Dachpilzfrage

Birgit, (vor 7755 Tagen)

Hi ihr,

ich hab heute einige Dachpilze gefunden, mikroskopiert und bin sogar mit dem Horak beim SChlüsseln scheints an die richtige Stelle gekommen :-). Drei kleine Exemplare lassen sich sich ziemlich eindeutig als Zwerg-Dachpilz (Pluteus nanus forma nanus) identifizieren. Ich hab aber noch ein größeres, älteres etwas runzligeres Exemplar von einem anderen Standort, da würde wohl, wenn mikroskopisch alles ähnlich wäre, eher Pluteus phleboporus drauf passen. Allerdings hab ich nach Lektüre von B&K den Eindruck, daß sich die beiden Arten (P. nanus forma nanus, P. phleboporus) nur in der Runzligkeit der Huthaut wirklich unterscheiden, was mich nicht so glücklich macht, da die drei kleinen einfach noch nicht so alt waren wie der große und daher vielleicht nicht so runzlig. Gibts vielleicht doch noch eindeutige mikroskopische Unterschiede? Was mich auch verblüfft ist, daß P. nanus forma griseopus laut B&K vollkommen andere Zystiden hat wie P. nanus f. nanus, ist das wirklich ein- und dieselbe Art nach heutiger Artauffassung?

Liebe Grüße

Birgit

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Re: Dachpilzfrage

zuehli ⌂, (vor 7755 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,

auch ich schlage mich gerade mit Dachpilzen herum und stehe kurz vor der Verzweiflung. Das große Problem ist, daß die Mikromerkmale einiger Arten so ähnlich sind, daß man sie makroskopisch auseinanderpflücken muß. Wenn man dann die vorhandene Literautur durchkämmt, kommt man aber auch nicht unbedingt auf den grünen Zweig.
Die Flora Neerlandica irritiert ein wenig, weil dort zuviel zusammengefaßt wird (z.B. die Gruppe um P.plautus). Der Horak wurstelt alles wieder auseinander. Bleiben die Schweizer, die Ba-Wü-Funga und die Ulmer Pilzflora 1, die aber im Grunde genommen auch nicht dazu beitragen, die Verwirrung zu entwirren.
Ich wüßte nicht, was es zu den Dachpilzen noch gibt. Also eine Gattung, die dringend der Bearbeitung bedarf. Ich bin mal gespannt, ob im nächsten Ludwigschen Kompendium dazu was zu lesen ist.
Bis dazu neuere Erkenntnisse gewonnen sind, müssen wir uns mit Halbheiten und Unsicherheiten herumschlagen.
Oder vielleicht kann uns ein anderer auf die Sprünge helfen (Andreas?)

Gruß Harald

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Re: Dachpilzfrage

zuehli ⌂, (vor 7755 Tagen) @ Birgit

Nochmal Hallo Birgit,
nach meinem Verständnis ist P.phleboporus relativ leicht auch makroskopisch anzusprechen. Der recht runzlige Hut und der Stiel, der so einen ganz leichten schmutzig-gelben Anflug hat, sind gute Merkmale.
P.nanus hat einen eher samtigen Hut und eine eventuelle Runzelung ist nur schwierig zu erkennen.
Wenn man bedenkt daß man aufgrund der Mikromerkmale die beiden eigentlich nicht aueinanderhalten kann und es da noch ein paar Ähnliche gibt, die mehr oder weniger gleiche Zystiden und kugelige HDS haben, kann ich mir vorstellen, daß P.nanus var.griseopus auch eine eigenständige Art sein könnte. Meine Meinung!
Mal schaun, ob sich sich da in nächster Zeit neue Erkenntnisse entwickeln.
Gruß Harald

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Re: Dachpilzfrage

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7755 Tagen) @ zuehli

Hallo zusammen,

diese Gruppe isz tatsächlich sehr heikel und ich habe mir auch schon oft die Zähne daran ausgebissen! Relativ gut erkennbar ist P. phlebophorus mit seinem runzeligen Hut; oft in Massen wachsend und doch relativ gross werdend. Dagegen ist P. nanus eher klein und nicht runzelig, meist nur 2-3 wachsende Exemplare.
(P. griseopus: Stiel auf deutlich graufarbenem Grund jung gänzlich weissflockig, Pleurozystiden auffallend voluminös; nach Meusers)
Was etwas heikel ist: nach meinen Beobachtungen (und auch von M. Meusers) können einige Arten auch dunkle Lamellenschneiden ausbilden! Ich vermute, z.B., dass die Abb. in Grosspilze Bad.-Württg. bei P. luctuosus ein P. phlebophorus mit dunklen Schneiden sein könnte!
Ob die Mikrokerkmale so konstant sind, wie wir das gerne hätten: da bin ich mir auch nicht so sicher!
Daher dürfte es auch fast unmöglich sein, einen klaren Schlüssel anzufertigen: Entweder man fasst alles zusammen, was ähnlich ist, oder man trennt konsequent, sicher beides keine Lösungen! Etwas mühe habe ich mit einigen Arten der Cervinus- Gruppe (P. pouzerianus etc.): Wenn nach Schnallenanteilen gefragt wird, wird's endgültig etwas mühsam! (S. Diskussion Grossp. Bad.Württ. Band 4, Seite 267)

Aber trotzdem machen die Dachpilze immer viel Spass, auch wenn es des öftern mir einm ? endet...

Mit Grüssen, Markus

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Re: Dachpilzfrage

zuehli ⌂, (vor 7755 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Markus,
die Arbeit von Meusers soll ja unveröffentlicht sein, oder kann man die irgendwo her bekommen???
Fragt
Harald

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Re: Dachpilzfrage

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7755 Tagen) @ zuehli

Hallo Harald,

ja, leider ist dieses sehr gute Werk nicht erhältlich! Ich bin einmal mit Glück dazu gekommen!

Grüsse Markus

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Re: Dachpilzfrage

saibling, (vor 7754 Tagen) @ zuehli

Hallo Harald,

die Arbeit von Meusers kann ich dir leider nicht besorgen.
Allerdings stützt sich folgende Seite teilweise auch auf diese Literatur.
http://www.tham-thueringen.de/tham/html/pluteus.html
Ich fand dies bis jetzt immer ganz hilfreich. Ob es allerdings wirklich
stimmt und schlüssig ist, lass ich lieber dich selbst beurteilen, da
ich die Dachpilze zwar äusserst interessant finde, mangels funden allerdings
bis jetzt, nur einen kleinen Teil der Vielfalt dieser Gattung, kennenlernen
durfte.

Grüsse
christian

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Re: Dachpilzfrage

zuehli ⌂, (vor 7754 Tagen) @ saibling

Hallo Christian,

danke, das ist schon mal ein netter Link.

gruß Harald

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Man tut was man kann! ;-)

saibling, (vor 7754 Tagen) @ zuehli

- kein Text -

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Re: Dachpilzfrage

Birgit, (vor 7754 Tagen) @ Markus Wilhelm

hallo an Alle,

danke für die hilfreichen Infos.

diese Gruppe isz tatsächlich sehr heikel und ich habe mir auch schon oft die
Zähne daran ausgebissen! Relativ gut erkennbar ist P. phlebophorus mit
seinem runzeligen Hut; oft in Massen wachsend und doch relativ gross
werdend. Dagegen ist P. nanus eher klein und nicht runzelig, meist nur 2-3
wachsende Exemplare.

Das was du hier und unten über P. griseopus schreibst, könnte ich so interpretieren, daß P. nana forma griseopus (= P. griseopus????) vermutlich einen andere Art als P. nana forma nana ist? Faände ich jedenfalls wie Zuehli auch logischer...
Mein Problem war/ist, daß ich P. nana forma nana mit jungen Exemplaren gefunden habe und einen weiteren leicht größeren Dachpilz, der älter und runzliger war, aber sonst in den Farben vollkommen identisch. So daß ich mir heute auch mit Christoph Hahn am Telefon vorstellen konnte, daß meine kleineren Dachpilze z.B. junge P. phlebophorus mit bisher wenigen RUnzeln sein könnte, haben junge P. phlebophorus wirklich auch schon so viele Runzeln? Frecherweise könnte ich mir sogar vorstellen, daß junge Exemplare dieser gewissen Art als P. nanus forma nanus und ältere Exemplare derselben Art dann als P. phlebophorus angesprochen werden könnten ;-), meines Wissens nach gibts es keinen mikroskopischen Unterschied (weniger Unterschiede als zwischen den beiden Formen nana und griseopus!!). Die Situation ist irgendwie unbefriedigend...... ;-) Jedenfalls muß ich den größeren noch mikroskopieren, versprochen. Die thüringer Webseite über Dachpilze, die weiter unten im Thread angesprochen wurde, könnte von Andreas Vesper sein, der auch öfter hier mitliest, er hatte mir glaube ich mal, diesen Link zukommen lassen.

Aber trotzdem machen die Dachpilze immer viel Spass, auch wenn es des öftern
mir einm ? endet...

Dachpilze machen Spaß, auch weil sie mikroskopisch so schön sind, auch wenns nur die banalen rehbraunen Dachpilze mit den wunderschönen Hakenzystiden sind.... Außerdem gibts wenigstens Zystiden....

Liebe Grüße

Birgit

Mit Grüssen, Markus