Zur Giftigkeit des Grünlings

Georg, (vor 8335 Tagen)

in zwei Diskussionen weiter unten ging es um die Bedenklichkeit des Genusses
von Grünlingen (Tricholoma equestre) sei es frisch gesammelt oder in Mischpilzkonserven beigemischt.

Was sind denn nun die Fakten?

Zum einen gibt es die mittlerweile berühmte französische Studie, in der einige
Erkrankungen (inkl. Todesfälle) in Verbindung mit vorangegangenem Grünlings-
genuss gebracht werden. Es handelte sich um 12 Fälle, in denen an aufeinander-
folgenden Tagen jeweils größere Mengen an Grünlingen verzehrt wurden.
Daraufhin entwickelten sich bei den untersuchten Patienten Symptome einer
Muskelschwäche (Rhabdomyolyse), die bei 3 der Patienten zum Tod führte.
Die restlichen erholten sich vollständig.

Anschließend durchgeführte Versuche an Mäusen bestätigten, dass Grünlingsextrakt
in hohen Dosen die Symptome einer Rhabdomyolyse auch bei Mäusen verursachen kann.
Die Studie wurde aber meiner Meinung nach etwas schlampig durchgeführt. So
entdeckte man den Tod einiger Mäuse erst nach 3 Tagen. Die Leichen waren dann
schon in Auflösung begriffen. Nicht gerade wissenschaftliches Vorgehen.

Im letzten und in diesem Jahr erschienen zwei Artikel in einer polnischen
Zeitschrift, in denen Ärzte eines Danziger Klinikums ähnliche Symptome bei 3 Patienten nach
bis zu neunmaligem (!) täglich aufeinanderfolgendem Genuss von jeweis
100-500g Grünlingen beschrieben.

Die drei genannten Referenzen sind alles, was es zum Thema gibt.

Ein Giftstoff ist nicht bekannt.

Tatsache scheint zu sein, dass der wiederholte Genuss großer Grünlingsmengen,
eine Muskelerkrankung hervorrufen kann. Sie verläuft meist gutartig und
heilt nach einigen Tagen folgenlos aus. Nur in extremen Fällen (genetische
Disposition?) kommt es zu Komplikationen bis hin zur Todesfolge.

Was genau die Ursachen sind, ob sich "chemische Rassen" oder gar verschiedene
Arten hinter "Dem Grünling" verbergen, müssen weitere Studien zeigen.

Ich meine, Pilzberater sollten auf diese Fakten hinweisen, aber auch nicht
dramatisieren. Wer den Grünling bisher folgenlos gegessen hat, kann das
in Maßen (und das gilt ja für Wildpilze generell) auch weiterhin tun.

Georg

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Interessant

Thomas Pruß, (vor 8335 Tagen) @ Georg

Moin Georg,
das sind interessante Fakten, die die Giftigkeit des Grünlings in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.

…bis zu neunmaligem (!) täglich aufeinanderfolgendem Genuss von jeweis

100-500g Grünlingen beschrieben. …

Das sind 900 g Pilze im Minimalfall!!! Ich glaube, wer so exessiv, verzeihe die direkte Aussprache, Pilze „frisst“, der kann sich auch mit Pfifferlingen vergiften ;-)

Ich meine, Pilzberater sollten auf diese Fakten hinweisen, aber auch nicht
dramatisieren. Wer den Grünling bisher folgenlos gegessen hat, kann das
in Maßen (und das gilt ja für Wildpilze generell) auch weiterhin tun.

Naja, vielleicht mal nächstes Jahr wieder probieren…
Grüsslis
Thomas

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Re: Interessant

Andreas ⌂, (vor 8334 Tagen) @ Thomas Pruß

Hallo Thomas,

Das sind 900 g Pilze im Minimalfall!!! Ich glaube, wer so exessiv, verzeihe
die direkte Aussprache, Pilze „frisst“, der kann sich auch mit
Pfifferlingen vergiften ;-)

das mag Dir vielleicht so exzessiv erscheinen. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es in Polen (Schlesien, Legnica) nicht wenige Leute gibt, die sich in der Pilzsaison zum einem guten Teil von Pilzen ernähren, einfach weil sie sich nix "besseres" (= teureres, wie Fleisch z.B.) leisten können. Auch meine Ex-SchwieMu hat wann immer sie Pilze günstig bekommen konnte oder gar selbstgesammelte hatte diese als Ernährungsgrundlage genutzt. Und Grünlinge sind neben den Maronen in Schlesien nun mal die billigsten Marktpilze.
Es handelt sich also durchaus nicht um ungewöhnliche Mengen und an 9 tagen hintereinander jeweils 100g Fleisch zum Essen würde ich auch nicht gerade als exzessiv ansehen, noch nicht mal das Doppelte ....
Beste Grüße,
Andreas

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Re: Interessant

Thomas Pruß, (vor 8334 Tagen) @ Andreas

Moin Andreas,
andere Länder, andere Essgewohnheiten. So klar war mir dass nicht, dass in Osteuropa Pilze ein Hauptlebensmittel sind.

Es handelt sich also durchaus nicht um ungewöhnliche Mengen und an 9 tagen
hintereinander jeweils 100g Fleisch zum Essen würde ich auch nicht gerade
als exzessiv ansehen, noch nicht mal das Doppelte ....

Sorry, bei der Mengenangabe habe ich mich verlesen. Für mich klang das so, als hätten die Leute bis zu 9 x TÄGLICH zwischen 100 und 500 g Pilze gegessen, worauf ich in heftiges Staunen ausgebrochen bin ;-)
Grüsslis
Thomas

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Weißer Rasling

EricS ⌂, (vor 8335 Tagen) @ Georg

Hi Georg,

mich würde einmal interessieren, ob es auch Pilzsammler gibt, die weiterhin den Weißen Rasling verwerten. Seit in ihr das im Tierversuch mutagen wirkende Lyophyllin nachgewiesen wurde, findet sich die Art in keinem Pilzbuch mehr unter den Speisepilzen, im Gegensatz zu den Lobeshymnen die ihr füher zuteil wurden. In meinem Stammwald wachsen die Jungs - ganz im Gegensatz zum Grünling - jedes Jahr zuhauf und ich kenne auch mindestens einen Pilzfreund aus der Umgebung der sich nicht um die neuen Erkenntnisse schert.

Gibt es überhaupt schon Informationen darüber, ob ein Weißer Rasling jemals zu erkennbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt hatte? Offenbar war der Weiße Rasling noch nie der klassische Speisepilz, sodaß die Entdeckung des Lyophyllins an der Öffentlichkeit doch recht spurlos vorbeigegangen ist.

Das beste wird wirklich sein, daß es jede(r) für sich selbst entscheidet, inwiefern ihm/ihr die neugewonnenen Erkenntnisse relevant erscheinen.

Viele Grüße,

Eric

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Re: Weißer Rasling

Birgit, (vor 8335 Tagen) @ EricS

Hi Eric,

mich würde einmal interessieren, ob es auch Pilzsammler gibt, die weiterhin
den Weißen Rasling verwerten. Seit in ihr das im Tierversuch mutagen
wirkende Lyophyllin nachgewiesen wurde, findet sich die Art in keinem
Pilzbuch mehr unter den Speisepilzen, im Gegensatz zu den Lobeshymnen die
ihr füher zuteil wurden. In meinem Stammwald wachsen die Jungs - ganz im
Gegensatz zum Grünling - jedes Jahr zuhauf und ich kenne auch mindestens
einen Pilzfreund aus der Umgebung der sich nicht um die neuen Erkenntnisse
schert.

vielleicht hab ich einen falschen Wissensstand. Meinen Infos nach soll L. connatum einen teratogenen (=fruchtschädigenden) Wirkstoff enthalten. Das würde vielleicht bedeuten, daß das nur für (schwangere?) Frauen relevant sein könnte? Ich hab dies Jahr mal braune Raslinge (bitte nicht nach der genauen Art fragen, da kriegt man ja graue Haare ;-)) gegessen, die diesen Wirkstoff nicht enthalten, die waren sehr lecker :-)).

Liebe Grüße

Eric

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Re: Weißer Rasling

Werner, (vor 8335 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,

vielleicht hab ich einen falschen Wissensstand. Meinen Infos nach soll L.
connatum einen teratogenen (=fruchtschädigenden) Wirkstoff enthalten.

Ach, das ewige Problem von verschiedenen Autoren - verschiedene Beschreibungen u. dgl. Ich kenne L. connatum zwar auch als mutagen und Walter in Hornberg hat m.W. auch mutagen gesagt, aber da kann ich mich evtl. täuschen. Wie auch immer, vielleicht kann ja mal jemand im neuen Flammer nachschauen, den habe ich mir nicht geleistet.

Das
würde vielleicht bedeuten, daß das nur für (schwangere?) Frauen relevant
sein könnte?

Naja, wenn es denn gesichert sein sollte (teratogen), dann würde ich meinen Kopf auch nicht drauf verwetten, daß es nicht sonst auch noch eklige, langfristige Nebenwirkungen haben kann. Aber - ein kleines Probegericht wäre schon interessant. Nur, beim Weißen Rasling juckt mich das irgendwie nicht so arg - der riecht irgendwie unangenehm für mich. Da juckt mich der Kahle Krempling schon mehr :-) Und Grünlinge möchte ich doch zu gerne mal verdrücken - nur gibt's die hier praktisch nicht. Aber - gell - das ist meine eigene, risikofreudige Entscheidung und soll wirklich für niemand eine Empfehlung sein. Abgesehen davon steht außer dem Grünling von den 3 nix auf meiner "muß Probieren-Liste", da der zu erwartende Genuß wohl nicht so spektakulär ist. Ist mehr eine zufällige Sache, wenn ich mal meinen extrem neugierigen Tag habe :-)) Dann kommt halt 1 oder 2 unschuldige Pilzchen in die Pfanne, werden in aller Würde in Butter geschmort und dann 3-Sterne-Koch-mäßig verdrückt :-)))

Ich hab dies Jahr mal braune Raslinge (bitte nicht nach der
genauen Art fragen, da kriegt man ja graue Haare ;-)) gegessen, die diesen
Wirkstoff nicht enthalten, die waren sehr lecker :-)).

Genau. Die mag ich unheimlich gerne. Finde ich leider bloß viel zu selten. Aber die sind Klasse, weil sie auch nach dem Braten noch gut Biß haben - da schmeiße ich ja fast alle Röhrlinge dafür weg.

Ich sehe schon, bei uns macht sich das späte Verbrüderungssyndrom aller ehemaligen und noch-immer-Hornberg-besuchenden-Pätzoldgeschulten breit :-))

Gruß,

Werner

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Brauner Rasling

EricS ⌂, (vor 8335 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,

hier einmal ein altes Qualitätsranking unter den Raslingen. Quelle ist der nicht mehr taufrische Cetto Band 2.

Brauner Rasling (L.decastes = L.aggregatum) : "eßbar"
Lyophyllum loricatum : "sehr guter Speisepilz"
Geselliger Ritterling (L.fumosum) : "ausgezeichneter Speisepilz"
L.fumosum f. conglobata : "ausgezeichneter Speisepilz"
Weißer Rasling (L.connatum) : "vorzüglicher Speisepilz"

Zu der Zeit war also noch nichts von muta- bzw. teratogenen Wirkungen von L.connatum bekannt. Witzig auch: den Artenlumpern (ich gestehe, bei den braunen Raslingen gehöre ich [vorerst] auch dazu) sei in puncto Braunem Rasling eine Geschmacksprobe ans Herz gelegt. Kann man ihn gerade noch so unter Spotzen und Würgen herunterkauen ists L.decastes, erfreut er Gaumen und Nase mit feinstem Aroma und Bißfestigkeit ists L.fumosum - und schon ist die Bestimmung perfekt ;-)). L.loricatum scheidet als "Knorpeliger -" oder "Panzer-Rasling" schon durch seine Zähigkeit aus ;-).

Daß Geschmäcker wieder einmal durchaus verschieden sein können, zeigt diese Kolonie, die nach Auskunft des Konsumenten zwar von hervorragender Konsistenz (nicht matschig, sondern bißfest) war, doch nach der 3.Gabel einen üblen Nachgeschmack (etwa wie verbrannter Gummi) aufwies.

[image]

Ich persönlich habe weder den Weißen noch den Braunen Rasling je probiert, kann also nicht mitreden :-( .

Viele Grüße,

Eric

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Re: Weißer Rasling

Georg, (vor 8334 Tagen) @ EricS

Hi Eric,

Gibt es überhaupt schon Informationen darüber, ob ein Weißer Rasling jemals
zu erkennbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt hatte? Offenbar
war der Weiße Rasling noch nie der klassische Speisepilz, sodaß die
Entdeckung des Lyophyllins an der Öffentlichkeit doch recht spurlos
vorbeigegangen ist.

Der WR enthält die beiden Stoffe Lyophyllin und Connatin. Wobei Lyophyllin
in hohen Dosen im Tierversuch wohl tatsächlich mutagen wirkt. Inwieweit
sich solche Versuche auf den Menschen übertragen lassen, weiß man nicht.
Das alles geht wohl auf eine Veröffentlichung Steglichs aus den 1980ern
zurück.

Zitat aus Flammer/Horak: "Lyophyllin und Connatin, zwei in diesem
Pilz nachgewiesene, mutagene Substanzen, können theoretisch bei wiederholtem
Verzehr großer Mengen krebsauslösend sein."

Über konkrete Vergiftungsfälle steht da nichts.

Wenn man bedenkt was uns alles an definitv (nicht theoretisch) krebsauslösenden
Substanzen tagtäglich umgibt (von Autoabgasen und Zigarettenrauch bis hin
zum Alkohol) erscheint mir das Risiko das im WR steckt als doch vergleichsweise
gering einzustufen.

Streng genommen wäre eigentlich auch der Zuchtchampignon ein Giftpilz,
da das in ihm enthaltene Agaritin auch im Verdacht steht, krebsauslösend zu sein.

Vor kurzem wurde ein fungizid wirkendes Protein aus einer anderen Lyophyllum-Art
(Lyophyllum shimeji, ein bekannter Speisepilz in Japan) isoliert und auch Lyophyllin genannt.

Georg

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Gute Informationen !

Peter, (vor 8334 Tagen) @ Georg

Hallo Georg,

genauso sehe ich auch die Fakten!

Als beste Informationsquelle zu Grünling und Rasling-Problemen kann ich das neue FLAMMER-HORAK - Giftpilzbuch wärmstens empfehlen. Das ist wirklich das Beste auf diesem Gebiet.

Freundl. Grüße

Peter

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Re: Gute Informationen !

Georg, (vor 8334 Tagen) @ Peter

Hi Peter,

Als beste Informationsquelle zu Grünling und Rasling-Problemen kann ich das
neue FLAMMER-HORAK - Giftpilzbuch wärmstens empfehlen. Das ist wirklich
das Beste auf diesem Gebiet.

Richtig. Ich habe das Buch auch und eine Besprechung gibt es hier:

http://www.pilzepilze.de/flammerhorak.html

Georg

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Re: Gute Informationen !

Thomas Pruß, (vor 8334 Tagen) @ Georg

Moin Georg,
kannst du mir mal die Verlagsadresse von Schwabe & Co. zukommen lassen? Ich will mir ein Rezensionsex. bestellen. Ist das ein Schweizer „Kunstdruckverlag“? Den habe ich nämlich beim Googeln gefunden.
Grüsslis
Thomas

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Re: Gute Informationen !

Georg, (vor 8334 Tagen) @ Thomas Pruß

Hi Thomas,

kannst du mir mal die Verlagsadresse von Schwabe & Co. zukommen lassen?
Ich will mir ein Rezensionsex. bestellen. Ist das ein Schweizer
„Kunstdruckverlag“? Den habe ich nämlich beim Googeln gefunden.

Schwabe & Co. AG, Basel
mehr steht nicht drin.

www.schwabe.ch ist die WWW-Seite des Verlags.

Georg

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Flammer/Horak

zuehli ⌂, (vor 8334 Tagen) @ Georg

Hallo Georg,

ich habe den neuen Flammer/Horak seit Wochen bei Amazon bestellt, aber noch nicht bekommen, da wohl noch nicht erschienen. Sollte eigentlich die erste Dezemberwoche herauskommen. Wieso hast Du ihn schon???
Ist mir da was durch die Lappen gegangen, oder wie,oder was?

Gruß Harald

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Re: Flammer/Horak

Boletus ⌂, (vor 8333 Tagen) @ zuehli

Hallo Harald

ich habe den neuen Flammer/Horak seit Wochen bei Amazon bestellt, aber noch
nicht bekommen, da wohl noch nicht erschienen. Sollte eigentlich die erste
Dezemberwoche herauskommen. Wieso hast Du ihn schon???
Ist mir da was durch die Lappen gegangen, oder wie,oder was?

Vielleicht musst Du nochmals nachhacken, ich habe ihn schon vor 2 Monaten erhalten über den Verbandsverlag des VSVP.

Gruss Sepp

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Re: Flammer/Horak

Georg, (vor 8330 Tagen) @ zuehli

Hi Harald,

Sollte eigentlich die erste
Dezemberwoche herauskommen. Wieso hast Du ihn schon???
Ist mir da was durch die Lappen gegangen, oder wie,oder was?

Ich habe mein Exemplar vor einigen Wochen direkt vom Verlag erhalten.

Georg

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Arme Mäuse......!

pilzkultur, (vor 8334 Tagen) @ Georg

in zwei Diskussionen weiter unten ging es um die Bedenklichkeit des Genusses

Anschließend durchgeführte Versuche an Mäusen bestätigten, dass
Grünlingsextrakt
in hohen Dosen die Symptome einer Rhabdomyolyse auch bei Mäusen verursachen
kann.
Die Studie wurde aber meiner Meinung nach etwas schlampig durchgeführt. So
entdeckte man den Tod einiger Mäuse erst nach 3 Tagen. Die Leichen waren dann
schon in Auflösung begriffen. Nicht gerade wissenschaftliches Vorgehen.

......find`ich toll ,daß man Versuchstiere erst entdeckt , wenn sie zum Himmel stinken....!
Hat weder mit Wissenschaft u. schon gar nichts mit artgerechter Haltung zu tun....füttern die dort erst alle 3 Tage oder kriegen die ne Spezial-Diät um erstmal abzuspecken ????

Sarkastische Grüße

Walter

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Re: Zur Giftigkeit des Grünlings

Christoph ⌂, (vor 8334 Tagen) @ Georg

Hi Georg,

was man auf alle Fälle sagen kann, ist, dass der Grünling die selben bzw. ähnliche Farbstoffe wie Cortinarius splendens, der als tödlich giftig verschriene Schöngelbe Klumpfuß aufweist (mdl. Mitt. Prof. Steglich).
Der soll auch anhand von Nierenversagen zum Tod geführt haben.
Nun wird die Giftigkeit des Klumpfußes teils auch bezwifelt, da die Art kein Orellanin beinhalten soll.
Beim Grünling führt die Rhabdomyolyse teils auch zu Nierenausfällen... welch Zufall? Und dieselben Pigmente? Welch Zufall...

Bloß, weil man das Gift nicht kennt, ist das kein Grund, einfach weiter Grünlinge zu essen. Es gibt doch so viele andere gute Speisepilze.

Zur Rhabdomyolyse... harmlos ist die an sich gar nicht. Hätte Bayer sogar fast den Kragen gekostet... ist genau die Symptomatik, die zu den Lipobay-Toten geführt hat.

Das Problem ist, dass zu Beginn die Symptome nicht bemerkt werden, da die Muskelauflösungen nicht sofort spürbar sind. Ich für meinen Teil will keinen Pilz essen, von dem ich weiß, dass er die Muskelfibrillen angreifen kann.

Auch die DGfM warnt davor - in der Pilzberatung sollen Grünlinge nicht mehr frei gegeben werden.

Noch ein Aspekt dazu:
Ein Pilzberater, der Grünlinge freigibt, steht mit einem Bein im Gefängnis, wenn dann doch was passiert. Er wusste (hoffentlich) von den Todesfällen durch den Grünling. Gibt er dennoch welche zum Verzehr frei, so ist das mindestens grob fahrlässig. Egal, ob er selber welche isst, alle Untersuchungen wegen leichten Mängeln auch im Kern bezweifelt etc.

Zunächst wurde auch fabuliert, dass das eine "genetische" Rasse aus Frankreich sein könne, da ja in Osteuropa so viel Grünling gegessen wird und dort nichts passiert.
Dann werden zwei Fälle aus Polen (insges. drei Personen) bekannt. Sehr seltsam, was für ein Zufall... vielleicht, wiel man jetzt die Symptome kennt und auf Grünlinge zurückführt?!

Ich blebe dabei, wer es nötig hat, Grünlinge zu essen - bitte. Aber wer von den Fällen weiß, der sollte immer brav alleine essen. Sonst könnte es, wenn's dumm läuft rein juristisch für ihn sehr sehr eng werden, wenn der Nachbar erkrankt.

Vermutlich werden mich (wie beim Gifthäubling) wieder manche als Panikmacher darstellen - ist mir ziemlich egal. Better safe than sorry. Es gibt genug Speisepilze.

Ich warne weiter vor dem Grünling.

Grüße an's Forum
Christoph

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Re: Zur Giftigkeit des Grünlings

Werner, (vor 8334 Tagen) @ Christoph

Hi Georg,
Zur Rhabdomyolyse... harmlos ist die an sich gar nicht. Hätte Bayer sogar
fast den Kragen gekostet... ist genau die Symptomatik, die zu den
Lipobay-Toten geführt hat.

Bayer ist aber das falsche Beispiel. Soweit ich weiß, haben die ihren Prozess in USA gewonnen. Und wenn der Grünling von Bayer hergestellt würde, würde der wohl noch mit dem Bayer-Logo verkauft :-) Denn der Fall Grünling ist doch um vieles dünner als Lipobay.

Das Problem ist, dass zu Beginn die Symptome nicht bemerkt werden, da die
Muskelauflösungen nicht sofort spürbar sind. Ich für meinen Teil will
keinen Pilz essen, von dem ich weiß, dass er die Muskelfibrillen angreifen
kann.

Nun, schon wahr, wenn es denn so ist.

Auch die DGfM warnt davor - in der Pilzberatung sollen Grünlinge nicht mehr
frei gegeben werden.

Ist auch ok. Habe ich kein Problem mit.

Noch ein Aspekt dazu: Ein Pilzberater, der Grünlinge freigibt, steht mit
einem Bein im Gefängnis, wenn dann doch was passiert. Er wusste
(hoffentlich) von den Todesfällen durch den Grünling. Gibt er dennoch
welche zum Verzehr frei, so ist das mindestens grob fahrlässig. Egal, ob
er selber welche isst, alle Untersuchungen wegen leichten Mängeln auch im
Kern bezweifelt etc.

Ist ja auch ok. Auch damit habe ich kein Problem.

Zunächst wurde auch fabuliert, dass das eine "genetische" Rasse aus
Frankreich sein könne, da ja in Osteuropa so viel Grünling gegessen wird
und dort nichts passiert.
Dann werden zwei Fälle aus Polen (insges. drei Personen) bekannt. Sehr
seltsam, was für ein Zufall... vielleicht, wiel man jetzt die Symptome
kennt und auf Grünlinge zurückführt?!

Aber - Du mußt doch zugeben: es ist sehr, sehr merkwürdig, daß jahrzehntelang (eigentlich jahrhundertelang, aber damals war die Medizin nicht zur Diagnose von Rhabdomyolyse fähig) niemand sich beklagt hat, daß in derselben Zeit tonnenweise Grünlinge gegessen wurden usw. Gut, das ist kein Gegenbeweis, aber es ist mindestens genauso merkwürdig, wie der Fakt, daß URPLÖTZLICH in Polen "Vergiftungsfälle" auftreten, nachdem das Ganze in F publiziert wurde. Ich kenne genügend Mediziner und halte viele für jeder Schandtat fähig - inklusive der absichtlichen Falschdiagnose bzw. Falschanamnese zur Verbreitung des eigenen Ruhms. Gut, das muß hier nicht so gewesen sein und es mag sehr wohl was an dem "giftigen Grünling" dran sein, aber bewiesen ist der für mich noch lange nicht. Auch in Brandenburg, wo ja der Grünling recht häufig sein soll, kam bisher nix vor.

Ich blebe dabei, wer es nötig hat, Grünlinge zu essen - bitte. Aber wer von
den Fällen weiß, der sollte immer brav alleine essen. Sonst könnte es,
wenn's dumm läuft rein juristisch für ihn sehr sehr eng werden, wenn der
Nachbar erkrankt.

Was heißt "nötig haben"? Aber ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich jetzt ins Hemd machen, sollten sie mal ein paar Grünlinge finden. Denn der Pilz soll ja sehr schmackhaft sein - also werde ich ihn auch probieren (vorausgesetzt ich bekomme die Gelegenheit). Ich nehme auch kaum an, daß der Genuß ein so einmaliges Erlebnis sein wird, daß ich fortan Grünlinge in Mengen esse. Aber - ich sehe die Gefahr doch als verschwindend ein - wenn ich mir mal eine Probemahlzeit brate. Genauso sehe ich das beim Kahlen Krempling - der aber wohl kulinarisch nicht so doll ist und deswegen von mir noch nie probiert wurde.

Vermutlich werden mich (wie beim Gifthäubling) wieder manche als Panikmacher
darstellen - ist mir ziemlich egal. Better safe than sorry. Es gibt genug
Speisepilze.

Ist in vielen Fällen ja richtig. Beim Grünling sehe ich das so: Aufklärung in der Pilzberatung, keine Freigabe. Wenn aber jemand wirklich wie ich der Meinung ist, er kann sich dieses minimale Risiko einer kleinen Mahlzeit leisten, dann hat er doch eigenverantwortlich das Recht dazu. Ich würde niemand dazu auffordern - wenn aber jemand die Warnung in den Wind schlägt ist das sein Bier. Genauso wenn er Psilos sammelt, ohne einen Schimmer von Pilzen zu haben. Oder wenn er bewußt Cortinarien durchprobiert. Nicht daß ich die letzten 2 Beispiele für nachahmenswert halte - nur sehe ich in diesen Fällen ein um vieles höheres Risiko.

Ich warne weiter vor dem Grünling.

Ich auch. Nur denke ich, daß man durchaus die fehlerhaften und möglicherweise falschen Tests erwähnen darf. In der Beratung würde ich einfach sagen: "Ich kann Ihnen diesen Pilz nicht zum Genuß empfehlen. Es gibt zumindest einige Verdachtsmomente, daß der Pilz schwer krank machen könnte - insbesondere wenn er in größeren Mengen gegessen wird. Wenn Sie aber trotzdem davon probieren, tun Sie das ganz auf Ihr eigenes Risiko, genau wie bei anderen Pilzen, die ich Ihnen als nicht essbar beschrieben habe."

Damit dürfte ich aus dem Schneider sein. Und ich kann ja auch niemandem verbieten, z.B. Satanspilze zu essen. Ich kann sie nicht freigeben - trotzdem bleiben sie schon mal rein juristisch gesehen das Eigentum des Finders. Mit Gewalt kann ich sie ihm sowieso nicht wegnehmen. Ich kann ins Protokoll eintragen, daß er unbelehrbar ist, damit hat sich es aber.

So sehe ich das Problem.

Werner

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Re: Zur Giftigkeit des Grünlings

Christoph ⌂, (vor 8333 Tagen) @ Werner

Hi Werner,

so wie von dir beschrieben ist man als Pilzberater natürlich aus dem Schneider. Und dafür gibt es ja auch die Protokolle.

Drum sage ich ja, wer das Risiko auf sich nehmen will - bleibt jedem selbst überlassen. Ich habe mal Grünlinge gegessen (vor dem Bekanntwerden). Sie schmecken wirklich gut, aber ich kenne trotzdem eine Reihe ebenso guter Pilze, die hoffentlich auch in Zukunft als völlig harmlos gelten werden.

Ich könnte mir auch vorsellen, 1x Kremplinge zu essen, da das Risiko einer Allergie darauf bei der Erstmalzeit sehr gering einzustufen ist. Aber ich für meinen Teil mache dies aus Prinzip nicht. Da ist dann meine natürlich Neugier (Geschmackstest) doch zu schwach ausgeprägt.

Grüße
Christoph

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Re: In Frankreich gibt es eine staatliche Warnung

Christophe, (vor 8331 Tagen) @ Georg

Hi,

also in Frankreich warnt das Gesundheitsministerium, das Finanz/Wirtschaftsmimisterium ganz offiziell, in einer gemeinsamen Erklärung, vor dem Pilz.
http://www.sante.gouv.fr/htm/actu/31_031003.htm

Ist schon etwas her die Warnung. Vom 3.10.03. Im groben geben die das wieder was Georg hier schon angeführt hatte.

Christophe