Wer definiert "selten"?

Boletus ⌂, (vor 7775 Tagen)

Ich hab mir auch einige Gedanken zum Thema "Seltene Arten" gemacht.

Wenn ich das "Forum-Floristikgebiet" gedanklich auf die Landkarte übertrage resultiert daraus eine Fläche geschätzt von etwa 1500 km im Quadrat was dann über 2 Millionen Quadratkilometern entspricht. Aus Sicht der Standortansprüche betrachtet, muss solch eine Riesenfläche in tausende von einzelnen Floristikgebiete und Biotope aufgeteilt werden.
Deshalb ist es relativ schwer die seltenen Arten zu definieren.

Der Kaiserling gilt nördlich der Alpen als Rarität. In CH sind nur wenige streng gehütete Standorte bekannt. Herrschen zur richtigen Zeit die idealen Bedingungen zur Fruktifikation werden und haben sich in der Vergangenheit Fruchtkörper entwickelt. Stimmen jedoch die Faktoren für das Wachstum nicht, bleiben die Kaiserlinge, manchmal über Jahre aus. Solch lokale Seltenheiten gehören in "meiner" Gegend nicht in die Pfanne!
Gilt aber nicht 400 km weiter südlich, Beispiel Piemont, da ist der Kaiserling auf den Märkten anzutreffen! Selten oder nicht selten?

Das ganze übertragen auf den Hobbygärtner nördlich der Alpen, leider ohne Treibhaus. Sein Orangenbäumchen und der Feigenbaum, sein grösster Stolz. Der Jahrhundertsommer 2003 hat es ermöglicht dass er dannzumal Orangen und Feigen ernten konnte. Dieses Glück ist ihm weder vorher nachher nachher jemals gelungen. Sind demzufolge Orangen und Feigen selten oder nicht selten?

Selbst den Grünen Knollenblätterpilz haben noch nicht alle Forumsbenützer in Natura gesehen weil er in einigen Gebieten ganz einfach fehlt oder nur ausnahmsweise zur Freude einiger "Pilzverrückten" und dann als "Seltenheit" bestaunt mal einen Frk. bildet. Selten oder nicht selten?

Zum Dessert ein Bild einer Art bei der ich den Begriff SELTEN akzeptiere:

[image]
Duftender Schuppenwulstling Squamanita odorata

Die Fotoexemplare hat mir freundlicherweise G. Martinelli zur Verfügung gestellt.

Beste Grüsse
Sepp

PS: Der die ganzen Diskusionen auslösenden Pilz, der Eichhase ist in der Tat im schweizerischen Mittelland recht verbreitet. Von hier aus betrachtet braucht sich Mäxle keine Vorwürfe zu machen.

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Wer definiert "selten"?

Stephan, (vor 7775 Tagen) @ Boletus

Zur Antwort auf deine Frage:
So weit ich das mitbekommen habe, wird der Begriff "selten" auf jeden Fall regional bezogen definiert (z. B. im Verbreitungsatlas Deutschland bzw. im Verbreitungsatlas Baden-Württemberg von G. J. Krieglsteiner), und dann in Abhängigkeit davon, in wieviel % der MTB-Quadranten in einer Region Fundvorkommen zu verzeichnen sind/waren. A. a. O. werden folgende Verbreitungsklassen unterschieden: sehr selten, selten, zerstreut, mäßig verbreitet, stark verbreitet, gemein (G. J. Krieglsteiner, Die Großpilze Baden-Württembergs, Band 1, S. 50). "Selten" bedeutet dabei: kommt in 1 bis 5 % der Quadranten der betrachteten Region (auf 1 - 5 % der Fläche) vor.

Diese Definition von "selten" ist m. E. nicht ganz unproblematisch. Ein auf diese Art ermitteltes "Selten" kann auch heißen: Art wurde von den Kartierern nicht erkannt, Art wurde von den Kartierern übersehen, die Kartierer gehen zu selten in den Wald, die Kartierer gehen nicht an die richtigen Stellen (z. B. unzugängliche Stellen), die Kartierer schwärmen nicht beim richtigen Wetter aus, die Kartierer stehen zu spät auf (wenn die Mykophagen alles schon abgesammelt haben), eventuell stehen in einer Region auch nicht genügend Kartierer zur Verfügung (z. B. habe ich mich schon immer gefragt, weshalb die total genialen Pilzgebiete Vogelsberg/Hessen, Nördlicher Spessart, Virngrund/Frankenhöhe im BRD-Verbreitungsatlas von 1992 so relativ "schlecht" wegkommen, andere Pilzgebiete dagegen als "Eldorado" erscheinen, wie der nördliche Schwarzwald oder der Schönbuch bei Stuttgart, wo ich noch nie was Gescheites zusammengefunden habe, und die seit 1999 auch noch stark "verlothart" sind).

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Wer definiert "selten"?

pfifferling, (vor 7775 Tagen) @ Stephan

andere Pilzgebiete dagegen als "Eldorado" erscheinen, wie der
nördliche Schwarzwald oder der Schönbuch bei Stuttgart, wo ich noch nie
was Gescheites zusammengefunden habe, und die seit 1999 auch noch stark
"verlothart" sind).

Also wenn du im Nordschwarzwald nichts findest, hast du entweder im Februar gesucht oder du hast nach oben geschaut.

Es gibt an den Randgebieten nur gelegentlich das Problem, dass du beim Steinpilz-Abschneiden aufpassen musst, dass dir kein Konkurrent bei ebensolchem Vorhaben den Finger abschneidet...

LG
Frank

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Re: Wer definiert "selten"?

Andreas ⌂, (vor 7775 Tagen) @ Stephan

Hallo,

So weit ich das mitbekommen habe, wird der
Begriff "selten" auf jeden Fall regional bezogen definiert (z.
B. im Verbreitungsatlas Deutschland bzw. im Verbreitungsatlas
Baden-Württemberg von G. J. Krieglsteiner)

Naja, ein Gebiet für die Aussage muss natürlich schon definiert werden. Aber ob das nun eine Region ist oder ein Landkreis oder ein Land oder Kontinent oder die ganze Welt - das spielt eigentlich keine Rolle. Es muss nur angegeben werden.

und dann in Abhängigkeit

davon, in wieviel % der MTB-Quadranten in einer Region Fundvorkommen zu
verzeichnen sind/waren.

für die momentane Einschätzung einer Art können nur die aktuellen Standorte berücksichtigt werden, nicht die historischen. Fragt sich natürlich wo man die Grenze zieht. Für die Rote Liste Ba.-Wü. habe ich 1985 angesetzt (20 Jahre). Problematisch in manchen Regionen, in denen in den 70er Jahren viel kartiert wurde und danach nimmer. Da werden scheinbare Rückgänge vorgetäuscht, die in diesem Ausmaß nicht real sind. Das muss ein Bearbeiter aber möglichst einschätzen können.
Andere Organismengrippen verwenden andere Parameter, denn z.B. den Luchs auf MTB-Basis zu kartieren dürfte ganz schön viele "Vorkommen" eines einzelnen Luchses geben *ggg*. Die Ornithologen zählen Individuen, die Fischleute nehmen statt MTB/Quadranten Gewässer.

A. a. O. werden folgende Verbreitungsklassen

unterschieden: sehr selten, selten, zerstreut, mäßig verbreitet, stark
verbreitet, gemein (G. J. Krieglsteiner, Die Großpilze Baden-Württembergs,
Band 1, S. 50). "Selten" bedeutet dabei: kommt in 1 bis 5 % der
Quadranten der betrachteten Region (auf 1 - 5 % der Fläche) vor.

Die von allen Vertretern der einzelnen Organismengruppen für Gut und anwendbar befundene neue Richtlinie des BfN (Matrix-System) hat die Kategorien "extrem selten", "sehr selten", "selten", "mäßig häufig", "häufig" und "sehr häufig". Wie welcher bearbeiter seine Schwellenwerte definiert ist natürlich Bearbeitersache. Für die Rote Liste Ba.-Wü. habe ich in etwa die Werte von Krieglsteiner übernommen.
Für selten wären das also 1-5% der MTB/Quadranten, also 11-55 MTB/Q für Gesamt-Ba.-Wü. und für die einzelnen Naturräume 2-5% (z.B. 3-6 MTB/Q im Oberrheingebiet, 4-8 MTB/Q für die Schwäbische Alb)

Diese Definition von "selten" ist m. E. nicht ganz unproblematisch.
Ein auf diese Art ermitteltes "Selten" kann auch heißen: Art
wurde von den Kartierern nicht erkannt, Art wurde von den Kartierern
übersehen, die Kartierer gehen zu selten in den Wald, die Kartierer gehen
nicht an die richtigen Stellen (z. B. unzugängliche Stellen), die
Kartierer schwärmen nicht beim richtigen Wetter aus, die Kartierer stehen
zu spät auf (wenn die Mykophagen alles schon abgesammelt haben), eventuell
stehen in einer Region auch nicht genügend Kartierer zur Verfügung

Ja, das ist natürlich bei Pilzen ein Problem. Dafür gibt es dann die Kategorie "d", was "Datenlage ungenügend" bedeutet. Zum Leidwesen aller sind das bei den Ascomyceten in Ba.-Wü. satte 40%. Aber wer will denn auch Aussagen zum Rückgang oder Nicht-Rückgang vieler inoperculater Ascos machen, die nur punktuell gesucht und gefunden werden. Der Ist-Zustand geht zwar noch gelegentlich durch die Sachkenntnis einzelner Spezialisten und über manche Rückgangstendenzen kann man aus der Biotopbindung schließen, aber welch ungenügende Datenmenge ist logischerweise z.B. übei die vielen Hyaloscypha-, Cistella- oder gar Mollisia-Arten da!!

(z. B.

habe ich mich schon immer gefragt, weshalb die total genialen Pilzgebiete
Vogelsberg/Hessen, Nördlicher Spessart, Virngrund/Frankenhöhe im
BRD-Verbreitungsatlas von 1992 so relativ "schlecht" wegkommen,

Hessen ist das am schlechtesten bearbeitete Bundesland (Ost und West).

andere Pilzgebiete dagegen als "Eldorado" erscheinen, wie der
nördliche Schwarzwald oder der Schönbuch bei Stuttgart, wo ich noch nie
was Gescheites zusammengefunden habe, und die seit 1999 auch noch stark
"verlothart" sind).

Tja, da kann ich nur sagen: Zur falschen Zeit am falschen Platz gewesen. Die Teilnehmer vom ersten Chattertreffen vor drei Jahren werden sich vielleicht erinnern an unsere Schönbuch-Exkursion, bei der nun wirklich nicht (mehr) viel los war. Aber für ein paar Schleiereulen oder Psathyrella berolinensis und für einige Hände voll Schweinsohren hat's immer noch gereicht. Um die 100 Arten hatten wir trotzdem. Und auch der Nordschwarzwald (ebenso wie der ganze Schwarzwald eigentlich) ist schon noch das beste Pilzgebiet von Ba.-Wü.. Du darfst das natürlich nicht unbedingt mit hochmontanen Bergwäldern bei Pilzschwemme vergleichen, das ist fast unerreicht. Aber auch im Schwarzwald gibt es nicht wenige Waldstücke, in denen man zur Pilzzeit wirklich kaum laufen kann. Hornberg-teilnehmer werden sich sicherlich an den Flözlinger Wald oder ähnliches erinnern.

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

@ Andreas

Joachim, (vor 7775 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,
deine Aussage, "Hessen ist das am schlechtesten bearbeitete Bundesland (Ost und West)", trifft leider zu, O.K. ich bekenne mich mitschuldig und gelobe Besserung.
Ich werde mich in Zukunft auch an der Kartierung, zumindest im Odenwald und Rheinebene beteiligen.
Mit freundlichen Grüßen
Joachim

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: @ Andreas

Andreas ⌂, (vor 7775 Tagen) @ Joachim

Hallo Andreas,
deine Aussage, "Hessen ist das am schlechtesten bearbeitete Bundesland
(Ost und West)", trifft leider zu, O.K. ich bekenne mich mitschuldig
und gelobe Besserung.
Ich werde mich in Zukunft auch an der Kartierung, zumindest im Odenwald und
Rheinebene beteiligen.
Mit freundlichen Grüßen
Joachim

Hallo Joachim,

das wäre natürlich sehr schön. Aber dass diese Aussage nicht auf Dich (oder gegen Dich) gemünzt war, ist Dir ja sicher klar, oder?
Übrigens ist gerade der Odenwald ausgesprochen gut bearbeitet, weil sich da seit Jahren die IPN und auch die Pilzfreunde Sulzbach/Südhessen (oder so ähnlich) kartierungsmäßig betätigen. Was aber nicht heißen soll, dass nun da keine Daten mehr benötigt werden würden!

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: @ Andreas

Matthias, (vor 7775 Tagen) @ Andreas

Hállo Àndreas,
das ist dann wohl im DGfM-Programm, hier sind kaum Funde aus dem Odenwald (ich beziehe mich da auf den hessischen Teil) und ein Teil stammt von mir: http://pilzkartierung.synopwin.de/
Viele Grüsse
Matthias

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Re: Wer definiert "selten"?

Birgit, (vor 7774 Tagen) @ Andreas

Tja, da kann ich nur sagen: Zur falschen Zeit am falschen Platz gewesen. Die
Teilnehmer vom ersten Chattertreffen vor drei Jahren werden sich
vielleicht erinnern an unsere Schönbuch-Exkursion, bei der nun wirklich
nicht (mehr) viel los war. Aber für ein paar Schleiereulen oder
Psathyrella berolinensis und für einige Hände voll Schweinsohren hat's
immer noch gereicht. Um die 100 Arten hatten wir trotzdem. Und auch der
Nordschwarzwald (ebenso wie der ganze Schwarzwald eigentlich) ist schon
noch das beste Pilzgebiet von Ba.-Wü.. Du darfst das natürlich nicht
unbedingt mit hochmontanen Bergwäldern bei Pilzschwemme vergleichen, das
ist fast unerreicht. Aber auch im Schwarzwald gibt es nicht wenige
Waldstücke, in denen man zur Pilzzeit wirklich kaum laufen kann.
Hornberg-teilnehmer werden sich sicherlich an den Flözlinger Wald oder
ähnliches erinnern.

noch dazu wo im SChönbuch und zumindestens in Teilen des SChwarzwalds ja wohl auch ne Menge fleißiger Kartierer unterwegs sind ;-), die wohl in anderen Regionen einfach fehlen.

Birgit

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Sinn einer Pilzkartierung

AK_CCM, (vor 7774 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit und alle anderen,

mit diesem Gedanken quäle ich mich schon länger herum: Was macht es für einen Sinn, zu kartieren, wenn die Kartierung nicht flächendeckend über die BRD vorgenommen wird? Klar, irgendwann muss man ja Mal anfangen, ein flächendeckendes Netz aufzubauen. Aber sind nicht die Datenbestände bis dahin unbrauchbar, weil sie schlicht unvollständig vorliegen?

Vielleicht hinkt der Vergleich auch, aber mein Geschichtslehrer hat seinerzeit erzählt, als wir den 2.WW durchnahmen, dass das Weglassen ebenso wie das Fälschen von Informationen Propaganda ist und nichts mit der Wirklichkeit zum tun hat. Vielleicht überspitzt, aber bevor die Daten nicht durchgehend bundesweit erfasst werden, macht eine Auswertung der Daten nur bedingt Sinn?

Wahrscheinlich übersehe ich als Pilz-Laie gerade etwas - was meint ihr? Würde mich über ein paar Argumente freuen..!

Gruß, Andreas

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Sinn einer Pilzkartierung

Schwammerlkönig, (vor 7774 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andi,
also im kartieren sehe ich schon einen Sinn, auch wenn es nicht flächendeckend ausgeführt wird. Zumindestens weiss man dann, wann welche Pilze in dem kartographiertem Gebiet gewachsen sind. Man kann feststellen, ob gewisse Pilzarten häufig oder gar nicht mehr auftreten usw. Wie oft in diesem Gebiet bestimmte Pilze wachsen sagt ja nichts darüber aus, wie häufig oder selten sie anderswo sind. Auch wenn Vergleiche mit unerforschten Flächen nicht stattfinden können, so sind dies doch wertvolle Informationen für die Mykologen vor Ort.

LG Peter
P.S. wie schaut's denn aus bei dir mit Pilzen im Mertinger Forst ?

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Sinn einer Pilzkartierung

AK_CCM, (vor 7774 Tagen) @ Schwammerlkönig

Hi Peter,

hatte letzte Zeit arbeitstechnisch viel um die Ohren, sodass ich erst wieder vorgestern für 2h in den Mertinger Forst kam. Außer einer Hand voll junger Perlpilze (die ziehen Würmer magnetisch an, daher Stiel und Stielansatz weggeschnitten) habe ich nichts Nennenswertes gefunden. Aber da es die letzten Tage öfter Mal geregnet hat und auch heute ein Schauer den anden anderen jagt, werde ich mich morgen früh aufmachen - bin schon gespannt, was mir vor die Linse hüpft! ;)

Gruß, Andreas

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Sinn einer Pilzkartierung

Andreas ⌂, (vor 7774 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

zunächst muss ich mich als "Kartierungs-Fan" outen und kann nur alle die sich dafür erwärmen können bitten, ihre Daten in welcher Form auch immer (DGfM-online, DGfM2000, Karteikarten, Fundlisten ...) zur Verfügung zu stellen.
Für jedes Bundesland gibt es einen zuständigen Länderkoordinatoren, den ihr gerne von mir erfahren könnt. Er/Sie freuen sich mit Sicherheit über Mitarbeit, in welchem Umfang auch immer!!

mit diesem Gedanken quäle ich mich schon länger herum: Was macht es für einen
Sinn, zu kartieren, wenn die Kartierung nicht flächendeckend über die BRD
vorgenommen wird? Klar, irgendwann muss man ja Mal anfangen, ein
flächendeckendes Netz aufzubauen. Aber sind nicht die Datenbestände bis
dahin unbrauchbar, weil sie schlicht unvollständig vorliegen?

Ein flächendeckendes Netz gibt es schon lange, aber in verschiedenen Gebieten wird eben auch unterschiedlich intensiv kartiert. Selbst innerhalb von Ba.-Wü., dem Bundesland mit der größten Datenmenge gibt es regional große Unterschiede. Für die Ba.-Wü.-Flora hat Krieglsteiner uns deshalb "mit Gewalt" in die unterkartierten Gebiete gescheucht, so habe ich zwei Jahre lang im Rheintal "zwangskartiert". War nicht so gerade mein Traumgebiet, aber ich habe dadurch auch etliche Arten kennengelernt, die mir in meiner Umgebung nie begegnet wären.
Auch in Niedersachsen haben die Wöldeckes eine ständig aktualisierte Übersicht
über den Bearbeitungsstand ihrer MTB/Qs (manuell), so dass sie gezielt in bisher unbearbeitete Flächen gehen um dann mehr und mehr ein aussagekräftiges Bild zu bekommen.
Das ist natürlich ein Projekt, das keine schnell sichtbaren Erfolge zeigt. Und indem der Beitrag eines jeden einzelnen Mitarbeiters für sich genommen nur ein Puzzle-Teil ist.

Vielleicht hinkt der Vergleich auch, aber mein Geschichtslehrer hat
seinerzeit erzählt, als wir den 2.WW durchnahmen, dass das Weglassen
ebenso wie das Fälschen von Informationen Propaganda ist und nichts mit
der Wirklichkeit zum tun hat. Vielleicht überspitzt, aber bevor die Daten
nicht durchgehend bundesweit erfasst werden, macht eine Auswertung der
Daten nur bedingt Sinn?

Ja, bedingt ist vielleicht richtig. Aber es gibt gut erfaßte Arten und es gibt schlecht erfaßte Arten. Das zu entscheiden und welche Schlußfolgerungen daraus vielleicht gezogen werden können, das ist Sache des Auswerters. Dazu gehört eine gute Felderfahrung im entsprechenden Gebiet und eine Vorliebe für ökologische Fragestellungen. Aber ich denke schon, dass man mit dem Datenbestand den die einzelnen Länderkoordinatoren haben einiges anfangen kann.

Schau Dir doch als Beispiel die Ba.-Wü.-Flora an. Klar sind da auch viele Arten dabei, bei denen man mit dem jetzigen Datenbestand nicht viel aussagen kann. Aber für nicht wenige Arten sind doch auch recht konkrete Verbreitungs- und Ökologiemuster klargeworden (aufs Untersuchungsgebiet bezogen natürlich).
Und auch hier hat "man" mal mit der Eingabe der ersten Daten begonnen und erst nach Jahren war der Datenbestand groß genug um irgendwelche Auswertungen machen zu können.

Wahrscheinlich übersehe ich als Pilz-Laie gerade etwas - was meint ihr?

Vielleicht siehst Du nur die DGfM-Onlinekartierung? Wohlgemerkt: Ich gehe hier immer vom Gesamt-Datenbestand aus. Die Onlinekartierung ist auch nur ein Puzzleteil des Ganzen!

Unterkartierte Arten wird es "immer" geben, aber das kann man in gewissem Maße auch berücksichtigen. Wenn ich eine Verbreitungskarte eines unscheinbaren dungbewohnenden Tintlings betrachte und sehe, dass er gehäuft im Umkreis von Mönchengladbach (Benders Wohnort) auftritt, ferner auf den Nordsee-Inseln (Insel-Tagungen von Grauwinkel et al.) und dann vielleicht noch im Ulmer Raum (Enderle), dann ist eigentlich klar, dass diese Art von gezielt Suchenden praktisch überall gefunden werden müßte und dass man die Verbreitung nicht als "atlantisch, selten bis ins Donautal vordringend" oder sowas in der Art bezeichnen darf. Da habe ich aber die feste Überzeugung, dass die zuständigen Auswerter der Daten das bedenken und nach bestem Wissen zu berücksichtigen wissen.

Jeder Kartierungsbeitrag, besonders wenn korrekte Ökodaten dabei sind (lieber weniger und dafür nix falsches!), bringt ein kleines Stückchen weiter!

Gruß, Andreas

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Wo find ich DGfM-online Kartierung....

Christoph G, (vor 7774 Tagen) @ Andreas

... auf der DGfM Homepage? Hab etliche Sammeldaten der letzten Jahre, aber keine Lust mir da ne eigene Access oder Excel Datei draus zu basteln. Und gehen z.B. die Cortinariendaten, dann noch in den neuen Bawü band ein?

LG Christoph

.: Hallo Andreas,

zunächst muss ich mich als "Kartierungs-Fan" outen und kann nur
alle die sich dafür erwärmen können bitten, ihre Daten in welcher Form
auch immer (DGfM-online, DGfM2000, Karteikarten, Fundlisten ...) zur
Verfügung zu stellen.
Für jedes Bundesland gibt es einen zuständigen Länderkoordinatoren, den ihr
gerne von mir erfahren könnt. Er/Sie freuen sich mit Sicherheit über
Mitarbeit, in welchem Umfang auch immer!!
Ein flächendeckendes Netz gibt es schon lange, aber in verschiedenen Gebieten
wird eben auch unterschiedlich intensiv kartiert. Selbst innerhalb von
Ba.-Wü., dem Bundesland mit der größten Datenmenge gibt es regional große
Unterschiede. Für die Ba.-Wü.-Flora hat Krieglsteiner uns deshalb
"mit Gewalt" in die unterkartierten Gebiete gescheucht, so habe
ich zwei Jahre lang im Rheintal "zwangskartiert". War nicht so
gerade mein Traumgebiet, aber ich habe dadurch auch etliche Arten
kennengelernt, die mir in meiner Umgebung nie begegnet wären.
Auch in Niedersachsen haben die Wöldeckes eine ständig aktualisierte
Übersicht
über den Bearbeitungsstand ihrer MTB/Qs (manuell), so dass sie gezielt in
bisher unbearbeitete Flächen gehen um dann mehr und mehr ein
aussagekräftiges Bild zu bekommen.
Das ist natürlich ein Projekt, das keine schnell sichtbaren Erfolge zeigt.
Und indem der Beitrag eines jeden einzelnen Mitarbeiters für sich genommen
nur ein Puzzle-Teil ist.
Ja, bedingt ist vielleicht richtig. Aber es gibt gut erfaßte Arten und es
gibt schlecht erfaßte Arten. Das zu entscheiden und welche
Schlußfolgerungen daraus vielleicht gezogen werden können, das ist Sache
des Auswerters. Dazu gehört eine gute Felderfahrung im entsprechenden
Gebiet und eine Vorliebe für ökologische Fragestellungen. Aber ich denke
schon, dass man mit dem Datenbestand den die einzelnen Länderkoordinatoren
haben einiges anfangen kann.
Schau Dir doch als Beispiel die Ba.-Wü.-Flora an. Klar sind da auch viele
Arten dabei, bei denen man mit dem jetzigen Datenbestand nicht viel
aussagen kann. Aber für nicht wenige Arten sind doch auch recht konkrete
Verbreitungs- und Ökologiemuster klargeworden (aufs Untersuchungsgebiet
bezogen natürlich).
Und auch hier hat "man" mal mit der Eingabe der ersten Daten
begonnen und erst nach Jahren war der Datenbestand groß genug um
irgendwelche Auswertungen machen zu können.
Vielleicht siehst Du nur die DGfM-Onlinekartierung? Wohlgemerkt: Ich gehe
hier immer vom Gesamt-Datenbestand aus. Die Onlinekartierung ist auch nur
ein Puzzleteil des Ganzen!
Unterkartierte Arten wird es "immer" geben, aber das kann man in
gewissem Maße auch berücksichtigen. Wenn ich eine Verbreitungskarte eines
unscheinbaren dungbewohnenden Tintlings betrachte und sehe, dass er
gehäuft im Umkreis von Mönchengladbach (Benders Wohnort) auftritt, ferner
auf den Nordsee-Inseln (Insel-Tagungen von Grauwinkel et al.) und dann
vielleicht noch im Ulmer Raum (Enderle), dann ist eigentlich klar, dass
diese Art von gezielt Suchenden praktisch überall gefunden werden müßte
und dass man die Verbreitung nicht als "atlantisch, selten bis ins
Donautal vordringend" oder sowas in der Art bezeichnen darf. Da habe
ich aber die feste Überzeugung, dass die zuständigen Auswerter der Daten
das bedenken und nach bestem Wissen zu berücksichtigen wissen.
Jeder Kartierungsbeitrag, besonders wenn korrekte Ökodaten dabei sind
(lieber weniger und dafür nix falsches!), bringt ein kleines Stückchen
weiter!
Gruß, Andreas

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Wo find ich DGfM-online Kartierung....

Axel Schilling ⌂, (vor 7774 Tagen) @ Christoph G

Hallo Christoph,
die Online-Kartierung für Pilze für ganz Deutschland findest Du hier:

http://pilzkartierung.synopwin.de/

Die Ergebnisse für Niedersachsen hier:

http://www.synopwin.de/Kartierung25.htm

Ich würde mich freuen, wenn Du an dem Jahrhundertwerk mitarbeiten würdest.

Über eine Export-Funktion kannst Du Deine eingegebenen Daten abziehen und an Andreas schicken, falls er die Cortinarius-Daten für den nächsten Band noch aufnehmen kann.
Gruß
Axel

... auf der DGfM Homepage? Hab etliche Sammeldaten der letzten Jahre, aber
keine Lust mir da ne eigene Access oder Excel Datei draus zu basteln. Und
gehen z.B. die Cortinariendaten, dann noch in den neuen Bawü band ein?
LG Christoph
.: Hallo Andreas,

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Super - Danke.. noch ne Frage:

Christoph G, (vor 7774 Tagen) @ Axel Schilling

... ich blick fast alles nur weiss ich nicht wie ich meine Art in die Fundeingabe bekomme :-(( Steh da sicher auf dem schlauch.. die Scrollisten (experte und standard) sind irgendwie leer bei mir.
Auch der Anfangsbuchstabe der gattung bewirkt nix. Oder muss ich erst alle anderen daten eingeben und dann die Art wählen...

Danke für die Hilfe

LG Christoph

P.S.: Ist echt ein super programm und genial find ich, dass man gleich nachschauen kann in welchem Quadrant man war :-))

Hallo Christoph,
die Online-Kartierung für Pilze für ganz Deutschland findest Du hier:
http://pilzkartierung.synopwin.de/
Die Ergebnisse für Niedersachsen hier:
http://www.synopwin.de/Kartierung25.htm
Ich würde mich freuen, wenn Du an dem Jahrhundertwerk mitarbeiten würdest.
Über eine Export-Funktion kannst Du Deine eingegebenen Daten abziehen und an
Andreas schicken, falls er die Cortinarius-Daten für den nächsten Band
noch aufnehmen kann.
Gruß
Axel P

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Super - Danke.. noch ne Frage:

Axel Schilling ⌂, (vor 7774 Tagen) @ Christoph G

Hallo Christoph,
ich begrüße Dich als 68. neuen aktiven Melder.
Aktiviere mal die Hilfe im Bereich Fundeingabe, dort steht vieles (alles?) drin.
Um eine Art einzugeben mußt Du erst den Anfangsbuchstaben der Gattung eingeben, dann 'Eingaben abschließen', dann in der Scrollliste die Gattung wählen, wieder 'Eingaben abschließen' und schlielich aus der Scrollliste rechts neben der Gattungsliste die Art auswählen und wieder 'Eingaben abschließen'.
Hilfreich ist es wenn Du mit einer Bildschirmauflösung von mindestens 1024 x 768 arbeitest, dann siehst Du alle Buttons auf einen Blick ohne Scrollen zu müssen.

Gruß

Axel

... ich blick fast alles nur weiss ich nicht wie ich meine Art in die

Fundeingabe bekomme :-(( Steh da sicher auf dem schlauch.. die Scrollisten
(experte und standard) sind irgendwie leer bei mir.
Auch der Anfangsbuchstabe der gattung bewirkt nix. Oder muss ich erst alle
anderen daten eingeben und dann die Art wählen...
Danke für die Hilfe
LG Christoph
P.S.: Ist echt ein super programm und genial find ich, dass man gleich
nachschauen kann in welchem Quadrant man war :-))

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Wo find ich DGfM-online Kartierung....

Andreas ⌂, (vor 7774 Tagen) @ Christoph G

Und
gehen z.B. die Cortinariendaten, dann noch in den neuen Bawü band ein?
LG Christoph

Hallo Christoph,

die müßtest Du mir separat schicken, worum ich Dich sehr herzlich bitten würde. Bis Ende Oktober sollte das Manuskript fertig sein, ich kann also nicht mehr viel aufnehmen. Vor allem Phlegmacien und telamonien sind aber noch problemlos. Die Karten sind auch noch nicht ausgedruckt, so dass hier noch Funde eingehen können, wenn auch vielleicht nicht immer im Text dann erwähnt.

Würde mich freuen noch Ergänzungen zu bekommen!

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Wo find ich DGfM-online Kartierung....

Christoph G, (vor 7774 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

ja schick ich dir, sind jetzt nicht soooo viel verschiedene neue Arten, aber zumindest bei den Cortinarien, kann ich bei ein paar Arten, die weissen flecken vom "alten" Verbreitungsatlas von 1990 füllen. Sind auch die Gattungen für dich interresant, die in Deinem und L. Krieglsteiners Werk schon behandelt wurden? da hab ich auch noch ein paar Ergänzungen...

LG Christoph

Hallo Christoph,
die müßtest Du mir separat schicken, worum ich Dich sehr herzlich bitten
würde. Bis Ende Oktober sollte das Manuskript fertig sein, ich kann also
nicht mehr viel aufnehmen. Vor allem Phlegmacien und telamonien sind aber
noch problemlos. Die Karten sind auch noch nicht ausgedruckt, so dass hier
noch Funde eingehen können, wenn auch vielleicht nicht immer im Text dann
erwähnt.
Würde mich freuen noch Ergänzungen zu bekommen!
beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Sinn einer Pilzkartierung

AK_CCM, (vor 7774 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

Danke für Dein Statement. Werde auch weiterhin im Rahmen meiner Möglichkeiten meine Funde in Axel Schillings Datenbank reinhacken.

Gruß, Andreas

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Wer definiert "selten"?

Peter W., (vor 7775 Tagen) @ Boletus

Lieber Sepp.

hier schneidest Du ein Thema an, was nicht einfach zu beantworten ist und es wird auch keine endgültige Antwort geben.

Ich habe mir dazu auch schon Gedanken gemacht im Zusammenhang mit der Häufigkeit für einen geplanten Artikel über die coprophilen Pilze in Sachsen. Grundsätzlich gibt es zwei Betrachtungsweisen. Die Objektive ( nach Anzahl der Fundmeldungen) und die Subjektive ( nach eigenen Erfahrungen). Beide haben Schwächen.

Zitat Anfang aus dem geplanten Artikel:

Häufigkeitsangaben : Wir folgen dabei einer subjektiven, aus eigener Erfahrung gemachten Betrachtungsweise, die für spezielle Gruppen von Pilzen wohl die Bessere ist. Obwohl uns bewusst, eine Häufigkeitsangabe hat immer Schwächen, vor allen um so größer das geographische Gebiet wird, um so kleiner die Pilze sind (und somit weniger gesammelt werden) oder um so schwieriger die Bestimmung (z.B. Cortinarius) einer Art ist. Ein noch Unterschätzter Aspekt ist, die häufig (uns eingeschlossen) Außerbetrachtlassung der Lebensweise der Pilze.

Nur ein Beispiel. Im Jahr 1999 fand P. Welt in Chemnitz an zwei Lokalitäten den Leuchtenden Prachtbecher, Caloscypha fulgens (PERS. : FR.) BOUD.. Ein weiter Fund kam von D. Schulz dazu. Außerdem noch von Heine und weiteren Bearbeitern. Insgesamt vielleicht aus geschätzten 10 MTB. Zuvor und danach gibt (bis 2004) es keine Belege mehr. Der Pilz ist jetzt nach der objektiven Betrachtungsweise der Kommentierten Artenlist Sachsen als zerstreut einzustufen. Nach der subjektiven Betrachtungsweise würden wir ihn als selten bis sehr selten einordnen. Beides ist aber Falsch, weil wir von Forstfachleuten wissen, das der Pilz überall sehr häufig ist. In der Nebenfruchtform, ist er ein großer Forstschädling an Fichtensamen. Sicher, die eine Form von Fruchtkörper (Becher) wird bei uns in Sachsen nur selten gebildet, aber der Pilz ist wahrscheinlich häufig, weil die Fichte häufig ist.

Zitat Ende.

Und noch ein Zitat aus einen geplanten Artikel:

„Wie in allen Pilzgruppen, so gibt es auch bei den Copros häufige und seltenen anzutreffende Arten. Obwohl uns bewusst ist, das solche Superlative, bei wenig gesuchten Pilzen mit Vorsicht zu genießen sind (So mancher, als selten bezeichnete, Pilz hat sich bei genauer Suche als „Allerweltsart“ entpuppt), so kann man nach 10 jähriger....“

Ganz grundsächlich können wir die Frage so und so nie beantworten. Das liegt einfach an der Natur der Pilze. Dazu leben Pilze einfach, im Gegensatz zu Pflanzen und Tieren, zu unauffällig im Boden oder im Substrat und erfüllen durchaus ihre Aufgaben im Haushalt der Natur. Der Pilz ist also wahrscheinlich (bei geeigneten Voraussetzungen s. unten) da, nur die „Frucht“ fehlt. Jetzt könnte vielleicht jemand sagen, was soll der Quatsch, wir sprechen von den Fruchtkörpern der Pilze. Aber du hast es ja selber geschrieben, ist eine Feige ohne Frucht keine Feige?

Das Haupthindernis, zu sagen, ob ein Pilz selten oder häufig ist, ist allerdings unsere Unkenntnis der Lebensweise und Ansprüche der meisten Pilzarten. Dabei ist nicht die Hauptfrage: Werden die Fruchtkörper gebildet oder und nicht? Sondern, unter welchen Voraussetzungen kann der Pilz ein Substrat oder Partner besiedeln und welche Wechselbeziehungen gibt es zwischen den Pilzarten (Konkurrenz)? Würden wir dass wissen, stimmen also Substrat-, Boden und Klimaverhältnisse, könnten wir auch ohne Fruchtkörper eine Verbreitung vermuten. Das wäre dann die 3. Betrachtungsweise der Häufigkeit, die Wahrscheinliche ( wohl aber für immer die Unmögliche).

Was der Schutz der Pilze angeht, solltest du bei dir einen Kaiserling finden, lichte ihn ab und dann esse ihn. Vorrausgesetzt er ist kein Pilzzwerg oder ein überständiges Exemplar. Machst du es nicht fressen ihn anders Tiere oder er verfault. Du nimmst ja „nur“ den Fruchtkörper und nicht den Pilz. Wollen wir echten Schutz für Pilze (und auch andere Lebewesen) müssen wir Lebensräume schützen und keine Einzelexemplare.

Gruß Peter Welt

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Wer definiert "selten"?

Joachim, (vor 7775 Tagen) @ Peter W.

Hallo Peter W,
du sprichst mir aus der Seele, genau so ist es!
Ich sage immer: "Naturschutz ist Biotopschutz"
Ich kenne z. B. einen Standort mit Kaiserlinge, ich habe auch schon mal einige Fruchtkörper entnommen, ja sogar ohne schlechtes Gewissen, wenn Kaiserlinge von Schnecken gefressen, oder gar von Forstfahrzeugen platt gemacht werden, warum sollte ich sie dann nicht essen dürfen? Ganz davon mal abgesehen sind Kaiserlinge an diesem Standort nicht selten.
Mit freundlichen Grüßen
Joachim

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: gute frage

felix, (vor 7774 Tagen) @ Boletus

Ich hab mir auch einige Gedanken zum Thema "Seltene Arten" gemacht.
Wenn ich das "Forum-Floristikgebiet" gedanklich auf die Landkarte
übertrage resultiert daraus eine Fläche geschätzt von etwa 1500 km im
Quadrat was dann über 2 Millionen Quadratkilometern entspricht. Aus Sicht
der Standortansprüche betrachtet, muss solch eine Riesenfläche in tausende
von einzelnen Floristikgebiete und Biotope aufgeteilt werden.
Deshalb ist es relativ schwer die seltenen Arten zu definieren.
Der Kaiserling gilt nördlich der Alpen als Rarität. In CH sind nur wenige
streng gehütete Standorte bekannt. Herrschen zur richtigen Zeit die
idealen Bedingungen zur Fruktifikation werden und haben sich in der
Vergangenheit Fruchtkörper entwickelt. Stimmen jedoch die Faktoren für das
Wachstum nicht, bleiben die Kaiserlinge, manchmal über Jahre aus. Solch
lokale Seltenheiten gehören in "meiner" Gegend nicht in die
Pfanne!
Gilt aber nicht 400 km weiter südlich, Beispiel Piemont, da ist der
Kaiserling auf den Märkten anzutreffen! Selten oder nicht selten?
Das ganze übertragen auf den Hobbygärtner nördlich der Alpen, leider ohne
Treibhaus. Sein Orangenbäumchen und der Feigenbaum, sein grösster Stolz.
Der Jahrhundertsommer 2003 hat es ermöglicht dass er dannzumal Orangen und
Feigen ernten konnte. Dieses Glück ist ihm weder vorher nachher nachher
jemals gelungen. Sind demzufolge Orangen und Feigen selten oder nicht
selten?
Selbst den Grünen Knollenblätterpilz haben noch nicht alle Forumsbenützer in
Natura gesehen weil er in einigen Gebieten ganz einfach fehlt oder nur
ausnahmsweise zur Freude einiger "Pilzverrückten" und dann als
"Seltenheit" bestaunt mal einen Frk. bildet. Selten oder nicht
selten?
Zum Dessert ein Bild einer Art bei der ich den Begriff SELTEN akzeptiere:

Duftender Schuppenwulstling Squamanita odorata
Die Fotoexemplare hat mir freundlicherweise G. Martinelli zur Verfügung
gestellt.
Beste Grüsse
Sepp
PS: Der die ganzen Diskusionen auslösenden Pilz, der Eichhase ist in der Tat
im schweizerischen Mittelland recht verbreitet. Von hier aus betrachtet
braucht sich Mäxle keine Vorwürfe zu machen.

hallo sepp!

gute frage! wer definiert das wirklich? bei uns im wienerwald gibt es z.b. den grünen knolli massenhaft. in triest waren die märkte voll mit "uovo", wie der kaiserling dort genannt wird.
übrigens habe ich von dem schuppenwulstling vorher noch nie gehört.

grüße
felix

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Schuppenwulstling

Jens ⌂, (vor 7774 Tagen) @ felix

Hallo Felix,

die Schuppenwulstlinge, von denen es wohl etwa eine handvoll Arten gibt, sind allesamt große Seltenheiten. Von daher müsste man sich das Foto von Boletus gleich als Hintergrundbild auf dem PC einrichten :-)
In Sachsen-Anhalt wurde übrigens im vergangenen Jahr mal wieder die in dieser Gattung als erstes beschrieben Art Squamanita schreierii, Gelber Schuppenwulstling gefunden.

Gruß Jens

twa

übrigens habe ich von dem schuppenwulstling vorher noch nie gehört.
grüße
felix