Bestimmungshilfe Filzröhrling

Birgit, (vor 4440 Tagen)

Hallo an Alle,

bei der AMU-Exkursion am Sonnatg , 3.8., fanden wir auch junge Filzröhrlinge. Fundort ist ein wärmebegünstigter Buchenmischwald, an dieser Stelle ohne Nadelbäume.

Mit Harald-Andres tollem Xerocomus-Schlüssel komme ich zur Unterscheidung zwischen Ziegenlippe (Xerocomus subtomentosus) und braunem Filzröhrling (Xerocomus ferrugineus). Ich finde widersprüchliche Merkmale.
So ist das Basalmyzel allenfalls schwach gelb, beim Antrocknen ist der Gelbton ein bisschen intensiver geworden, aber von einem satten Gelb immer noch weit entfernt. Beim Längsschnitt ergibt sich ein knallgelber Fleck in der äüßersten Stielbasis, darüber in Richtung Stielmitte eine sehr schwache rosabräunliche Verfärbung, die mir aber erst auf dem Foto wirklich aufgefallen ist. Das Fleisch und die Röhren blauten nicht. Das Fleisch im Hut ist eindeutig blass gelb.
Alles in allem lande ich mit weniger Widersprüchen wohl bei Xerocomus ferrugineus. Dagegen spricht das nicht wirklich gelbe Basalmyzel, die leichte rosabräunliche Verfärbung im Stiel und das gelbe Hutfleisch. Was meint Ihr dazu?

herzliche Grüße

Birgit

[image]

Re: Basalmyzel

DirkW, (vor 4440 Tagen) @ Birgit

hallo birgit,

ich würde hier an boletus impolitus denken. vor allem wegen der stieloberfläche ...

beste grüße

dirk

Re: Basalmyzel

Peter Reiter, (vor 4440 Tagen) @ DirkW

hallo birgit,
ich würde hier an boletus impolitus denken. vor allem wegen der
stieloberfläche ...
beste grüße
dirk

Hallo Birgit,

mich erinnert der Habitus an pruinatus. Der hätte auch das gelbe Basalmycel und diese feinpustelige Stieloberfläche und die leuchtend gelben Poren.

Re: Basalmyzel

Birgit, (vor 4440 Tagen) @ Peter Reiter

Hallo Peter,

mich erinnert der Habitus an pruinatus. Der hätte auch das gelbe Basalmycel
und diese feinpustelige Stieloberfläche und die leuchtend gelben Poren.

Danke für den Hinweis. X. pruinatus sollte aber deutlich bleuen oder erinnere ich mich da falsch?

liebe Grüße

Birgit

Re: Basalmyzel

Birgit, (vor 4440 Tagen) @ DirkW

ich würde hier an boletus impolitus denken. vor allem wegen der
stieloberfläche ...

Danke, lieber Dirk, dass Du mein Brett vorm Kopf entfernt hast.

Ich hab die Schüppchen/Flocken als Pusteln interpretiert, die ja dann dieses unregelmäßige Netz bei X. ferrugineus/subtomentosus bilden können.
Boletus impolitus ists aber trotzdem nicht, sondern mit ziemlicher Sicherheit die Schwesternart Boletus depilatus. Ich hab eben einen Blick im Mikroskop auf die hymeniforme Huthaut geworfen. Boletus impolitus hätte eine HDS mit mehr oder weniger liegenden Hyphen.

Der marmorierthütige Röhrling (B. depilatus) ist mir von diesem Standort bekannt, es gibt dort Hainbuchen und mein erster und einziger Fund dort war ca. 20 m entfernt. Der durchgehend gleich gefärbte, filzige Hut hat mich in die Irre geführt. Gehämmerte Dellen im Hut sind bestenfalls zu erahnen. Aber in Haralds Schlüssel wird auch erwähnt, dass B. depilatus jung einem Filzröhrling ähneln kann.

liebe Grüße

Birgit

Re: Basalmyzel

Matthias, (vor 4440 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,
das sieht mir sehr nach der Ziegenlippe aus, hatte die hier auch schon mit diesem "flockigen Stiel", kommt wohl in manchen Jahren mal vor. Für den Braunen Filzröhrling sind mit die Poren viel zu gelb und leuchtend, das die blaue Verfärbung im Hutbereich und das rötliche im unteren Stielbereich nicht da ist kann ja an der Witterung liegen. Auf die Farbe mom Mxcel gebe ich nicht soviel da ein munteres Durcheinander herrscht was nun richtig sein soll.
Hier noch Vergleichsbilder von 2012 und 2014:
http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/pconfig.pl?noframes;read=223978
http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/pconfig.pl?noframes;read=243487
Viele Grüsse
Matthias

Re: Basalmyzel

Birgit, (vor 4436 Tagen) @ Matthias

Lieber Matthias,

das sieht mir sehr nach der Ziegenlippe aus, hatte die hier auch schon mit
diesem "flockigen Stiel", kommt wohl in manchen Jahren mal vor.
Für den Braunen Filzröhrling sind mit die Poren viel zu gelb und
leuchtend, das die blaue Verfärbung im Hutbereich und das rötliche im
unteren Stielbereich nicht da ist kann ja an der Witterung liegen. Auf die
Farbe mom Mxcel gebe ich nicht soviel da ein munteres Durcheinander
herrscht was nun richtig sein soll.
Hier noch Vergleichsbilder von 2012 und 2014:
http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/pconfig.pl?noframes;read=223978
http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/pconfig.pl?noframes;read=243487

vielen Dank für Deine Vergleichsbilder und für Deine Einschätzung. Die Witterung hier ist eigentlich seit Wochen optimal für Pilze, Trockenschäden sind unwahrscheinlich. Trotzdem werde ich den Pilz gedanklich mal als potentielle Ziegenlippe ablegen.

liebe Grüße

Birgit

Re: Basalmyzel

Matthias, (vor 4435 Tagen) @ Birgit

Lieber Matthias,
vielen Dank für Deine Vergleichsbilder und für Deine Einschätzung. Die
Witterung hier ist eigentlich seit Wochen optimal für Pilze,
Trockenschäden sind unwahrscheinlich. Trotzdem werde ich den Pilz
gedanklich mal als potentielle Ziegenlippe ablegen.
liebe Grüße
Birgit

Liebe Birgit,
ich dachte auch nicht an Trockenschäden am Pilz, sondern das die Verfärbung eben durch eventuell hohe Temperaturen eben nicht ganz typisch auftritt,
liebe Grüsse
Matthias

Re: Basalmyzel

Birgit, (vor 4435 Tagen) @ Matthias

Lieber Matthias,

ich dachte auch nicht an Trockenschäden am Pilz, sondern das die Verfärbung
eben durch eventuell hohe Temperaturen eben nicht ganz typisch auftritt,

Danke für den HInweis. Manchmal verrennt man sich halt ein bisschen.... ;-).
Ich leg das ding jetzt mal als Ziegenlippe ab.

liebe Grüße

Birgit

Re: Bestimmungshilfe Filzröhrling

TR, (vor 4439 Tagen) @ Birgit

Liebe Birgit,

Von der Stieloberfläche würde ich auch auf Hemileccinum tippen.

Hemileccinum depilatum lässt sich von H. impolitum sowie Xerocomus subtomentosus und X. ferrugineus ziemlich gut über die Endzellen der Huthaut unterscheiden (kurz und rund).

H. impolitum lässt sich von X. subtomentosus über den L/B Quotienten der Sporen (2,9 vs. 2,5) abgrenzen.

Bleibt als möglicher Kandidat X. ferrrugineus, dessen Fleisch sich nicht verfärben soll und der nach Ladurner & Simonini im Gegensatz zu H. impolitum, H. depilatum und X. subtomentosus ein gelbes Basalmyzel haben soll.

In der Gattung Xerocomus gibt es aber auch noch andere Kandidaten (X. silwoodensis, X. chrysonemus), die man sicherheitshalber auch prüfen sollte.

Gruß
Thomas

Re: Bestimmungshilfe Filzröhrling

Birgit, (vor 4439 Tagen) @ TR

Lieber Thomas,

Von der Stieloberfläche würde ich auch auf Hemileccinum tippen.
Hemileccinum depilatum lässt sich von H. impolitum sowie Xerocomus
subtomentosus und X. ferrugineus ziemlich gut über die Endzellen der
Huthaut unterscheiden (kurz und rund).

Danke für Deinen Tipp. Es scheint wohl untergegangen zu sein, dass ich in der Antwort an Dirk bereits geschrieben habe, dass die HDS hymeniform ist. Ich habe auch in der Hoffnung einige reife Sporen zu finden, ein bisschen den Stiel abgekratzt und dabei auch von den Stielschüppchen was abgeschabt, auch hier fand ich hymeniforme Strukturen. (In PDS wird erwähnt, dass die Stielbekleidung von B. depilatus am Stiel hymeniforme Eemente aufweist, ich weiss natürlich nciht, inwieweit das wesentlich ist.) In einem Quetschpräparat der Röhren fand ich leider keine Sporen, der Pilz war wohl einfach noch zu jung.
Jedenfalls komme ich immer mehr zu der Überzeugung, dass es sich wohl um Hemileccinum (Boletus) depilatus handeln muss

H. impolitum lässt sich von X. subtomentosus über den L/B Quotienten der
Sporen (2,9 vs. 2,5) abgrenzen.

Geht leider nicht, weil ich keine Sporen fand.

Bleibt als möglicher Kandidat X. ferrrugineus, dessen Fleisch sich nicht
verfärben soll und der nach Ladurner & Simonini im Gegensatz zu H.
impolitum, H. depilatum und X. subtomentosus ein gelbes Basalmyzel haben
soll.

X. subtomentosus und X. ferrugineus sollten aber auch eine andere Huthautstruktur haben, ein Trichoderm meines Wissens nach?

liebe Grüße

Birgit

Re: Bestimmungshilfe Filzröhrling

Beorn, (vor 4438 Tagen) @ Birgit

Hallo, Birgit!

Mal noch eine ganz komische Frage nebenbei:
Wie riecht er denn, der Pilz?
Also insbesondere, wenn du da mal kräftig an der Stielbasis rubbelst?
Der spezielle Geruch tritt zwar nach meiner Erfahrung sowohl bei X. subtomentosus als auch bei B. impolitus und B. depilatus auf, aber so ein kleines weiteres Detail käme ja immerhin dazu.

LG, Pablo.

Re: Bestimmungshilfe Filzröhrling

Birgit, (vor 4436 Tagen) @ Beorn

Hallo Pablo,

Mal noch eine ganz komische Frage nebenbei: Wie riecht er denn, der Pilz?
Also insbesondere, wenn du da mal kräftig an der Stielbasis rubbelst?

Naja, der Pilz ist inzwichen auf dem Dörrex gelandet, sonst wäre er schon total vergammelt.

Der spezielle Geruch tritt zwar nach meiner Erfahrung sowohl bei X.
subtomentosus als auch bei B. impolitus und B. depilatus auf, aber so ein
kleines weiteres Detail käme ja immerhin dazu.

Du meinst den typischen Karbolgeruch? Ich hab nicht dran gerochen, weil ich ja nicht mit B.depilatus/impolitus gerechnet habe. Ich kenne diesen Geruch schon, ich hatte erst vor kurzem junge typische depilati ;-) in den Händen.
Riecht X. subtomentusos auch so? Das wusste ich bisher nicht, aber Ziegenlippen sind hier nicht gerade sehr verbreitet.

Danke für Deine Hilfe.

liebe Grüße

Birgit

Re: Bestimmungshilfe Filzröhrling

Beorn, (vor 4435 Tagen) @ Birgit

Hallo.

Ich würde schon behauoten, daß B. impolitus und B. depilatus etwas anders riechen als zB Agaricus xanthodermus. Eigentlich mehr nach Jod als nach Karbol, aber die Übergänge sind fließend, die Nasen unterschiedlich. ;-)

Bei Ziegenlippen finde ich den Geruch auch recht regelmäßig vor, aber nur in der Stielbasis und oft nur nach rubbeln deutlich erkennbar.

LG, Pablo.

Re: Bestimmungshilfe Filzröhrling

Jürgen, (vor 4437 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,

ich würde mich Matthias' Meinung (subtomentosus) anschließen und meine auch auf dem Schnittbild ein ganz leichtes Blauen im Hut erkennen zu können. Bemerkenswert ist auch, dass die Frasstellen keine spontane Neubildung der Huthaut zeigen, was ein sehr starkes Indiz für ferrugineus wäre. X. subtomentosus kann durchaus üppiges Baslamyzel ausbilden, man sieht auf deinen Bildern aber nicht die für ferrugineus kennzeichnenden schwefelgelben Myzelstränge. B. (X./H.) impolitus oder depilatus vermag ich hier nicht zu erkennen.

Viele Grüße, Jürgen

Re: Bestimmungshilfe Filzröhrling

Birgit, (vor 4436 Tagen) @ Jürgen

Hallo Jürgen,

ich würde mich Matthias' Meinung (subtomentosus) anschließen und meine auch
auf dem Schnittbild ein ganz leichtes Blauen im Hut erkennen zu können.

Das ist mir leider beim Durchschneiden nicht aufgefallen.

Bemerkenswert ist auch, dass die Frasstellen keine spontane Neubildung der
Huthaut zeigen, was ein sehr starkes Indiz für ferrugineus wäre.

Interessant, danke für diesen Hinweis.

X. subtomentosus kann durchaus üppiges Baslamyzel ausbilden, man sieht auf
deinen Bildern aber nicht die für ferrugineus kennzeichnenden
schwefelgelben Myzelstränge. B. (X./H.) impolitus oder depilatus vermag
ich hier nicht zu erkennen.

Vielen Dank für Deine Einschätzung. Ich werde den Pilz dann wohl doch als "unbestimmt" mit einer Tendenz zu X. subtomentosus ablegen. Um ihn als Ziegenlippe "festzunageln" verunsichert mich die hymeniforme Huthaut doch zu sehr.

herzliche Grüße

Birgit

Re: Bestimmungshilfe Filzröhrling

Jürgen, (vor 4436 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,
Zur Huthaut: Was verstehst Du denn unter "hymeniform"? Gerade die HDS bei jungem X. subtomentosus (wie hier) erinnert mit ihren erekten, palisadenförmig gereihten zylindrischen Endzellen - die durchaus auch zystiden- bis eiförmig sein können! - m.E. viel stärker an ein Hymenium als die Ketten rundlicher Zellen bei depilatus, die eher einem Epithel gleichen. Bei reifenden Ziegenlippen "zerfällt" die Palisadenstruktur dann zunehmend zu einem Trichoderm. Falls Du das Xerocomus-Buch von Ladurner & Simonini einsehen kannst, vgl. die Zeichnungen S. 148-151 mit deinem Fund.

Zum Blauen: Ist dieser Farbreflex ein Artefakt?

Grüße, Jürgen

[image]

Re: Bestimmungshilfe Filzröhrling

Birgit, (vor 4435 Tagen) @ Jürgen

Hallo Jürgen,

Zur Huthaut: Was verstehst Du denn unter "hymeniform"?

Vermutlich das, was Lieschen Müller drunter versteht ;-), sprich ich bin ganz "naiv" davon ausgegangen, dass hymeniform wohl bedeutet, dass die HDS ähnlich wie die Fruchtschicht ausschaut. Sprich so ähnlich wie junge Basidien, also Basidiolen und so ähnlich haben die Zellen der HDS auch ausgeschaut und ebenso Elemente der Stielbekleidung. Kann sein, dass ich das falsch verstanden habe, dann bitte ich um Aufklärung.

Gerade die
HDS bei jungem X. subtomentosus (wie hier) erinnert mit ihren erekten,
palisadenförmig gereihten zylindrischen Endzellen - die durchaus auch
zystiden- bis eiförmig sein können! - m.E. viel stärker an ein Hymenium
als die Ketten rundlicher Zellen bei depilatus, die eher einem Epithel
gleichen.

Vielen Dank für diese Erklärung, das wusste ich nicht. Dann hat sich das Problem ja geklärt. Und ich verstehe jetzt, wie der Pilz trotz der HDS-Struktur eine Ziegenlippe sein kann. Danke für Deine Geduld.

Bei reifenden Ziegenlippen "zerfällt" die
Palisadenstruktur dann zunehmend zu einem Trichoderm. Falls Du das
Xerocomus-Buch von Ladurner & Simonini einsehen kannst, vgl. die
Zeichnungen S. 148-151 mit deinem Fund.

Leider kann ich das Buch nicht einsehen, ich glaube Dir aber auch so.

Zum Blauen: Ist dieser Farbreflex ein Artefakt?

Nein, vermutlich nicht. Danke auch da für den Hinweis.

herzliche Grüße

Birgit