Ascos auf Hasel - Diskussion (mit Fotos)

UmUlmHerum, (vor 4552 Tagen)

Hallo miteinander!

Dieses Frühjahr war ich mehrfach auf gezielter Suche nach dem Kleiigen Haselbecherling (Encoelia furfuracea). Dabei ist mir aufgefallen, dass der Haselbecherling nie zusammen mit der Rotbraunen Kohlebeere (Hypoxylon fuscum) vorkommt, letztere aber auf Hasel der häufigste Pilz ist - zumindest hier um Ulm herum. Ich habe den Eindruck, die Beiden mögen sich nicht.

Habt Ihr das auch schon beobachtet oder gibt es bereits eine Erklärung dafür?

Den Becherling hatte ich auch unterm Mikro - interessant die so verschieden geformten Paraphysen, während die allantioden (Würstchen-)Sporen ja relativ langweilig aussehen.

Viele Ostergrüße - Rika

Rotbraunen Kohlebeere (Hypoxylon fuscum) - jung und alt:
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Kleiiger Haselbecherling (Encoelia furfuracea) - zu und offen:
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Re: Ascos auf Hasel - Diskussion (mit Fotos)

jesko, (vor 4551 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

nein, uninteressant ist diese Diskussionsvorlage gewiss nicht! Das Konzept des "Zusammenvorkommens" müsste aber wohl noch präzisiert werden, heißt das im selben Haselbestand, am selben Strauch oder am selben Ast/an derselben Stange? Offen gestanden erinnere ich mich in diesem Fall nicht so genau. Ganz sicher habe ich beide Arten schon im selben Bestand gehabt. Einwerfen möchte ich allerdings, dass Hypoxylon fuscum nach meinen nordwestsächsischen Erfahrungen nicht der häufigste Hasel-Pyreno ist, das wäre eher Diatrypella verruciformis, nach dem Hypoxylon muss man manchmal eine ganze Weile suchen.
Im Übrigen finde ich bei mir sowohl Encoelia furfuracea als auch Hypoxylon fuscum fast ebenso häufig (oder teils sogar häufiger) an Erle. Zum Hypoxylon wäre hier allerdings zu bemerken, dass auch ein sehr ähnliches H. fuscoides beschrieben worden wäre. Mit dieser Geschichte müsste ich mich noch einmal gründlicher auseinandersetzen. Vielleicht kann ja jemand von den Mitlesern etwas dazu beitragen.
Kompatibilität und Inkompatibilität von Pilzarten ist sicher ein spannendes Thema, dazu müsste man systematisch untersuchen, was man typischerweise zusammen findet und was sich nie zusammen beobachten lässt. Interessant ist auch der Hinweis in Pilze der Schweiz auf eine Feststellung Munks, dass die beiden Haselbesiedler Cryptospor(ell)a corylina und Melanconis flavovirens nie im selben Gebiet vorkämen. Bei mir ist Cryptosporella corylina eigentlich recht verbreitet, die Melanconis habe ich in der Tat noch nicht gesehen. Problematisch erscheint mir bei den Schweizern allerdings, dass das, was sie da abbilden, wohl eher Sillia ferruginea und nicht die Cryptosporella ist.
Was mir an Birke oft aufgefallen ist, ist, dass ich an Ästen mit Cryptosporella betulina meist auch Pleomassaria siparia finde...

Jedenfalls durchaus spannende Themen. Es wäre schön, wenn noch jemand seine Erfahrungen beisteuern könnte.

Viele Grüße,
Jesko

Re: Ascos auf Hasel - Diskussion (mit Fotos)

Gernot, (vor 4551 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko und Rika,

Im Übrigen finde ich bei mir sowohl Encoelia furfuracea als auch Hypoxylon
fuscum fast ebenso häufig (oder teils sogar häufiger) an Erle. Zum
Hypoxylon wäre hier allerdings zu bemerken, dass auch ein sehr ähnliches
H. fuscoides beschrieben worden wäre. Mit dieser Geschichte müsste ich
mich noch einmal gründlicher auseinandersetzen. Vielleicht kann ja jemand
von den Mitlesern etwas dazu beitragen.

Am besten unterscheidet man die Arten anhand ihrer KOH-löslichen Pigmente: ± gelblich bei H. fuscum, ± (grau)violett bei H. fuscoides.

Wenn man mich nach dem häufigsten Pilz an Corylus fragen würde, dann würde ich wohl ebenfalls H. fuscum sagen. Diatrypella verruciformis ist hier aber natürlich auch eine häufige Art.

Ob H. fuscum und E. furfuracea am gleichen Strauch oder gar Ast vorkommen können, darauf hab ich bisher noch nicht geachtet.

Schöne Grüße
Gernot

Re: Ascos auf Hasel - Diskussion (mit Fotos)

UmUlmHerum, (vor 4551 Tagen) @ Gernot

Hallo Jesko und Gernot,

vielen Dank für Eure Antworten!

Mit Gernots Schnelltest habe ich gerade Hypoxylon fuscum dingfest gemacht - solche Tipps sind Gold wert, ersparen sie einem doch viel Arbeit = Zeit ;-)

Zu Jeskos Frage:
Mit "Vorkommen" meinte ich, auf dem selben Busch. Im gleichen Bestand finde ich durchaus beide Arten. Aber wenn auch nur ein Ast mit Kohlebeeren dabei ist, wächst am gleichen Strauch mit Sicherheit kein Kleiebecher.

Nachdem Encoelia furfuracea von unserem Pilzverein nur sehr selten gefunden wird, habe ich mich gezielt auf die Suche gemacht und kann nun auch die speziellen Ansprüche an das Umfeld/Habitat dieses interessanten Becherlings recht gut eingrenzen - zumindest was das Vorkommen UmUlmHerum betrifft:

- luftige Standorte, Randlagen - nie "mittendrin"
- nur auf "frisch-toten" Stangen - die Rinde muss noch kompeltt dran sein
- auf den Nord- und Ostseiten der Stange - nicht in Süd- und Westrichtung
- vorzugsweise auf Substrat-Ø 5-6 cm
- nie zusammen mit Hypoxylon fuscum (vielleicht auch generell nicht zusammen mit Pyrenos?)

Viele Grüße - Rika

Re: Ascos auf Hasel - Diskussion (mit Fotos)

Joschi Siembida ⌂, (vor 4551 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

hier meine Beobachtungen zu dem schicken Becher:

- luftige Standorte, Randlagen - nie "mittendrin"

das kann ich so nicht bestätigen. Ich hab den Becher schon sowohl mitten im Waldbestand als auch mitten im Busch gefunden. Wobei es aber nicht all zu schattig sein sollte.

- nur auf "frisch-toten" Stangen - die Rinde muss noch kompeltt dran sein

Ja, und nur maximal(?) 2 Jahre. Dreimal hintereinander hab ich den noch nicht am gleichen Ast gefunden. Würde mal schätzen daß dann das Substrat (Rinde, Kambium?) aufgebraucht ist.

- auf den Nord- und Ostseiten der Stange - nicht in Süd- und Westrichtung

So genau hab ich in der Hinsicht noch nicht drauf geachtet. Könnte mir hier aber eher vorstellen, daß es was mit der Witterung / Feuchtigkeit zu tun. Aktuell ist es ja eher zu trocken, da wird es dem Becher auf der Sonnenseite warscheinlich zu trocken sein.

- vorzugsweise auf Substrat-Ø 5-6 cm

Ja und je waagrechter der Ast um so größer die Chance. Die waagrechten können halt mehr Wasser aufsaugen und bleiben länger feucht.

- nie zusammen mit Hypoxylon fuscum (vielleicht auch generell nicht zusammen mit Pyrenos?)

Da muss ich mal drauf achten, falls ich es dieses Frühjahr doch noch mal in die Pilze schaffe. :-/

In der Anfangszeit hab ich den Kleiebecher immer zusammen mit einer Exidia(?, siehe unten) gefunden. Mittlerweile hat sich das aber relativiert.

Auf jeden Fall sind es schöne Models.

Gruß Joschi

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Re: Ascos auf Hasel - Diskussion (mit Fotos)

Der Juergen, (vor 4551 Tagen) @ UmUlmHerum

Hi Rika,

Nachdem Encoelia furfuracea von unserem Pilzverein nur sehr selten gefunden
wird,

Also ich zumindest finde diese Art häufig und regelmäßig, ich denke mir, dass auch kartierende Vereinsmitglieder die Art nicht selten finden. Bei den Vereinsexkursionen hat man vielleicht einen etwas "gröberen Blick" drauf, so dass dieser Becherling übersehen wird;-)

- luftige Standorte, Randlagen - nie "mittendrin"

die Ausschließlichkeit kann ich nicht bestätigen. Es gibt allerdings in unserer Gegend kaum ältere und reine Haselbestände. Ich kenne nur einen, und da findet man den Becherling vor allem "mittendrin".

- nur auf "frisch-toten" Stangen - die Rinde muss noch kompeltt
dran sein

würde ich unterschreiben;-)

- auf den Nord- und Ostseiten der Stange - nicht in Süd- und Westrichtung

kann ich nicht bestätigen -> siehe älterer Haselbestand

- vorzugsweise auf Substrat-Ø 5-6 cm

kann ich auch nicht bestätigen, habs an dünneren und dickeren Ästen schon gefunden

- nie zusammen mit Hypoxylon fuscum (vielleicht auch generell nicht zusammen
mit Pyrenos?)

aus meiner vagen Erinnerung heraus, würde ich hier zustimmen, aber das wäre mehr ein Gefühl;-)

Grüßle
Jürgen

Re: Ascos auf Hasel - Diskussion (mit Fotos)

Seraph, (vor 4551 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

auf dem oberen Ast ist noch eine Schriftflechte (Graphidaceae, evtl. Graphis #####a). Die schwarzen Striche auf der Oberfläche ;)

lg björn

Hallo miteinander!
Dieses Frühjahr war ich mehrfach auf gezielter Suche nach dem Kleiigen
Haselbecherling (Encoelia furfuracea). Dabei ist mir aufgefallen, dass der
Haselbecherling nie zusammen mit der Rotbraunen Kohlebeere (Hypoxylon
fuscum) vorkommt, letztere aber auf Hasel der häufigste Pilz ist -
zumindest hier um Ulm herum. Ich habe den Eindruck, die Beiden mögen sich
nicht.
Habt Ihr das auch schon beobachtet oder gibt es bereits eine Erklärung dafür?
Den Becherling hatte ich auch unterm Mikro - interessant die so verschieden
geformten Paraphysen, während die allantioden (Würstchen-)Sporen ja
relativ langweilig aussehen.
Viele Ostergrüße - Rika
Rotbraunen Kohlebeere (Hypoxylon fuscum) - jung und alt:

Kleiiger Haselbecherling (Encoelia furfuracea) - zu und offen:

Re: Flechten

UmUlmHerum, (vor 4551 Tagen) @ Seraph

Hallo Rika,
auf dem oberen Ast ist noch eine Schriftflechte (Graphidaceae, evtl. Graphis
#####a). Die schwarzen Striche auf der Oberfläche ;)
lg björn

Hi Björn,

schön von Dir zu lesen! Die Flechte hab ich auch gesehen. Bei unserem letzten Monatstreffen gab es einen Vortrag über Flechten, deswegen achte ich inzwischen vermehrt drauf - kann mir aber die Namen noch nicht wirklich merken...

Hier noch ein Bild von letztem Mittwoch - Flechtenversammlung auf jungem Ahornstamm. Ich sehe mind. 6 verschiedenen Arten, darunter m.E. zwei verschiedenen Arten der Schriftflechte. Leider fehlt mir gerade die Zeit, die Dinger alle zu mikroskopieren. Vor allem die hellgrünen Apothezien hätten mich schon interessiert. Kannst Du sie per Foto benamsen?

Viele Grüße - Rika

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Re: Flechten

Seraph, (vor 4551 Tagen) @ UmUlmHerum

Hi Björn,
schön von Dir zu lesen! Die Flechte hab ich auch gesehen. Bei unserem letzten
Monatstreffen gab es einen Vortrag über Flechten, deswegen achte ich
inzwischen vermehrt drauf - kann mir aber die Namen noch nicht wirklich
merken...
Hier noch ein Bild von letztem Mittwoch - Flechtenversammlung auf jungem
Ahornstamm. Ich sehe mind. 6 verschiedenen Arten, darunter m.E. zwei
verschiedenen Arten der Schriftflechte. Leider fehlt mir gerade die Zeit,
die Dinger alle zu mikroskopieren. Vor allem die hellgrünen Apothezien
hätten mich schon interessiert. Kannst Du sie per Foto benamsen?
Viele Grüße - Rika

Das werde ich so (noch) nicht können, aber wenn du mir das Teil zusendest, mikroskopiere ich jeden einzelnen davon und du kriegst deine Namen (ich hatte mir sowieso vorgenommen, mit diese Graphidaceae näher anzugucken!) :P

lg björn

Re: Flechten

UmUlmHerum, (vor 4551 Tagen) @ Seraph

Das werde ich so (noch) nicht können, aber wenn du mir das Teil zusendest,
mikroskopiere ich jeden einzelnen davon und du kriegst deine Namen (ich
hatte mir sowieso vorgenommen, mit diese Graphidaceae näher anzugucken!)

P

lg björn

... danke für Dein liebes Angebot! Aber ich hab´ die Teile in weiser Voraussicht bezgl. meines Zeit-Budgets am Baum gelassen. Die Schriftflechten sind ja (zumindest die helle Art und hier) recht häufig. Bei Dir auch?

LG - Rika

Re: Flechten

Seraph, (vor 4551 Tagen) @ UmUlmHerum

... danke für Dein liebes Angebot! Aber ich hab´ die Teile in weiser
Voraussicht bezgl. meines Zeit-Budgets am Baum gelassen. Die
Schriftflechten sind ja (zumindest die helle Art und hier) recht häufig.
Bei Dir auch?
LG - Rika

Ja ich hab möglicherweise noch nicht so genau hingeschaut, ich muss meine Augen noch etwas schärfen dafür. Vielleicht kommen sie hier aber wirklich nicht so häufig vor...ich werd sehen.

lg björn

Re: Flechten

Ulysses, (vor 4551 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

mal eine kleine Runde "Ferndiagnose":

-rechts unten: Graphis s.c.ripta
-unten mitte: Lecanora spec., Bestimmung vom Bild sehr unsicher... wahrscheinlich Lecanora argentata oder carpinea
-unten links: ebenfalls Lecanora spec., vermutlich ein weiteres Lager der gleichen Art
-oberhalb Graphis (verzweigte Apothecien): Arthonia radiata
-oberhalb der Lecanoren (grünliches Lager, schwarze Apos mit Eigenrand): Lecidella elaeochroma
-links oben (weißer Fleck): entweder eine Dendrothele (dann wäre es ein nichtlichenisierter Pilz) oder eine junge Pertusaria (z.B. albescens)
-zwischen weißem Fleck und Arthonia (dunkel, veralgt): wahrscheinlich ein totes Lager von Arthonia (??)

Vielleicht hilft Dir das ja schon ein wenig weiter...

Bei den Lecanora-Arten müsste man abwarten, bis die Apothecien schön weit offen sind und Licht abbekommen haben, und/oder die Sporen mikroskopieren.

Schöne Grüße
Josef

Re: Flechten + num. Bild

UmUlmHerum, (vor 4551 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef,

klasse!!! Mit so einer detailierten Antwort hatte ich nicht gerechnet, sonst hätte ich gleich das Bild mit den durchnummerierten Flechten eingestellt... was ich hiermit nachhole und versuche, Deine Artnamen der richtigen Nummer/Flechte zuzuordnen. Bitte ergänze bzw. korregiere mich:

1 ?? ältere, veralgte Pertusaria albescens ??
2 junge Pertusaria albescens (vermute ich)
3 Lecidella elaeochroma
4 Lecanora spec., ...wahrscheinlich Lecanora argentata oder carpinea
5 Graphis s.c.ripta
6 Arthonia radiata
? wahrscheinlich ein totes Lager von Arthonia (??)

Viele Grüße - Rika

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-rechts unten: Graphis
s.c.ripta
-unten mitte: Lecanora spec., Bestimmung vom Bild sehr unsicher...
wahrscheinlich Lecanora argentata oder carpinea
-unten links: ebenfalls Lecanora spec., vermutlich ein weiteres Lager der
gleichen Art
-oberhalb Graphis (verzweigte Apothecien): Arthonia radiata
-oberhalb der Lecanoren (grünliches Lager, schwarze Apos mit Eigenrand):
Lecidella elaeochroma
-links oben (weißer Fleck): entweder eine Dendrothele (dann wäre es ein
nichtlichenisierter Pilz) oder eine junge Pertusaria (z.B. albescens)
-zwischen weißem Fleck und Arthonia (dunkel, veralgt): wahrscheinlich ein
totes Lager von Arthonia (??)
Bei den Lecanora-Arten müsste man abwarten, bis die Apothecien schön weit
offen sind und Licht abbekommen haben, und/oder die Sporen mikroskopieren.

Re: Flechten + num. Bild

Ulysses, (vor 4550 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

was genau im einzelnen die mit ? markierten Flächen/Flechten sind, kann ich per Bild nicht sagen... da sowohl Arthonia als auch andere Flechten benachbart liegen, dürfte es sich um veralgte/abgestorbene Lager mehrerer Arten handeln.

Und die 1, also die Frage ob Pertusaria oder Dendrothele, müsste auch am Objekt geklärt werden. Da es z.T. ziemlich dicke "Knubbel" gibt, dürfte Pertusaria tatsächlich die wahrscheinlichere Variante sein.

Ansonsten: die Nummern passen!

Beste Grüße
Josef

Re: Flechten - besten Dank, Josef !

UmUlmHerum, (vor 4550 Tagen) @ Ulysses

- kein Text -