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Re: Morcheln = Pionierpilze?

Violet, (vor 6475 Tagen) @ Mycelio

Hallo zusammen,
bin ja sonst nur stiller Mitleser, aber zum Thema Morcheln habe ich viel
recherchiert, ein paar Zuchtversuche unternommen und kann ein paar Infos
beisteuern.
Mycelien von Morcheln und Verpeln untescheiden sich stark von denen anderer
Pilze. Einmal wachsen sie irrsinnig schnell, bei günstiger Witterung ein
paar Zentimeter pro Tag. Dafür brauchen andere ca. eine Woche bis einen
Monat. Zum anderen bilden sie Sklerotien, d.h. sie speichern ihre
Nährstoffe in knollenartigen Strukturen, die sehr viel besser mit Hitze,
Trockenheit oder Bodenbewegungen zurecht kommen als normales Mycel.
Sklerotien werden bevorzugt an nährstoffarmen Stellen gebildet, also im
Sand oder zwischen Steinen, wo nicht viel Konkurrenz herrscht. Zusätzlich
kommen die Morcheln mit extremen PH-Werten bzw. hohen Ascheanteilen
zurecht. Ich denke durch all diese Besonderheiten kann man Morcheln ohne
Probleme als Pionierpilze bezeichnen. Vereinzelt finden sich aber auch
Beschreibungen von standorttreuen Morcheln, z.B. unter Eschen oder alten
Apfelbäumen, genauso wie Behauptungen, Morcheln könnten eine primitive Art
von Symbiose mit Baumwurzeln bilden.
Zu den Brandstellenmorcheln (die auch hier vorkommen) kenne ich zwei
Theorien. Eine besagt, daß einige Sklerotien den Waldbrand überstehen, im
Spätherbst Mycel austreiben und dann freie Bahn auf dem weitgehend
sterilen Substrat haben. Die andere geht davon aus, daß Sporen auf der
Asche landen und in Windeseile soviel wie möglich erobern. Was mich daran
stört ist, daß die Sporen ja nur im Frühling rumfliegen, während es doch
eher im Herbst brennt... Morchelsporen fackeln auch nicht lange, sobald es
feucht genug ist, keimen sie innerhalb von Stunden. Andere Arten warten da
schonmal Tage, Wochen oder Monate.
Bzgl. RiMuMos vermute ich ebenfalls ein gestörtes Biotop. Schließlich werden
meist Blumenbeete gemulcht, die oft hoffnungslos überdüngt sind. Nach ein
bis zwei Jahren werden einfach die Nährstoffe verbraucht sein oder das
Mycel ist abgewandert. Siehe hier:
http://green-24.de/forum/ftopic1647.html
Da wandern die Spitzmorcheln seit Jahren durch den Garten, während die
Besitzerin sie gern los wäre...
Grüße, Carsten

Lieber Carsten, das fand ich sehr interessant, was du schreibst! Ich werde daraufhin mal versuchen, eine getrocknete Morchel auf Rindenmulch im Garten zu verkrümeln - mal sehn, was passiert (vermutlich aber nichts, weil die Morcheln schon ein paar Jahre alt sind). Was die Frau mit den Morcheln im Topf angeht, kann ich nur sagen: Es trifft immer die Falschen...:))
Liebe Grüße
Ditte

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