Frage über PSVler - Jargon

Der Juergen, (vor 7737 Tagen)

Hallo Pilzfreunde,

Was micht interessiert, ist die Frage, woher die Wendung "Einen Pilz 'ansprechen'" ("Den Pilz würde ich als ..soundso.. ansprechen")kommt. Ich weiß, etymologische Fragen, oder Fragen nach dem Urspruch von Redewendungen oder Überlieferten "Phrasen" sind fast unmöglich zu beantworten. Mich würde mal von denen, die diese Wendung benutzen, interessieren, wo und wann sie die aufgeschnappt haben (PSV-Schulungen, Pilzzentrum, Literatur?).

Grüßle
Juergen

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Re: Frage über PSVler - Jargon

coco, (vor 7737 Tagen) @ Der Juergen

hallo jürgen,

also ich gebe gerne zu, dass ich diese formulierung selbst irgendwo aufgeschnapt habe, entweder bei einem kurs in hornberg, oder hier im forum.
sie ist eine elegante möglichkeit, einen fund oder ein foto zu benennen, ohne sich wirklich festzulegen - und daraufhin öffentlich gemeuchelt zu werden :)

gruss coco

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Re: Frage über PSVler - Jargon

Der Juergen, (vor 7737 Tagen) @ coco

Hallo coco

also ich gebe gerne zu, dass ich diese formulierung selbst irgendwo
aufgeschnapt habe, entweder bei einem kurs in hornberg, oder hier im
forum.

Ich bin dieser Wendung im Forum zum ersten Mal begegnet, kurz darauf hörte ich sie von Angehörigen eines Pilzvereins.

sie ist eine elegante möglichkeit, einen fund oder ein foto zu benennen, ohne
sich wirklich festzulegen - und daraufhin öffentlich gemeuchelt zu werden

)

:-) Kann ich gut nachvollziehen. Eigentlich müsste aber dafür der Konjunktiv völlig ausreichen (Ich 'würde' den Pilz als xyz Bezeichnen). Was mich 'amüsiert' ist die Herstellung einer fast 'personalen' Beziehung zum Objekt: "Ich spreche diesen Pilz an":-) Mir ist in keiner anderen Disziplin (Zoologie, Botanik) etwas Vergleichbares bekannt.

Grüßle
Juergen

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Re: Frage über PSVler - Jargon

Der Juergen, (vor 7737 Tagen) @ Der Juergen

Es gibt ja auch noch Pilze, die 'gut ansprechbar' sind:-)

Grüßle
Juergen

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Re: Frage über PSVler - Jargon

Werner, (vor 7737 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Jürgen,

also, ich denke, daß ich diese Formulierung durchaus auch schon woanders gehört habe. Nicht nur im Zusammenhang mit Pilzen. Ansonsten stimme ich allem bisher Gesagten zu.

Gruß,

Werner

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Re: Frage über PSVler - Jargon

zuehli ⌂, (vor 7737 Tagen) @ Werner

Hallo Jürgen,

ich habe schon so oft versucht Pilze anzusprechen, aber es hat mir nie einer geantwortet.... :-(

Gruß Harald
;-))

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Re: Da bin ich zum Glück nicht alleine *ggg*

amanita, (vor 7737 Tagen) @ zuehli

- kein Text -

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Re: Frage über PSVler - Jargon

Gelbfieber, (vor 7737 Tagen) @ Der Juergen

Hallo und guten Tag Jürgen,

der Begriff „ansprechen“ kommt m. E. von der Jagd.
Der Jäger versteht unter –ansprechen- sich ein Bild von einem bestimmten Stück Wild zu machen. Es nach seinen Merkmalen, Aussehen und Verhalten einzuschätzen bzw. in ein System einzuordnen.
Bsp.: Den Bock spricht man als Jährling an.

Tschüßi
Gelbfieber

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Re: Frage über PSVler - Jargon

Der Juergen, (vor 7737 Tagen) @ Gelbfieber

Hallo Gelbfieber,

der Begriff „ansprechen“ kommt m. E. von der Jagd.
Der Jäger versteht unter –ansprechen- sich ein Bild von einem bestimmten
Stück Wild zu machen. Es nach seinen Merkmalen, Aussehen und Verhalten
einzuschätzen bzw. in ein System einzuordnen.
Bsp.: Den Bock spricht man als Jährling an.

Interessant! Wenn man bedenkt, dass Pilze näher mit den Tieren als mit den Pflanzen verwandt sind ... wundert es irgendwie nicht:-)

Grüßle
Juergen

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PSVler - Jargon – eine Betrachtung ;-)

Thomas Pruß, (vor 7736 Tagen) @ Der Juergen

Moin Jürgen,
jetzt muss der „Dudenpolizist“ auch mal seinen Senf dazu geben:
Gelbfiebers Vermutung, dass das „Ansprechen“ eines Pilzes seinen Ursprung in der Jägersprache hat, ist gar nicht so abwegig. Allerdings müsste dann schon wesentlich länger „angesprochen“ werden, weil die Jägersprache schon sehr alt ist. Der Ausdruck selbst ist aber erst seit wenigen Jahren „in“, so dass ich einen anderen Ursprung befürchte: In englischen (wissenschaftlichen) Publikationen wird auch mal des öfteren „angesprochen“ („to respond“, „to ask“, „to bring up“ – wobei einige Begriffe im Sinne von „Wirkung zeigen auf etwas“ benutzt werden). Bei nachlässigen Übersetzungen wird dann „etwas ansprechen“ im Sinne von „identifizieren“ benutzt. Vielleicht, weil etwas viel „identifiziert“ wurde, um Wortwiederholungen zu vermeiden…
„Nachlässig“ deshalb, weil hier der Sinn des englischen Begriffes verdreht wird. Das ist so ähnlich wie die Übersetzung von „it makes sense“ mit „es macht Sinn“. Weder im englischen noch im deutschen Sprachgebrauch kann „etwas Sinn machen“, sondern nur „Sinn haben“ oder „Sinn ergeben“. Ebenso ist die „Bush-Administration“ einfach nur die „Regierung von Präsident Bush“ (administration = Regierung) und sonst nix! Ganz extrem ist das bei Politikern so beliebte „auseinander dividieren“, was so viel wie ein weißer Schimmel ist. Zugegeben: An dem Schludrian sind die Medien nicht ganz unschuldig, und die Eitelkeit so manchen Journalisten.
Deine Vermutung, dass mit dem „Ansprechen“ eines Pilzes eine „persönliche Beziehung“ zu dem Objekt der Begierde hergestellt wird, kann ich nicht teilen. Viel eher will sich der Vortragende – m. o. w. bewusst – mit einer geschwollenen, aufgeblähten Sprachweise von seinem Auditorium abgrenzen, nach dem Motto: „Ich weiß mehr als ihr, ich bin besser als ihr! Belästigt mich nicht mit dummen Fragen!“
Man kann es auch auf die Spitze treiben:
„Der Fungus ist in seiner sozialrelevanten Struktur als ein sozioökonomisches Phänomen mit der Fähigkeit zur Supplementation frustrationshemmender Substanzen anzusprechen (sic!).
Dabei muss auf seine Funktion zur Repression unterpriveligierter Schichten, sogenannter „Pilzsammler“, besonders eingegangen werden.“
Sprich: „Pilze sind essbar, es gibt auch giftige!“

Im Deutschen sollte man nur jemanden ansprechen, von dem man auch wirklich eine Antwort erwarten kann. Wer das bei Pilzen macht, ist wohl recht einsam ;-)
Pilze, Pflanzen und Tiere „identifiziert“ man, sie sind (oder können) die und die Art sein. Nix sonst!

Grüßlis
Thomas

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Re: Frage über PSVler - Jargon

Karl Koszka, (vor 7736 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Juergen,

Was micht interessiert, ist die Frage, woher die Wendung "Einen Pilz
'ansprechen'" ("Den Pilz würde ich als ..soundso..
ansprechen")kommt. Ich weiß, etymologische Fragen, oder Fragen nach
dem Urspruch von Redewendungen oder Überlieferten "Phrasen" sind
fast unmöglich zu beantworten. Mich würde mal von denen, die diese Wendung
benutzen, interessieren, wo und wann sie die aufgeschnappt haben
(PSV-Schulungen, Pilzzentrum, Literatur?).

In der Önologie (Wein{bau}kunde) und da besonders in der Sensorik stolpert
man ständig über diese Redewendung.
Nach der organoleptischen Prüfung des Weines ( mit den Sinnen prüfen:
Auge (Farbe), Nase (Duft, Geruch), Zunge (Geschmack)) folgt dann
gegebenenfalls bei einer Weinprobe die Weinansprache mit den soeben
gewonnenen Erkenntnissen plus eventueller Hintergrundinformationen
des Winzers z.B. Wachstumsbedingungen im Weinberg (Klima etc.) oder
Weinausbau im Keller.
Hat man einen sehr guten Wein erwischt antwortet der sogar: "Noch einen" ? ;)

viele Grüße
Karl

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Re: Frage über PSVler - Jargon

Der Juergen, (vor 7736 Tagen) @ Karl Koszka

Hallo Karl,

In der Önologie (Wein{bau}kunde) und da besonders in der Sensorik stolpert
man ständig über diese Redewendung.
Nach der organoleptischen Prüfung des Weines ( mit den Sinnen prüfen: Auge
(Farbe), Nase (Duft, Geruch), Zunge (Geschmack)) folgt dann
gegebenenfalls bei einer Weinprobe die Weinansprache mit den soeben
gewonnenen Erkenntnissen plus eventueller Hintergrundinformationen
des Winzers z.B. Wachstumsbedingungen im Weinberg (Klima etc.) oder
Weinausbau im Keller.

Hochinteressant! Danke Dir für diesen kleinen Einblick (den Begriff 'organoleptische Prüfung' find ich köstlich):-)

Hat man einen sehr guten Wein erwischt antwortet der sogar: "Noch
einen" ? ;)

So ists recht!:-)

Grüßle
Juergen

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Re: PSVler - Jargon – eine Betrachtung ;-)

Der Juergen, (vor 7736 Tagen) @ Thomas Pruß

Hallo Thomas,

Ich danke Dir für diese kleine Betrachtung, ich ereifere mich da auch gerne.

jetzt muss der „Dudenpolizist“ auch mal seinen Senf dazu geben: Gelbfiebers
Vermutung, dass das „Ansprechen“ eines Pilzes seinen Ursprung in der
Jägersprache hat, ist gar nicht so abwegig. Allerdings müsste dann schon
wesentlich länger „angesprochen“ werden, weil die Jägersprache schon sehr
alt ist.

Nicht unbedingt. Die Phrase kann schon aus diesem Bereich (Jägerei) entlehnt worden sein - es würde dann allerdings gegen das 'Alter' fachmykologischen Jargons sprechen:-) Meist ist es doch so, dass ein Didakt und Vorbild 'plötzlich' Sprachwendungen einführt (aus Jux und Dollerei, und das womöglich noch aus anderen Fachbereichen), die von den Adepten benutzt und weitergegeben werden.

Der Ausdruck selbst ist aber erst seit wenigen Jahren „in“, so
dass ich einen anderen Ursprung befürchte: In englischen
(wissenschaftlichen) Publikationen wird auch mal des öfteren
„angesprochen“ („to respond“, „to ask“, „to bring up“ – wobei einige
Begriffe im Sinne von „Wirkung zeigen auf etwas“ benutzt werden). Bei
nachlässigen Übersetzungen wird dann „etwas ansprechen“ im Sinne von
„identifizieren“ benutzt. Vielleicht, weil etwas viel „identifiziert“
wurde, um Wortwiederholungen zu vermeiden…

Aus einem Übersetzungsfehler generiert!? Interessant!!! Ich will jedoch in diesem Falle ("to respond", "to ask") nicht so recht dran glauben, weil hier die 'Aktivität' beim Objekt liegt: Irgendetwas spricht an - und nicht beim Subjekt: Ich spreche etwas an. Schließlich wird "der Pilz angesprochen". Auf jedenfall ist Deine Idee der Übersetzungsfehler überlegenswert.

„Nachlässig“ deshalb, weil hier der Sinn des englischen Begriffes verdreht
wird. Das ist so ähnlich wie die Übersetzung von „it makes sense“ mit „es
macht Sinn“. Weder im englischen noch im deutschen Sprachgebrauch kann
„etwas Sinn machen“, sondern nur „Sinn haben“ oder „Sinn ergeben“. Ebenso
ist die „Bush-Administration“ einfach nur die „Regierung von Präsident
Bush“ (administration = Regierung) und sonst nix! Ganz extrem ist das bei
Politikern so beliebte „auseinander dividieren“, was so viel wie ein
weißer Schimmel ist. Zugegeben: An dem Schludrian sind die Medien nicht
ganz unschuldig, und die Eitelkeit so manchen Journalisten.

*grins* ich würde den letzten Teilsatz so formulieren: ",und das Unvermögen so mancher Journalisten" :-)

Deine Vermutung, dass mit dem „Ansprechen“ eines Pilzes eine „persönliche
Beziehung“ zu dem Objekt der Begierde hergestellt wird, kann ich nicht
teilen.

Ich auch nicht:-)

Viel eher will sich der Vortragende – m. o. w. bewusst – mit einer
geschwollenen, aufgeblähten Sprachweise von seinem Auditorium abgrenzen,
nach dem Motto: „Ich weiß mehr als ihr, ich bin besser als ihr! Belästigt
mich nicht mit dummen Fragen!“

So barsch hätt ich das jetzt nicht ausgedrückt:-) Natürlich ist Jargon naturgemäß ein 'Sprachspiel'; gäbe es das Problem des Identitätsnachweises (Kompetenznachweises) nicht, gäbe es auch keinen Jargon.

Man kann es auch auf die Spitze treiben: „Der Fungus ist in seiner
sozialrelevanten Struktur als ein sozioökonomisches Phänomen mit der
Fähigkeit zur Supplementation frustrationshemmender Substanzen
anzusprechen (sic!).

Ein bisschen kurz:-) Theodor W. Adorno hätte da noch mehr Sätze draus gemacht.:-)

Dabei muss auf seine Funktion zur Repression unterpriveligierter Schichten,
sogenannter „Pilzsammler“, besonders eingegangen werden.“
Sprich: „Pilze sind essbar, es gibt auch giftige!“

*schmunzel*

Im Deutschen sollte man nur jemanden ansprechen, von dem man auch wirklich
eine Antwort erwarten kann. Wer das bei Pilzen macht, ist wohl recht
einsam ;-)

Ein sehr schöner Satz, und so mehrdeutig.

Grüßle
Juergen

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Aufgepasst: Schweizer Variante...

Harald Andres Schmid, (vor 7736 Tagen) @ Der Juergen

Hallo,
Die sinngemässe Schweizer Variante:
"Was machsch us dem da?"
(Hauchdeutsch: "Was machst Du aus diesem (Pilz) da?")
Sprachlich auch nicht sonderlich korrekt (aber Eidgenossen haben da Sonderrechte).
Die Variante ist in vielerlei Hinsicht jedoch überzeugend:
"Ansprechen" tut man auch, nämlich seinen Pilzkollegen, und insofern eine vernünftige, traditionelle Art der mündlichen Kommunikation.
Es ist eine gewisse Bescheidenheit enthalten, denn man "Bestimmt" nicht einfach den Pilz, sondern stellt eine Frage, die vernünftigen Zweifel insofern thematisiert, als herauszuhören ist, dass man seinem eigenen Urteil nicht traut und die Meinung des Kollegen einholt (dessen Urteil man genausowenig traut).
Aufgrund dieser unleugbaren Vorteile der Schweizer Variante schlagen wir vor, sie im hochdeutschen Sprachraum einzuführen.
Kleine Anekdote am Rande:
Als ich den Satz unlängst einer Pilzkollegin gegenüber anwandte, die ihn offensichtlich nicht kannte, erhielt ich die erstaunte Antwort:
"Risotto natürlich, was hast Du denn gedacht?"
Lieben Gruss, Harald Andres

Hallo Pilzfreunde,
Was micht interessiert, ist die Frage, woher die Wendung "Einen Pilz
'ansprechen'" ("Den Pilz würde ich als ..soundso..
ansprechen")kommt. Ich weiß, etymologische Fragen, oder Fragen nach
dem Urspruch von Redewendungen oder Überlieferten "Phrasen" sind
fast unmöglich zu beantworten. Mich würde mal von denen, die diese Wendung
benutzen, interessieren, wo und wann sie die aufgeschnappt haben
(PSV-Schulungen, Pilzzentrum, Literatur?).
Grüßle
Juergen

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Re: Aufgepasst: Schweizer Variante...

Der Juergen, (vor 7735 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald Andres,

Die sinngemässe Schweizer Variante: "Was machsch us dem da?"
(Hauchdeutsch: "Was machst Du aus diesem (Pilz) da?")

Das klingt mir sehr vertraut in den Ohren, wahrscheinlich weil mein Vater aus dem Schwarzwald kommt (Alemanne). Du hast schon Recht, die Schweizer (und sprachlich Anverwandten) sind mit Festlegungen sehr vorsichtig.

Grüßle
Juergen