Vergesellschaftung von Clitopilus sp. und Boleten

AK_CCM, (vor 4459 Tagen)

Hallo zusammen,

schon öfter habe ich beobachtet, dass dort wo Räslinge fruktifizieren gerne auch Dickröhrlinge vorkommen. Gibt es zwischen den Pilzen eine Art Parasitismus o.ä. oder haben sie einfach nur dieselben Standortansprüche?

Gruß, Andreas

Re: Vergesellschaftung von Clitopilus sp. und Bole

Ulysses, (vor 4459 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

mmh... irgendwie kann ich Deine Beobachtungen für meine Exkursionsgebiete nicht bestätigen (Vorderer Bayer. Wald, Silikat). Hier überlappen sich Vorkommen von Boleten und Räslingen nur ausnahmsweise; an mehreren Standorten des Gewöhnlichen Räslings (C. prunulus) konnte ich in den letzten Jahren sogar nur diese beobachten, höchstens dann mal Mycenen dazu. Auffallend oft allerdings stehen die Räslinge bei mir auf dem grasigen Mittelstreifen von weniger häufig genutzten Waldwegen, während die Boleten eher die offenerdigen Böschungen bevorzugen.

Schöne Grüße
Josef

Re: Vergesellschaftung von Clitopilus sp. und Bole

Toffel, (vor 4458 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

schon öfter habe ich beobachtet, dass dort wo Räslinge fruktifizieren gerne
auch Dickröhrlinge vorkommen. Gibt es zwischen den Pilzen eine Art
Parasitismus o.ä. oder haben sie einfach nur dieselben Standortansprüche?

laut Literatur (finde die Stelle grad nicht :-() konnte ein Parasitismus bisher nicht nachgewiesen werden (auch nicht für den Fliegenpilz oder den Perlpilz). Das häufige gemeinsame Vorkommen wird daher auf deine letztere Vermutung zurückgeführt.

Viele Grüße
Steffen

Re: Vergesellschaftung von Clitopilus sp. und Bole

Gábor, (vor 4458 Tagen) @ AK_CCM

: schon öfter habe ich beobachtet, dass dort wo Räslinge fruktifizieren gerne
[quote]auch Dickröhrlinge vorkommen. Gibt es zwischen den Pilzen eine Art
Parasitismus o.ä. oder haben sie einfach nur dieselben Standortansprüche?
[/quote]
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Servus Andreas,

das kann ich so absolut bestätigen und ich persönlich führe dies auf sehr ähnliche Standortvorlieben zurück.
Evtl. ähnlich, wie das auffallend häufige gemeinsame Auftreten von Morchella esculenta und Disciotis venosa.

Ich kenne viele Speisepilzsammler, die Mark&Bein auf Fliegenpilze als Steinpilzzeiger schwören.
Falls es mich jedoch mal wieder überkommt (in letzter Zeit immer seltener) schaue ich in erster Linie immer auch nach Plätzen mit Clitopilus prunulus und Chalciporus piperatus.
Das sind nämlich viel zuverlässigere Zeiger für mich.

Letztes Jahr z.B. wäre ich in meiner Mittagspause an einem nährstoffreichen Platz mit einder dicken Buchenlaubschicht und ordentlich hoch Springkraut sicher schnell vorbeigelatscht, hätten mich nicht mehrere Frkp. vom Mehlräsling neugierig gemacht.

Und nachdem ich mich dann in den krautigen Unterwuchs gewühlt habe, stand dort tatsächlich ein großer Hexenkreis mit makellosen Steinpilzen.

Sehr zur Freude eines damals erkrankten Kollegen, dem ich die Steinis zur schnelleren Genesung zukommen liess :-)

LG, Gábor

Re: Vergesellschaftung von Clitopilus sp. und Bole

UmUlmHerum, (vor 4458 Tagen) @ Gábor

....

Und nachdem ich mich dann in den krautigen Unterwuchs gewühlt habe, stand
dort tatsächlich ein großer Hexenkreis mit makellosen Steinpilzen.
Sehr zur Freude eines damals erkrankten Kollegen, dem ich die Steinis zur
schnelleren Genesung zukommen liess :-)
LG, Gábor

Hallo Gabor (& Andreas),

ja was – Gábor ist zur Heilpilz-Fraktion übergetreten ;-))
An meinen Steini-, Hexen-, Satan- und Silberröhrling-Standorten habe ich noch nie Mehlräslinge gesehen, an zwei Steini-Plätzen gibt es Pfefferrörlinge...

Viele Grüße – Rika
P.S.: Es regnet und regnet!!!

Re: Vergesellschaftung von Clitopilus sp. und Bole

Fiedelmaxe, (vor 4457 Tagen) @ AK_CCM

Hallo zusammen,
schon öfter habe ich beobachtet, dass dort wo Räslinge fruktifizieren gerne
auch Dickröhrlinge vorkommen. Gibt es zwischen den Pilzen eine Art
Parasitismus o.ä. oder haben sie einfach nur dieselben Standortansprüche?
Gruß, Andreas

Hallo Andreas,

die Vergesellschaftung ist zumindest auch für mich absolut frappierend; auf meiner bevorzugten Pilzwiese kamen vor ca. 10 Tagen (wie jedes Jahr) etliche Mehlräslinge, eine Woche später erschienen am haargenau gleichen Standort (gleicher Quadratmeter) 5 Exemplare Boletus aereus (zum ersten mal, sonst gab es dort in der nähe B.aestivalis)- die Myzelien müssen quasi "durcheinander" wachsen...

Beste Grüße,

Sebastian

Re: Vergesellschaftung von Clitopilus sp. und Bole

jesko, (vor 4456 Tagen) @ AK_CCM

Hallo,

was diejenigen, die den Myzelien nachgespürt haben, herausgefunden haben, weiß ich leider nicht. Mein (rein subjektiver!) Eindruck aus meiner Sammelerfahrung ist allerdings, dass Clitopilus prunulus nur an Standorten mit Boletus-Arten vorkommt. Da es sich dabei um verschiedene Boletus-Arten mit nicht gerade deckungsgleichen Standortansprüchen (z.B. klassisches edulis-Habitat im Fichtenwald und stark anthropogen beeinflusste luridus-Standorte bei Tilia ...) handelt, wäre Parasitismus eine durchaus naheliegende Erklärung. Auch andere Clitopilus-Arten (passeckeri, daamsii) scheinen ja Mykoparasiten zu sein. Vor ca. zwei Wochen fand ich übrigens alte Trametes gibbosa mit Clitopilus (scyphoides fo.) reductus darauf, obwohl ich diese Räslinge sonst immer an Holz gefunden habe.

Bei Amanita muscaria und Chalciporus piperatus als „Steinpilzzeiger“ würde ich eher ähnliche Standortansprüche vermuten, besonders wenn es um Nadelwald geht. Zudem lassen sich etwa an typischen Fliegenpilzstandorten bei Birken bei mir kaum je Steinpilze finden, während wiederum der Fliegenpilz in manch andere edulis-Habitate nicht vordringt. Der Pfefferröhrling scheint mir allerdings ein recht treuer Fliegenpilzbegleiter (seltener auch bei anderen Wulstlingen) zu sein. In dieser Hinsicht bezeichnend sind Chalciporus-piperatus-Vorkommen an untypischen Amanita-muscaria-Standorten. Aus meiner näheren Umgebung könnte ich da eine Lindenallee oder einen feuchten Eichen-Hainbuchen-Wald (hier nur Quercus robur, Carpinus und Tilia cordata als potentielle EcM-Hosts) zitieren. Ist das vielleicht auch Parasitismus? Für Chalciporus rubinus wurde bereits vermutet, dass er Boletus-Arten parasitiert. An allen mir bekannten Standorten des Kurzsporigen Röhrlings kommen tatsächlich auch verschiedene Dickröhrlinge vor, aber hier sind meine Beobachtungen natürlich quantitativ kaum signifikant. Und vielleicht labt sich ja auch Chalciporus amarellus am Körnchenröhrling??? Na ja, alles reine Spekulation!

Viele Grüße,
Jesko

Re: Vergesellschaftung von Clitopilus sp. und Bole

Gernot, (vor 4456 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

von einem vermuteten Parasitismus von C. piperatus an A. muscaria hab ich in der Literatur auch schon gelesen. Ob es dazu aber aussagekräftige Studien gibt, weiß ich leider nicht...

Schöne Grüße
Gernot

Hallo,
was diejenigen, die den Myzelien nachgespürt haben, herausgefunden haben,
weiß ich leider nicht. Mein (rein subjektiver!) Eindruck aus meiner
Sammelerfahrung ist allerdings, dass Clitopilus prunulus nur an Standorten
mit Boletus-Arten vorkommt. Da es sich dabei um verschiedene Boletus-Arten
mit nicht gerade deckungsgleichen Standortansprüchen (z.B. klassisches
edulis-Habitat im Fichtenwald und stark anthropogen beeinflusste
luridus-Standorte bei Tilia ...) handelt, wäre Parasitismus eine durchaus
naheliegende Erklärung. Auch andere Clitopilus-Arten (passeckeri, daamsii)
scheinen ja Mykoparasiten zu sein. Vor ca. zwei Wochen fand ich übrigens
alte Trametes gibbosa mit Clitopilus (scyphoides fo.) reductus darauf,
obwohl ich diese Räslinge sonst immer an Holz gefunden habe.
Bei Amanita muscaria und Chalciporus piperatus als „Steinpilzzeiger“ würde
ich eher ähnliche Standortansprüche vermuten, besonders wenn es um
Nadelwald geht. Zudem lassen sich etwa an typischen Fliegenpilzstandorten
bei Birken bei mir kaum je Steinpilze finden, während wiederum der
Fliegenpilz in manch andere edulis-Habitate nicht vordringt. Der
Pfefferröhrling scheint mir allerdings ein recht treuer
Fliegenpilzbegleiter (seltener auch bei anderen Wulstlingen) zu sein. In
dieser Hinsicht bezeichnend sind Chalciporus-piperatus-Vorkommen an
untypischen Amanita-muscaria-Standorten. Aus meiner näheren Umgebung
könnte ich da eine Lindenallee oder einen feuchten Eichen-Hainbuchen-Wald
(hier nur Quercus robur, Carpinus und Tilia cordata als potentielle
EcM-Hosts) zitieren. Ist das vielleicht auch Parasitismus? Für Chalciporus
rubinus wurde bereits vermutet, dass er Boletus-Arten parasitiert. An
allen mir bekannten Standorten des Kurzsporigen Röhrlings kommen
tatsächlich auch verschiedene Dickröhrlinge vor, aber hier sind meine
Beobachtungen natürlich quantitativ kaum signifikant. Und vielleicht labt
sich ja auch Chalciporus amarellus am Körnchenröhrling??? Na ja, alles
reine Spekulation!
Viele Grüße,
Jesko

Re: Vergesellschaftung von Clitopilus sp. und Bole

Joschi Siembida ⌂, (vor 4454 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot, Jesko und alle Anderen,

letztes Jahr sind mir C. piperatus zusammen mit A. regalis ganz in der Nähe von Bennekenstein im Harz begegnet. Ein Fliegenpilz war zu dem Zeitpunkt nirgends zu sehen.

Gruß Joschi