Re: PSVler - Jargon – eine Betrachtung ;-)
Hallo Thomas,
Ich danke Dir für diese kleine Betrachtung, ich ereifere mich da auch gerne.
jetzt muss der „Dudenpolizist“ auch mal seinen Senf dazu geben: Gelbfiebers
Vermutung, dass das „Ansprechen“ eines Pilzes seinen Ursprung in der
Jägersprache hat, ist gar nicht so abwegig. Allerdings müsste dann schon
wesentlich länger „angesprochen“ werden, weil die Jägersprache schon sehr
alt ist.
Nicht unbedingt. Die Phrase kann schon aus diesem Bereich (Jägerei) entlehnt worden sein - es würde dann allerdings gegen das 'Alter' fachmykologischen Jargons sprechen
Meist ist es doch so, dass ein Didakt und Vorbild 'plötzlich' Sprachwendungen einführt (aus Jux und Dollerei, und das womöglich noch aus anderen Fachbereichen), die von den Adepten benutzt und weitergegeben werden.
Der Ausdruck selbst ist aber erst seit wenigen Jahren „in“, so
dass ich einen anderen Ursprung befürchte: In englischen
(wissenschaftlichen) Publikationen wird auch mal des öfteren
„angesprochen“ („to respond“, „to ask“, „to bring up“ – wobei einige
Begriffe im Sinne von „Wirkung zeigen auf etwas“ benutzt werden). Bei
nachlässigen Übersetzungen wird dann „etwas ansprechen“ im Sinne von
„identifizieren“ benutzt. Vielleicht, weil etwas viel „identifiziert“
wurde, um Wortwiederholungen zu vermeiden…
Aus einem Übersetzungsfehler generiert!? Interessant!!! Ich will jedoch in diesem Falle ("to respond", "to ask") nicht so recht dran glauben, weil hier die 'Aktivität' beim Objekt liegt: Irgendetwas spricht an - und nicht beim Subjekt: Ich spreche etwas an. Schließlich wird "der Pilz angesprochen". Auf jedenfall ist Deine Idee der Übersetzungsfehler überlegenswert.
„Nachlässig“ deshalb, weil hier der Sinn des englischen Begriffes verdreht
wird. Das ist so ähnlich wie die Übersetzung von „it makes sense“ mit „es
macht Sinn“. Weder im englischen noch im deutschen Sprachgebrauch kann
„etwas Sinn machen“, sondern nur „Sinn haben“ oder „Sinn ergeben“. Ebenso
ist die „Bush-Administration“ einfach nur die „Regierung von Präsident
Bush“ (administration = Regierung) und sonst nix! Ganz extrem ist das bei
Politikern so beliebte „auseinander dividieren“, was so viel wie ein
weißer Schimmel ist. Zugegeben: An dem Schludrian sind die Medien nicht
ganz unschuldig, und die Eitelkeit so manchen Journalisten.
*grins* ich würde den letzten Teilsatz so formulieren: ",und das Unvermögen so mancher Journalisten" 
Deine Vermutung, dass mit dem „Ansprechen“ eines Pilzes eine „persönliche
Beziehung“ zu dem Objekt der Begierde hergestellt wird, kann ich nicht
teilen.
Ich auch nicht
Viel eher will sich der Vortragende – m. o. w. bewusst – mit einer
geschwollenen, aufgeblähten Sprachweise von seinem Auditorium abgrenzen,
nach dem Motto: „Ich weiß mehr als ihr, ich bin besser als ihr! Belästigt
mich nicht mit dummen Fragen!“
So barsch hätt ich das jetzt nicht ausgedrückt
Natürlich ist Jargon naturgemäß ein 'Sprachspiel'; gäbe es das Problem des Identitätsnachweises (Kompetenznachweises) nicht, gäbe es auch keinen Jargon.
Man kann es auch auf die Spitze treiben: „Der Fungus ist in seiner
sozialrelevanten Struktur als ein sozioökonomisches Phänomen mit der
Fähigkeit zur Supplementation frustrationshemmender Substanzen
anzusprechen (sic!).
Ein bisschen kurz
Theodor W. Adorno hätte da noch mehr Sätze draus gemacht.
Dabei muss auf seine Funktion zur Repression unterpriveligierter Schichten,
sogenannter „Pilzsammler“, besonders eingegangen werden.“
Sprich: „Pilze sind essbar, es gibt auch giftige!“
*schmunzel*
Im Deutschen sollte man nur jemanden ansprechen, von dem man auch wirklich
eine Antwort erwarten kann. Wer das bei Pilzen macht, ist wohl recht
einsam
Ein sehr schöner Satz, und so mehrdeutig.
Grüßle
Juergen
