Dithmarscher Pilze

Thomas Pruss, (vor 4406 Tagen)

Moin zusammen,
gestern war ein Glückstag: 5 Stunden Pilze sammeln, ohne Zeitdruck!!! ;-)

Ich hatte mir einen Wald bei St. Michaelisdonn ausgesucht, der am Rande der Dithmarscher Geest liegt und, wenn ich nicht alles täuscht, den klangvollen Namen "Christianslust" trägt.
Auf dem GoogleMaps-Bild ist die Lage und meine ungefähre Laufroute eingetragen:
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Los ging es von der Hauptstraße:
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Der Wald ist in erster Linie Nadelwald mit Fichten, ein paar Kiefern und recht vielen Lärchen. Dazwischen eingesprengt Flecken mit Jungbuchen und Roteichen:
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Gleich am Wegesrand ein erster Farbtupfer:
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Rotkappe

Und noch ein paar "Fantastic colours" unter einer Roteiche:
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Grünlinge

Hohlfußröhrlinge gab es in Massen:
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von quitschegelb bis dunkelbraun

Aber auch die Ockertäublinge hatte es brandeilig mit dem Wachstum:
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klein, mittel, groß

Allenthalben krochen die Hundsruten auf dem Boden herum:
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und die Kreuzspinnen betätigten sich als Wegelagerer:
Kankras Lauer
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In deren Netze bin ich bestimmt 20 Mal rein gerannt. Irgendwann kam ich mir vor wie Frodo auf dem Weg nach Mordor! ;-)

Perlpilze gab es auch reichlich:
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Das Schöne: Nur etwa die Hälfte war vermadet.

Taufrisch auch die Gedrungenen Wulstlinge:
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Farbtupfer im Moos:
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Speitäublinge

Die Fuchsigen Scheidenstreiflinge wollten es ihnen gleich tun, aber eher in gedeckten Farben:
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Von den Apfeltäublingen waren die meisten schon überständig. Aber ein paar gute Exemplare hatte ich auch noch gefunden:

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Dann kam das erste Highlight der Tour:
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Die etwa 4 kg schwere Krause Glucke hing unter dem Wurzelgeflecht einer umgestürzten Fichte. Daher war sie auch blitzsauber, ohne Sand, Ästchen und Einwohner!

Das zweite Highlight vermute ich in diesen Gesellen:
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Orangefuchsiger Raukopf!
Glaube ich zumindest, denn alle Merkmale weisen darauf hin

Da ich aber mit Schleierlingen allgemein nicht so firm bin, kann ich bei den Gesellen auch nur raten, dass es sich um Lilastielige Schleimfüße handelt:[image]

Und an den Milchlingen sitze ich noch:
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Die Milch floss nicht sehr reichlich und schmeckte irgendwie bitter und nach Spülmittel.

Auch wenn ich knapp 60 km fahren muss, werde ich diesen Wald wohl noch öfter aufsuchen. Vor allem auch, weil sich hier die Sturmschäden aus dem letzten Jahr in starken Grenzen halten.

Ein paar Worte noch zu St. Michaelisdonn, und hier vor allem zum 2. Teil des Namens "-donn":
Als nach der letzten Eiszeit der Meerespiegel um ca. 60 m anstieg, wurden die Dünen und Endmoränen der Dithmarscher Geest zu einer Steilküste an der Nordsee. Die Küste ragte bis zu 30 m hoch auf. Das waren dann Kliffs, aus denen sich der Name der heute auf ihnen liegenden Ortschaften und Flurstücke wie "Kleve" entwickelten. "Kleve" = "Kliff". Stürme und Wellenschlag erodierten dann die äußerst nährstoffarmen Dünen, der Sand lagerte sich als Nehrunghaken vor der Küste ab, und diese Sandbänke nennt mann "Donn" oder "Dunn".
Durch Landhebung, Absenkung des Meeresspiegels und durch Landgewinnungsmaßnahmen gerieten die Donns und Kliffs immer weiter ins Hinterland, die Gegend davor nennt man heute "Marsch". Am Fuße der Geest entsprangen und entspringen immer noch Quellen mit klarem Süßwasser. Dieses Wasser war für die Marschbewohner sehr wertvoll, denn das Grundwasser der Marsch war (und ist) brackig und kaum trinkbar.
Nahe St. Michaelisdonn gibt es den Sagen umwobenen "Goldsoot" (Soot = Brunnen). In der Tat war das Quallewasser der Geest für die Marschbewohner so wertvoll wie Gold.

Grüßlis
Thomas

Re: Dithmarscher Pilze

Gábor, (vor 4406 Tagen) @ Thomas Pruss

Moin Thomas,

Du hast nicht zufällig an den Grünlingen auch mal gerochen?

LG, Gábor

Re: Dithmarscher Pilze

Richi, (vor 4406 Tagen) @ Gábor

Moin Thomas,
Du hast nicht zufällig an den Grünlingen auch mal gerochen?
LG, Gábor

Hallo,

von dem Bild her, kann man den Schwefelgeruch riechen.

LG, Richard

@ Gábor und Richard

Thomas Pruss, (vor 4406 Tagen) @ Thomas Pruss

Und wie ich dran geschnüffelt hatte!! Denn ich dachte auch erst einmal wegen der Farbe an den Schwefelritterling. Aber nix wars mit üblen Gerüchen! Der duftete sehr angenehm. Also kam für mich nur einer der Grünlingsarten in Betracht.
Ich habe die Pilze mit nachhause genommen und gerade noch Mal dran geschnüffelt: riecht nach Pilz!

Grüßlis
Thomas

Re: @ Gábor und Richard

Gábor, (vor 4406 Tagen) @ Thomas Pruss

Moin Thomas,

für mich schaut das auf Deinem Foto eindeutig nach Schwefelritterling aus und ohne diesen stechenden Geruch hatte ich den persönlich noch nicht.
Wobei ich allerdings Grünlinge ohne deutlichen Mehlgeruch auch noch nicht hatte.

Ich dachte auch, diesen sog. pilzigen Geruch hätte man mittlerweile abgeschafft.
Weil dann würden doch alle Pilze irgendwie pilzig riechen :-)

LG, Gábor

Re: @ Gábor und Richard

Thomas Pruss, (vor 4406 Tagen) @ Gábor

Moin Gábor,

Ich dachte auch, diesen sog. pilzigen Geruch hätte man mittlerweile
abgeschafft.
Weil dann würden doch alle Pilze irgendwie pilzig riechen :-)

Wäre ich auch für. Nur: Was erzählich den Laien? Heute morgen, beim Bestimmen eines Schleierlings, habe ich Bon was vom "Duft der Mahonie" gelesen. Verdammt, bevor ich den Duft identifiziere, muss ich glatt in der Wikipedia nach "Mahonie" suchen. Und dann noch eine finden, die im Herbst blüht und dran schnuppern. Bis dahin ist doch jeder Pilz "verduftet"! ;-)
Dann doch lieber: "Riecht gut", "riecht schlecht", "stinkt echt gemein" … ;-)
Ich verdufte jetzt auch!
Grüßlis
Thomas

Re: Dithmarscher Pilze

Ingo, (vor 4406 Tagen) @ Thomas Pruss

Hi Thomas,

tolle Bilder und Funde! Nicht dass ich dir den "Grünling" nicht gönnen würde.
Aber beim Grünling stehen die Lamellen viel dichter beieinander. Auch bei T. frondosae.
Rein vom Bild her sind es schon Schwefelritterlinge. Ich sehe da auch nicht viel an Grün.
Alternativen mit Seltenheitswert gibt es kaum.
Zum Geruch: Grünlinge riechen in keiner Weise (angenehm) pilzig - außer für mich und einige
andere Freunde des Geruchs frisch gemahlenen Mehles.

Grüßlis Ingo