteren Stielhälfte reichlich vorhanden, büschelig, Maße z.B. 72x18, 86x18, 68x13, Wandstärke bis 2 µm; dazwischen einzelne Parakaulozystiden;
Sporen: subamygdaloid, Apex meist schwach konisch bis schmal gerundet, Maße: 9,1 x 5,7 (8-10,5 x 5-6,5), Q=1,58 (1,42-1,75), 20 Sp. gemessen;

Beste Grüße aus München
Hias

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Re: Risspilze (I. muricellata)

Andreas 2, (vor 5742 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

bin schnell mal die Mikrodaten einiger, von mir als I. muricellata bestimmter Koll. durchgegangen. Da zeigt sich bei den Hymenialzyst. längenmäßig eine erstaunliche Bandbreite. Oft so lang wie von Dir beobachtet, wenige sogar bis 100µm! Andere aber auch wie bei Stangl oder eben dazwischen. Ich denke, dass die Länge der Zyst. hier wenig zur Abgrenzung taugt. Typisch waren für mich immer die flaschen- bis spindelf. Hymenialzyst. mit den - in KOH - leuchtend gelben oder gelbgrünlichen Wänden. Ich glaube, auf das cf. kannst Du hier verzichten.

Herzliche Grüße
Andreas : Hallo zusammen,

in letzter Zeit bin ich ein wenig in den Sumpf der Risspilzbestimmung
geraten, und um da vielleicht ein St�ckweit wieder rauszukommen, w�rde ich
gern die Inocybenfreunde nach ihrer Meinung zu einigen Kollektionen
fragen.
Seit Jahren schon finde ich immer wieder mal Incyben, die mit einem �cf.
muricellata� in der Ablage landen. Vielleicht kann ich das �cf.� bei
folgender Kollektion mal weglassen?

Die Cheilozystiden sind h�bsch gelb in KOH:
Die ebenfalls gelblichen Pleurozystiden ab und zu fusoid:
meistens lageniform:
und oft sehr langhalsig:
Die Sporen (sub)amygdaloid mit den Ma�en 9,1 x 5,7 (8-10,5 x 5-6,5), Q=1,58
(1,42-1,75):
Beschreibung und vor allem das Aquarell von Stangl (Tafel 26/2) passen
anst�ndig, allerdings verwundert, dass selbiger in seiner Beschreibung nur
Zystiden bis 70 �m L�nge angibt, w�hrend Kuyper und Funga Nordica lange
Ma�e angeben (bis 95 und mehr). Bei meiner Kollektion messen sie 68-86 x
13-20.
Entspricht das Schwammerl eurer Vorstellung von I. muricellata? Eine
Kollektion, die ich letztes Jahr �berhaupt nicht bestimmen konnte, geh�rt
vermutich auch in diese Ecke: siehe hier .
Zum Schluss noch einer genauere Beschreibung der vorgestellten Kollektion:
Funddaten: 18.09.2010; Fundort: MTB 8135-4-1-4, 750 m; Sachsenkam,
Kirchsee, Schindelberg Nordost, am Wegrand bei jungen Buchen, gro�en
Fichten und Tannen; gesellig (>10 Fk); Hut: bis 2,2 cm breit, jung
stumpfkegelig, sp�ter bis flach gew�lbt, gelegentlich mit vorgezogenem,
abgerundetem Buckel, meist jedoch schwach oder nicht gebuckelt, jung mit
grauwei�licher, rasch verg�nglicher Velipellis grob �berfilzt, sp�ter am
Scheitel grobschollig, sonst schuppig aufrei�end, Schuppen oft sparrig
abstehend, zum Rand hin mehr faserschuppig bis filzig, ohne Cortina,
F�rbung gelbbraun bis sattbraun;
Stiel: bis 3,7 x 0,3 cm, basal gleichdick, minimal erweitert oder schwach
verj�ngt, jung blass fichtenholzfarben mit deutlich r�tlicher Spitze,
sp�ter ocker bis ockerbraun, oben meist etwas rosa behaucht, ganz bereift;
Lamellen: aufsteigend und schmal angewachsen, normal bis m��ig gedr�ngt,
jung cremegrau, sp�ter grauocker bis graubraun, alt mit minimalem Olivton;
Schneiden konvex und wei�flockig;
Fleisch: im Hut im Kern wei�, sonst w�ssrig grau, im Stiel blass ocker, in
der Stielspitze in der Rinde oder komplett rosabraun (fleischbraun);
Geruch: eher nicht spermatisch, sondern schwach s��lich-fruchtig;
Mikromerkmale vom Exsikkat: Pleurozystiden: fusoid, fusoid-lageniform bis
lageniform, nie keulig oder utriform, m��ig gestielt, in KOH intensiv
gelb, dickwandig, Kristallbesatz m��ig, sehr lang, 68-86 x 13-20,
Wandst�rke am Bauch 0,5-1,5, am Hals 1,5-2,5;
Cheilozystiden: �hnlich gestaltet, ca. 56-85 x 13-21, Wandst�rke am Bauch
1-2, am Hals 2-3; Parazystiden zahleich, klein bis mittelgro�;
Kaulozystiden: in der unteren Stielh�lfte reichlich vorhanden, b�schelig,
Ma�e z.B. 72x18, 86x18, 68x13, Wandst�rke bis 2 �m; dazwischen einzelne
Parakaulozystiden;
Sporen: subamygdaloid, Apex meist schwach konisch bis schmal gerundet,
Ma�e: 9,1 x 5,7 (8-10,5 x 5-6,5), Q=1,58 (1,42-1,75), 20 Sp. gemessen;
Beste Gr��e aus M�nchen
Hias

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Re: Risspilze (I. muricellata)

interhias ⌂, (vor 5742 Tagen) @ Andreas 2

Hallo Hias,
bin schnell mal die Mikrodaten einiger, von mir als I. muricellata bestimmter
Koll. durchgegangen. Da zeigt sich bei den Hymenialzyst. längenmäßig
eine erstaunliche Bandbreite. Oft so lang wie von Dir beobachtet, wenige
sogar bis 100µm! Andere aber auch wie bei Stangl oder eben dazwischen.
Ich denke, dass die Länge der Zyst. hier wenig zur Abgrenzung taugt.
Typisch waren für mich immer die flaschen- bis spindelf. Hymenialzyst.
mit den - in KOH - leuchtend gelben oder gelbgrünlichen Wänden. Ich
glaube, auf das cf. kannst Du hier verzichten.
Herzliche Grüße
Andreas : Hallo zusammen,

Danke für deine Einschätzung, Andreas!
Helmut findet auch, dass diese Kollektion ganz gut zu I. muricellata passt.

Z.B. Erminio Ferrari fände das wohl nicht, denn er glaubt wie einige andere ital. Mykologen, dass rötlichstielige Arten bei I. muricellata nichts verloren hätten. Er beschreibt z.B. Aufsammlungen von I. scabellum var. minor Kühner oder die eher gelblich gefärbte I. pholiotinoides Romagn. Vermutlich wird eine ziemlich bunte Schüssel Inocyben zusammenkommen, wenn man Kuypers Synonymliste in dieser Artengruppe nachvollzieht. Der Pilz, den z.B. Ferrari als muricellata vorstellt, hat mit der hier vorgestellten Kollektion wenig makroskopische Gemeinsamkeiten. Bin schon sehr gespannt auf weitere Funde.

Grüße
Hias

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Re: Risspilze (I. muricellata)

Violet, (vor 5742 Tagen) @ interhias

Z.B. Erminio Ferrari fände das wohl nicht, denn er glaubt wie einige andere
ital. Mykologen, dass rötlichstielige Arten bei I. muricellata nichts
verloren hätten.

Lieber Hias,
zumindest in Fungi non delineati gibt er aber nicht seine eigene Meinung wieder, sondern referiert nur, dass Bizio und Marchettti das finden. Ob er selbst das also glaubt, sagt er da, wenn ich das richtig verstanden habe, zumindest nicht.
Liebe Grüße!
Ditte

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Re: Risspilze (I. muricellata)

interhias ⌂, (vor 5741 Tagen) @ Violet

Lieber Hias,
zumindest in Fungi non delineati gibt er aber nicht seine eigene Meinung
wieder, sondern referiert nur, dass Bizio und Marchettti das finden. Ob er
selbst das also glaubt, sagt er da, wenn ich das richtig verstanden habe,
zumindest nicht.
Liebe Grüße!
Ditte

Hallo Ditte,

du hast natürlich recht, er schreibt es nicht explizit. Dass er die Synonymisierungen von Kuyper kritisch sieht, schließe ich aus der Tatsache, dass er I. scabella var. minor und I. pholiotinoides separat behandelt.

Beste Grüße
Hias

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Antwort von Helmut Zitzmann

Georg, (vor 5742 Tagen) @ interhias

Helmut Zitzmann hat z.Z. Probleme mit seinem Account. Deshalb poste ich hier seine Antwort:

"Servus Hias,

kommt doch gut hin! Die oft langen schlanken Hymenialzystiden, der "struppige" ockerliche bis gelbliche Hut und der Geruch sind für mich "Leitmerkmale" dieser (zumindest hier) seltenen Art. Die Art hat gerne einen leichten Bittermandelgeruch, aber lange nicht so deutlich wie bei I. hirtella.

Gruß

Helmut"

Ich (Georg) sehe das so ähnlich. I. muricellata steht nahe bei I. hirtella
und wächst auch gelegentlich mit diesem am selben Standort. Muricellata ist
immer mehr dunkel-ockerlich und struppiger als hirtella, die meist gelblicher
und glatter ist. Kann sein, dass die Art teilweise als hirtella verkannt wird,
ist aber auf jeden Fall selten.

Georg

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Re: Antwort von Helmut Zitzmann

Andreas 2, (vor 5741 Tagen) @ Georg

Hallo Helmut,
I. muricellata ist bei mir sogar ziemlich häufig. Einen Bittermandelgeruch habe ich aber noch nie festgestellt. Vielleicht ein subjektives Problem (?)
Wenn es so ist, dann ist natürlich Kuypers Schlüssel hier OK (die Angabe zum Geruch hatte ich nämlich angezweifelt).
Gruß Andreas

Helmut Zitzmann hat z.Z. Probleme mit seinem Account. Deshalb poste ich hier
seine Antwort: "Servus Hias,
kommt doch gut hin! Die oft langen schlanken Hymenialzystiden, der
"struppige" ockerliche bis gelbliche Hut und der Geruch sind f�r
mich "Leitmerkmale" dieser (zumindest hier) seltenen Art. Die
Art hat gerne einen leichten Bittermandelgeruch, aber lange nicht so
deutlich wie bei I. hirtella.
Gru�
Helmut"
Ich (Georg) sehe das so �hnlich. I. muricellata steht nahe bei I. hirtella
und w�chst auch gelegentlich mit diesem am selben Standort. Muricellata ist
immer mehr dunkel-ockerlich und struppiger als hirtella, die meist gelblicher
und glatter ist. Kann sein, dass die Art teilweise als hirtella verkannt
wird,
ist aber auf jeden Fall selten.
Georg