Re: Normalverteilung

Krötenhocker, (vor 466 Tagen) @ Peter

Hallo Peter,

ich glaube auch nicht mehr an einen Konsens. Konsens wäre aber auch nicht nötig, wenn sinnvolle Ideen vorhanden wären. So muß ich mir alle Ideen alleine anlesen oder aus den "Fingern saugen". Wenn ich nicht dikutiere, bleibe ich auf "meinem Mist" sitzen. Das regt die gestalterische Ideengebung nicht gerade an.

Häufig werden bei Pilzen 20 Sporen gemessen und aus diesen Maßen die
„gefühlte“ Variationsbreite angegeben, z. B. 8-10 x 5-6,5 µm.
Ausreißer/Maximalwerte kann man in Klammern davor und dahinter setzen.

Ja, "gefühlt" ist null biologisch wissenschaftlich. Ich hatte es schon geschrieben. Die Angaben sind nicht falsifizierbar, also nicht widerlegbar. So gesehen eben nur rein unterhaltend und damit man mal eine Richtung vorgibt.
Wenn man sich statistisch einliest, wird übrigens Ausreißer und Maximalwert wild durcheinander publiziert und in der Regel nicht unterschieden. Ich differnziere da: Ausreißer ist durch Ausreißertests erkannt. Maximalwert ist ein Wert ausserhalb der Populationsgrenzen, welcher nicht durch Ausreißertests als Ausreißer erkannt wurde.

Dass Mathematiker damit nicht ganz zufrieden sind, liegt auf der Hand. Man
möchte „objektivere“ Zahlen haben. Dazu mathematische Wege der
Wahrscheinlichkeitsrechnung/Statistik zu benutzen ist naheliegend. Dies
wird auch zunehmend praktiziert, was man an den Angaben in Publikationen
ablesen kann. Dann erscheinen in den Ergebnissen außer der Bandbreite mit
Nachkommastelle(n) zusätzlich Mittelwerte, Volumenwerte, Q-Werte und
anderes mehr.

Ja, richtig. Aber bei vielen Publikationen ist das nicht viel besser als, statt wie in deinem Beispiel 8-10 µm, jetzt 8-9-10 µm anzugeben. Es fehlt fast grundsätzlich die Verteilungsannahme und die Standardabweichung (oft SD = Standard Deviation) genannt. Oft ist der Mittelwert auch nicht in der Mitte der Angaben, was schon mal die Normalverteilung aus welchen Gründen auch immer ausschliesst. Wenn man die Populationsgrenzen und den Mittelwert und n angibt, kann man (wenn man das Populationsniveau (also z.B. 95%) auch mit angibt, auf die meisten wichtigen Werte für zukünftige Berechnungen zurückrechnen. Also z.B. die Variation oder das Konfidenzintervall des Mittewertes.
Wofür macht man die Angabe von Q und Volumen? Wenn man damit eine mathematische Vergleichbarkeit möglich machen möchte, fehlen, wie oben angegeben, die beschreibenden Variablen. Das ist ein Grund, warum ich in der Datenbank gerne die kompletten Datensätze hätte. Samff in der jetzigen Version schmeißt auch keine Daten mehr raus (Ausreißertests). Sie werden getrennt angegeben, aber eben nicht mit berechnet. Natürlich kann man auch alle Daten des jeweiligen Datensatzes berechnen lassen. Man muß die Aureißer ja immer noch manuell ausschließen. Ich habe übrigens Datensätze von Andreas G., welche trotz Ausreißern schon als normalverteilt angesehen werden. Spannend!
Aber ich kann nicht alles auf einmal machen. Ich werde versuchen, ein Werkzeug bereit zu stellen, welches auch Mittelwertvergleiche und ANOVA und ? ermöglicht, um Unterschiede in den Messreihen falsifizierbar beschreibbar zu machen.

Der Wille, die Sporenmaße irgendwie exakter fassen zu können, ist die
treibende Kraft. Und wenn ein mathematisches Programm in dieser Richtung
einen Mehrwert bedeutet, sollte man dieses Instrument nutzen.

Das ist nett gesagt. Das bisherige Smaff wird jedenfalls fast nirgendwo benutzt. Sonst würden die publizierten MaßAngaben nicht so dermaßen unerklärbar oder eben schlecht beschrieben bleiben.

Pilze sind "biologische Wesen" und werden nicht allein durch
Sporenmaße bestimmt. Man wird ein Intervall (egal wie erstellt) angeben
können, in dem sich (normalerweise!) die Sporenmaße bewegen – mehr nicht.
Benutzen viele Leute solche Programme, werden die Werte vergleichbarer.
Die Genauigkeit dieser Angaben kann (wird?) durch Smaff oder ähnliche
Programme verbessert werden.

Genau! Aber diesmal werde ich mit Smaff versuchen, die Daten auch zu sammeln. Die DGfM wollte mir keinen Teil einer Datenbank zur Verfügung stellen. Ich werde es selber machen müssen.

Aber eines sollte nicht in Vergessenheit geraten: Um Pilze sicher bestimmen
zu können ist die Gesamtheit der Merkmale nötig und nicht allein die
Sporenmaße.

Ja, die gesamte Morphologie und die Erfahrung spielen, wie auch die Genetik die wichtigste Rolle. Smaff kann nur dabei helfen, die Messdaten besser zu verstehen , einzuordenen und faslifizierbare Aussagen in Publikationen zu ermöglichen. Und natürlich zukünftige Fragen zu beantworten, wenn die Datenbank mit ihrer Datengrundlage das ermöglicht.

Es geht ja auch noch um andere Daten. Basidien oder Zystiden oder ... Wenn man sie falsifizierbar beschreiben möchte, braucht man die Statitik. Sonst kann man später nur pseudowissenschaftlich Behauptungen aufstellen, wie: a ist größer als b. Sofern a und b nicht korrekt vorher geschätzt wurden, macht das keinen Sinn. Denn wir reden hier nie über absolute Grenzen. Dafür müsste man immer Alle messen. Wir reden hier über den Umgang mit Stichproben.

VG, Jens


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