Birkensteinpilz oder normaler Steinpilz?

Älbler, (vor 5563 Tagen)

Liebe Pilzfreunde,

man muss nicht immer selbst in den Wald gehen um Diskussionsmaterial interessanter Funde zu bekommen.
Eine Pilzfreundin fand am Wochenende einen abnormalen Steinpilz mit weißem schmierigem Hut und sandte mir Bilder davon zu.
Schaut euch das ding einmal an und teilt mir eure Meinung dazu mit. Könnte es sich hier um Boletus betulicola handeln?

Hier das Originalzitat aus der Emailnachricht:

"hier sind Fotos von meinem heutigen Steinpilzfund.

Diese 4 Steinpilze standen auf 1,5 qm beieinander an meinem eigentlichen Espenrotkappen-Platz am aufgeschütteten Rand einer Hochsträß-Sandgrube. Bäume: große Pappeln/Espen, vereinzelt eine Birke, kleinere Hainbuchen + Ahorn, ganz kleine Fichten und Eichen (Stamm-DM 5cm).

Die braunen halte ich für Sommer-Steinpilze: weiße Röhren, durchgehendes Netz am Stiel, Huthaut samtig trocken.
Der weiße hat auch ein durchgehendes Netz, keine Verfärbung, aber die Huthaut ist feucht schmierig (siehe Bild 02 am Hut oben)! Über die Röhrenfarbe lasse ich Euch streiten... "

Viele Grüße
Christian

[image]

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Birkensteinpilz oder normaler Steinpilz?

Älbler, (vor 5563 Tagen) @ Älbler

... und hier seht ihr den Hut von dem Steinpilz von oben:

[image]

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Birkensteinpilz oder normaler Steinpilz?

Gábor, (vor 5563 Tagen) @ Älbler

Hallo Christian,

ich fand auch schon mal diese extrem langstieligen Steinpilze im reinen Birkenwald.
Allerdings zählt meines Wissens auch Betula zu den Mykorrhizapartnern von B. edulis.
Von daher kann das auch ein gewöhnlicher Steinpilz sein.

LG, Gábor

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Birkensteinpilz oder normaler Steinpilz?

Dreyri, (vor 5563 Tagen) @ Älbler

Hallo Christian,

wegen der Blattreste und dem langen Stiel, vermute ich der Steinpilz war unter Laub begraben und musste sich daher zum einen sehr "strecken" und zum anderen bleibt er unter dem Laub erstmal hell. Ich hatte auch schon einmal einen ähnlichen Fund, der es trotz enormer Länge noch nicht aus dem Laub geschafft hatte und daher einen weißen Hut hatte.
Ich tippe daher wie Gabor auf einen normalen B. edulis.

Herzliche Grüße,
Tobias

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re:Ich tippe auf Sommersteini,was sagt Andreas M?

Hans hurter, (vor 5563 Tagen) @ Älbler

- kein Text -

Eintrag gesperrt
16 Aufrufe

Re: Birkensteinpilz oder normaler Steinpilz?

Älbler, (vor 5561 Tagen) @ Älbler

Hallo zusammen,

dann ist der bleiche Kerl also doch nur ne abnormale edulis-Variation.

Übrigens: Der Pilz war wohl nicht im Laub eingegraben, sondern "vom Auto aus" an einer Straßenböschung zu sehen. Wer weiß, was so ne Straßenböschung alles an Inhaltsstoffen beherbergt. Da kann der eine oder andere Bolet auch mal ausbleichen.

Viele Grüße
Christian

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Re: Birkensteinpilz oder normaler Steinpilz?

UmUlmHerum, (vor 5561 Tagen) @ Älbler

Hallo, hier schreibt die Finderin:

Ja, wenn dann ist es ein Fichten-Steinpilz, kein B. reticulatus. Ich hab ihn nämlich vorgestern geschlachtet, und das Fleisch ist typisch mürbe, nicht schnittfest, der Stiel innen faserig-mulzig, die Röhren wurden auch schon gelber. Wichitgstes Kriterium: die eindeutig schleimige Huthaut.

Aber wer kennt die charakt. Merkmale vom weißen Birken-Steinpilz?? Bitte mitteilen - danke!

Gruß
Rika

Eintrag gesperrt
20 Aufrufe

Die Mär vom Birkensteinpilz?

jesko, (vor 5560 Tagen) @ Älbler

Nach welchen Kriterien bzw. welcher Literatur will man denn Boletus betulicola eigentlich bestimmen? Das war mir schon früher nicht klar, und in den letzten Jahren haben Sequenzierungen (sogar mit multi-loci-approach!) bei den Steinpilzen in Nord- und Westeuropa, die gerade diesen „Kleinarten“ aus der edulis-Verwandtschaft nachgehen wollten, genau die vier Steinpilzarten bestätigt, die bereits Minimalkonsens der traditionellen Taxonomie waren (s. http://www.entoloma.nl/pdf/A%20phylogenetic%20study%20of%20Boletus%20section%20Boletus%20in%20Europe.pdf). Eine spezifisch an Birken gebundene Sippe konnte nicht nachgewiesen werden (und selbst dann, wenn so etwas noch nachgewiesen werden sollte, wäre die Anwendbarkeit des Namens betulicola weiterhin fraglich). Vielmehr sind alle vier Steinpilzarten beim Mykorrhizapartner nicht sonderlich wählerisch, das Habitat tut also bei der Bestimmung wenig zur Sache.
Hier mal eine Auflistung aus eigener Sammelerfahrung:
Boletus edulis: Fichte, Kiefer (einschließlich mediterran), Tanne, Eiche, Buche, Esskastanie, Hainbuche, Linde, Birke und sogar Zistrose
Boletus aestivalis: Eiche, Buche, Esskastanie, Hainbuche, Linde, Hasel, Tanne, Fichte
Boletus pinicola: Kiefer, Fichte, Buche, Esskastanie
Boletus aereus: Eiche, Zistrose, Erdbeerbaum

Was die vier Pilze auf dem Foto betrifft, denke ich, die drei links sind Sommersteinpilze und der rechte ein Gemeiner Steinpilz (edulis), dessen Hut – wie von Tobias richtig angemerkt – eben weiß bleibt, wo und solange er kein Licht abbekommt.

Viele Grüße,
Jesko