Re: Wer definiert "selten"?

Stephan, (vor 7775 Tagen) @ Boletus

Zur Antwort auf deine Frage:
So weit ich das mitbekommen habe, wird der Begriff "selten" auf jeden Fall regional bezogen definiert (z. B. im Verbreitungsatlas Deutschland bzw. im Verbreitungsatlas Baden-Württemberg von G. J. Krieglsteiner), und dann in Abhängigkeit davon, in wieviel % der MTB-Quadranten in einer Region Fundvorkommen zu verzeichnen sind/waren. A. a. O. werden folgende Verbreitungsklassen unterschieden: sehr selten, selten, zerstreut, mäßig verbreitet, stark verbreitet, gemein (G. J. Krieglsteiner, Die Großpilze Baden-Württembergs, Band 1, S. 50). "Selten" bedeutet dabei: kommt in 1 bis 5 % der Quadranten der betrachteten Region (auf 1 - 5 % der Fläche) vor.

Diese Definition von "selten" ist m. E. nicht ganz unproblematisch. Ein auf diese Art ermitteltes "Selten" kann auch heißen: Art wurde von den Kartierern nicht erkannt, Art wurde von den Kartierern übersehen, die Kartierer gehen zu selten in den Wald, die Kartierer gehen nicht an die richtigen Stellen (z. B. unzugängliche Stellen), die Kartierer schwärmen nicht beim richtigen Wetter aus, die Kartierer stehen zu spät auf (wenn die Mykophagen alles schon abgesammelt haben), eventuell stehen in einer Region auch nicht genügend Kartierer zur Verfügung (z. B. habe ich mich schon immer gefragt, weshalb die total genialen Pilzgebiete Vogelsberg/Hessen, Nördlicher Spessart, Virngrund/Frankenhöhe im BRD-Verbreitungsatlas von 1992 so relativ "schlecht" wegkommen, andere Pilzgebiete dagegen als "Eldorado" erscheinen, wie der nördliche Schwarzwald oder der Schönbuch bei Stuttgart, wo ich noch nie was Gescheites zusammengefunden habe, und die seit 1999 auch noch stark "verlothart" sind).

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