Sklerotien-Becherling?

Klaas, (vor 5621 Tagen)

Hallo zusammen,

die Becherchen habe ich gestern aus einer matschigen Stelle an einem meiner Bäche gepflückt.
Mit meinem Bestimmungsversuch bin ich wieder nicht allzu glücklich, hier die Daten, die ich
bisher feststellen konnte.
Fruchtkörper: 2 Stück nebeneinander (auf 2 cm), im sehr seichten, schlammigen Wasser.
Einer kam nur mit einem schwarzen "Anhängsel" heraus, der zweite hing zwischen einem
frischeren und einem skelettierten Blatt. Eine direkte Verbindung zum Blatt war aber nicht festzustellen.
Hut: beide um 5-6 mm im Durchmesser, scheibenförmig, in der Mitte unter 1 mm dick,
beige, Rand etwas wellig und etwas durchscheinend, Mitte dunkler bräunlich.
Stiel: ca. 5 x 1 mm, dunkelbraun
Sklerotium(?): bis 8x2 mm, verbogen - zumindest scheint es mir kein Holz zu sein,
die Konsistenz ist zwar außen hart, innen aber weicher und dunkelgrau gefärbt.
Sporen: hyalin, zumeist elliptisch, glatt, ca. 11x4 µ
Asci: 4-sporig, um 60x5 µ, Spitze in Lugol blau
Parphysen: bis 70x2 µ, mehrfach septiert und oft verzweigt
Excipulum: mit Textura globulosa (mit kleinen Blasen/Warzen?)

Meine simple Gleichung lautet: Sklerotium + Becherling = Sklerotionbecherling (Sclerotinia).
Da finde ich aber nichts 4-Sporiges, außer vielleicht Sclerotinia capillipes.
Könnte das hinkommen - oder in welcher Gattung wären die Becher wohl eher zu Hause?

Viele Grüße
Klaas

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Re: Sklerotien-Becherling?

Gernot, (vor 5621 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

Sclerotinia capillipes passt, typisch sind die 4-sporigen Asci und das längliche Sklerotium.

Schöne Grüße
Gernot

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Re: Sklerotien-Becherling?

Klaas, (vor 5621 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot,

danke sehr - dann war das Becherchen wohl doch einfacher, als ich befürchtet hatte...

Viele Grüße
Klaas

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Re: Sklerotien-Becherling?

Wolfgang P., (vor 5620 Tagen) @ Klaas

Meine simple Gleichung lautet: Sklerotium + Becherling = Sklerotionbecherling
(Sclerotinia).
Da finde ich aber nichts 4-Sporiges, außer vielleicht Sclerotinia capillipes.
Könnte das hinkommen - oder in welcher Gattung wären die Becher wohl eher zu
Hause?
Viele Grüße
Klaas

Hallo Klaas,

also erstmal bewundere ich Deinen "Pilzfinderblick" - Dir entgeht ja nichts! - und die Geschwindigkeit mit der Du beim Mikroskopieren von 0 auf 100 beschleunigt hast.

Sclerotinia capillipes kenne ich zwar nicht und habe von der Art auch noch nichts gehört - wohl weil ich mich mit Sclerotiniaceen beschäftigt habe, als zotto die "in vivo veritas" noch nicht herausgegeben hatte.

Aus dem Bauch heraus sieht der der Pilz aber irgendwie so aus, als wären die Sclerotien in einem Stängel gewachsen. Waren da Binsen, Hainsimsen o.ä?? Dann käme noch Myriosclerotinia als Gattung in Frage. Welche Arten da außer M. luzulae noch 4-sporig sind, weiß ich leider nicht auswendig. Die Trond-Schumacher-Schule kennt da aber ein paar mehr Arten als Zotto.

Wo gibt's denn noch Infos zu Sclerotinia capillipes? Ist ja eine uralte Art - irgendwie seltsam, dass sie bei den Scandinaviern und im Abbildungsverzeichnis nicht drin ist.

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Re: Sklerotien-Becherling?

Klaas, (vor 5619 Tagen) @ Wolfgang P.

Hallo Wolfgang!

und die Geschwindigkeit mit der Du beim Mikroskopieren von 0 auf 100 beschleunigt hast...

... dabei oft einfach am Ziel vorbei düse oder mich mehrfach überschlage, um anschließend käfergleich zappelnd auf dem Rücken liegen zu bleiben.

Zu den Bechern: Mir sind dort keine Simsen oder Binsen aufgefallen - was aber nichts zu bedeuten hat. Muss ich nächstes Mal genauer nachsehen.
Beide Pilze wuchsen unter einer gebogenen Baumwurzel, die etwas in der Luft hing. Ich konnte nicht von oben hinsehen, und um nicht im Matsch zu landen, griff ich aus einiger Entfernung vorsichtig zu. Jedenfalls gab es keinerlei Widerstand, der eine kam ohne jegliche Ummantelung heraus, der andere hing, wie geschrieben, zwischen zwei Blättern. Vielleicht war das wirkliche Substrat schon derart zersetzt, dass nichts mehr davon zu sehen war, oder beim Herausziehen unten blieb. Mir kam das schon sehr komisch vor, dass die Sklerotien scheinbar in nichts steckten - deshalb war ich auch sehr unsicher, ob es denn überhaupt welche waren. Bei den sonstigen Becherchen mit Sklerotium habe ich von Bildern her den Eindruck, dass dieses eher gerade ist und damit auch ganz gut in die geraden Halme passt. Die beiden hier sind wirklich sehr verbogen.

Kurzum: Wie fast überall habe ich auch keine Ahnung in dieser Familie, über die ominöse Sclerotinia capillipes bin ich nur zufällig gestolpert.
Außer Zottos Infos finde ich dazu auch rein gar nichts, im Netz taucht eben der Name auf, sonst nix.
Übrigens ergeht es mir ähnlich mit der von Dir genannten Myriosclerotinia luzulae...
Irgendwo bin ich im www auf ein PDF/Schlüssel gestoßen - ich weiß leider nicht mehr, wo, in der Datei steht auch nichts, daher kann ich keine Quelle nennen:

På frytle (Luzula pilosa). Frl. stilkede, brube; skive 2-6 mm bred; stilk 7-25 x 0,4-1 mm;
sp. 14,5-18,5 x 5-7 μm, ellipsoidiske til allantoide, encellede; sække 80-125 x 7-10 μm, 2-
4-6-sporede, J+; parafyser cylindriske; sklerotier i døde stængler; DK? - Schumacher
2000:173. M. luzulae T. Schumach. & L.M. Kohn

Wenn das richtig ist, was da steht, sind allein schon die Sporenmaße für meine Becher viel zu groß, diese hatten etwa 11x4 µ.
Ob meine jetzt aber wirklich Sclerotinia capillipes sind - tja.
Für den Fall, dass jemand weitere Infos dazu haben sollte, wäre auch ich dankbarer Abnehmer.

Viele Grüße
Klaas

PS: hat es auf der anderen Seite denn zwischendurch mal geregnet?
Ich war jetzt schon länger nicht mehr dort - vielleicht könnte man so langsam mal nach den Stäublingen schauen?

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Re: Sklerotien-Becherling?

Gernot, (vor 5619 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

S. capillipes wird in der ZMykol 70(1): 55 in einem Artikel von Lothar Krieglsteiner erwähnt. Falls du die Ausgabe nicht hast, kann ich den Text ins Forum schreiben. Die sehr kurze Originalbeschreibung der Art hänge ich dir unten an. Ansonsten hätte ich keinen Zweifel an der Bestmmung, wenn dein Fund mit den Beschreibungen auf Zottos DVD gut übereinstimmt (was er ja anscheinend tut).

Schöne Grüße
Gernot

Hallo Wolfgang!
... dabei oft einfach am Ziel vorbei düse oder mich mehrfach überschlage, um
anschließend käfergleich zappelnd auf dem Rücken liegen zu bleiben.
Zu den Bechern: Mir sind dort keine Simsen oder Binsen aufgefallen - was aber
nichts zu bedeuten hat. Muss ich nächstes Mal genauer nachsehen.
Beide Pilze wuchsen unter einer gebogenen Baumwurzel, die etwas in der Luft
hing. Ich konnte nicht von oben hinsehen, und um nicht im Matsch zu
landen, griff ich aus einiger Entfernung vorsichtig zu. Jedenfalls gab es
keinerlei Widerstand, der eine kam ohne jegliche Ummantelung heraus, der
andere hing, wie geschrieben, zwischen zwei Blättern. Vielleicht war das
wirkliche Substrat schon derart zersetzt, dass nichts mehr davon zu sehen
war, oder beim Herausziehen unten blieb. Mir kam das schon sehr komisch
vor, dass die Sklerotien scheinbar in nichts steckten - deshalb war ich
auch sehr unsicher, ob es denn überhaupt welche waren. Bei den sonstigen
Becherchen mit Sklerotium habe ich von Bildern her den Eindruck, dass
dieses eher gerade ist und damit auch ganz gut in die geraden Halme passt.
Die beiden hier sind wirklich sehr verbogen.
Kurzum: Wie fast überall habe ich auch keine Ahnung in dieser Familie, über
die ominöse Sclerotinia capillipes bin ich nur zufällig gestolpert.
Außer Zottos Infos finde ich dazu auch rein gar nichts, im Netz taucht eben
der Name auf, sonst nix.
Übrigens ergeht es mir ähnlich mit der von Dir genannten Myriosclerotinia
luzulae...
Irgendwo bin ich im www auf ein PDF/Schlüssel gestoßen - ich weiß leider
nicht mehr, wo, in der Datei steht auch nichts, daher kann ich keine
Quelle nennen: På frytle (Luzula pilosa). Frl. stilkede, brube; skive 2-6
mm bred; stilk 7-25 x 0,4-1 mm;
sp. 14,5-18,5 x 5-7 μm, ellipsoidiske til allantoide, encellede; sække
80-125 x 7-10 μm, 2-
4-6-sporede, J+; parafyser cylindriske; sklerotier i døde stængler; DK? -
Schumacher
2000:173. M. luzulae T. Schumach. & L.M. Kohn
Wenn das richtig ist, was da steht, sind allein schon die Sporenmaße für
meine Becher viel zu groß, diese hatten etwa 11x4 µ.
Ob meine jetzt aber wirklich Sclerotinia capillipes sind - tja.
Für den Fall, dass jemand weitere Infos dazu haben sollte, wäre auch ich
dankbarer Abnehmer.
Viele Grüße
Klaas
PS: hat es auf der anderen Seite denn zwischendurch mal geregnet?
Ich war jetzt schon länger nicht mehr dort - vielleicht könnte man so langsam
mal nach den Stäublingen schauen?

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Re: Sklerotien-Becherling?

Klaus, (vor 5619 Tagen) @ Gernot

Hallo Klaas,
ich kann mich Gernot nur anschließen, möchte das aber etwas 'modifizieren': Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichtkeit ist Dein Fund identisch mit dem, was auf Zottos DVD unter Sc. capillipes abgebildet ist. Derartig geformte Sklerotien findest Du unter Myriosclerotinia nicht. M.W. gibt es auch außer M. luzulae keine 4-sporige Myriosclerotinia (nach der Monographie von Schumacher & Kohn).
Wie Gernot ja schon schreibt, gibt es einen Hornberg-Fund, den Lothar in der ZMykol 70(1) kurz beschreibt. ABER: er führt auch 5 Funde in seiner Rhön-Arbeit auf sowie einen (unter cf.) in seiner Diss. Und genau da geht er auch kurz auf Schumacher&Kohn (1985) ein, die Sc. capillipes nämlich (nach Untersuchung der Typen) als 8sporige Art beschreiben: Sporen 6,4-9,8 x 2,8-4,3 ym. Soviel, um etwas Verwirrung zu stiften. Ich würde denn doch den Fund an Zotto schicken oder aber ins AscoFrance-Forum stellen. Jedenfalls eine superinteressante Aufsammlung.
Schöne Grüße
Klaus

Hallo Klaas,
S. capillipes wird in der ZMykol 70(1): 55 in einem Artikel von Lothar
Krieglsteiner erwähnt. Falls du die Ausgabe nicht hast, kann ich den Text
ins Forum schreiben. Die sehr kurze Originalbeschreibung der Art hänge ich
dir unten an. Ansonsten hätte ich keinen Zweifel an der Bestmmung, wenn
dein Fund mit den Beschreibungen auf Zottos DVD gut übereinstimmt (was er
ja anscheinend tut).
Schöne Grüße
Gernot

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Re: Sklerotien-Becherling?

Klaas, (vor 5619 Tagen) @ Klaus

Hallo Klaus,

auch Dir vielen Dank für die Informationen!
Und besonders auch für die weitere Verwirrung... ;)
Aber bevor ich Zotto vielleicht damit belästige, schaue ich morgen lieber selbst erst nochmal rein - nicht, dass dort am Ende doch nur ein Stückchen Holz ankommt.

Gute Nacht
Klaas

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Re: Sklerotien-Becherling?

Andreas ⌂, (vor 5619 Tagen) @ Klaus

Hallo Klaus,

Jedenfalls eine superinteressante Aufsammlung.

hmmm, ich finde diese S. capillipes (ss. Zotto) relativ regelmäßig im zeitigen Frühsommer, gerne in matschigen, bruchartigen Biotopen mit viel gemischter Vegetation. So selten kann das Teil eigentlich nicht sein. Aber ich finde meist nur wenige Apothezien, vielleicht wird die Art deshalb nicht so oft gefunden.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Sklerotien-Becherling?

Klaus, (vor 5619 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

das macht die Art dann fast noch interessanter. Ich nehme ja wirklich so gut wie alles an Kleinzeugs mit, was mir unterkommt, aber S. capillipes-Funde (ss. Zotto) aus Westfalen liegen bislang noch nicht vor. Und da das auch für Fredi, Dirk und Uwe gilt, scheint die Art doch gewisse Ansprüche zu haben, die wir ihr hier anscheinend nicht erfüllen können. Grundsätzlich hast Du aber mit Sicherheit Recht, was Sclerotiniaceen-Funde allgemein angeht. Die Apos sind ja auch nicht gerade auffällig. Und wenn sie dann, wie bei dieser Art, auch nur so vereinzelt auftauchen, macht das die Sache nicht einfacher.

Schöne Grüße
Klaus

Hallo Klaus,
hmmm, ich finde diese S. capillipes (ss. Zotto) relativ regelmäßig im
zeitigen Frühsommer, gerne in matschigen, bruchartigen Biotopen mit viel
gemischter Vegetation. So selten kann das Teil eigentlich nicht sein. Aber
ich finde meist nur wenige Apothezien, vielleicht wird die Art deshalb
nicht so oft gefunden.
beste Grüße,
Andreas

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Re: Sklerotien-Becherling?

Ingo Wagner, (vor 5618 Tagen) @ Andreas

Hallo!

hmmm, ich finde diese S. capillipes (ss. Zotto) relativ regelmäßig im
zeitigen Frühsommer, gerne in matschigen, bruchartigen Biotopen mit viel
gemischter Vegetation. So selten kann das Teil eigentlich nicht sein. Aber
ich finde meist nur wenige Apothezien, vielleicht wird die Art deshalb
nicht so oft gefunden.
beste Grüße,
Andreas

Die wenigen Funde, die ich kenne, waren wohl immer in dem von Andreas geschilderten Biotop-Typ im Erlen-Laub.
Klaas, kommt das hin mit Erle am Standort?

VG Ingo W

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Re: Sklerotien-Becherling?

Klaas, (vor 5617 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

Erle kommt auf jeden Fall hin. Da steht aber auch sonst noch alles Mögliche, Ahorn, Esche, Buche, Hainbuche, etwas entfernt noch Fichten... Das noch nicht skelettierte untere Blatt bei dem einen FK war, wenn ich mich recht erinnere, aber Buche.
Ich muss am WE aber ohnehin nochmal ein Bisschen Frischmaterial von dort einsammeln, dann achte ich hoffentlich etwas besser auf die Umgebung.

Viele Grüße
Klaas

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Re: Sklerotien-Becherling?

Klaas, (vor 5619 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot,

ZMykol habe ich nicht... nur wenn Du den Text nicht abtippen musst (und das Veröffentlichen dessen hier rechtens ist), hätte ich natürlich Interesse daran.
Aber auch ohne diesen ganz herzlichen Dank für Deine Hilfe!

Viele Grüße
Klaas

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Re: Sklerotien-Becherling?

Andreas ⌂, (vor 5619 Tagen) @ Wolfgang P.

Hallo,

irgendwie seltsam, dass sie [...] im Abbildungsverzeichnis nicht drin ist.

zu klein .....

beste Grüße,
Andreas