Cortinarien 2010 (C. caesiostramineus)

interhias ⌂, (vor 5716 Tagen)

Hallo zusammen,

die folgende mit Funga Nordica als C. caesiostramineus R. Hry bestimmte Kollektion fand ich Mitte September 2010 am Rand eines Moores im bayerischen Voralpenland bei Fichte, Tanne, Buche und Eiche.

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Makroskopisch auffallend: Huthaut deutlich bitter, relativ kleine Fruchtkörper (bis 5 cm Hutdurchmesser), Lilatöne in Lamellen und Stiel. Mikroskopisch bemerkenswert die sehr kleinen, mandel- bis zitronenfömrigen Sporen.

Sporen (in KOH): amygdaloid bis citriform, Apex konisch und nicht selten citriform ausgezogen; fein und eher schwach warzig; Maße: 7,6 x 4,6 (7-8,5 x 4,5-5); Q=1,67 (1,50-1,78):

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Mit der Funga Nordica schlüsselt sich der Fund problemlos als C. caesiostramineus R. Hry. Nach Moser wäre dies C. amarescens, der lt. Brandrud synonym ist, sich aber lt. Consiglio durch geringere Größe und weniger gerandete Knolle unterscheidet;

Die Sporenmaße der Kollektion liegen allerdings ziemlich erheblich unter den Angaben in der Literatur. In der Originalbeschreibung von Henry werden für C. caesiostramineus Sporenmaße von 9-10 x 5-5,5 angegeben! Da kommen bei mir doch gewisse Zweifel auf. Die kleinsporigste Art dieser Sippe ist nach Consiglio C. gentianeus Bidaud. Die bei Consigilio abgebildete Aufsammlung von C. caesiostramineus mit wesentlich größeren Sporen würde ich auch makroskopisch nicht unbeding für dasselbe halten.

Im neuen Tintling (68) S. 51 und in Großpilze BW 5 findet sich ein schönes Foto von C. caesiostramineus, das meiner Aufsammlung makroskopisch recht ähnlich sieht.

Frage in die Runde: Wer hat Aufsammlungen dieser Art mit ähnlichen bzw. abweichenden Sporenmaßen? Könnte es sein, dass sich doch mehrere Arten hinter diesem Namen verbergen?

Eine komplette Beschreibung und weitere Fotos zu dieser Kollektion findet ihr auf meiner Cortinarius-Seite unter Koll. Nr. 1.

Eine weitere Aufsammlung, die vermutlich in dieselbe Ecke gehört, poste ich gleich im Anschluss.

Grüße aus München
Hias

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Re: Cortinarien 2010 (C. caesiostramineus)

Günter Saar, (vor 5715 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

ich würde beide Aufsammlungen auch caesiostramineus nennen, eigene Funde hatten auch Sporen im "unteren" Bereich 7,5-8,5 x 4,5-5µ, stammen aber ausschließlich aus Mischwldern auf Kalk. Zwei Kollektionen davon präsentierten sich gar mit Erdgeruch (rote Beete), sind aber genetisch nicht von den restlichen getrennt. Die Blautöne sind mal vorhanden, mal kaum wahrnehmbar.

C. gentianeus (möglicherweise identisch mit C. olidoamarus) sieht etwas anders aus, eher wie ein glaucopus, mit dem (und magicus) er auch die Clade teilt. Dessen Sporen können noch etwas kleiner sein.

Zum Cortinarien bestimmen empfehle ich dringend die FN als Buch der Wahl!

schöne Grüße
Günter

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Re: Cortinarien 2010 (C. caesiostramineus)

Andreas ⌂, (vor 5715 Tagen) @ Günter Saar

Hallo Hias,
ich würde beide Aufsammlungen auch caesiostramineus nennen, eigene Funde
hatten auch Sporen im "unteren" Bereich 7,5-8,5 x 4,5-5µ,
stammen aber ausschließlich aus Mischwldern auf Kalk. Zwei Kollektionen
davon präsentierten sich gar mit Erdgeruch (rote Beete), sind aber
genetisch nicht von den restlichen getrennt. Die Blautöne sind mal
vorhanden, mal kaum wahrnehmbar.
C. gentianeus (möglicherweise identisch mit C. olidoamarus) sieht etwas
anders aus, eher wie ein glaucopus, mit dem (und magicus) er auch die
Clade teilt. Dessen Sporen können noch etwas kleiner sein.
Zum Cortinarien bestimmen empfehle ich dringend die FN als Buch der Wahl!
schöne Grüße
Günter

Hallo,

ich hatte 2009 mehrere Aufsammlungen von so kleinen blassen Phlegmacien mit teilweise leicht bläulichen Tönen (mal mehr mal weniger). Eine Kollektion, die insgesamt auch etwas robuster wirkte (wenn auch nicht größer) habe ich als caesiostramineus getauft, zwei andere schmächtigere als gentianeus. Neben der Sporengröße war auch die Sporenform etwas unterschiedlich.

C. caesiostramineus:
Sporen mehrheitlich zitronen- aber auch mandelförmig, relativ grob warzig.
7,7-9-10,3 x 4,7-5,3-5,9 µm, Q = 1,54-1,7-1,9 (25 Sporen in KOH 3% aus Exsikkat, errechneter 95%-Bereich).

C. gentianeus:
Sporen elliptisch bis fast mandelförmig, nicht besonders grob isoliert-warzig.
6,7-7,6-8,6 x 4,6-5,1-5,6 µm, Q = 1,4-1,5-1,65 (20 Sporen in KOH 3% aus Exsikkat, errechneter 95%-Bereich).
Sporen mehrheitlich mandelförmig, fein isoliert-warzig.
7-7,9-8,7 x 4,8-4,9-5,1 µm, Q = 1,4-1,6-1,75 (20 Sporen in KOH 3% aus Exsikkat, errechneter 95%-Bereich).

Funga Nordica ist sicherlich ein tolles Buch, auch für Cortinarien, auch für Phlegmacien, aber ich würde doch den Atlas des Cortinaires, Cortinarius in Sweden und manch andere französische Publikation nicht einfach unerwähnt lassen. Auch die Cortinarius in Italia sind nicht ganz ohne Belang.
Im Übrigen beschleicht mich manchmal das Gefühl, dass auch molekulare Ergebnisse nicht immer unanfechtbar sind. Seit ich mit meinen Mollisien selbst Erfahrung damit gemacht habe, sind molekulare Ergebnisse zwar weiterhin ein sehr gewichtiges Argument für mich, aber kein Absolutum.

Was nicht heißt, dass ich mich auf eine Trennung zwischen C. gentianeus und C. caesiostramineus versteife. Da fehlt mir auch genügend Material. Mit meinen drei Kollektionen von 2009 hätte ich jedoch wenig Probleme bei der Trennung nach Atlas des Cortinaires.

Meine als C. gentianeus bezeichneten 2 Kollektionen sind mir 1000%iger Sicherheit was anderes als was Rudi vom Blutsee als C. gentianeus zeigt und die gehören sicvher nicht in die Verwandtschaft zu C. glaucopus und C. magicus.

beste Grüße,
Andreas

beste Grüße,
Andreas

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Re: Cortinarien 2010 (C. caesiostramineus)

jesko, (vor 5714 Tagen) @ interhias

Hallo,

bei meinen diversen als caesiostramineus abgelegten Kollektionen (Kalknadelwald) kenne ich die Sporen auch in etwa in dieser Größe (bzw. ganz wenig größer). Einen Unterschied zu amarescens würde ich nicht machen - die Blautöne sind bei dieser Art anscheinend +/- stark ausgebildet oder fehlen ganz. In Gebieten und Jahren, in denen die Art recht häufig ist, kann man die Übergänge ganz gut beobachten.
Rudis Art vom Blutsee halte ich vom Bild her übrigens für olidoamarus, praktisch ein glaucopus (mikroskopisch gleich) im Edellaubwald (i.d.R. Eiche, bei uns Linde) mit bitterer Huthaut und ERDARTIGEM GERUCH! Den hatte ich übrigens schon mal gepostet, und Günter kennt auch meine Meinung dazu. Bezüglich der Sequenzierungsergebnisse zu diesem wäre zu fragen, ob die Autoren von C. gentianeus dann nicht den falschen Pilz in der Tüte hatten (sofern Originalmaterial sequenziert wurde), denn nach Beschreibung und Abbildung scheint mir gentianeus nicht viel mit olidoamarus/glaucopus zu tun zu haben!
Das Ganze zeigt eben nur, wie viel noch unklar bleibt. FN gibt da vielleicht trügerische Sicherheit. Diesem sicher auf einem sehr aktuellen Stand befindlichen Schlüssel sollte auch nicht ein Anspruch beigelegt werden, den er selbst überhaupt nicht hat, solange er davon ausgeht, allein in Skandinavien gebe es ca. 1000 Cortinarius-Arten, jedoch nur knapp 500 schlüsselt (einschließlich arbiträr ausgewählter süd- und mitteleuropäischer Arten, die in Nordeuropa noch gar nicht nachgewiesen sind).

Viele Grüße