Hallimasch: welche Gifte / Probleme ?

phragmobasidie, (vor 4751 Tagen)

Hallo allerseits,

was ist denn eigentlich Stand der Dinge beim Hallimasch?

klar ist mir, dass

1. er roh stark giftig sein soll
2. einige Leute ihn nicht vertragen

aber

3. Giftigkeit durch Anreichern ?

von welchen, was verursachenden Inhaltsstoffen ?
Und ist das ein Problem der reichlichen, wiederholten Mahlzeiten und ansonsten zu vernachlässigen?
Und ist genau diese Problematik durch die alte Abkochen-und-Kochwasser-wegschütten-Methode zu vermeiden?

Beste Grüße
Robin

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Re: Hallimasch: welche Gifte / Probleme ?

Thomas Pruss, (vor 4751 Tagen) @ phragmobasidie

Hallo allerseits,
was ist denn eigentlich Stand der Dinge beim Hallimasch?
klar ist mir, dass
1. er roh stark giftig sein soll
2. einige Leute ihn nicht vertragen
aber
3. Giftigkeit durch Anreichern ?
von welchen, was verursachenden Inhaltsstoffen ?
Und ist das ein Problem der reichlichen, wiederholten Mahlzeiten und
ansonsten zu vernachlässigen?
Und ist genau diese Problematik durch die alte
Abkochen-und-Kochwasser-wegschütten-Methode zu vermeiden?
Beste Grüße
Robin

Moin Robin,
ich hatte mal vor einiger Zeit wegen dieses Problems hier im Forum herum gefragt, wie man es hier mit dem Abkochen des Hallimaschs hält. Ergebnis: Viele kochen ihn nur ganz kurz ab (so wie ich es mache – es ist mehr ein Blanchieren) und nicht wenige verzichten ganz auf das Abkochen.
Das ist in meinen Augen auch sinnvoll: Wer die Pilze z. B. 8 Minuten abkocht, kann auch gleich Krabbenschalen essen. Die bestehen auch aus Chitin und haben dann zumindest noch Geschmack! Ich habe mich langsam nach unten durch getestet und koche die Pilze max. 3 Minuten ab (was nebenbei ohnehin sinnvoll ist, wenn man sie z. B. einlegen will).

Es wurde auch in den Raum gestellt, dass von den beiden Hallimasch-Arten, A. mellea und A. ostoyae letzterer Auslöser von Unverträglichkeiten sein könnte.
Über die Inhaltsstoffe kann ich wenig sagen, doch sicher ist, dass sie auf jeden Fall hitzelabil sein müssen und wasserlöslich, sonst hätte das Abkochen keine Wirkung.

Punkt 3., Giftigkeit durch Anreichern – meinst du damit Unverträglichkeitsreaktionen nach mehrmaligem Genuss? Ähnlich wie beim Kahlen Kremplimg oder Grünling?
Ich glaube, darüber gibt es kaum Untersuchungen, jedenfalls habe ich im Netz nix gefunden (kann auch sein, dass ich die falschen Fragen gestellt habe ;-)).
Ansonsten denke ich, reichert man eventuell vorhandene H.-Gifte nicht im Körper an. Sie würden abgebaut und ausgeschieden, da es sich ja nicht um Elemente wie Schwermetalle handelt oder um synthetische Kohlenwasserstoffe ((F)CKW).
Allgemeine Unverträglichkeitsreaktionen mögen beim Hallimasch vorkommen, aber sie sind offensichtlich sehr selten. Aus meinem Umfeld, das nicht gerade klein ist, kenne ich niemanden, der vom Hallimaschgenuss vom Stuhl gefallen ist. Bei meinen Pilzexkursionen weise ich immer darauf hin, dass die Pilze einer besonderen Behandlung bedürfen, bevor man sie essen kann, und niemals habe ich gehört, das jemand den Genuss bereut habe.
Generell gilt wohl beim Hallimaschgenuss, dass die Vergiftungen oder auch "nur" Unverträglichkeitsreaktionen wirklich sehr selten sind. Das mache ich empirisch auch fest an den Meldungen über Pilzvergiftungen, die man sieht oder liest. Auch in der Liste der Pilzvergiftungen, die jedes Jahr von der DGfM heraus gegeben wird, wird der H. kaum jemals genannt.
Grüßlis
Thomas

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Re: Hallimasch: welche Gifte / Probleme ?

phragmobasidie, (vor 4751 Tagen) @ Thomas Pruss

Hallo Thomas,

Punkt 3., Giftigkeit durch Anreichern – meinst du damit
Unverträglichkeitsreaktionen nach mehrmaligem Genuss? Ähnlich wie beim
Kahlen Kremplimg oder Grünling?

ganz genau, das ist der Kernpunkt meiner Frage, darum geht es mir.
Was ist da State of the Art?

Beste Grüße
Robin

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Re: Hallimasch: welche Gifte / Probleme ?

Thomas Pruss, (vor 4751 Tagen) @ phragmobasidie

Hallo Thomas,
ganz genau, das ist der Kernpunkt meiner Frage, darum geht es mir.
Was ist da State of the Art?
Beste Grüße
Robin

Moin Robin,

ich denke mal, State of the Art ist, dass es keine Parallelen zu den Kremp- oder Grünlingen gibt. Andernfalls wäre das ziemlich auffällig durchs Netz und durch die Medien gegangen. Aber das kann sich ja ändern. Es ist auf jeden Fall auffällig, das über den Chemismus eines Pilzes, der ja forstwirtschaftlich gesehen echt zu Schaden gehen kann, so wenig bekannt ist, bzw. übder den so wenig geforscht wird.
Grüßlis
Thomas

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Re: Hallimasch: welche Gifte / Probleme ?

Birgit, (vor 4751 Tagen) @ Thomas Pruss

Hi Thomas,

soweit ich mich entsinne soll Armillaria ostoya besser vertragen werden als Armillara mellea.

Zur Abkocherei: Hier fand ich folgende Argumentation schlüssig: Wenn jemand Hallimasch nur verträgt, wenn er vorher abgekocht und das Kochwasser weggeschüttet wurde, sollte er lieber ganz auf Hallimasch verzichten. (Unter der Voraussetzung natürlich, dass die Pilze auch ohne Abkochen ausreichend lange erhitzt wurden.) Durch das Abkochen wird der Stoff, der für den Bereffenden unbekömmlich ist, ja nur verdünnt und nicht komplett eliminiert, der Stoff wird also in verdünnter Form aufgenommen. (Ich denke da gerade auch an die Frühjahrslorcheln, in denen trotz mehrmaligem Abkochen immer noch Gyromitrin vorhanden war.) Wenn derjenige dann häufig Hallimasch isst, könnte ich mir gut vorstellen, dass das mgölicherweise nicht gesund ist.

liebe Grüße

Birgit

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Re: Hallimasch: welche Gifte / Probleme ?

phragmobasidie, (vor 4751 Tagen) @ Thomas Pruss

Es ist auf
jeden Fall auffällig, das über den Chemismus eines Pilzes, der ja
forstwirtschaftlich gesehen echt zu Schaden gehen kann, so wenig bekannt
ist, bzw. übder den so wenig geforscht wird.

stimmt! eigentlich wirklich erstaunlich.

Der Schaden ist allerdings möglicherweise schon vorher da. Er räumt dann vielleicht nur auf.

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Re: Hallimasch: welche Gifte / Probleme ?

Thomas-im-Brennsand, (vor 4750 Tagen) @ phragmobasidie

stimmt! eigentlich wirklich erstaunlich.
Der Schaden ist allerdings möglicherweise schon vorher da. Er räumt dann
vielleicht nur auf.

Hm, gelesen habe ich, weiß nicht mehr wo, dass der Hallimasch einen Stoff enthalte, der eine Art Antibiotika sei, welches naturgemäß eben nicht von jedermann vertragen wird, sodass es bei einigen Menschen zu Unverträglichkeiten kommen kann, wie Durchfall und so. Das scheint mir schlüssig, obwohl ich kein Experte bin. Dass da noch weitere Giftstoffe sein mögen, wird deshalb nicht ausgeschlossen. Die dann durch Kochen eben unschädlich werden. Das ist an sich bei einigen Pilzen doch ähnlich, roh giftig und gekocht essbar. Vielleicht kann da einer was Konkreteres dazu sagen, zu dieser Sache mit dem "natürlichen" Antibiotikum?

Grüße Thomas

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Re: Hallimasch: welche Gifte / Probleme ?

Ingo, (vor 4750 Tagen) @ phragmobasidie

Hallo Robin,

ich kann mir nicht ernsthaft vorstellen, dass Punkt 3 zutrifft.
Sonst hätte ich, bei den Massen, die ich bisher verschlungen hatte,
irgendwann mal Probleme gehabt. Allerdings fand/finde ich nur A. ostoyae.
Nach Korrespondenz mit mehreren Pilzfreunden scheint es immer mal wieder
Probleme mit Armillaria gallica gegeben zu haben!

Grüßlis Ingo

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Re: Hallimasch: welche Gifte / Probleme ?

Huperzia ⌂, (vor 4750 Tagen) @ Ingo

Hallo Robin,
ich kann mir nicht ernsthaft vorstellen, dass Punkt 3 zutrifft.
Sonst hätte ich, bei den Massen, die ich bisher verschlungen hatte,
irgendwann mal Probleme gehabt. Allerdings fand/finde ich nur A. ostoyae.
Nach Korrespondenz mit mehreren Pilzfreunden scheint es immer mal wieder
Probleme mit Armillaria gallica gegeben zu haben!
Grüßlis Ingo

Hmm, ich hab heute erstmals A. gallica an meine Kinder verfüttert. Bisher hat sich keiner beschwert.
Ich hab bisher immer gehört und das so weitergegeben, dass A. mellea eher derjenige ist .....

VG, Tanja