4 mal bestimmungshilfe erbeten (fotos 2,4 mb)

coco, (vor 7756 Tagen)

hallo forum,

der gestrige waldgang im heidelberger stadtwald hat mir nachhaltige kopfschmerzen verursacht. gleich vier vermeintlich einfache pilzfunde verlangen nach eurem rat:

zunächst ein kleines grüppchen auf moderndem holz (fichte?); hutdurchmesser aufgeschirmt 3-4 cm; spp. "fleischfarben" rotbräunlich, gattung unklar :(
auffällig der "längsgeriefte", fast verdreht wirkende stiel. für gymnopilus (oder wie heissen die flämmlinge derzeit?) sind mir die lamellen zu ungelb. so bin ich schon von pluteus über entoloma zu tubaria und zurück gepaddelt und wäre um aufklärung froh:

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gleich darauf zwei sehr kleine gesellen auf erde, nur 1,5 cm im hutdurchmesser, die ich noch nie gesehen habe. was links wie eine kräftige stielknolle aussieht, ist nur die gemeinsame basis der zwei pilzlein. ob ich sie wohl als cystolepiota hetieri ablegen darf?

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dann zwei filzröhrlinge, der linke unter eiche, der rechte unter buche.
links schwebe ich zwischen x. spadiceus und lanatus, rechts zwischen chrysenteron und pruinatus. röhrlingsmeister helft! auf dem untersten bild sieht man übrigens, wie sich horst nach überlebter messerattacke freudig in sein zweites leben flüchtet:

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dann wären da noch graubraune täublinge mit gilbender stielbasis und brüchigen, creme-gelblichen lamellen, gefunden unter eiche an wärmebegünstigtem waldrand. das spp. ist weiss, die hüte 8 - 10 cm im durchmesser. auffällig der starke glanz der trockenen hüte. meine literatur hilft da nicht weiter:

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beste grüsse

von coco

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Re: 4 mal bestimmungshilfe erbeten (fotos 2,4 mb)

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7756 Tagen) @ coco

Hallo Coco,
dann probiere ich es einmal:
1. vermutlich Pluteus phlebophorus (Runzeliger Dachpilz)
2. mit Cystolepiota (hetieri) liegst Du nicht schlecht, ist allerdings noch etwas jung, und ohne Mikro, na ja
3. ist für mich eine Ziegenlippe
4. Ziemlich sicher Russula amoenolens (Canembert-Täubling)

Mit Grüssen, Markus

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Re: 4 mal bestimmungshilfe erbeten (fotos 2,4 mb)

Jürgen, (vor 7756 Tagen) @ coco

dann zwei filzröhrlinge, der linke unter eiche, der rechte unter buche.
links schwebe ich zwischen x. spadiceus und lanatus, rechts zwischen
chrysenteron und pruinatus.

Hallo coco,

der linke Röhrling ist höchstwahrscheinlich X. subtomentosus (bei Eiche, typische Fleischfarbe - im Hut gelb, im Stiel unten blassrosa, schwaches aber deutliches Blauen). Siehe auch hier.

Der rechte ist schwieriger. Er gehört wegen der trüb gelben Röhren sicher in die Gruppe um X. chrysenteron, ist aber jedenfalls weder dieser noch X. pruinatus, die beide, besonders Letzterer, intensiver gelbes Fleisch haben; X. chrysenteron müsste typischerweise außerdem außen und auch innen im Stiel rhabarberrote Farben aufweisen, auch ist für X. pruinatus der Stiel viel zu blass.

Schade, dass man im Schnitt ausgerechnet die unterste Stielbasis nicht sieht, aber wenn mich nicht alles täuscht, ist in der Stielrinde ein Anflug von orange zu sehen. Es könnte also - trotz des etwas blassen Fleisches und der etwas düsteren Farben - durchaus noch X. communis sein. In Frage käme evtl. auch X. cisalpinus, für den weißes Hut- und blauendes Stielfleisch (wie bei deinem Fund) typisch sein sollen (siehe auch das Vergleichsbild). Die Sporenmaße und weitere Angaben zum Standort (Boden, Pflanzengesellschaft, Begleitpilze u. ä.) wären hilfreich.

Gruß, Jürgen

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Re: 4 mal bestimmungshilfe erbeten (fotos 2,4 mb)

coco, (vor 7756 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Coco,
dann probiere ich es einmal: 1. vermutlich Pluteus phlebophorus (Runzeliger
Dachpilz)
2. mit Cystolepiota (hetieri) liegst Du nicht schlecht, ist allerdings noch
etwas jung, und ohne Mikro, na ja
3. ist für mich eine Ziegenlippe
4. Ziemlich sicher Russula amoenolens (Canembert-Täubling)
Mit Grüssen, Markus

hallo markus,

vielen dank für deine hinweise!

1. wegen der gelbtöne am hut und des standortes direkt auf liegendem baumstamm habe ich p. phleboporus ausgeschlossen. gewünscht hätte ich mir als tip den für mich etwas obskuren p. chrysophaeus :)

2. wie am samstag auf exkursion:
sprecher 1: und wie machst du das mit der inocybe-bestimmung?
sprecher 2: ganz einfach, ich mikroskopiere nicht.
sprecher 1: hmm, das spart zeit!
sprecher 2: ja, manchmal...

du kannst dir denken, wer sprecher 2 war :(

3. das sind zwei verschiedene filzröhrlinge. du meinst wahrscheinlich den linken, dessen hut mir für eine ziegenlippe zu dunkel und zu rötlich-braun ist.

4. r. amoelens kenne ich eigentlich, aber nicht mit so glänzendem hut. der geschmack war nur schwach schärflich; ein geruch war gestern gar nicht auszumachen. auf deinen tip hin bin ich nochmal ans dörrex getreten, und siehe da: heute riecht er ein wenig wie hans´ gummistiefel nach 15 wochen yukon. danke!

gruss coco

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Re: 4 mal bestimmungshilfe erbeten (fotos 2,4 mb)

Andreas ⌂, (vor 7756 Tagen) @ coco

Hallo Coco,

ich will auch noch meinen Kommentar loswerden, weil ich nicht in allen Fällen ganz mit Markus übereinstimme. Abwägen mußt Du dann allerdings selber ;-)

zunächst ein kleines grüppchen auf moderndem
holz (fichte?); hutdurchmesser aufgeschirmt 3-4 cm; spp.
"fleischfarben" rotbräunlich, gattung unklar :(
auffällig der "längsgeriefte", fast verdreht wirkende stiel. für
gymnopilus (oder wie heissen die flämmlinge derzeit?) sind mir die
lamellen zu ungelb. so bin ich schon von pluteus über entoloma zu tubaria
und zurück gepaddelt und wäre um aufklärung froh:

Da würde ich auch große Zweifel auf Pluteus phlebophorus erkennen.

gleich darauf zwei sehr kleine gesellen auf erde, nur 1,5 cm im
hutdurchmesser, die ich noch nie gesehen habe. was links wie eine kräftige
stielknolle aussieht, ist nur die gemeinsame basis der zwei pilzlein. ob
ich sie wohl als cystolepiota hetieri ablegen darf?

Für C. hetieri ist der Pilz mir zu wenig rötlich im Hut. Die Gruppe stimmt aber auf jeden Fall. Ich würde eher zu C. adulterina oder sogar C. cystidiata tendieren. Dazu muss man aber mikroskopieren und vor allem die Lamellenzystiden anschauen. Das sollte auch schon bei diesen jungen Exemplaren funktionieren.

dann zwei filzröhrlinge, der linke unter eiche, der rechte unter buche.
links schwebe ich zwischen x. spadiceus und lanatus, rechts zwischen
chrysenteron und pruinatus. röhrlingsmeister helft! auf dem untersten bild
sieht man übrigens, wie sich horst nach überlebter messerattacke freudig
in sein zweites leben flüchtet:

Links ist für mich der Braune Filzröhrling (Xerocomus spadiceus), rechts wäre ich mit X. pruinatus einverstanden. Ist aber für mich nicht ganz klar, mal sehen was Jürgen meint.

dann wären da noch graubraune täublinge mit gilbender stielbasis und
brüchigen, creme-gelblichen lamellen, gefunden unter eiche an
wärmebegünstigtem waldrand. das spp. ist weiss, die hüte 8 - 10 cm im
durchmesser. auffällig der starke glanz der trockenen hüte. meine
literatur hilft da nicht weiter:

Da würde ich auch mal an Russula pectinatoides denken. Falls Du Kalilauge hast, betupfe doch mal die Stielbasis, ob sie feuerrot wird oder nicht. Und dann wäre der Geschmack noch wichtig (nicht von der Kalilauge *ggg*), ob der Pilz nur eklig nach Gummi schmeckt oder auch gleichzeitig noch scharf.

beste grüsse
Andreas

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Beim zweiten Hinsehen

Jürgen, (vor 7756 Tagen) @ Jürgen

würde ich für den rechten auch - trotz des Blauens - X. ferrugineus in die Überlegungen einbeziehen, v. a. wegen der pustelig-körnigen, fein längsrippigen Stieloberfläche, des weißen Hutfleisches und der nicht leuchtend gelben Poren. Anhand nur dieses einen Exemplars aber nicht zu entscheiden.

Was den linken betrifft, so darf die Ziegenlippe durchaus auch dunkler rotbraunen Hut haben. Die Hutfarbe ist kein griffiges Unterscheidungsmerkmal zu X. ferrugineus.

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Re: 4 mal bestimmungshilfe erbeten (fotos 2,4 mb)

coco, (vor 7756 Tagen) @ Jürgen

hallo jürgen,

danke für den beitrag.

der linke Röhrling ist höchstwahrscheinlich X. subtomentosus (bei Eiche,
typische Fleischfarbe - im Hut gelb, im Stiel unten blassrosa, schwaches
aber deutliches Blauen). Siehe auch hier .

akzeptiert.

Schade, dass man im Schnitt ausgerechnet die unterste Stielbasis nicht sieht,
aber wenn mich nicht alles täuscht, ist in der Stielrinde ein Anflug von
orange zu sehen. Es könnte also - trotz des etwas blassen Fleisches und
der etwas düsteren Farben - durchaus noch X. communis sein. In Frage
käme evtl. auch X. cisalpinus , für den weißes Hut- und blauendes
Stielfleisch (wie bei deinem Fund) typisch sein sollen (siehe auch das
Vergleichsbild ). Die Sporenmaße und weitere Angaben zum Standort (Boden,
Pflanzengesellschaft, Begleitpilze u. ä.) wären hilfreich.

das war saudumm fotografiert von mir. hier noch ein etwas farbgesättigteres detail, leider auch angeschnitten:

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heute, nach 20 stunden, stellt sich die stielbasis im schnitt dunkel weinrot (fast violett) dar. sie hat nach dem gestrigen schnitt nicht geblaut; orangetöne habe ich aufrichtig, aber vergeblich gesucht.
für communis war mir das fleisch zu kalt-gelb. sehr auffällig war für mich die fast impolitusartige, minimal rötliche stielpunktierung.
dein cisalpinus gefällt mir sehr gut! sporenmasse kann ich nicht anbieten, aber ein exsikkat.
der filzröhrling wuchs einzeln zwischen buchen und buchenunterholz, direkt neben einem dicken strunk, vermutlich ca. 130jährige eiche. standort ebenere und feuchtere fläche an sehr warmem und sonst trockenem südwesthang, stadtwald heidelberg, ca. 300 NN. nahrhafter, leicht basischer boden aus buntsandsteinuntergrund. in der umgebung, aber nicht am fundort, reichlich waldmeister, einige maiglöckchen. in nächster umgebung keine pilze, ca. 25 m entfernt am wegrand meine mehlschirmlinge.

gruss coco

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Re: 4 mal bestimmungshilfe erbeten (fotos 2,4 mb)

coco, (vor 7756 Tagen) @ Andreas

hallo andreas,

auch dir danke für die hilfe.

Da würde ich auch große Zweifel auf Pluteus phlebophorus erkennen.

heisst das ja oder nein? :)

Für C. hetieri ist der Pilz mir zu wenig rötlich im Hut. Die Gruppe stimmt
aber auf jeden Fall. Ich würde eher zu C. adulterina oder sogar C.
cystidiata tendieren. Dazu muss man aber mikroskopieren und vor allem die
Lamellenzystiden anschauen. Das sollte auch schon bei diesen jungen
Exemplaren funktionieren.

die rotfärbung kam erst mit der zeit. die von dir genannten arten sind mir nicht geläufig, schande. interesse, den fund zu mikroskopieren?

Da würde ich auch mal an Russula pectinatoides denken. Falls Du Kalilauge
hast, betupfe doch mal die Stielbasis, ob sie feuerrot wird oder nicht.
Und dann wäre der Geschmack noch wichtig (nicht von der Kalilauge *ggg*),
ob der Pilz nur eklig nach Gummi schmeckt oder auch gleichzeitig noch
scharf.

schmecken tut er derzeit nach vergammelndem, madigem täubling, also praktisch wie gummi :)
ich weiss nicht, wie kalilauge schmeckt, aber wie fotoentwickler.
mein agfa rodinal hat immerhin 3% NaOH und färbt die stielbasis verdammt rot!
danke für den volltreffer. hat der einen deutschen namen?

gruss coco

p.s. hab ich versäumt, den horak bei dir zu stornieren? das wäre mir peinlich.

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Re: 4 mal bestimmungshilfe erbeten (fotos 2,4 mb)

zuehli ⌂, (vor 7756 Tagen) @ coco

1. wegen der gelbtöne am hut und des standortes direkt auf liegendem
baumstamm habe ich p. phleboporus ausgeschlossen. gewünscht hätte ich mir
als tip den für mich etwas obskuren p. chrysophaeus :)

Hallo coco,

für mich eindeutig P.phleboporus. Der "obskure" P.chrysophaeus sollte meiner Meinung nach eine deutlich gelbe Stielbasis haben.

Den Cystolepiota würde ich noch ein wenig wachsen lassen, bevor Bestimmungsversuche einsetzen und zu den anderen sag ich ohne meinen Rechtsbeistand nix.
Gruß Harald

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Re: 4 mal bestimmungshilfe erbeten (fotos 2,4 mb)

Jürgen, (vor 7756 Tagen) @ coco

Hallo Coco,

die Standortverhältnisse (thermophiler Laubwald mit Eiche, Buche; besserer Boden) würden gut zu X. cisalpinus passen. Bei dem vorliegenden Frkp. ist aber das Fleisch im Stiel zu wenig gelb und das Blauen zu schwach, auch die Stieloberfläche dürfte (vor allem am Hutansatz) etwas intensiver gelb sein und müsste auf Druck blauen (hier nicht deutlich zu sehen). Intensiveres Rot in der Stielbasis ist nach der Beschreibung von Ladurner & Simonini wohl möglich ("dull reddish tinges", "red areas in the stipe base"), aber nicht typisch wie für X. chrysenteron ss. str.

Ob beurteilen zu können, ob der Fund noch in die Variationsbreite von X. cisalpinus fällt, wäre es sinnvoll - wenn es ohne größeren Aufwand machbar ist - den Fundort im Auge zu behalten. Vielleicht ergibt sich schon bald eine umfangreichere Kollektion mit unterschiedlich alten Frkp., die verlässliche Aussagen über die wichtigsten Merkmale erlauben. Das Exsikkat bringt wohl nicht allzuviel, weil die Sporen wegen der Jugend des Frkp. noch nicht ausgereift sein dürften.

Grüße, Jürgen

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Re: 4 mal bestimmungshilfe erbeten / 1 Bild

Andreas ⌂, (vor 7756 Tagen) @ coco

Ja, makroskopisch typischer, etwas älterer P. phlebophorus (der wird schnell gelblich im Stiel)

die rotfärbung kam erst mit der zeit. die von dir genannten arten sind mir
nicht geläufig, schande. interesse, den fund zu mikroskopieren?

Jein, Interesse schon, aber ich weiß nicht wann ich dazu komme. Wenn es Dich nicht stört dass er vielleicht bis zum Winter liegenbleibt ....

schmecken tut er derzeit nach vergammelndem, madigem täubling, also praktisch
wie gummi :)
ich weiss nicht, wie kalilauge schmeckt, aber wie fotoentwickler.
mein agfa rodinal hat immerhin 3% NaOH und färbt die stielbasis verdammt rot!
danke für den volltreffer. hat der einen deutschen namen?

Wenn er tatsächlich an der Basis rot verfärbt, dann ist es Russula insignis (früher R. livescens), der Milde Kamm-Täubling.
Ein nicht sehr schönes Vergleichsbild aus meiner Fotogalerie:
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p.s. hab ich versäumt, den horak bei dir zu stornieren? das wäre mir
peinlich.

Du hattest es ja auf Abruf bestellt und nicht definitiv. Ich habe noch welche, aber nicht weil ich ihn Dir zurückgelegt hätte, mach Dir keine Backen.

beste Grüße,
Andreas

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vielen dank allen helfern :)

coco, (vor 7756 Tagen) @ coco

- kein Text -