Re: Hygrocybe coccinea vs H. reidii

Svampskogen, (vor 5081 Tagen) @ haseneier

Hallo Martin

In der Schweiz gibt es 12 geschützte Pilzarten, bin mir aber nicht mehr ganz sicher, ob dadurch auch ihr Lebensraum geschützt sein sollte (natürlich nur theoretisch).
2011 wurde vom Bundesamt für Umwelt ein Bericht über die Saftlingswiesen der Schweiz veröffentlicht. Thema war Vegetationstyp und Bewirtschaftung. Untersucht wurden (vor allem) Flächen, die über ein Vorkommen von geschützten Arten verfügten (Hygrocybe calyptriformis oder Clavaria zollingeri). Ob es konkrete Pläne zum Schutz dieser Wiesen gibt, ist mir leider nicht bekannt.
Glücklicherweise sind Saftlingswiesen in den Alpen aber noch einigermassen verbreitet. Die saftlingsreichen Wiesen sind im Frühling oft auch reich an Orchideenarten und anderen speziellen Pflanzen (jedoch nicht zwingend).

Beste Grüsse Svampskogen

Salu Svampskogen
H. insipida kenn ich eigentlich, wächst vereinzelt sogar in meinem Garten (7
Hygrocyben bisher hier, zweitbeste bekannte Saftlingswiese von Passau). H.
insipida ist für mich aber schmächtiger mit deutlicherer gelber Randzone.
Die hier fraglichen Fk sind auch nicht so insipidamäßig rasch von rot über
orange nach gelb gegangen, sondern nur so hygrophan vom Zentrum aus zu
einem blasseren orangeockerlichen Ton abgetrocknet, also teilweise ähnlich
wie H. cocc., andereseits nicht ganz so regelmäßig konzentrisch wie diese,
schien mir jedenfalls. Klebrig schleimig waren sie nicht, höchstens feucht
und am Hut geringfügig fettig-glitschig. Das war aber vielleicht auch nur
das feuchte Wetter am Fundtag.
Wo ich noch am Weitersuchen bin (und hoffe, daß mir der bestellte Boertmann
bald zugestellt wird) ist diese Unklarheit mit H. marchii: Der wird ja
auch sehr ähnlich beschrieben und abgebildet incl "kerbrandig",
und manche Autoren interpretieren ihn als Varietät von H. coccinea, andere
als Synonym für reidii bzw. als Abart von diesem ohne Honiggeruch. Von
daher würde H. marchii also perfekt passen,jedenfalls wenn man nicht
letzte Eindeutigkeit anstrebt :D
Inzwischen hab ich in einem alten thread von Dir ein paar interessante
Literaturlinks zu den Waxcaps gefunden, hab sie mir schon gezogen und
werde sie bald studieren.
Ich hab gerade einen Narren gefressen an den Saftlingen, außer der Schönheit
fasziniert mich ihre mögliche Rolle bei der Bewertung von naturnahem Gras-
bzw. extensiv/traditionell bewirtschaftetem Weideland.
Außerhalb der Alpen sind solche Flächen in Mitteleuropa ja extrem rar
geworden und der Schutz der wenigen Reste ist dringend angesagt. In
Deutschland ist (im Unterschied zu den britischen Inseln und Skandinavien)
bisher wenig bekannt, wie aussagekräftig Saftlinge als Zeiger
schutzwürdiger Stellen sind. Wie sieht es da bei Euch in der Schweiz aus?
Habt Ihr schon Naturschutzausweisungen aufgrund von Pilzvorkommen?
Hier ist übrigens nach wie vor 1a Saftlingssaison, war heute 5 Stunden
unterwegs und hab in unmittelbarer Nähe meines Wohnorts Passau
(Südostbayern, an der Grenze zu Österreich und nicht so weit von
Tschechien) 5 bisher nicht bekannte Saftlingsstandorte gefunden, einer mit
ca. 9 Arten incl H. punicea, H. ingrata, H.lacmus var. flavipes und
Porpoloma (metapodium?, den stell ich gleich noch ein), die ich alle hier
in der näheren Umgebung noch gar nie gefunden hatte ( ich bin Ende 50 und
seit frühen Jahren auf Pilzpirsch!)
So viel für heute, Tschau
Martin

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