Boletus edulis-aereus- aestivalis-pinophilus

Peter Reiter, (vor 8509 Tagen)

Hallo Pilzfreunde,
habe die letzten Wochen des öfteren Steinpilze gesehen, die mir bei der makroskopischen Bestimmung Schwierigkeiten bereiteten. Leider habe ich bisher nur wenige Sommersteinpilze gesehen, B aereus erst ein einziges Mal und den Kiefern-Steinpilz noch nie.
Laut Breitenbach-Kränzlin gibt es bei diesen 3 "Arten" mikroskopisch keine eindeutigen Trennungsmerkmale. Weiterhin lese ich dort, dass B. pinophilus auch unter Picea und Abies vorkommt. Boletus edulis fand ich schon in reinen Altbuchenbeständen (Hallenbuchenwald) und da habe ich intensiv nach Fichten gesucht und keine gefunden. Mit der Ökologie habe ich da auch so meine Probleme. Wie verhält es sich nun mit diesen Pilzen. Sind es echte Arten oder nur Varietäten? Gibt es hinsichtlich der Mykorrhiza-Morphologie Unterschiede?

Gruß, Peter

Eintrag gesperrt

Re: Boletus edulis-aereus- aestivalis-pinophilus

Huperzia ⌂, (vor 8509 Tagen) @ Peter Reiter

Hallo Pilzfreunde,
habe die letzten Wochen des öfteren Steinpilze gesehen, die mir bei der
makroskopischen Bestimmung Schwierigkeiten bereiteten. Leider habe ich
bisher nur wenige Sommersteinpilze gesehen, B aereus erst ein einziges Mal
und den Kiefern-Steinpilz noch nie.
Laut Breitenbach-Kränzlin gibt es bei diesen 3 "Arten"
mikroskopisch keine eindeutigen Trennungsmerkmale. Weiterhin lese ich
dort, dass B. pinophilus auch unter Picea und Abies vorkommt. Boletus
edulis fand ich schon in reinen Altbuchenbeständen (Hallenbuchenwald) und
da habe ich intensiv nach Fichten gesucht und keine gefunden. Mit der
Ökologie habe ich da auch so meine Probleme. Wie verhält es sich nun mit
diesen Pilzen. Sind es echte Arten oder nur Varietäten? Gibt es
hinsichtlich der Mykorrhiza-Morphologie Unterschiede?
Gruß, Peter

Hallo Peter,

abgesehen von Farbunterschieden gibt es im Aufbau der Hutoberfläche deutliche makro- und mikroskopische Unterschiede. Der Sommersteinpilz hat z.B. eine feinfilzige, fast wildlederartige Huthaut, der Fichtensteinpilz (edulis) und mehr noch der Kiefernsteinpilz haben eine glatte, fast speckige Oberfläche, die bei Nässe auch etwas aufquillt.
Beim Sommersteinpilz geht das Netz meistens +/- bis zur Stielbasis und ist eher bräunlich. Beim Fichtensteinpilz geht es nur bis zur Hälfte und ist weiß. Der aereus hat sehr dunkel braune Hüte, der Rotton fehlt diesem Braun.
Ökologisch gesehen gilt wohl folgendes:
B. aereus: Buche und Eiche, relativ wärmeliebend, schwach sauer bis neutrale (auch kalkhaltige? Böden.
B. reticulatus: Buche, Eiche, Linde, sauer bis neutral. Hab die Art auch ein Mal in einer reinen Fichtenaufforstung gesehen, allerdings war dort 15 Jahre vorher ein Eichen-Hainbuchenwald gestanden ....
B.pinophilus: Kiefer, sehr selten Fichte, auf sandigen, eher armen, eher sauren Böden
B. edulis: Unter Fichte und Buche (und Birke?), auf sauren Böden. Habe die Art auch einmal in einem Magerrasen unter Eiche gefunden, aber das ist sicherlich eine große Ausnahme.
B. betulicola: Unter Birke, sieht dem Sommersteinpilz ähnlicher als dem Fichtensteinpilz. Nicht gut geklärte Art meiner Meinung nach, aber wohl existent.

Christoph kann dazu sicher genaueres sagen.

Beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt

Zum Birkensteinpilz

Peter K., (vor 8508 Tagen) @ Huperzia

B. betulicola: Unter Birke, sieht dem Sommersteinpilz ähnlicher als dem
Fichtensteinpilz. Nicht gut geklärte Art meiner Meinung nach, aber wohl
existent.
Christoph kann dazu sicher genaueres sagen.

Den Birkensteinpilz haben wir mit Christoph in der Sibirischen Taiga einige Male angetroffen. Dort hat er mehr dem Fichtensteinpilz als dem Sommersteinpilz
geähnelt. Auffällig waren die gelbbraunen Hutfarben. Die Verbreitung liegt ja mehr in Nord- und Osteuropa. Falls jemand mal einen 'Birkensteinpilz' in Deutschland findet, wär das sicher ein interessanter Fund. Vielleicht kann Christoph mal ein Bild scannen. Wir haben dort noch analog fotografiert.

Gruß, Peter

Eintrag gesperrt

Re: Zum Birkensteinpilz

Frank Adam, (vor 8508 Tagen) @ Peter K.

Hallo,
habe noch ein Bild von B.betulicola gefunden

www.grzyby.pl

Rechts unten >over 800 direct links....< anklicken und
dann unter B. betuilcola schauen.

MfG.: Frenki

Eintrag gesperrt

Re: Zum Birkensteinpilz

Peter K., (vor 8508 Tagen) @ Frank Adam

Hallo,
habe noch ein Bild von B.betulicola gefunden
www.grzyby.pl
Rechts unten >over 800 direct links....

Hallo Frank,

das Bild ist leider wenig aussagekräftig. Dafür aber der link sehr interessant.

Gruß, Peter

Eintrag gesperrt

Re: Zum Birkensteinpilz

Frank Adam, (vor 8508 Tagen) @ Peter K.

Hallo Frank,
das Bild ist leider wenig aussagekräftig. Dafür aber der link sehr
interessant.
Gruß, Peter

Ja, ich weiß, zumal der halbe Fruchtkörper " weggeknuspert" ist. ;)
Frenki

Eintrag gesperrt

Re: Boletus edulis-aereus- aestivalis-pinophilus

Werner E., (vor 8508 Tagen) @ Huperzia

Servus Peter und Andreas,

B.pinophilus: Kiefer, sehr selten Fichte, auf sandigen, eher armen, eher
sauren Böden

B.pinophilus ist sicher nicht an Kiefer gebunden.
In kieferfreien Bergnadelwäldern auf Urgestein, wie z.B. im Zillertal, wächst B. pinophilus oft bei Fichten.
Er ist natürlich nicht so häufig wie B. edulis, er kann dort aber bestimmt als häufige Art bezeichnet werden.

Gruß Werner E.

Eintrag gesperrt

Re: Boletus edulis-aereus- aestivalis-pinophilus

Kazuya, (vor 8507 Tagen) @ Peter Reiter

Hallo,
ich habe bislang nur edulis und aestivalis (reticulatus) für die Nordeiffel feststellen können. B. aereus und pinophilus scheinen weiter südlich häufiger zu sein.
Boletus edulis ist ein typischer Begleiter saurer (zumindest oberflächlich) Fichtenwälder. Er kann jedoch auch in reinen Laubwäldern, meist Rotbuchenwäldern, nachgewiesen werden.
Boletus aestivalis kann meines Wissens nur bei Quercus gefunden werden. Hierbei handelt es sich um eine Art, die mehr lichte, z.T. auch steinige Eichenwälder bevorzugt.
Boletus aereus ist ein Bewohner in kalkreichen Buchenwäldern, die irgendwie wärmbegünstigt sind.
Bolets pinophilus kann unter Kiefern wachsen, ich hab jedoch auch schon von Funden gehört, bei denen der Pilz auch unter Laubbäumen gefunden wurde. Wahrscheinlich mag auch diese Art eher kalkige Böden.
Viele Grüße,
Kazuya

Eintrag gesperrt

Re: Boletus edulis-aereus- aestivalis-pinophilus

Werner Oswald, (vor 8507 Tagen) @ Kazuya

Hallo,
ich habe bislang nur edulis und aestivalis (reticulatus) für die Nordeiffel
feststellen können. B. aereus und pinophilus scheinen weiter südlich
häufiger zu sein.
Boletus edulis ist ein typischer Begleiter saurer (zumindest oberflächlich)
Fichtenwälder. Er kann jedoch auch in reinen Laubwäldern, meist
Rotbuchenwäldern, nachgewiesen werden.
Boletus aestivalis kann meines Wissens nur bei Quercus gefunden werden.
Hierbei handelt es sich um eine Art, die mehr lichte, z.T. auch steinige
Eichenwälder bevorzugt.
Boletus aereus ist ein Bewohner in kalkreichen Buchenwäldern, die irgendwie
wärmbegünstigt sind.
Bolets pinophilus kann unter Kiefern wachsen, ich hab jedoch auch schon von
Funden gehört, bei denen der Pilz auch unter Laubbäumen gefunden wurde.
Wahrscheinlich mag auch diese Art eher kalkige Böden.
Viele Grüße,

Hallo Kazuya,

deine Standortangaben von B.aestivalis(reticulatus)u. B.pinophilus kann ich nicht ganz teilen. So findet man bei uns den Sommersteinpilz sehr häufig auch bei Fichten, wo weit u. breit kein Laubbaum zu sehen ist. Der Kiefernsteinpilz bevorzugt zumindest bei uns saure Böden u. meine häufigsten Funde im Tiroler Kaunertal sind ebenfalls unter Fichten.
Soll nicht schulmeisterlich sein, sind lediglich meine Erfahrungen.

Grüsse, Werner O.

Eintrag gesperrt

Re: Boletus edulis-aereus- aestivalis-pinophilus

Werner E., (vor 8507 Tagen) @ Kazuya

Servus Kazuja,

Boletus aestivalis kann meines Wissens nur bei Quercus gefunden werden.
Hierbei handelt es sich um eine Art, die mehr lichte, z.T. auch steinige
Eichenwälder bevorzugt.

Ich finde ausnahmslos alle meine Sommersteinpilze im Buchenwald.
Er wächst natürlich auch bei Eichen.

Gruß Werner E.

Eintrag gesperrt

Re: Boletus edulis-aereus- aestivalis-pinophilus

Christoph ⌂, (vor 8507 Tagen) @ Kazuya

Hallo zusammen, hallo Kazuya,

Huperzia (und andere) hat ja schon einiges geschrieben, wo ich nicht allzuviel mehr beitragen kann. Dass der Sommersteinpilz besonders in Buchenwäldern wächst, hatt ich schonmal geschrieben, ich glaube sogar einmal auf Kazuyas Bemerkung, er wachse nur bei Eiche... Selbst im Berfichtenwald kann man Sommersteinpilze finden.

Mikroskopisch geht viel, Pilze der Schweiz haben das zu sehr vereinfacht... Aber ich denke, vor allem die Makroskopie ist hier interessant für die Forumsteilnehmer.

Wie schon geschrieben wurde: Sommersteinpilz - samitgere Huthaut als normale Steinpilze, trocken, schnell fein areoliert aufreißend, Stiel meist mit hellem Braun als Grundton, Netz im Alter meist dunkler als Stielgrund. Hitfarbe variabel, von Milchkaffe mit viel Milch über graulich bis zu hellbraun, dunkelbraun, kastanienbraun, rotbraun, sogar bis fast schwarz!
Erscheinungszeit: Mai bis November. Ökologie: bodenvag, auf Kalk wie auf sauren Böden. Überall häufig? In Niedersachsen auf der Roten Liste, in Bayern sehr häufig. Baumpartner: Buche (Hauptwirt), Eiche, Fichte...

Fichtensteinpilz - allgemein bekannt: Hut deutlich schmierig wenn feucht, gerne mit schmaler, weißer Hutkante, im Alter Hut uneben, etwas buckelig. Stiel meist sehr hell, weißes Netz auf hellem Grund. Poren schneller gelbgrün als bei den "Laubwaldsteinpilzen" B. aestivalis und B. aereus.
Erscheinungszeit: Juni-November
Öko: nur auf sauren Böden, über Kalk nur bei dicker Nadelstreu, wos oberflächlich sauer ist.
Baumpartner: Fichte (Hauptwirt), Buche, Eiche, Kiefer, Birke, (Cistrose?)

Kiefernsteinpilz: Hut rotbraun, selten auch ohne Rottöne, Hut deutlich buckelig (feine Buckelchen), jung sehr stark weiß überreift, fast über den ganzen Hut. Hut feucht auch etwas schleimig, Huthaut glatt. Stiel hell bräunlich. Hat in der HDS auffällig breite Zellen...
Erscheinungszeit: sehr früh, ab Mai bis November
Baumpartner: Kiefer (Hauptwirt), auch unter Fichte, selten bei Eiche.
Nur auf tiefgründig sauren Böden.

Schwarzer Steinpilz:
Hut jung fast schwarz, mit dichtem, fast areoliert schuppigem "Reif", Hut sehr fein samtig, alt völlig verkahlend; Hutfarbe jung fast schwarz, dann pinktuell heller werdend, sprich mit auffällugen, bernsteinfarbigen Aufhellungsbereichen, ganz alt auch mal mehr Bernstein als Schwarz (bei Bol. mamorensis z.B. wir der Hut erst im Alter richtig dunkel). Stiel auffällig hellbraun. Vorkommen: saure Böden, sehr wärmefordernd (mediterraner Verbreitungsschwerpunkt), Massenpilz im Apeninn auf Silikat unter Castanea, auch auf Istrien im Tonnenmaßstab, aber vor allem im inneren der Kalkkarsthalbinsel, wo der Kalk von saurem Humus überdeckt wird. Baumpartner: Eiche, Buche, Esskastanie... also Fagaceae

Meine Geschmacksgewichtung:
Nadelwaldsteinpilze (B. edulis, B. pinophilus) sind viel besser als die labbrigen, weichen Sommersteinpilze. Bol. aereus ist bei uns schutzwürdig, habe ihn aber in Spanien gefuttert - war enttäuscht.
Mit schmecken Hexenröhrlinge eh besser als Steinpilze, vor allem Bol. luridus.

Grüße an alle Steinpilzfreunde
Christoph

Hallo,

ich habe bislang nur edulis und aestivalis (reticulatus) für die Nordeiffel
feststellen können. B. aereus und pinophilus scheinen weiter südlich
häufiger zu sein.
Boletus edulis ist ein typischer Begleiter saurer (zumindest oberflächlich)
Fichtenwälder. Er kann jedoch auch in reinen Laubwäldern, meist
Rotbuchenwäldern, nachgewiesen werden.
Boletus aestivalis kann meines Wissens nur bei Quercus gefunden werden.
Hierbei handelt es sich um eine Art, die mehr lichte, z.T. auch steinige
Eichenwälder bevorzugt.
Boletus aereus ist ein Bewohner in kalkreichen Buchenwäldern, die irgendwie
wärmbegünstigt sind.
Bolets pinophilus kann unter Kiefern wachsen, ich hab jedoch auch schon von
Funden gehört, bei denen der Pilz auch unter Laubbäumen gefunden wurde.
Wahrscheinlich mag auch diese Art eher kalkige Böden.
Viele Grüße,
Kazuya

Eintrag gesperrt

Re: Boletus edulis-aereus- aestivalis-pinophilus

Stinkmorcheling ⌂, (vor 8507 Tagen) @ Peter Reiter

Hallo Pilzfreunde,

habe B. pinophilus einmal in einem Laubwald mit Buchen und Eichen gefunden. Im selben Waldstück gibt's auch B. aereus.

mfg Stinkmorcheling

Hallo Pilzfreunde,
habe die letzten Wochen des öfteren Steinpilze gesehen, die mir bei der
makroskopischen Bestimmung Schwierigkeiten bereiteten. Leider habe ich
bisher nur wenige Sommersteinpilze gesehen, B aereus erst ein einziges Mal
und den Kiefern-Steinpilz noch nie.
Laut Breitenbach-Kränzlin gibt es bei diesen 3 "Arten"
mikroskopisch keine eindeutigen Trennungsmerkmale. Weiterhin lese ich
dort, dass B. pinophilus auch unter Picea und Abies vorkommt. Boletus
edulis fand ich schon in reinen Altbuchenbeständen (Hallenbuchenwald) und
da habe ich intensiv nach Fichten gesucht und keine gefunden. Mit der
Ökologie habe ich da auch so meine Probleme. Wie verhält es sich nun mit
diesen Pilzen. Sind es echte Arten oder nur Varietäten? Gibt es
hinsichtlich der Mykorrhiza-Morphologie Unterschiede?
Gruß, Peter