Vielen Dank, und noch ein Tipp

Heinz Ebert ⌂, (vor 5542 Tagen) @ Pilzgrufti

Hallo alle,

diese Tipps von "Pilzgrufti" Gerhard Wölfel sind wirklich wichtig. Ergänzend füge ich noch einen Hinweis zur Sporigkeit (2-sporig oder 4-sporig) der Basidien hinzu: legt einfach eine Lamelle auf den Objektträger und fokussiert - ohne Quetschen und Deckglas - bis ihr auf die Sporenebene kommt. Ihr werdet bald Vierer- (meistens) oder eben Zweiergruppen erkennen. Dies erspart die sehr mühsame Suche nach Sterigmen von Basidien.

Beste Grüße, Heinz Ebert

Hallo,
Wie die zahlreichen Beiträge im Forum zeigen, scheint den Rötlingen das
außergewöhnliche Wetter dieses Jahres gut zu gefallen. Die Freude der
Finder wäre natürlich doppelt so groß, wenn auf eine tolle Aufnahme nicht
eine mühsame Bestimmung folgen würde.
Deshalb will ich nachfolgend ein paar Tipps geben, wie man sich die
Bestimmungsarbeit erleichtern kann.
1. Cheilozystiden
Man entnimmt dem Fruchtkörper eine einzelne Lamelle, legt sie auf einen
Objektträger und trennt mit einer Rasierklinge durch einen parallel zur
Schneide angesetzten Schnitt den Rest der Lamelle ab.
Dann wird der verbleibende schmale Streifen (mit der Schneide !) gut in
Kongorot angefärbt (Einwirkzeit etwa 10 Minuten).
Anschließend saugt man mit einem Papiertaschentuch vorsichtig die „rote
Brühe“ möglichst vollständig ab. Die nur fehlende Flüssigkeit ersetzt man
mit destilliertem Wasser.
Jetzt geht´s unters Mikroskop.
Achtung: Keinesfalls das Präparat quetschen! Das Vorhandensein von
Cheilozystiden kann in einem Quetschpräparat in den meisten Fällen nicht
beurteilt werden. Da viele Leptonien in den Zellen lichtbrechende Körnchen
eingelagert haben, erhält man durch das Quetschen auch noch eine fast
nicht mehr untersuchbare „Milchsuppe“.
Zuerst wird die Schneide nach vorspringenden oder anders als Basidien
geformten, sterilen Elementen abgesucht.
Hinweis: findet man zwischen reifen Basidien nur ähnlich aussehende Elemente
die zudem kleiner sind, so handelt es sich fast immer um Basidiolen, d.h.
um unreife Basidien. (Wenn man sicher gehen will kann man zum Vergleich
die Lamellenschneide eines überständigen Fruchtkörpers untersuchen)
Da bei europäischen Rötlingen nur extrem selten Pleurozystiden vorkommen,
kann man sich diese Untersuchung sparen.
2. Schnallen
Insbesondere bei vielen Arten der Untergattung Nolanea ist die Frage
Schnallen ja/nein? Nur schwer zu beantworten. Am ehesten finden sich bei
Rötlingen Schnallen am Fuß der Basidien (nicht in der Huthaut/-trama).
Zur Untersuchung kann man Präparat 1 hernehmen. Nun darf gequetscht werden.
3. Hut
Man halbiert zur Untersuchung des Hutes am Besten einen Fruchtkörper, d.h.
man macht einen Schnitt genau durch die Mitte.
Anschließend entnimmt man aus der Hutmitte durch einen senkrecht zur Huthaut
angesetzten, möglichst feinen Schnitt Material. Eine Färbung ist in diesem
Fall nicht erforderlich. Die Untersuchung erfolgt in Wasser.
Auch hier darf das Präparat nicht gequetscht werden.
4. Pigmentierung
Die meiste Erfahrung erfordert wohl die Beurteilung der Pigmente. Man
verwendet zur Untersuchung am Besten das Hutpräparat.
Während die üppige intrazelluläre Pigmentierung vieler Leptonien nicht zu
übersehen ist, bereitet es oft Schwierigkeiten feine Inkrustierungen zu
erkennen. Dazu darf das Hutpräparat jetzt auch gequetscht werden. Das
100-er Objektiv ist zur Untersuchung in jedem Fall erforderlich. Am
ehesten findet man Inkrustierungen übrigen an den schmalen Zellen der
Huthaut.
In Sachen Sporenmessung haben ja andere Pilzfreunde schon ausreichend
Hinweise gegeben.
Viel Spaß mit Rötlingen!
Gruß
Gerhard

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