Re: Bestimmungshilfe

Matthias, (vor 4043 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Rebecca,
meiner Meinung nach müssen Leute wie du und ich, wenn es um das Schießen von
Pilzbildern geht, um die fototechnische Seite nicht so einen Kult treiben.
Die Technik wird mE vielfach überbewertet, und letztlich ist man
Pilzfachmann und kein Fotofachmann. Bei mir sind Pilzfotos immer nur
"Beweisfotos" meiner Funde, nicht mehr, insbesondere keine
Fotokunstwerke.
Hier habe ich einmal zwei Fotos von Korallen für dich, das erste geschossen
zum Anfang meiner hobbymykologischen Karriere, das zweite vor zwei Wochen,
als wir uns an der Zugspitze trafen. Beide Fotos entstanden mit einer
Digitalknipse der 100- bis 200-Euro-Klasse der Marke Nikon mit fast
identischer Qualität und Ausstattung.
Am ersten Foto ist so gut wie alles schlecht, angefangen von der Wahl des
Bildausschnittes über die Wahl der Bildperspektive, die Entfernung des
Objektes von der Kameralinse bis hin zur mangelhaften Bildschärfe. Es ist
obendrein gegen das Licht fotografiert. Das einzig Erträgliche ist die
relative Farbechtheit.
Mit dem zweiten Foto bin ich dagegen zufrieden. Für die Nachbestimmung taugt
es allemal. Du warst live dabei, als es entstand. Ich habe es ohne Stativ,
nur mit abgestützter Hand geschossen. Technische Hilfsmittel waren keine
dabei, keine Aufheller, keine Aluspiegel,... Das Foto ist nicht mit
irgendwelchen Fotoprogrammen nachbearbeitet worden, und es ist schon auf
150 KB runterkomprimiert.
Wo liegen nun die fototechnischen Unterschiede zwischen Bild 1 und Bild 2?
1) Ich nutze den Scharfstellomat der Kamera (Symbol Grüne Blüte). Der wird
mir auf dem Monitor durch Rechtecke angezeigt. Ideal ist es, wenn
möglichst viele Rechtecke auf dem Pilz und keine daneben sind.
2) Ich nutze den Anti-Verwackelomat, den die heutigen 100-Euro-Digitalkameras
alle haben.
3) Ich achte darauf, dass zwischen Linse und Objekt nicht irgendwelche
Grashalme, Blätter o. ä. geraten. Diese irritieren sowohl den
Scharfstellomat als auch den Anti-Verwackelomat.
4) Ich lege mich zum Fotografieren hin.
5) Ich schieße erstmal aus der abgestützten Hand und betrachte das Ergebnis
am Monitor. Bin ich damit nicht zufrieden, nehme ich das Stativ (so ein
flexibles von JOBY oder ähnlichen Marken) und verwende den Selbstauslöser
(10-Sek-Verzögerung), den heute jede 100 Euro-Digicam hat.
6) Ich blitze nie. Wird das Foto dunkel, ist es eben dunkel. Ist es im Wald
so dunkel, dass man blitzen müsste, nehme ich die Pilze mit und
fotografiere sie an einem helleren Ort. Man kann die Pilze schließlich
anderswo wieder hinstellen, das machen alle Anderen auch so.
7) Ich nutze die Beleuchtungskorrektur der Kamera (die meisten
100-Euro-Digicams haben eine Skala von +2 bis -2). Meistens ist im Wald
mit normalem Licht die Einstellung -1 bis -1,5 im Hinblick auf die
Farbechtheit optimal.
8) Ich fotografiere nie in der prallen Sonne. Auch hier nehme ich die Pilze
an einen anderen Ort mit.
Mir ist klar, dass Fotofachleuten bei diesen Aussagen die Haare zu Berge
stehen könnten, aber ich denke trotzdem, dass dies für unsereins die
richtige Denke ist.
Liebe Grüße und viel Erfolg beim Pilzeknipsen
Stephan

Hallo Stephan,
da kann ich dir nur zustimmen, mache es sehr ähnlich.
Auch darauf achten wenn es mehrere Pilze sind das die möglichst parallel zum Objektiv sind das viel im Schärfebereich liegt.
Der Macromodus von Kompaktkameras ist beim besten Willen nicht schlecht und geht auch bei sehr kleinen Objekten, zeige mal ein Beispiel von ca. 2-3 mm grossen Becherlingen,
viele Grüsse
Matthias

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