Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Mani walter, (vor 3923 Tagen)

Hallo miteinander
Komme einfach nicht weiter! Ich stelle bei den abgebildeten Exemplaren folgende Merkmale fest: Hut - Weiss nicht gilbend beim Anschaben; Mit Rhizoiden; Fleisch im Längsschnitt - im Hut weisslich; Fleisch im Längsschnitt - im Stiel blass fuchsrot und Basis stärker gefärbt; Fleisch im Querschnitt siehe Bild; Schäffertest positiv siehe Bild; Lichter Fichtenbestand auf Kalk.
Sporen 6.5-7.25-8.5 x 4.7-5.35-6.1 My
Jede Idee und Initiative ist willkommen und beste Grüsse Mani

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Re: Bild 4 von 4

Lothar, (vor 3923 Tagen) @ Mani walter

Hallo Mani,
bevor man weiter nachdenkt oder schlüsselt, bräuchte man noch eine Info über die Lamellenschneide. Gibt es Cheilozystiden (Marginalzellen) und wie sehen diese ggf. aus oder ist die Schneide fertil? Weiterhin: wo ist der Fundort? (geographische Lage) - sollte bei jeder Anfrage dabei stehen.
LG von Lothar

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Stephan Weißer, (vor 3922 Tagen) @ Mani walter

Hallo miteinander
Komme einfach nicht weiter! : Schäffertest positiv siehe Bild;
Jede Idee und Initiative ist willkommen und beste Grüsse Mani

Hallo Mani,
also dann mal meine Ideen und Initiativen:
1) den Schaeffer-Test auf deinem Foto würde ich als negativ bezeichnen. Ich habe ihn auch schon ein paar Mal an eindeutigen Arvensisgruppe-Exemplaren durchgeführt, und positiv würde eine leuchtend ziegelrote/feuerrote/orangerote Farbe sein, aber nichts Blassorangegelbes wie auf deinem Foto.
2) die schöne rosa Färbung der Lamellen deutet für mich darauf hin, dass es sich um einen "Röter" handelt. Junge "Gilber" haben meist nur eine trüb graurosa Lamellenfarbe. Du hast geschrieben, dass du einen Längsschnitt gemacht hast. Hast du davon ein Foto, mit dem man eine eventuelle Rotverfärbung prüfen könnte?
3) den lappigen, herabhängenden Stielring sollte man auf jeden Fall würdigen
4) wie dick und wie stabil (etwa wurzelartig?) sind denn die Rhizoiden? hängen sie nur an einem Exemplar oder an allen?

Ich für meinen Teil würde bei den Rötern, nicht bei den Gilbern suchen. Falls am verletzten Fleisch keine eindeutige Rötung erfolgt, könnte man schon mal die silvicola/langei-Gruppe generell ausschließen, ebenso die Kompost-Gruppe wegen der fehlenden braunen Schuppen. So viel bleibt bei den Rötern nicht mehr übrig, eventuell was aus der albosericellus-Gruppe?

FG
Oehrling

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Mani walter, (vor 3922 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Mani,

I)Hallo Lothar und Stephan
Vielen Dank im Voraus für euer Feedback. Gerne nehme ich Bezug auf eure Hinweise - dies dauert halt etwas:
Der Fundort befindet sich am Alpennordhang auf 750 m ü.M. in lichtem Fichtenbestand ca 100-jähriger Bäume.
Wärmebegünstigte Lage nahe von Steilhängen und Felswänden. Ziemlich verfestigte Humusschicht namentlich aus Fichtennadelkompost und -streu, viel Schieferflitter bis Schiefersteinen (Bündnerschiefer) Boden schwach alkalisch-basisch =>Grund- bzw. Trinkwasser mit ca 37 französischen Härtegraden. 2) Auf den drei Präparationen fanden sich keine bzw. nur total drei schwach herausragende Keulchen mit den Abmessungen von 25-32 x 6-7My; habe selbst notiert - Keine Zystiden.

also dann mal meine Ideen und Initiativen:

1) den Schaeffer-Test auf deinem

Foto würde ich als negativ bezeichnen.

II)Besitze noch keine Erfahrung mit diesen Tests; umsomehr war die Freude gross, ein deutliches ziemlich freudiges Orange zu sehen. (Nicht aber rot dazwischen) Meinst du Lothar auch, dass dies einemSchäffer-Negativ entspricht?

Mal an eindeutigen Arvensisgruppe-Exemplaren durchgeführt, und positiv
würde eine leuchtend ziegelrote/feuerrote/orangerote Farbe sein, aber
nichts Blassorangegelbes wie auf deinem Foto.
2) die schöne rosa Färbung der Lamellen deutet für mich darauf hin, dass es
sich um einen "Röter" handelt.

III)Ein freudiges Rosa ändert sich schliesslich zu dunkelbraunen fast schwarzbraunen Lamellen

Junge "Gilber" haben

meist nur eine trüb graurosa Lamellenfarbe. Du hast geschrieben, dass du
einen Längsschnitt gemacht hast. Hast du davon ein Foto, mit dem man eine
eventuelle Rotverfärbung prüfen könnte?

IV)Ich nehme an, dass du unter Gilber AUSSEN GILBENDE ARTEN und die XANTHODERMATEI als zweite Sektion verstehst
Junge Pilze zeigen im Stielschnitt nur eine schwache Rosafärbung, im Hutfleisch weisslich; bei älteren Exemplaren ändert sich die Farbe Stielschnitt in Richtung blass- bis sehr fuchsrot => Fotos

3) den lappigen, herabhängenden Stielring sollte man auf jeden Fall würdigen

Weitere Foto mit hängendem Stielring und Stielschnitt ocker bis fuchsrot

4) wie dick und wie stabil (etwa wurzelartig?) sind denn die Rhizoiden? hängen sie nur an einem Exemplar oder an allen?

V) Weil das Habitat sehr verfestigt ist, lassen sich die Rhizoiden schlecht aus dem Boden lösen und zeigen sich etwa mit folgenden Abmessungen ab der Stielbasis: Maximal zwei bis drei pro Stiel mit 0,5 bis 2mm Anfangsdicke und ziemlich starre "Wurzeln"; Längen bis ca 1.5 cm sicher erkennbar, dies bei allen Fruchtkörpern mehr oder weniger bei sorgfältiger Entnahme.

4) Ich für meinen Teil würde bei den Rötern, nicht bei den Gilbern suchen. Falls am verletzten Fleisch keine eindeutige Rötung erfolgt, könnte man schon mal die silvicola/langei-Gruppe generell ausschließen, ebenso die Kompost-Gruppe wegen der fehlenden braunen Schuppen. So viel bleibt bei den Rötern nicht mehr übrig, eventuell was aus der albosericellus-Gruppe?

VI)Silvicola und Essetei? Klar, dürfen wir ausschliessen. Auch den Waldegerling A. silvaticus - Dessen Varietät Pallens hat zu lange Sporen, die Var. A. pallidus? Aussenrötungen gibt es keine und Aussengilbungen durch Schaben gibt es auch nicht. Huthaut sehr dicklich.

FG Oehrling

[image]

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Lothar, (vor 3922 Tagen) @ Mani walter

Hallo Mani,

Besitze noch keine Erfahrung mit diesen Tests; umsomehr war die Freude
gross, ein deutliches ziemlich freudiges Orange zu sehen. (Nicht aber rot
dazwischen) Meinst du Lothar auch, dass dies einemSchäffer-Negativ
entspricht?

... nein. Für mich sieht Dein Foto positiv aus. Die Reaktion fällt sicherlich kräftiger aus, wenn der Pilz ganz durchfeuchtet und frisch ist. Das war er wohl nicht mehr (?).
Das gleichzeitige Röten (?) und die positive Schaeffer-Reaktion ist ein seltenes Merkmal.

Wie gesagt: bevor ich mir etwas überlegen würde, würde ich die Lamellenschneide untersuchen und auch die Sporen messen.

LG von Lothar

P.S. Champignons sind eine sehr schwierige Gattung und Proben oft nicht klar bestimmbar.

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Mani walter, (vor 3922 Tagen) @ Lothar

Hoi Lothar

B.M. => Habe gemeint, dass ich von euch erwartete Merkmale bereits rüber gegeben habe.
A - ja - m. E. nochmals in Kürze

Die Sporendimensionen finden sich im Einstieg unter dem Datum des 6. Jan um 17.14h // => Sporen 6.5-7.25-8.5 x 4.7-5.35-6.1 My

Die gesuchte Info über die Umgebung und die // fehlenden // Zystiden finden sich unter dem Nachtrag des 7. Jan um 17.26h.

Betr. Lamellentrama kann ich nicht mithalten, ich bin (noch) nicht in der Lage sowas zu mikroskopieren.

So könnte man mal auf A. campester kommen, jedoch nur, wenn die Schäfferprobe negativ wäre.
Es könnte auch A. bresadolanus sein, hätte er auch feinste grauliche Schuppen und ... und wie reagiert dieser beim Schäffertest? Das fand ich bisher noch nicht. Auch im Flammer fehlt diese Spezies.

Danke mal bestens und mit Gruss Mani

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Lothar, (vor 3922 Tagen) @ Mani walter

Hallo Mani,

B.M. => Habe gemeint, dass ich von euch erwartete Merkmale bereits rüber
gegeben habe.
A - ja - m. E. nochmals in Kürze
Die Sporendimensionen finden sich im Einstieg unter dem Datum des 6. Jan um
17.14h // => Sporen 6.5-7.25-8.5 x 4.7-5.35-6.1 My
Die gesuchte Info über die Umgebung und die // fehlenden // Zystiden finden
sich unter dem Nachtrag des 7. Jan um 17.26h.

.... sorry - da war ich mal wieder zu flüchtig :-)

Ich werde morgen mal überlegen und in Schlüssel und Materialien schauen. Vielleicht melde ich mich dann nochmal. Falls ich mich nicht melde, dann liegt es daran, dass ich auch auf nichts Vernünftiges komme ...

LG von Lothar

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Mani walter, (vor 3922 Tagen) @ Lothar

Hallo Mani,
.... sorry - da war ich mal wieder zu flüchtig :-)
Ich werde morgen mal überlegen und in Schlüssel und Materialien schauen.
Vielleicht melde ich mich dann nochmal. Falls ich mich nicht melde, dann
liegt es daran, dass ich auch auf nichts Vernünftiges komme ...
LG von Lothar

Sali Lothar
Sehr nett von dir - ist nicht ganz einfach. Doch ich hoffe, dass die Deutsche Literatur abweichend von der Unseren, die Pilze etwas anders und vielleicht findiger strukturiert. Könnte ja sein.
So hatte ich einst z.B. drei eindeutige Funde als A. bresadolanus, A. radicatus und A. romagnesii kartiert. Doch nach Jahren, kürzlich, fand ich eine "Gleichung" für drei Unbekannte: Die Arten sind offenbar alle synonym. Whow!
Mach`s gut und vielen Dank - Gruss Mani

Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Mani walter, (vor 3920 Tagen) @ Stephan Weißer

Hoi Stephan
Ich habe nochmals eine Runde durchgeschlüsselt und dabei auch deine Gedanken einfliessen lassen.
Negativer Schäffer-Farbtest könnte man logischerweise als OHNE Änderung der Hutfarbe sehen, oder wenn die Haut z.B. schwarz würde, oder nicht?
Mit welchem Buch analysierst du deine Egerlinge? Ich verwende den alten M. Moser und Funga Nordica, neben anderen Büchern, die nicht so weit gehen.

So bin ich dann wieder an unterschiedlichen Orten gestrandet:
Relativ naheliegend, mit Teillösungen sind folgende Egerlinge.

A. altipes, A. bresadolanus, A. excellens und A. pseudopratensis.

Habe hier und dort in Erfahrung gebracht, dass Egerlinge nicht selten auch Zwischenprodukte hervorbringen?
Mit Dank und besten Grüssen Mani

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Stephan Weißer, (vor 3920 Tagen) @ Mani walter

Hallo Mani!

Negativer Schäffer-Farbtest könnte man logischerweise als OHNE Änderung der
Hutfarbe sehen, oder wenn die Haut z.B. schwarz würde, oder nicht?

Ich kann noch einmal wiederholen:
ein Schaeffer-Test auf einem von mir als eindeutig angesehen gilbenden, nach Anis oder Bittermandel riechenden Exemplar (A. arvensis-Aggregat) ergab nach wenigen Sekunden eine leuchtend feuerrote Farbe auf der gesamten Kreuzungsstelle. Das ist mein Bild von einer positiven Schaeffer-Reaktion.
Die Hutfarbe ändert sich meiner Erfahrung nach mit der Zeit immer: mal wird der Anilin-Teil rötlich, mal der HNO3-Teil gelblich usw.

zu deiner anderen Frage:
unter "Gilbern" verstehe ich gilbende, nach Anis oder Bittermandel riechende Arten (also auch Zwergchampignons, aber keine Karbolchampignons), "Röter" sind für mich die rötlich anlaufenden (oder auch nur leicht bräunlich anlaufenden), nicht nach Anis oder Bittermandel riechenden Arten.

Mit welchem Buch analysierst du deine Egerlinge? Ich verwende den alten M.
Moser und Funga Nordica, neben anderen Büchern, die nicht so weit gehen.

Funga Nordica habe ich auch, aber ich nahm bisher den Band 5 der Großpilze Baden-Württembergs. Seit ein paar Wochen habe ich "The Genus Agaricus in Britain" von Kibby, mit synoptischem Schlüssel, der mich leider bestimmungstechnisch ständig ins Nirwana führt, welches aber zumindest wohl aktuelle Artkonzepte beinhaltet, und wo aufgezeigt wird, dass man den gesundheitlich bedenklichen Schäffer-Test recht gut durch einen KOH-Test mit mindestens 5 - 10 % Konzentration ersetzen kann (positiv = lebhafte Gelbfärbung der Huthaut).

Relativ
naheliegend, mit Teillösungen sind folgende Egerlinge.
A. altipes, A. bresadolanus, A. excellens und A. pseudopratensis.

Ich habe anhand deiner Anfragefotos und der beschriebenen Merkmale meine beiden Hauptquellen durchgelesen und finde, dass von den dort angebotenen Arten A. litoralis einen gewissen Charme hat.

Habe hier und dort in Erfahrung gebracht, dass Egerlinge nicht selten auch
Zwischenprodukte hervorbringen?

Den Eindruck habe ich allerdings auch. Bisher habe ich noch nicht herausgefunden, welche der beschriebenen makroskopischen Merkmale tatsächlich so konstant sind, dass sie Bestimmungsrelevanz besitzen, und so lange sich das nicht ändert, stochere ich weiter im Agaricus-Nebel herum.

FG
Stephan

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Mani walter, (vor 3920 Tagen) @ Stephan Weißer

Salü Stephan
Vielen Dank für deine Mitteilung. Ja A. litoralis (Spissicaulis) hatte ich auch im Kreis der Möglichen eingeschlossen. Doch Da finde ich keine Angaben über den Schäffertest und der Meine hatte praktisch keine Zystiden. (Nur drei - doch die waren auch so klein)
Dann soll der in Wiesen event. Sanden gedeihen - doch wie soll dies gehen nahe 800 m hoher Felswände in einem Fichtenwald? Ja die Dänen sind zu beneiden- Hahaha....
Ausserdem weist Moser kleinere Sporen aus als FN und machten mich unsicher.
Nun also, schliessen wir mal diesen Kreis der Unbekannten und hoffen auf eine spätere Erleuchtung. Vielleicht ein Andermal wieder, gäll.

Vielen Dank nochmals und liebe Grüsse Mani

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Andreas ⌂, (vor 3919 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo,

nach wenigen Sekunden eine leuchtend
feuerrote Farbe auf der gesamten Kreuzungsstelle. Das ist mein Bild von
einer positiven Schaeffer-Reaktion.

genau!

und wo aufgezeigt wird, dass man den
gesundheitlich bedenklichen Schäffer-Test recht gut durch einen KOH-Test
mit mindestens 5 - 10 % Konzentration ersetzen kann (positiv = lebhafte
Gelbfärbung der Huthaut).

Das hast Du dann aber falsch verstanden! Man braucht BEIDE Tests. Es gibt Arten die sind sowohl Schäffer als auch KOH negativ, oder beides positiv, oder KOH positiv und Schäffer negativ und umgekehrt. Gerade BEIDE Reaktion zusammen können dir an einem kleinen Fetzen Huthaut sagen, ob der dazugehörige Champignon ein Karbol-Egerling war oder ein anderer!

Ich habe anhand deiner Anfragefotos und der beschriebenen Merkmale meine
beiden Hauptquellen durchgelesen und finde, dass von den dort angebotenen
Arten A. litoralis einen gewissen Charme hat.

Hmmm, dann sollte er aber wenigstens am Straßenrand der Autibahn oder so gewachsen haben ....

Den Eindruck habe ich allerdings auch. Bisher habe ich noch nicht
herausgefunden, welche der beschriebenen makroskopischen Merkmale
tatsächlich so konstant sind, dass sie Bestimmungsrelevanz besitzen, und
so lange sich das nicht ändert, stochere ich weiter im Agaricus-Nebel
herum.

Für mich ist Agaricus die schlimmste Gattung die die Blätterpilze zu bieten haben. Null vermünftige Unterschiede aber 100 Arten *diespinnendiemykologen*

beste Grüße,
Andreas

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Stephan Weißer, (vor 3919 Tagen) @ Andreas

Das hast Du dann aber falsch verstanden! Man braucht BEIDE Tests. Es gibt
Arten die sind sowohl Schäffer als auch KOH negativ, oder beides positiv,
oder KOH positiv und Schäffer negativ und umgekehrt. Gerade BEIDE Reaktion
zusammen können dir an einem kleinen Fetzen Huthaut sagen, ob der
dazugehörige Champignon ein Karbol-Egerling war oder ein anderer!

Hallo Andreas,

ja, bei dieser Frage hast du auf jeden Fall recht. Die Xanthodermatei ("Karbolchampignon-Gruppe") sind Schäffer-negativ, aber KOH-positiv. Das ist eine echt geniale Methode, wenn man als PSV ins Krankenhaus gerufen wird!

Die Minores ("Anis- und Zwergchampignon-Gruppe") dagegen sind Schäffer-positiv, aber auch KOH-positiv. Und die Röter sind mit Ausnahme von A. bohusii (selten und nach dem KIBBY-Foto rein optisch wohl leicht erkennbar) und den drei Spissicaules (alle mit Rhizoiden an der Stielbasis) allesamt Schäffer-negativ, aber auch KOH-negativ.
(Quelle: KIBBY)

Ich habe das so verstanden: wenn man beim Bestimmen eines intakten Champignons Tintengeruch im Fleisch bzw. starke Gelbfärbung der Stielbasis schon ausschließen konnte, und sich dann entscheiden müsste, ob es sich um einen Minores oder um einen der "Röter" handelt (eine beim Bestimmen von Champignons häufige Situation!), dann würde ein KOH-Test genügen, wollte man "Schäffer" vermeiden - außer es handelt sich um die vier genannten Ausnahmen. Daher meine Einschränkung "recht gut".

Freundliche Grüße und deiner Familie ein gutes neues Jahr
Stephan

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Andreas ⌂, (vor 3919 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

ja, klar, insofern hast Du recht: Es gibt genügend Fällen beim bestimmen, da wird dir die chemische reaktion auch nicht weiterhelfen, weil die Gruppe eh klar ist. Einen gilbenden nach Bittermandel riechenden Pilz muss ich auch nicht mit Chemie traktieren, der ist eh positiv.
Das gilt aber sowohl für KOH als auch für Schäffers, je nachdem um welche Gruppe es geht.

beste Grüße,
Andreas

Ich hab auch so einen Fall

Birgit, (vor 3919 Tagen) @ Lothar

Hallo Lothar, hallo Mani,

ich hab auch so einen merkwürdigen Champignon auf Halde liegen.


Das gleichzeitige Röten (?) und die positive Schaeffer-Reaktion ist ein
seltenes Merkmal.

Gibts denn Agaricus-Arten, die röten und eine positive Scheaffer-Reaktion haben?
In meinem Fall wars ein schwach gilbender Hut mit positiver Schaeffer-Reaktion und ein flüchtiges, aber deutliches Röten im Querschnitt in der Stielspitze. Das Röten war aber sehr schnell wieder weg. Mit den mir zugänglichen SChlüsseln fliege ich mit der Kombination von Röten und positiver SChaeffer Reaktion immer raus. Wenn Interesse bestünde, könnte ich nochmal einen eigenen Thread aufmachen, damit ich nicht Manis Thread hier kaputtmache.

liebe Grüße

Birgit

Re: Ich hab auch so einen Fall

Andreas ⌂, (vor 3919 Tagen) @ Birgit

Hallo Lothar, hallo Mani,
ich hab auch so einen merkwürdigen Champignon auf Halde liegen.
Gibts denn Agaricus-Arten, die röten und eine positive Scheaffer-Reaktion
haben?
In meinem Fall wars ein schwach gilbender Hut mit positiver
Schaeffer-Reaktion und ein flüchtiges, aber deutliches Röten im
Querschnitt in der Stielspitze. Das Röten war aber sehr schnell wieder
weg. Mit den mir zugänglichen SChlüsseln fliege ich mit der Kombination
von Röten und positiver SChaeffer Reaktion immer raus. Wenn Interesse
bestünde, könnte ich nochmal einen eigenen Thread aufmachen, damit ich
nicht Manis Thread hier kaputtmache.
liebe Grüße
Birgit

Hallo,

gilben auf dem Hut und leichtes Röten im Stielfleisch klingt nach Agaricus albosericellus (=albosericeus, =aestivalis - meist synonymisiert mit alitpes).

beste Grüße,
Andreas

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Mani walter, (vor 3918 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Kolleginnen und Kollegen
Da habe ich ja etwas angezettelt. Ich komme so ja nicht mehr zum Schlafen.
Unterdessen habe ich in Italien etwas rumgegoogelt und stiess auf eine Diskussion mit im Fleisch ebenfalls extrem rotreagierenden Egerlingen. Hier dreht sich das ganze Thema um eine Spezies (Schweiz-1700m-wo?) innerhalb der Synonymität von A. litoralis = A. spissicaulis und A. maskae - das Folgende müsst ihr m.E. mal einsehen
Nun frage ich mich auch, was wäre zu tun, wenn dieser Pilz wenigstens als Unbekannt in die Akten einfliessen soll. Doch da sollte ich wohl in der CH DIE kompetente Kontaktperson finden, nicht wahr? Zwei Exsikkate sind vorhanden.
Beste Grüsse Mani

Re: Ich hab auch so einen Fall - Agaricus

Birgit, (vor 3916 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

gilben auf dem Hut und leichtes Röten im Stielfleisch klingt nach Agaricus
albosericellus (=albosericeus, =aestivalis - meist synonymisiert mit
alitpes).

danke für den Tip. Ich hab jetzt sowohl in den Großpilzen Ba-Wü als auch im Ludwig Agaricus albosericellus bzw. A. altipes genau angeschaut. Die Beschreibung des rötenden Stielfleischs und des gilbenden Huts passt wie die Faust aufs Auge. Leider passt aber die Ökologie nicht (was Du ja nicht wissen konntest), die Pilze stammen aus dem Kiesental bei Ulm von einer basischen Wacholderheide, direkt in der Nähe eines Wacholders. A. albosericellus soll im Widerspruch dazu ja gerne im basischen Fichtenwald wohnen. Laut Ludwig soll die Schaeffer-Reaktion bei A. altipes negativ sein, bei meinem Pilz war sie eindeutig positiv (auf dem Hut) - nämlich tomatenrot. Ausserdem meine ich bei meinem Pilz Cheilozystiden gesehen zu haben, die Agaricus altipes nicht haben soll. Das könnte ich aber am Exsikkat nochmal nachprüfen. Zusätzlich haben meine Pilze einen Stiel, der höchstens so lang wie der Hutdurchmesser ist.

Interessant ist, wo ich lande, wenn ich den Schlüssel in den Großpilzen BaWüs verwende. Da lande ich ziemlich direkt (gilbende Arten und Schaeffer-Reaktion positiv) bei Agaricus litoralis oder Agaricus macrosporoides. Agaricus litoralis passt makrokopisch nicht so ganz, soll auch nur in der Stielbasis eine positive Schaeffer-Reaktion haben können, auf dem Hut eher nicht. A. macrosporoides scheint bisher nur von der ungarischen Salzsteppe bekannt zu sein?

Ich häng jetzt doch mal ein Bildchen an, vielleicht fällt Dir oder jemand Anderem ja noch was ein dazu. Schnittbild gibts leider keins, das Röten im Schnitt war auch flüchtig und nur kurz zu sehen. Sporengröße war 6,7x5,1 µm, Cheilozystiden sind vorhanden.

liebe Grüße

Birgit

[image]

Re: Ich hab auch so einen Fall - Agaricus

Andreas ⌂, (vor 3914 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,

wenn die Schäffer-Reaktion stark positiv war (tomatenrot hab ich die noch gar nie gesehen ... feurig orange ja, aber nie rot) dann ist es auf jeden Fall was anderes. Zwar darf albosericellus eine schwach orange Reaktion zeigen nach LUDWIG, aber nicht stark positiv.

Aber sich mit Champignons anders zu beschäftigen als sie zu braten ist eh sinnlos *gg*

beste Grüße,
Andreas

Hallo Andreas,
danke für den Tip. Ich hab jetzt sowohl in den Großpilzen Ba-Wü als auch im
Ludwig Agaricus albosericellus bzw. A. altipes genau angeschaut. Die
Beschreibung des rötenden Stielfleischs und des gilbenden Huts passt wie
die Faust aufs Auge. Leider passt aber die Ökologie nicht (was Du ja nicht
wissen konntest), die Pilze stammen aus dem Kiesental bei Ulm von einer
basischen Wacholderheide, direkt in der Nähe eines Wacholders. A.
albosericellus soll im Widerspruch dazu ja gerne im basischen Fichtenwald
wohnen. Laut Ludwig soll die Schaeffer-Reaktion bei A. altipes negativ
sein, bei meinem Pilz war sie eindeutig positiv (auf dem Hut) - nämlich
tomatenrot. Ausserdem meine ich bei meinem Pilz Cheilozystiden gesehen zu
haben, die Agaricus altipes nicht haben soll. Das könnte ich aber am
Exsikkat nochmal nachprüfen. Zusätzlich haben meine Pilze einen Stiel, der
höchstens so lang wie der Hutdurchmesser ist.
Interessant ist, wo ich lande, wenn ich den Schlüssel in den Großpilzen BaWüs
verwende. Da lande ich ziemlich direkt (gilbende Arten und
Schaeffer-Reaktion positiv) bei Agaricus litoralis oder Agaricus
macrosporoides. Agaricus litoralis passt makrokopisch nicht so ganz, soll
auch nur in der Stielbasis eine positive Schaeffer-Reaktion haben können,
auf dem Hut eher nicht. A. macrosporoides scheint bisher nur von der
ungarischen Salzsteppe bekannt zu sein?
Ich häng jetzt doch mal ein Bildchen an, vielleicht fällt Dir oder jemand
Anderem ja noch was ein dazu. Schnittbild gibts leider keins, das Röten im
Schnitt war auch flüchtig und nur kurz zu sehen. Sporengröße war 6,7x5,1
µm, Cheilozystiden sind vorhanden.
liebe Grüße
Birgit

Re: Ich hab auch so einen Fall - Agaricus

Birgit, (vor 3913 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

danke für Deine Nachricht.

wenn die Schäffer-Reaktion stark positiv war (tomatenrot hab ich die noch gar
nie gesehen ... feurig orange ja, aber nie rot) dann ist es auf jeden Fall
was anderes. Zwar darf albosericellus eine schwach orange Reaktion zeigen
nach LUDWIG, aber nicht stark positiv.

Naja, Mykologen haben teilweise ein recht eigenes Farbempfinden ;-). Dachpilzsporen sind in meinen Augen auch nicht rosa ;-), irgendwer (ich glaub Walter Pätzold) hat das mal als mykologenrosa bezeichnet ;-).
Bei dem Agaricus wars jedenfalls ein helles kräftiges Rot, nicht so weit weg von einem feurigen Orange. ;-)

Aber sich mit Champignons anders zu beschäftigen als sie zu braten ist eh
sinnlos *gg*

Das hast Du doch aber scheinbar mal getan, weil Du im Ludwig als Autor A. albosericellus angegeben bist.

liebe Grüße

Birgit

Re: Ich hab auch so einen Fall - Agaricus

Andreas ⌂, (vor 3912 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,

Das hast Du doch aber scheinbar mal getan, weil Du im Ludwig als Autor A.
albosericellus angegeben bist.

naja, manchmal kann man manchen Dingen nicht aus dem Weg gehen - für die Ba.-Wü.-Flora musste ich Agaricus halt bearbeiten, konnte die gattung ja schlecht weglassen ....

beste Grüße,
Andreas

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

leofelsle, (vor 3912 Tagen) @ Mani walter

Salü Stephan
Vielen Dank für deine Mitteilung. Ja A. litoralis (Spissicaulis) hatte ich
auch im Kreis der Möglichen eingeschlossen. Doch Da finde ich keine
Angaben über den Schäffertest
Vielen Dank nochmals und liebe Grüsse Mani

hallo Stephan und Mani,
in "Agaricus L." von L.A.P. Sanchez aus der Reihe Fungi Europaei (was haltet ihr von dem Werk?) findet sich der Hinweis, dass das Ergebnis des Schäffer-Tests bei A. litoralis sehr variabel sei. Fast nie positiv auf dem Hut, normalerweise negativ auf frischen Fruchtkörpern, manchmal positiv nach einem Tag, positiv orange an der Stielbasis und rot-orange an den Rhizoiden. KOH-Reaktion negativ.
Gruß
Michael

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Stephan Weißer, (vor 3911 Tagen) @ leofelsle

"Agaricus L." von L.A.P. Sanchez aus der Reihe Fungi Europaei
(was haltet ihr von dem Werk?)

Hallo Michael,
leider kenne ich das Buch nur von außen (bzw. weiß, dass und wo es das gibt). In Sachen Agaricus fehlt mir wie ich schon geschrieben habe ohnehin noch der Durchblick. Auch die Agaricus-Bearbeitung von Kibby hat nicht dazu geführt.
Zwar denke ich mir oft beim Betrachten von Agaricus-Fotos in Büchern: irgendwo hast du die doch schon gefunden - aber leider funktioniert das umgekehrt nicht so gut: bei einem von mir gefundenen Champignon jenseits der Banal-Arten eine zu 90 % stimmige Beschreibung samt Foto zu finden. Insofern gebe ich Andreas recht: bei keiner anderen Gattung lande ich so oft im unbefriedigenden Bestimmungsnirwana wie bei Agaricus.
FG
Stephan

Re: Aufarbeitung Egerling - Hilfe ersucht

Mani walter, (vor 3911 Tagen) @ leofelsle

Hoi Michael und liebe Pilzner/innen
Als wohl etwas südlich-abseits lebender Pilzfreund habe ich gerne eure Gedanken auch schriftlich erfasst. Und hoffe nun sehr, dass sich diese Egerlinge hier nochmals in genügender Anzahl zeigen werden. Dann werde ich nochmals von vorne beginnen, haben sich doch hier oder dort gewisse Abweichungen eingeschlichen. Z.B. Sammlung von Erkennungsmerkmalen oder meine etwas lückenhafte Vorgehensweise bei den Untersuchungen.
Nichtdestotritz befriedigen einmal der nun ziemlich sichere Fund von Agaricus bresadolanus und die Feststellung, dass noch ein kräftiger weisser Egerling existieren muss, dessen Stielquerschnitt ein freudiges Rotocker zeigt.
Auch bin ich zufrieden darüber, dass ich diese zu keiner Zeit mit essbaren Exemplaren verwechselt habe.
In 40 Jahren erlaube ich mir, dies nachzuholen! Hahahah....
Mit vielem Dank an alle euch und beste Grüsse Mani