Re: Kleine Hakenlehre-->nur für Kleinbecher-Freaks

Gernot, (vor 5560 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

vielen Dank für diesen sehr interessanten Beitrag! Ich hab bei H. pseudoalbidus genau die gleichen Erfahrungen gemacht wie du sie hier darstellst, nämlich dass die Haken nur an sehr jungen Asci wirklich deutlich nachzuweisen sind. Bei Herbarmaterial muss man ganz schön brutal färben und quetschen, damit man was erkennt.

Ich hab heuer fünf Kollektionen dieser Becherlinge mikroskopiert, wobei ich nur eine Kollektion ohne Haken hatte. Ob und wo ich davon einen Beleg habe, weiß ich im momentan noch herrschenden Chaos der kürzlich gemachten Funde leider nicht, aber wenn ich ihn noch haben sollte, schreib ich dir ne Mail.

Insgesamt wirft die Unterscheidung der beiden Arten bloß anhand der Haken m.E. ein interessantes Licht auf andere inoperculate Ascos, von denen sowohl Formen mit als auch ohne Haken existieren. Vielleicht würde auch bei diesen Fällen eine Sequenzierung für überraschende Ergebnisse sorgen.

Schöne Grüße
Gernot

Ps.: Dein deutscher Name gefällt mir um einiges besser als das oft gebrauchte "Falsche Weiße Stängelbecherchen"!

Hallo!
Und natürlich trifft das nur für inoperculate Ascos zu, also die, die ihre
Sporen nicht durch das Öffnen eines Deckels am Ascus-Apex entlassen.
Gibt ja so 3-4 Leute im Forum, die sich ganz gerne mal die Kleinbecherchen
vornehmen, vielleicht hilft ja mein Beitrag (der natürlich wie immer durch
nichts fundiert ist und nur meine Erfahrung darstellt!), um das mit den
Haken hinzubekommen.
Als Beispiel habe ich mir mal den momentan sehr populären Hymenoscyphus
pseudoalbidus (Aggressives Eschenblatt-Stielbecherchen) ausgewählt.


Dessen Nebenfruchtform Chalara fraxinea steht ja im Verruf, für das
derzeitige Eschentriebsterben verantwortlich zu sein.
Gerade bei dieser Art finde ich es persönlich doch recht schwierig, die
Hakenverhältnisse schnell zu beweisen. Auch Asci anderer
Hymenoscyphus-Arten werden schnell recht dünnstielig, die Haken sind dann
oft nicht mehr gut zu sehen.

1: Ascus in Wasser, Hakenverhältnisse an Ascus-Basis nicht beurteilbar;
2: Pfeil 2 stellt die Grenze von flüssigem Ascus-Inhalt dar (wie auch Pfeil
1) und keine Septe!
3: Präparat angefärbt und Asci noch im Verbund mit der Basiszelle, aber auch
so sind die Hakenverhältnisse zu undeutlich und nicht gut einschätzbar;
4: Ascusbasis sieht gerade abgebrochen aus, also „ohne Haken“?
5: jugendlicher Ascus, auch diese Basis sieht relativ gerade abgetutzt aus;
6: Wie jetzt? Ascusbasis mit oder ohne Haken?
Schlussfolgerung: Nach den bisherigen Bildern ist eine klare Einschätzung
der Hakenverhältnisse nicht möglich!

7: diese winklige abgerissene Ascusbasis lässt den Verdacht aufkeimen, dass
doch Haken vorhanden sind, beweisen aber noch gar nichts!
8: typischer Hakenfuß! Bei so geformten Basen kann zu 95% von „Haken =
positiv“ ausgegangen werden. Allerdings gibt es manchmal auch „basale
Auswüchse“, die nicht an eine Zelle angeschlossen sind, also immer noch
kein 100%-iger Beweis!
9: beim Abreißen von der Basiszelle ist der Haken an der Basis geblieben. Ist
es aber wirklich der gesuchte Haken oder doch nur ein Fremdkörper?
10: Pfeil 3 zeigt die Ascusbasis, der Haken ist aber zu undeutlich für den
Beweis. Glücklicherweise ist aber meist die darunterliegende Zelle gleich
aufgebaut. Pfeil 4 zeigt deutlich „Haken = positiv“.
Hingegen zeigt Pfeil 5, dass bei ausgewachsenen Asci, auch mit noch
ansitzender Basiszelle, eine Einschätzung oft nicht sicher möglich ist!
Schlussfolgerung: 11 + 12: Am sichersten bleibt die Einschätzung der
Hakenverhältnisse immer an ganz jungen, noch mit der Basiszelle
verbundenen Asci, welche der Übersichtlichkeit wegen günstigerweise aus
der Fruchtschicht gelöst wurden!
Ich glaube, gerade diese Art wird oft als Hymenoscyphus albidus
(Eschenblatt-Stielbecherchen) bestimmt. Hätte Zotto nicht letztens im
DGfM-Forum über seine Untersuchungen zu beiden Arten geschrieben, würde
ich sogar die Existenz des H. albidus anzweifeln.
Hat jemand einen eindeutigen H. albidus für mich? Diesmal würde ich mich
sogar mit Trockenmaterial zufriedengeben, besser wäre natürlich was
lebendiges.
VG Ingo W

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