Re: Sinn einer Pilzkartierung

Andreas ⌂, (vor 7774 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,

zunächst muss ich mich als "Kartierungs-Fan" outen und kann nur alle die sich dafür erwärmen können bitten, ihre Daten in welcher Form auch immer (DGfM-online, DGfM2000, Karteikarten, Fundlisten ...) zur Verfügung zu stellen.
Für jedes Bundesland gibt es einen zuständigen Länderkoordinatoren, den ihr gerne von mir erfahren könnt. Er/Sie freuen sich mit Sicherheit über Mitarbeit, in welchem Umfang auch immer!!

mit diesem Gedanken quäle ich mich schon länger herum: Was macht es für einen
Sinn, zu kartieren, wenn die Kartierung nicht flächendeckend über die BRD
vorgenommen wird? Klar, irgendwann muss man ja Mal anfangen, ein
flächendeckendes Netz aufzubauen. Aber sind nicht die Datenbestände bis
dahin unbrauchbar, weil sie schlicht unvollständig vorliegen?

Ein flächendeckendes Netz gibt es schon lange, aber in verschiedenen Gebieten wird eben auch unterschiedlich intensiv kartiert. Selbst innerhalb von Ba.-Wü., dem Bundesland mit der größten Datenmenge gibt es regional große Unterschiede. Für die Ba.-Wü.-Flora hat Krieglsteiner uns deshalb "mit Gewalt" in die unterkartierten Gebiete gescheucht, so habe ich zwei Jahre lang im Rheintal "zwangskartiert". War nicht so gerade mein Traumgebiet, aber ich habe dadurch auch etliche Arten kennengelernt, die mir in meiner Umgebung nie begegnet wären.
Auch in Niedersachsen haben die Wöldeckes eine ständig aktualisierte Übersicht
über den Bearbeitungsstand ihrer MTB/Qs (manuell), so dass sie gezielt in bisher unbearbeitete Flächen gehen um dann mehr und mehr ein aussagekräftiges Bild zu bekommen.
Das ist natürlich ein Projekt, das keine schnell sichtbaren Erfolge zeigt. Und indem der Beitrag eines jeden einzelnen Mitarbeiters für sich genommen nur ein Puzzle-Teil ist.

Vielleicht hinkt der Vergleich auch, aber mein Geschichtslehrer hat
seinerzeit erzählt, als wir den 2.WW durchnahmen, dass das Weglassen
ebenso wie das Fälschen von Informationen Propaganda ist und nichts mit
der Wirklichkeit zum tun hat. Vielleicht überspitzt, aber bevor die Daten
nicht durchgehend bundesweit erfasst werden, macht eine Auswertung der
Daten nur bedingt Sinn?

Ja, bedingt ist vielleicht richtig. Aber es gibt gut erfaßte Arten und es gibt schlecht erfaßte Arten. Das zu entscheiden und welche Schlußfolgerungen daraus vielleicht gezogen werden können, das ist Sache des Auswerters. Dazu gehört eine gute Felderfahrung im entsprechenden Gebiet und eine Vorliebe für ökologische Fragestellungen. Aber ich denke schon, dass man mit dem Datenbestand den die einzelnen Länderkoordinatoren haben einiges anfangen kann.

Schau Dir doch als Beispiel die Ba.-Wü.-Flora an. Klar sind da auch viele Arten dabei, bei denen man mit dem jetzigen Datenbestand nicht viel aussagen kann. Aber für nicht wenige Arten sind doch auch recht konkrete Verbreitungs- und Ökologiemuster klargeworden (aufs Untersuchungsgebiet bezogen natürlich).
Und auch hier hat "man" mal mit der Eingabe der ersten Daten begonnen und erst nach Jahren war der Datenbestand groß genug um irgendwelche Auswertungen machen zu können.

Wahrscheinlich übersehe ich als Pilz-Laie gerade etwas - was meint ihr?

Vielleicht siehst Du nur die DGfM-Onlinekartierung? Wohlgemerkt: Ich gehe hier immer vom Gesamt-Datenbestand aus. Die Onlinekartierung ist auch nur ein Puzzleteil des Ganzen!

Unterkartierte Arten wird es "immer" geben, aber das kann man in gewissem Maße auch berücksichtigen. Wenn ich eine Verbreitungskarte eines unscheinbaren dungbewohnenden Tintlings betrachte und sehe, dass er gehäuft im Umkreis von Mönchengladbach (Benders Wohnort) auftritt, ferner auf den Nordsee-Inseln (Insel-Tagungen von Grauwinkel et al.) und dann vielleicht noch im Ulmer Raum (Enderle), dann ist eigentlich klar, dass diese Art von gezielt Suchenden praktisch überall gefunden werden müßte und dass man die Verbreitung nicht als "atlantisch, selten bis ins Donautal vordringend" oder sowas in der Art bezeichnen darf. Da habe ich aber die feste Überzeugung, dass die zuständigen Auswerter der Daten das bedenken und nach bestem Wissen zu berücksichtigen wissen.

Jeder Kartierungsbeitrag, besonders wenn korrekte Ökodaten dabei sind (lieber weniger und dafür nix falsches!), bringt ein kleines Stückchen weiter!

Gruß, Andreas

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