Pilze vom Essandsjøveien (Tydal, Norwegen)

Andreas W, (vor 7722 Tagen)

Diese Pilze vom 21. und 22. Juli wuchsen in der Nähe des Gammelvollsjøen in etwa 480 bis 530 Meter ü. NN. Bei der Bestimmung habe ich gewisse Probleme, weil skandinavische Pilze nicht immer in meinen Büchern stehen. Wer kann helfen?

[image]
1. ein braunroter Lacktrichterling mit bis zu 8 cm Hutdurchmesser? Fundort am am Wegrand unter Fichten

[image]
[image]
2. + 3. unbekannter Pilz, Fleischfarbe graubraun, Hutdurchmesser bis 10 cm, am Wegrand unter Fichten

[image]
4. sieht aus wie eine Rotkappe, bloß welche, Hutdurchmesser des Jünglings ca. 4 cm, Fundort am Wegrand unter Fichten

[image]
5. Sarcoscypha coccinea? Durchmesser 4 bis 8 mm, Fundort am Wegrand unter Fichten

[image]
6. dieser unbekannte Pilz am Ende eines Stammes (in der Umgebung waren Fichten, und Birken) war ziemlich weich (also kein Porling) und ließ sich leicht vom Stamm ablösen.

[image]
7. sieht so Heterotextus alpinus aus oder ist dies Dacryomyces chrysospermus?

[image]
8. mir unbekannt, sieht fast aus wie ein Trompeten-Pfifferling, Fundort Kiefern-, Fichten- bzw. Birkenmischwald

[image]
9. Porling, Druckstelle braun an Kiefer

[image]
10. sieht fast aus wie ein Gallertkäppchen, doch die Farben stimmen gar nicht mit Lotia lubrica überein und der große Dickfüßige paßt auch nicht so recht zu dieser Art.

Eintrag gesperrt

Re: Pilze vom Essandsjøveien (Tydal, Norwegen)

Schwammerlkönig, (vor 7722 Tagen) @ Andreas W

Hallo Andreas,
Bild 1 glaube ich auch dass es ein roter Lacktrichterling ist, die Lamellen sehen typisch aus für Marasmius
Bild 2 u. 3 vielleicht ein Rübling oder Ackerling, keine Ahnung
Bild 4 vielleicht keine Rotkappe sondern ein anderer Rauhfuß
Bild 5 sieht auf den ersten Blick aus wie frische S. coccineas aber du weisst ja bei Becherlingen ist es ähnlich wie bei Risspilzen oder Cortinarien :-)
Bild 6 keine Ahnung aber davon reichlich !
Bild 7 könnte ein Zitterling sein
Bild 8 evtl ein Hygrophorus (Schneckling)??
Bild 9 und 10 keinen blassen Schimmer

LG Peter

Eintrag gesperrt

6. ist wahrscheinlich Skeletocutis odora

Orix, (vor 7722 Tagen) @ Andreas W

- kein Text -

Eintrag gesperrt

Re: Pilze vom Essandsjøveien (Tydal, Norwegen)

Hans aus ED, (vor 7722 Tagen) @ Andreas W

Hallo Andreas

5. Sarcoscypha coccinea? Durchmesser 4 bis 8 mm, Fundort am Wegrand unter
Fichten

Für mich schauen die Fruchtkörper aus wie kleine (junge) "Gemeine Orangebecherlinge" Aleuria aurantia

Gruß Hans

Eintrag gesperrt

Re: Pilze vom Essandsjøveien (Tydal, Norwegen)

Andreas ⌂, (vor 7722 Tagen) @ Andreas W

Hallo Andreas,

1. ein braunroter Lacktrichterling mit bis zu 8 cm Hutdurchmesser? Fundort am
am Wegrand unter Fichten

Das scheint mir aufgrund der amethystfarben angehauchten lamellen und der etwas schülferigen Hutoberfläche Laccaria bicolor zu sein, auch wenn man das violette Basaömyzel hier nicht erkennen kann.

2. + 3. unbekannter Pilz, Fleischfarbe graubraun, Hutdurchmesser bis 10 cm,
am Wegrand unter Fichten

Das sind Ackerlinge, aber welche Art müßte ein Mikroskop klären. Die gewöhnliche A. praecox scheint es nicht zu sein, dazu ist der Ring zu hinfällig.

4. sieht aus wie eine Rotkappe, bloß welche, Hutdurchmesser des Jünglings ca.
4 cm, Fundort am Wegrand unter Fichten

Aufgrund der rauchgrauen, flockigen Stielschüppchen würde ich dies als Leccinum piceinum ansprechen, zumal Du als Standort Fichtenwald angibst.

5. Sarcoscypha coccinea? Durchmesser 4 bis 8 mm, Fundort am Wegrand unter
Fichten

Das sind mit großer Wahrscheinlichkeit junge Orangebecherlinge (Aleuria aurantia). Auf jeden Fall keine Kelchbecherlinge, die auch nur auf Holz mit gewissem Durchmesser wachsen (so ab 1 cm aufwärts).

6. dieser unbekannte Pilz am Ende eines Stammes (in der Umgebung waren
Fichten, und Birken) war ziemlich weich (also kein Porling) und ließ sich
leicht vom Stamm ablösen.

Keine Ahnung, auf den ersten Blick hätte ich an eine Antrodia gedacht, aber Du schriebst ja er sei weich.

7. sieht so Heterotextus alpinus aus oder ist dies Dacryomyces chrysospermus?

Ohne Mikroskop wird keine Aussage möglich sein. Meiner Ansicht nach sollte man auch Femsjonia pezizaeformis in Betracht ziehen.

8. mir unbekannt, sieht fast aus wie ein Trompeten-Pfifferling, Fundort
Kiefern-, Fichten- bzw. Birkenmischwald

Das ist der Keulenfuß-Trichterling (Clitocybe clavipes), für den übrigens letztes Jahr von HARMAJA die eigene gattung Clavicybe aufgestellt wurde.

9. Porling, Druckstelle braun an Kiefer
10. sieht fast aus wie ein Gallertkäppchen, doch die Farben stimmen gar nicht
mit Lotia lubrica überein und der große Dickfüßige paßt auch nicht so
recht zu dieser Art.

Mir scheinen das eher total verwachsene Rüblinge zu sein. Sind nicht auf dem vorderen Exemplar Lamellenansätze zu sehen? Ich könnte mir gut vorstellen, dass es Gymnopus prolixa war. Auch beim Waldfreund-Rübling auf Rindenschrot habe ich schon so total verwachsene Exemplare gesehen.

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
ein View

Re: Pilze vom Essandsjøveien (Tydal, Norwegen)

Andreas W, (vor 7722 Tagen) @ Andreas W

Vielen Dank für die Antworten! Nun muß ich mich auch noch mal zu Wort melden.

1. Laccaria bicolor ist in meinen Büchern mit bis zu 5 cm Hutdurchmesser angegeben und auch der Fundort spricht mehr für Laccaria proxima.

4. also eine Fichten-Rotkappe (ist nicht in meinen Büchern drin *grrr*)

5. ich hatte auch erst Aleuria aurantia erwogen, doch erstens erscheinen mir die Ränder als zu dick, die Farbe als zu sehr rot (ist wegen leichtem Gegenlicht etwas heller ausgefallen) und zum anderen sind die Ränder heller.
Die Frage, die meine Bücher allerdings nicht beantworten, ist, ob Sarcoscypha coccinea überhaupt auf Fichtenzweigen wächst. Die lagen dort überall herum und halte es nicht für ausgeschlossen, daß beim Ausbau des Holzwirtschaftsweges diese dort mit Schottersteinen überschüttet wurden.

6. es handelt sich auch deswegen nicht um einen Porling, weil auch Lamellen zu sehen sind!

7. Andreas, Femsjona peziziformis müßte eigentlich ausscheiden, weil der Fruchtkörper nicht becherartig aussieht und der eigentlich mehr an Weißtanne vorkommt, während das Holz entweder Fichte oder Kiefer ist. Weißtanne kommt dort nicht vor, nur etwa 5 Kilometer weiter westlich.

8. Keulenfuß-Trichterling hätte ich erkannt, die gibt es auch in der Lüneburger Heide bei Bad Bevensen. Bei der Größe von max. 4 cm müßten die eigentlich noch ein wenig mehr nach oben gewölbt sein. Die Lamellen stehen mir bei diesem Pilz ein wenig zu weit auseinander und sind rein weiß. Die Cremefarbenwirkung im unteren Lamellenbereich kommt lediglich dadurch zustande, daß die Stielfarbe durchgehend gleich ist und im unteren Lamellenbereich noch durchscheint. Ein bißchen dicker werden bei diesem Pilz die Stiele nach unten hin schon, aber eine richtige Keule, so wie ich das von zuhause kenne, hatten diese Pilze nicht.

10. Ich habe noch einmal eine Ausschnittsvergrößerung beigefügt. Es ist richtig, daß dort schmutzigweiße Lamellen zu sehen sind.
[image]
Ich hatte vergessen die Größe anzugeben. Der Hutdurchmesser des größten Pilzes (rechts von der Mitte) beträgt lediglich 1,5 cm. Der Stiel des erlegten Exemplares war innen leicht hohl.

LG

Andreas

Eintrag gesperrt

Re: Pilze vom Essandsjøveien (Tydal, Norwegen)

AK_CCM, (vor 7722 Tagen) @ Andreas W

Hallo Andreas,

eine Sarcoscypha wirst Du höchstens unter Fichten finden, wenn der Hans in seinem Garten Platz schaffen muss und eines seiner Hölzer dort "ausgesetzt hat! ;-)

Im Ernst: Die bei uns vorkommenden Sarcoscyphaceae fruktifizieren vorwiegend von Februar bis Mai auf am Boden liegenden, teils vergrabenen Ästen von (Berg-)Ahorn, Erle, Linde und Weide.

Daher halte ich es für ausgeschlossen, dass Deine kleinen roten und becherartigen Fruchtkörper am Wegrand im Fichtenwald Kelchbecherlinge sind.

Gruß, Andreas

Eintrag gesperrt

Re: Pilze vom Essandsjøveien (Tydal, Norwegen)

Hans aus ED, (vor 7722 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,
eine Sarcoscypha wirst Du höchstens unter Fichten finden, wenn der Hans in
seinem Garten Platz schaffen muss und eines seiner Hölzer dort
"ausgesetzt hat! ;-)
Im Ernst: Die bei uns vorkommenden Sarcoscyphaceae fruktifizieren vorwiegend
von Februar bis Mai auf am Boden liegenden, teils vergrabenen Ästen von
(Berg-)Ahorn, Erle, Linde und Weide.
Daher halte ich es für ausgeschlossen, dass Deine kleinen roten und
becherartigen Fruchtkörper am Wegrand im Fichtenwald Kelchbecherlinge
sind.
Gruß, Andreas

Hallo Andreas,

warum sollte man Sarcoscypha höchstens unter Fichten finden wenn ich in meinen Garten Platz geschaffen habe ?

Mein schönster Fundort von Sarcoscypha austriaca liegt in einer Fichtenschonung an der Isar. Das Substrat kommt von einer alten Erle, die hier unter all den Fichten einmal gestanden hat, jetzt liegt sie :).

Gruß Hans

Gruß Hans

Eintrag gesperrt
ein View

erwischt...

AK_CCM, (vor 7721 Tagen) @ Hans aus ED

Moin Hans,

verdammt: Und wenn ich jetzt einfach behaupte, ich wollte "an Fichte" statt "unter Fichten" schreiben..? ;-)

Ändert jedoch nichts daran, dass auf dem Foto keine Kelchbecherlinge zu sehen sind - zumal von am Boden liegenden bzw. vergrabenen Fichtenästen die Rede war.

Gruß, Andreas

Eintrag gesperrt

Klare Aussage

Andreas W, (vor 7721 Tagen) @ AK_CCM

Vielen Dank,

diese klare Aussage fehlt in meiner Dokumentation, egal ob an Fichten oder unter Fichten *grins*

liebe Grüße

Andreas

Eintrag gesperrt
ein View

Re: Pilze vom Essandsjøveien (Tydal, Norwegen)

Andreas ⌂, (vor 7721 Tagen) @ Andreas W

Hallo Andreas,

1. Laccaria bicolor ist in meinen Büchern mit bis zu 5 cm Hutdurchmesser
angegeben und auch der Fundort spricht mehr für Laccaria proxima.

Ich habe Laccaria bicolor ungelogen schon mit 12 cm Durchmesser gefunden. Im aus dem Schwedischen übersetzten Pilzbuch "Pilze" von RYMAN/HOLMASEN (Thalacker-Verlag) steht 10-50(100) mm.
Die malven- oderr amethystfarbenen Lamellen sprechen für mich gegen proxima, ebenso der Stiel, der bei proxima dunkler und gröber längsfaserig sein müßte, meist auch etwas gedreht ist.

4. also eine Fichten-Rotkappe (ist nicht in meinen Büchern drin *grrr*)
5. ich hatte auch erst Aleuria aurantia erwogen, doch erstens erscheinen mir
die Ränder als zu dick, die Farbe als zu sehr rot (ist wegen leichtem
Gegenlicht etwas heller ausgefallen) und zum anderen sind die Ränder
heller.
Die Frage, die meine Bücher allerdings nicht beantworten, ist, ob Sarcoscypha
coccinea überhaupt auf Fichtenzweigen wächst. Die lagen dort überall herum
und halte es nicht für ausgeschlossen, daß beim Ausbau des
Holzwirtschaftsweges diese dort mit Schottersteinen überschüttet wurden.

Du hast recht, es sieht etwas ungewöhnlich aus und gerade in Skandinavien ist die operculate Asco-Flora reichhaltiger als bei uns. Es könnte auch etwas in Richtung Melastiza sein. Hier muss das Mikroskop Klarheit schaffen, wie die Sporen aussehen und ob irgendwelche Randhaare/-zellen vorhanden sind.

6. es handelt sich auch deswegen nicht um einen Porling, weil auch Lamellen
zu sehen sind!

Das ist meiner Ansicht nach eine senkrecht herablaufende Porenschicht, wie es bei Antrodia serialis auch häufig zu sehen ist, aber keine Lamellen.

7. Andreas, Femsjona peziziformis müßte eigentlich ausscheiden, weil der
Fruchtkörper nicht becherartig aussieht und der eigentlich mehr an
Weißtanne vorkommt, während das Holz entweder Fichte oder Kiefer ist.
Weißtanne kommt dort nicht vor, nur etwa 5 Kilometer weiter westlich.

War auch nur ein Vorschlag. Femsjonia kommt übrigens genauso häufig an Buche vor, Einzelfunde auch an Fichte, Lärche, Kiefer, Eiche und Weide.

8. Keulenfuß-Trichterling hätte ich erkannt, die gibt es auch in der
Lüneburger Heide bei Bad Bevensen. Bei der Größe von max. 4 cm müßten die
eigentlich noch ein wenig mehr nach oben gewölbt sein. Die Lamellen stehen
mir bei diesem Pilz ein wenig zu weit auseinander und sind rein weiß. Die
Cremefarbenwirkung im unteren Lamellenbereich kommt lediglich dadurch
zustande, daß die Stielfarbe durchgehend gleich ist und im unteren
Lamellenbereich noch durchscheint. Ein bißchen dicker werden bei diesem
Pilz die Stiele nach unten hin schon, aber eine richtige Keule, so wie ich
das von zuhause kenne, hatten diese Pilze nicht.

Alles richtig, ich denke trotzdem dass es ein Keulenfuß-Trichterling ist. Die Kreiselform und gerade auch die Lamellen sprechen für mich eigentlich dafür. Sollte er es nicht sein, was ich ja nicht ganz ausschließen möchte, so ist es jedenfalls sicher ein Trichterling.

10. Ich habe noch einmal eine Ausschnittsvergrößerung beigefügt. Es ist
richtig, daß dort schmutzigweiße Lamellen zu sehen sind.

Die Stiele sind meiner Meinung nach typische Rüblings-Stiele.

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt

Re: Pilze vom Essandsjøveien (Tydal, Norwegen)

Andreas W, (vor 7721 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

zu 1: das werd ich mir noch mal im Detail reinziehen und nochmal vergleichen.

Nach Deiner Darstellung hab ich die beiden schon immer vertauscht.

zu 8: Ja, genau, ein Trichterling, aber keinen, den ich kenne...

zu 10: Ist dann erledigt.

zu 6: das es so ähnlich aussieht ist richtig, aber der Pilz war nicht hart wie eine Tramete, sondern total weich und lapperig und leicht ablösbar. Von Skeletocutis odora hab ich keine Beschreibung und die einzige im Internet verfügbare scheint in russisch zu sein. Dat hab ich aber nie gelernt. Auf jeden Fall sieht er im Internet nicht so aus wie meiner. Bei diesem Pilz geht es mir wie Peter. Keine Ahnung und davon ganz viel.

zu 5: Deswegen fragte ich nach einem portablen Mikroskop, nu sind die Pilze bisschen weit weg und wohl auch nicht mehr da. Ich hab noch mehr Schlauchpilze, bei denen ich im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Schlauch stehe (Kommen morgen ins Forum).

liebe Grüße

Andreas