Ungewöhnlicher Risspilz

Violet, (vor 5691 Tagen)

Liebe Leute,
hier habe ich eine Inocybe aus 2010, die ich jetzt erst mikroskopiert habe. Es ist leider ein einzelner Fruchtkörper gewesen, dafür aber ein recht ungewöhnlicher, weil er so wollig ist insgesamt. Bernd ist mit Kühner/Romagnesi direkt zu Inocybe similis sensu Kühner gekommen (= Inocybe brunneotomentosa). Daraufhin sind wir alle uns zur Verfügung stehenden anderen Schlüssel auch durchgegangen (Bon, Stangl, Kuyper, Funga Nordica, (Alessio)). Sowohl bei Bon, Stangl als auch bei Kuyper gelangt man ebenfalls direkt zu brunneotomentosa. Erminio Ferrari hat der Bestimmung bis auf ein paar wenige Einwände zugestimmt, die sich auf die Form und Länge der Zystiden sowie teilweise die Größe der Sporen beziehen. Bei Kühner/Romagnesi passt letztere perfekt. Und bei Alessio passen sowohl die Form als auch die Länge der Zystiden. Bei der Originalbeschreibung von Huijsman passt beides: Sporengröße und Zystidenform.
Diese Inocybe scheint ja nicht häufig zu sein, will man nach den Abbildungen im Netz und in Büchern schließen, und in den Pilzen von Baden-Württemberg ist sie überhaupt nicht enthalten. Im Krieglsteiner-Atlas finden sich außerhalb von Baden-Württemberg nur fünf Punkte im ehemaligen Westdeutschland.
Würde uns freuen, wenn jemand mehr darüber wüsste....
Liebe Grüße in die Runde
Ditte und Bernd

*** Bilder auf Antrag des Autors gelöscht. ***

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Re: Ungewöhnlicher Risspilz

interhias ⌂, (vor 5691 Tagen) @ Violet

Hallo Ditte und Bernd,

I. brunneotomentosa habe ich bis jetzt leider noch nicht gefunden.

Mit dem Konzept von Kuyper bzw. Stangl lässt sich der Fund aufgrund der Zystidenform wohl nur schwer vereinbaren. Wenn Hujsmann die Zystiden allerdings so wie von dir gefunden beschrieben hat, macht das natürlich schon Kopfzerbrechen ...

I. melanopus würde ich auch ausschließen. Die hat viel dünnwandigere Zystiden, die im Mikroskop sofort auffallen. Hier mal ein Vergleichsfoto:
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Hymenialzystiden von I. melanopus:
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Da es sich nur um einen Einzelfruchtkörper handelt, wäre es vielleicht eine Idee, das Merkmal des bräunenden Stiels einmal auszublenden. Was käme den sonst noch infrage? Rein makroskopisch würde ich meinen, dass I. flocculosa manchmal so filzig aussehen kann:

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Allerdings hat letztere in KOH meist ziemlich deutlich gelblich gefärbte Zystidenwände und meist auch etwas größere Sporen.

Mehr fällt mir dazu spontan auch nicht ein.

Grüße aus München
Hias

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Re: Ungewöhnlicher Risspilz

Helmut, (vor 5691 Tagen) @ Violet

Servus Ditte,

da muss ich mich Hias anschließen. Inocybe brunneotomentosa ss. Stangl oder ss. Kuyper ist eine andere Art, die ich schon öfter gefunden habe und gut zu kennen glaube. Mikroskopisch recht prägnant sind die kurzen breiten ("clavate") Hymenialzystiden, die eigentlich immer so aussehen und kaum über 50 µm hinausgehen.

Ich hänge mal ein Foto einer 2010er Kollektion an.

I. flocculosa wäre evt. auch eine Option.

Gruß

Helmut

[image]

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m. E. nicht brunneotomentosa (5 Bilder)

Georg, (vor 5691 Tagen) @ Violet

Hi Ditte,
ich schließe mich Helmut an und behaupte das ist nicht I. brunneotomentosa.
Ich habe die Art letzten Sommer an mehreren Standorten gefunden. Begleitbäume
waren Buche und Linde über Kalk.
Der Pilz erinnert etwas an eine weniger warm gefärbte I. tenebrosa.
Im folgenden 5 Bilder:

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Georg

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Sammeldank und Zystidenform

Violet, (vor 5690 Tagen) @ Violet

Liebe Hias, Helmut und Georg,
wir danken euch sehr für eure Infos und die Fotos. Ich werde den Fund jetzt erst einmal als Inocybe spec ablegen und in diesem Jahr an derselben Stelle nach neuen Fruchtkörpern suchen. Dann wird man sehen, ob die Sache mit dem Bräunen am Stiel ein durchgehendes Merkmal ist, denn bei den Schlüsseln ist das ja eine zentrale Abzweigung, wo man also entweder zu flocculosa etc oder aber eben zu brunneotomentosa gelangt - zumindest bei Stangl und Kuyper. Dann schau ich auch, ob die Zystidenform ein durchgängiges Merkmal ist und wie das mit den Caulozystiden ist, die bei meinem Pilz nur ganz ganz oben vorhanden waren. Die Größe der Sporen ist ebenfalls etwas, das bei weiteren Pilzen überprüft werden muss.
Georg, deine Inocyben sehen in der Tat anders aus als meiner. Aber es stand eben an verschiedenen Stellen, dass er je nach Alter sehr unterschiedlich aussehen kann. Und das mit den kurzen keuligen Zystiden war uns ja selbst als zur Bestimmung nicht passend aufgefallen. Allerdings zeigt ja Alessio bei seiner brunneotomentosa ebenfalls fusiforme Zystiden bis 70 Länge und sieht man solche auch in der Originalbeschreibung bei Huijsman. Alessio könnte aber, wie wir jetzt hörten, eine andere Art gemeint haben.

Hier jetzt noch Gedanken von Bernd zu dieser Problematik: Er findet am bemerkenswertesten, dass Huijsman in seiner Publikation zwei verschiedene Hymenialzystidenformen zeichnet, und zwar bei jüngeren Exemplaren eher die gemischten Formen (fusiform und clavat)und bei einem älteren Pilz nur clavate Zystiden - woraus man die Hypothese ableiten könnte, dass brunneotomentosa mal mit den keuligen Zystiden vorkommen kann, mal mit fusiformen Zystiden und mal mit gemischten Zystidenformen. In diesem Zusammenhang erinnert sich Bernd an einen Fall wo er Johann Stangl eine Inocybe curvipes geschickt hat mit stark abweichenden Hymenialzystiden. Stangl hat ihm damals geschrieben, dass ihn dieser Fall sehr interessiert, aber dass es sich trotzdem um I. curvipes handeln würde. - Also sollte man in diesem Jahr möglichst weitere Fruchtkörper am gleichen Myzel sammeln und zwar jüngere und ältere.

Ein interessanter Fall also und euch dreien auch im Namen von Bernd nochmal lieben Dank und schöne Grüße
Ditte