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Re: Schmelzkrustenporling

Gernot, (vor 4389 Tagen) @ Till

Hallo Till,

ja, das von dir geschilderte Problem kennt wohl jeder, der schon ein paar mal Gruppen von Anfängern geführt hat. Die deutschen Namen nehmen halt oft Bezug auf ein kennzeichnendes Merkmal einer Art, das aber natürlich nicht immer ausgeprägt sein muss. Man könnte in viele Fällen zahlreiche neue Namen "erfinden", um alle möglichen Entwicklungsstadien und häufig vorkommende Wachstumsvarianten, die von "typischen" Fruchtkörpern einer Art abweichen, abzudecken. Bei Boletus pulverulentus ist die typische schwarzblaue Verfärbung hingegen immer ausgeprägt und auch leicht vor den Leuten zu demonstrieren - deshalb sehe ich jetzt nicht unbedingt die Notwendigkeit, einen kaum bekannten "Volksnamen" einzuführen, der in keinem Pilzbuch aufscheint, wenn bereits ein passender und gebräuchlicher deutscher Name existiert.

Natürlich muss man auch sagen, dass die deutschen Namen ja schließlich und endlich der Kommunikation und Wissensvermittlung dienen und so freilich jeder Name, der diese fördert, seine Berechtigung hat.

Schöne Grüße
Gernot

Hallo, Gernot,
das mit der "Gebräuchlichkeit" ist so eine Sache. Ich habe das ja
getestet, indem ich den schwedischen Namen "Trollhand" bei einer
Übersetzung ins Deutsche gleich übernommen habe. (Wie soll man das nennen?
Einen "importierten Volksnamen"?) Frag mich nicht, wie
Hypocreopsis lichenoides früher bei uns genannt wurde, das müsste ich
nachschauen - heutzutage hört man bei uns nur "Trollhand" (wenn
man überhaupt mal was von dem Pilz hört).
Also, man kann mit etwas Geduld und publizistischer Unterstützung durchaus
auf die Änderungen bestimmter deutscher Namen hinwirken. Mein Traum, eine
eingängige Alternative für "Rotrandiger Schichtporling" zu
finden, hat sich leider bisher nicht erfüllt. Der Pilz ist halt nur in
einem bestimmten Stadium rotrandig und im Herbst, wenn die meisten
Pilzführungen stattfinden, oft nicht mehr. Da steht man dann vor einem
solchen Teil und hat - wenn man Glück hat! - noch so einen blassgelben
Streifen am Rand. Meistens ist alles Grau in Grau. Und dann erklär vor 30
Laien mal das "rotrandig" (oder die "Schicht") ... Ich
war schon mal bei "Schmelzkrustenporling" (im Gegensatz zur
verkohlenden Kruste des Zunderschwamms, wenn man ein Zündholz dranhält).
Das ist zwar kein "Volksname", sondern eine Kopfgeburt von mir,
die aber immerhin ein typisches Merkmal des Pilzes in allen
Entwicklungsstadien beschreibt. Sicher, schön ist der Name auch nicht, das
gebe ich zu ... Aber damit befindet er sich ja in bester Gesellschaft.
Alles Gute!
Till
Hallo Till,


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