Kleine Hakenlehre-->nur für Kleinbecher-Freaks!

Ingo Wagner, (vor 5562 Tagen)

Hallo!

Und natürlich trifft das nur für inoperculate Ascos zu, also die, die ihre Sporen nicht durch das Öffnen eines Deckels am Ascus-Apex entlassen.

Gibt ja so 3-4 Leute im Forum, die sich ganz gerne mal die Kleinbecherchen vornehmen, vielleicht hilft ja mein Beitrag (der natürlich wie immer durch nichts fundiert ist und nur meine Erfahrung darstellt!), um das mit den Haken hinzubekommen.

Als Beispiel habe ich mir mal den momentan sehr populären Hymenoscyphus pseudoalbidus (Aggressives Eschenblatt-Stielbecherchen) ausgewählt.

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Dessen Nebenfruchtform Chalara fraxinea steht ja im Verruf, für das derzeitige Eschentriebsterben verantwortlich zu sein.

Gerade bei dieser Art finde ich es persönlich doch recht schwierig, die Hakenverhältnisse schnell zu beweisen. Auch Asci anderer Hymenoscyphus-Arten werden schnell recht dünnstielig, die Haken sind dann oft nicht mehr gut zu sehen.

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1: Ascus in Wasser, Hakenverhältnisse an Ascus-Basis nicht beurteilbar;
2: Pfeil 2 stellt die Grenze von flüssigem Ascus-Inhalt dar (wie auch Pfeil 1) und keine Septe!
3: Präparat angefärbt und Asci noch im Verbund mit der Basiszelle, aber auch so sind die Hakenverhältnisse zu undeutlich und nicht gut einschätzbar;
4: Ascusbasis sieht gerade abgebrochen aus, also „ohne Haken“?
5: jugendlicher Ascus, auch diese Basis sieht relativ gerade abgetutzt aus;
6: Wie jetzt? Ascusbasis mit oder ohne Haken?
Schlussfolgerung: Nach den bisherigen Bildern ist eine klare Einschätzung der Hakenverhältnisse nicht möglich!

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7: diese winklige abgerissene Ascusbasis lässt den Verdacht aufkeimen, dass doch Haken vorhanden sind, beweisen aber noch gar nichts!
8: typischer Hakenfuß! Bei so geformten Basen kann zu 95% von „Haken = positiv“ ausgegangen werden. Allerdings gibt es manchmal auch „basale Auswüchse“, die nicht an eine Zelle angeschlossen sind, also immer noch kein 100%-iger Beweis!
9: beim Abreißen von der Basiszelle ist der Haken an der Basis geblieben. Ist es aber wirklich der gesuchte Haken oder doch nur ein Fremdkörper?
10: Pfeil 3 zeigt die Ascusbasis, der Haken ist aber zu undeutlich für den Beweis. Glücklicherweise ist aber meist die darunterliegende Zelle gleich aufgebaut. Pfeil 4 zeigt deutlich „Haken = positiv“.
Hingegen zeigt Pfeil 5, dass bei ausgewachsenen Asci, auch mit noch ansitzender Basiszelle, eine Einschätzung oft nicht sicher möglich ist!

Schlussfolgerung:
11 + 12: Am sichersten bleibt die Einschätzung der Hakenverhältnisse immer an ganz jungen, noch mit der Basiszelle verbundenen Asci, welche der Übersichtlichkeit wegen günstigerweise aus der Fruchtschicht gelöst wurden!

Ich glaube, gerade diese Art wird oft als Hymenoscyphus albidus (Eschenblatt-Stielbecherchen) bestimmt. Hätte Zotto nicht letztens im DGfM-Forum über seine Untersuchungen zu beiden Arten geschrieben, würde ich sogar die Existenz des H. albidus anzweifeln.
Hat jemand einen eindeutigen H. albidus für mich? Diesmal würde ich mich sogar mit Trockenmaterial zufriedengeben, besser wäre natürlich was lebendiges.

VG Ingo W

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Re: Kleine Hakenlehre-->nur für Kleinbecher-Freaks

Gábor, (vor 5562 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

deine Tipps bezüglich der Einschätzung vom Vorhandensein von Haken finde ich sehr gut erklärt.
Jetzt muss mir H. pseudoalbidus nur noch bei Andreas begegnen die nächsten Tage.
Ich bin da aber guter Dinge :-)

LG, Gábor

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Re: Kleine Hakenlehre-->nur für Kleinbecher-Freaks

Ingo Wagner, (vor 5562 Tagen) @ Gábor

Hallo Ingo,
deine Tipps bezüglich der Einschätzung vom Vorhandensein von Haken finde ich
sehr gut erklärt.
Jetzt muss mir H. pseudoalbidus nur noch bei Andreas begegnen die nächsten
Tage.
Ich bin da aber guter Dinge :-)
LG, Gábor

Hallo Gabor!

Bei meinen Funden war immer das Krankheitsbild an den Eschen selbst gut zu sehen.
Dass dann unter den Bäumen der Becher zu finden war, war eigentlich nur Formsache.

VG Ingo W

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Re: Kleine Hakenlehre-->nur für Kleinbecher-Freaks

Orbilia, (vor 5562 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Gabor!
Bei meinen Funden war immer das Krankheitsbild an den Eschen selbst gut zu
sehen.
Dass dann unter den Bäumen der Becher zu finden war, war eigentlich nur
Formsache.
VG Ingo W

Hallo zusammen

schöne Präsentation! Ich möchte nur noch anmerken, dass man die Haken durchaus auch ohne Anfärbung sicher sehen kann, sogar recht schnell. man muss nur einen Schnitt hinbekommen und ohne Quetschen betrachten (wohlgemerkt am Frischpilz).

Martin und ich (besonders er) haben dieses Jahr wiederholt Funde studiert und immer nur H. pseudoalbidus gefunden. Ich habe den Verdacht, dass H. albidus völlig verdrängt wurde. Vor etwa 2007 fand man nur H. albidus, nachher fast nur noch H. pseudoalbidus (wobei albidus 2009 noch im Tessin nachgewiesen wurde). Ich kenne H. pseudoalbidus seit 2007 (aus Dänemark und Mecklenburg damals), und wunderte mich, wieso der albidus plötzlich Haken hat.

Also, wer den echten albidus gefunden zu haben glaubt, möge versuchen, die fehlenden Haken zu fotografieren. Ich bin einstweilen gespannt, ob der hier doch noch auftaucht. Wo man hinschaut sind jedenfalls die abgestorbenen Eschentriebe zu sehen.

Zotto

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Re: Kleine Hakenlehre-->nur für Kleinbecher-Freaks

Ingo Wagner, (vor 5562 Tagen) @ Orbilia

Hallo Zotto!

Ich möchte nur noch anmerken, dass man die Haken
durchaus auch ohne Anfärbung sicher sehen kann, sogar recht schnell. man
muss nur einen Schnitt hinbekommen und ohne Quetschen betrachten
(wohlgemerkt am Frischpilz).

Ja, da muss ich wohl noch üben.
Geht schon, gelingt mir aber nicht oft!

Für ungeübte Augen setze ich mal den Pfeil etwas näher an den Haken:
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VG Ingo W

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Re: Kleine Hakenlehre-->nur für Kleinbecher-Freaks

Gernot, (vor 5562 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

vielen Dank für diesen sehr interessanten Beitrag! Ich hab bei H. pseudoalbidus genau die gleichen Erfahrungen gemacht wie du sie hier darstellst, nämlich dass die Haken nur an sehr jungen Asci wirklich deutlich nachzuweisen sind. Bei Herbarmaterial muss man ganz schön brutal färben und quetschen, damit man was erkennt.

Ich hab heuer fünf Kollektionen dieser Becherlinge mikroskopiert, wobei ich nur eine Kollektion ohne Haken hatte. Ob und wo ich davon einen Beleg habe, weiß ich im momentan noch herrschenden Chaos der kürzlich gemachten Funde leider nicht, aber wenn ich ihn noch haben sollte, schreib ich dir ne Mail.

Insgesamt wirft die Unterscheidung der beiden Arten bloß anhand der Haken m.E. ein interessantes Licht auf andere inoperculate Ascos, von denen sowohl Formen mit als auch ohne Haken existieren. Vielleicht würde auch bei diesen Fällen eine Sequenzierung für überraschende Ergebnisse sorgen.

Schöne Grüße
Gernot

Ps.: Dein deutscher Name gefällt mir um einiges besser als das oft gebrauchte "Falsche Weiße Stängelbecherchen"!

Hallo!
Und natürlich trifft das nur für inoperculate Ascos zu, also die, die ihre
Sporen nicht durch das Öffnen eines Deckels am Ascus-Apex entlassen.
Gibt ja so 3-4 Leute im Forum, die sich ganz gerne mal die Kleinbecherchen
vornehmen, vielleicht hilft ja mein Beitrag (der natürlich wie immer durch
nichts fundiert ist und nur meine Erfahrung darstellt!), um das mit den
Haken hinzubekommen.
Als Beispiel habe ich mir mal den momentan sehr populären Hymenoscyphus
pseudoalbidus (Aggressives Eschenblatt-Stielbecherchen) ausgewählt.


Dessen Nebenfruchtform Chalara fraxinea steht ja im Verruf, für das
derzeitige Eschentriebsterben verantwortlich zu sein.
Gerade bei dieser Art finde ich es persönlich doch recht schwierig, die
Hakenverhältnisse schnell zu beweisen. Auch Asci anderer
Hymenoscyphus-Arten werden schnell recht dünnstielig, die Haken sind dann
oft nicht mehr gut zu sehen.

1: Ascus in Wasser, Hakenverhältnisse an Ascus-Basis nicht beurteilbar;
2: Pfeil 2 stellt die Grenze von flüssigem Ascus-Inhalt dar (wie auch Pfeil
1) und keine Septe!
3: Präparat angefärbt und Asci noch im Verbund mit der Basiszelle, aber auch
so sind die Hakenverhältnisse zu undeutlich und nicht gut einschätzbar;
4: Ascusbasis sieht gerade abgebrochen aus, also „ohne Haken“?
5: jugendlicher Ascus, auch diese Basis sieht relativ gerade abgetutzt aus;
6: Wie jetzt? Ascusbasis mit oder ohne Haken?
Schlussfolgerung: Nach den bisherigen Bildern ist eine klare Einschätzung
der Hakenverhältnisse nicht möglich!

7: diese winklige abgerissene Ascusbasis lässt den Verdacht aufkeimen, dass
doch Haken vorhanden sind, beweisen aber noch gar nichts!
8: typischer Hakenfuß! Bei so geformten Basen kann zu 95% von „Haken =
positiv“ ausgegangen werden. Allerdings gibt es manchmal auch „basale
Auswüchse“, die nicht an eine Zelle angeschlossen sind, also immer noch
kein 100%-iger Beweis!
9: beim Abreißen von der Basiszelle ist der Haken an der Basis geblieben. Ist
es aber wirklich der gesuchte Haken oder doch nur ein Fremdkörper?
10: Pfeil 3 zeigt die Ascusbasis, der Haken ist aber zu undeutlich für den
Beweis. Glücklicherweise ist aber meist die darunterliegende Zelle gleich
aufgebaut. Pfeil 4 zeigt deutlich „Haken = positiv“.
Hingegen zeigt Pfeil 5, dass bei ausgewachsenen Asci, auch mit noch
ansitzender Basiszelle, eine Einschätzung oft nicht sicher möglich ist!
Schlussfolgerung: 11 + 12: Am sichersten bleibt die Einschätzung der
Hakenverhältnisse immer an ganz jungen, noch mit der Basiszelle
verbundenen Asci, welche der Übersichtlichkeit wegen günstigerweise aus
der Fruchtschicht gelöst wurden!
Ich glaube, gerade diese Art wird oft als Hymenoscyphus albidus
(Eschenblatt-Stielbecherchen) bestimmt. Hätte Zotto nicht letztens im
DGfM-Forum über seine Untersuchungen zu beiden Arten geschrieben, würde
ich sogar die Existenz des H. albidus anzweifeln.
Hat jemand einen eindeutigen H. albidus für mich? Diesmal würde ich mich
sogar mit Trockenmaterial zufriedengeben, besser wäre natürlich was
lebendiges.
VG Ingo W

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Re: Kleine Hakenlehre-->nur für Kleinbecher-Freaks

Jürgen Endres, (vor 5562 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo!

Ich zähle mich mal zu den 3-4 Leuten im Forum, die sich schon mal die kleinen Becher vornehmen, bzw, in meinem Fall, damit anfangen.
Mit den Haken habe ich eigentlich keine Probleme. Ich mach immer eine extra Probe, färbe, quetsche und suche noch Fällen wie 10, 11, 12. So geht das einfach und sicher.

Trotzdem hat mir Dein Beitrag mal wieder geholfen, denn Dein Bild 2 hätte ich erstmal als "mit Septe" interpretiert und also als ein Indiz für "keinen Haken" genommen. Daß dieser Strich auch einfach die Abgrenzung des Ascusinhaltes sein kann, da wär ich von selbst wohl nicht drauf gekommen.
Also hier meinen Dank dafür, daß ich in Zukunft wieder ein bischen besser in der Lage sein kann, diese verwirrenden Striche und Kleckse im Mikroskop richtig zu interpretieren.
Ich möchte noch hinzufügen, daß ich Deinen Beitrag für aussergewöhnlich wertvoll halte. Unter der schönen Präsentation kann man spüren, wie Du versuchst Dich in die Köpfe von Anfängern und Interessierten einzufühlen, und wie Du versuchst ihnen die Inhalte so darzulegen, daß sie am leichtesten verstanden werden können.

Leider habe auch ich letzlich Hymenoscyphus pseudoalbidus gefunden, und zwar im Überlaufbecken der fränkischen Rezat in Windsbach, 50 m von meinem Zuhause entfernt.
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Noch ist alles grün, aber es wurmt mich jedesmal wenn ich an den gefiederten Riesen vorbeifahre. Nachallem was ich gelesen habe, ist da alle Hoffnung vergebens.

Gruß Jürgen

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Re: Kleine Hakenlehre-->nur für Kleinbecher-Freaks

Ingo Wagner, (vor 5562 Tagen) @ Jürgen Endres

Hallo Jürgen!

Noch ist alles grün, aber es wurmt mich jedesmal wenn ich an den gefiederten
Riesen vorbeifahre. Nachallem was ich gelesen habe, ist da alle Hoffnung
vergebens.

Ich glaube, die Natur hilft sich. Wirst sehen, dass sich demnächst resistente Eschen entwickeln.
Ich selbst habe genau vor meinem Auto-Parkplatz auf der Arbeit Jung-Eschen stehen.
Eine davon war letztes Jahr vollkommen braun-laubig und scheinbar tot. Diese und Nachbar-Jungeschen haben zwar dieses Jahr einige tote Triebe, aber sie leben. Auch die Totgeglaubte hat wieder grünes Laub.

VG Ingo W

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Re: Kleine Hakenlehre-->nur für Kleinbecher-Freaks

Karl Keck ⌂, (vor 5561 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

Deine "Hakenlehre" ist super!
Die Haken zu finden, zu sehen, das ist auch für mich oft ein großes Problem.
Was Du (und die nachfolgenden Poster) da geschrieben hast, ist sehr hilfreich.
Vielen Dank und Gruß,
Karl

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Re: Kleine Hakenlehre-->nur für Kleinbecher-Freaks

Der Juergen, (vor 5561 Tagen) @ Ingo Wagner

Lieber Ingo,

Kann mich dem Karl nur anschließen; sehr hilfreich! Vielen Dank für diese kleine Haken-Lektion! Ich konnte bei H. pseudoalbidus auch nur an Basalzellen junger Asci Haken erkennen. Alle in dieser Saison von mir untersuchten Kollektionen von Hymenoscyphus an Eschen-Petiolen entpuppten sich als H. pseudoalbidus. Die Problematik, die "Nicht-Existenz" von Haken schlüssig zu beweisen, deutet Dein Beitrag an :-)

Grüßle
Jürgen